Der Februar ist da und mit ihm einer der ungemütlichsten Monate auf der Insel. Fangen wir also gleich mit der Wetterfrage an: „Wie ist das Wetter im Februar auf der Insel? Lohnt es sich, Sardinien im Februar anzusehen?“ ist für das schwarze Schaf eindeutig zu beantworten: „Wetter: Egal.“ und „Insel im Februar? Auf jeden Fall!“

Jaaa, ich will ehrlich sein: Nasse Kälte charakterisiert den Februar. Es regnet viel und oft, und ohne Sonnen ist es furchtbar kalt. Meistens. Denn in manchem Jahr strahlt auch die Sonne tagelang vom azurblauen Himmel und Hochs sorgen für stabiles Wetter.

Boes e Merdules sind auch für Späße zu haben
Boes und Merdules unterm Regenschirm – auch wenn grad die Sonne scheint, kein dummes Utensil

Ich erinnere mich an einige sehr verregnete Zeiten auf Sardinien – und wie verhext war es immer im Februar. Und immer zum sardischen Karneval (der meist in den Februar fällt; Tipps und Termine weiter unten). Das hat sich bis heute nicht geändert.

Der sardische Karneval: Garant für schöne Februar-Erlebnisse

Einmal hatte ich mir in den Kopf gesetzt, das Reiterfest Sa Sartiglia in Oristano zu sehen. Ich landete damit in der absoluten Nebensaison. Das einfachste war noch, eine Mietwagenfirma zu finden – und der kostete auch fast nichts.

Oristano also. Ich war vorher noch nie dort und der Ort machte es mir zunächst nicht leicht: nur wenige Hotels gab es in der Stadt, kaum ein B&B oder Agriturismo hatte geöffnet – und wenn doch, war es wegen des Festes ausgebucht. Ein ziemlich gruseliger 3-Sterne-Schuppen bot mir noch ein Zimmer an. Da ich nicht im Schlafsack im Auto nächtigen wollte, nahm ich das.

Reiter und Regenschirme
Reiter und Regenschirme

Die Sartiglia ist ein tolles Fest und jeden Aufwand wert. Zwar regnete es fast die ganze Zeit, die Reiter galoppierten auf einer ziemlich matschigen Piste. Doch unterm Regenschirm bekam die Attraktion einen ganz eigenen Charme.

Ich fuhr danach weiter durch die Landschaft und gelangte nach Mamoiada, wo am Karnevalsdienstag die Mamuthones und Issohadores durchs Dorf tanzen. Dort durfte ich noch großartigere Eindrücke mitnehmen und habe trotz der feuchten Kälte gefeiert bis spät in die Nacht.

Wein und Lebensfreude wärmen eben doch von innen. Und dann ist das Wetter wirklich egal.

Hände weg von den einschlägigen Urlaubsorten

Willst du allerdings in einem der sonst üblicherweise von Urlaubern frequentierten Orte Urlaub machen und freust dich schon, dass das Zimmer mitten in Porto Rotondo oder Porto Cervo so billig zu haben ist – mach dich drauf gefasst, dass da gar nichts ist. Alles verriegelt, verrammelt, zu. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Also Hände weg von vermeintlichen Schnäppchen in den einschlägigen Touristendörfern – im Zweifel bist du bei Depriwetter in einem Ort gefangen, in dem kaum echte Einheimische leben.

Costa Smeralda im Regen
Nicht wieder zu erkennen: Costa Smeralda im Regen und im Winterschlaf

Nebensaison: Mach den Februar zu deinem Freund!

Aber mitten auf der Fahrt, als ich den Tempel von Antas besichtigen wollte und auch hier vor verschlossenen Türen stand, beschloss ich, den Februar zu meinem Freund zu machen – wissend, dass diese Eindrücke kaum ein anderer Reisender bekommt und dass ich hier in aller Exklusivität Urlaub machen kann. Plötzlich war alles gut.

Und in der tiefen Nebensaison wurde ja auch das schwarze Schaf geboren (die ganze Geschichte liest du hier und in Teilen im Artikel zu den schwarzen Schafen von Arbus).

Was interessiert mich, wenn irgendeine archäologische Stätte geschlossen ist? Dann wird halt über den Zaun und durch Buschwerk geklettert und die Hose schmutzig gemacht. Ich bin hier, ich will den sehen. Natürlich bei allem Respekt, und kaputt gemacht wird auch nichts. Aber ich erwarte auch nicht, dass sie irgendjemanden ins Tickethäuschen setzen, der sich nur für mich den Allerwertesten abfrieren muss.

Kein Panorama-Ausblick bis zum Meer? Pah, dann such ich mir halt andere Schönheiten!

