Zunächst die gute Nachricht: An Sardiniens über 1.800 Kilometer langen Küste sind die NICHT kostenpflichtigen Strände, ganz ohne Zugangsbeschränkungen, in der überwältigenden Mehrheit. Die (vermeintlich) schlechte Nachricht: Die Liste der kostenpflichtigen Strände Strände auf Sardinien wird trotzdem von Jahr zu Jahr länger (2024 sind es 16).

Das scheidet die Geister: Die einen – die Einheimischen und die Gemeinden und viele private Initiativen und Menschen, die hier leben – kämpfen für den Schutz der traumhaften Buchten mit kristallklarem Türkiswasser in bester Qualität. Und überhaupt für mehr Qualität als Quantität sowie einen nachhaltigen Tourismus.

Die anderen – die Touristen und Urlauber – wittern zum einen Abzocke und reine Geldmacherei. Die anderen wollen im Urlaub unbedingt an den einen, tollen Strand, von dem alle erzählen und den sie auf Face- oder Instadings gesehen haben und sind entsetzt, dass man „für die freie Natur zahlen muss“. Sardinien wirbt mit seinen Stränden – und jetzt sollen ausgerechnet wir verzichten?

Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer.

Sardiniens Strände sind wertvoll und einzigartig – ein Traum aus Türkis. Jeder will hin. Aber wenn das jeder tut, dann hat es sich