Ich finde sie zum Beispiel am historischen Felsenaltar von Santo Stefano in Oschiri. Ein mystischer, einzigartiger Platz, an dem ich jetzt ganz allein bin und in aller Ruhe die Gegend erkunden kann.

Mystik auf Sardinien, am Felsenaltar von Santo Stefano

In einem riesengroßen Kleefeld, denn als die Sonne für ein paar Stunden rauskommt, öffnen sich die gelben Blüten und recken sich Richtung Himmel. Und das aufgewühlte Meer hat mir doch auch an der Nordsee schon immer so gut gefallen – warum also nicht hier?!

Und siehe da: Wer sich vom Postkartenimage löst, sieht die Schönheit der Insel auch im Grau.

Und im Grün! Denn auch diese Farbe erkämpft sich über Winter ihren Platz: Sardinien ist um diese Jahreszeit ein bisschen wie Irland: Fette Wiesen, Schafherden, grüne Hügelketten… Überhaupt erinnert mich die Route im Süden an den Ring of Kerry, den ich kurz zuvor gefahren war. Die traditionellen sardischen Klänge und Feiergesänge, speziell zu Karneval brauchen sich vor ihren gälischen oder keltischen Verwandten auch nicht zu verstecken. Wein statt Bier, damit kann ich auch leben.

Stausee bei Isili im Regen
Stausee bei Isili im winterlichen Regen – aber herrlich grün!

Insgesamt bleibt nur, auf gutes Wetter zu hoffen und sich bei schlechtem genau darauf einzulassen und sich zu arrangieren. Warme Kleidung, Regenkleidung, feste Schuhe. Bloß nicht frieren!

Wer also wegen ein paar „Hochs“ auf der Wetterkarte spontan bucht und kurzfristig mit dem Flieger hier landet, sollte sich auf das genaue Gegenteil gefasst machen und sich trotzdem nicht schocken lassen. Ich finde Sardinien im Februar übrigens ideal, um die rosarote Brille abzusetzen und vom Sardinien-Virus ein bisschen kuriert zu werden … 😉 Und lies auch gern den Artikel „Sardinien im Winter: Zeit für Perlentaucher“.

Mit dem richtigen sonnigen Gemüt und/oder einem fröhlichen Begleiter wirst du Sardinien im Februar von einer Seite kennenlernen, die kein Sommersonnestrandurlauber je sehen wird.

Sardinien im Februar: Feste und Events

Der antike Karneval dominiert den Februar. Tipps findest du in diesem Artikel: Der traditionelle Maskenkarneval auf Sardinien: Schönes, Schauriges und Spannendes

Die »Hochburgen« sind Mamoiada (Mamuthones e Issohadores), Ottana (Boes e Merdules), Oristano (Reiterfest Sa Sartiglia), Tempio (Wagenumzüge), …

Bosa beginnt den Karrasegare Osinku bereits eine Woche zuvor mit dem Umzug Laldaggiolu, bei dem lokale Größen ihr Fett weg bekommen. Oft begleitend: das Fest der Weinkeller / Festa delle cantine, bei dem lokale Weinbauern (z. B. in Magomadas, einem Tal südlich von Bosa) ihre Keller öffnen.

Sehenswert: Pferdepaare mit verkleideten Reitern galoppieren bei Sa Carrela e Nanti durch eine enge Straße in Santu Lussurgiu. In Orune, Benetutti, Irgoli, Macomer versuchen zwei oder drei Reiter im gestreckten Galopp über der Rennstrecke hängende Blumentöpfe / Pentolaccia mit einem Stab zu zerdeppern (am Sonntag nach Aschermittwoch). In Guspini gehen die elegant maskierten Cambas De Linna auf Stelzen und in Leinen gekleidet durch die Straßen. Verfolge in Sinnai die antike Hirschjagd Is Cerbus (Lesecode 14840) wie in einem Open-Air-Theater (Termin: 22. Februar). » Määähr Ideen auf den Folgeseiten. 

Pimentel feiert am 11. Februar das emotionale Fest derMadonna von Lourdes,mit einer Prozession zur Grotta Sa Ruta und abendlichem Fackellauf. 

An San Valentino (Valentinstag, 14. Februar) bieten viele Gastgeber Wellness-Wochenenden oder Spezialmenüs für Paare. Passendstes Ausflugsziel: Wasserfall San Valentino, im Zentrum von Sadali.  

Auf der Sinis-Halbinsel, zum Beispiel am See Stagno Sale Porcus, siehst du Kraniche und Störche auf der Durchreise oder ganzjährig hier lebende Flamingokolonien.  

Geheimtipp für ungemütliche Tage: Kunstmuseum MAN in Nuoro, das im Winter sorgfältig kuratierte Sammlungen präsentiert.

Alghero feiert Ende Februar die Sagra de Bogamorì / das Seeigelfest.

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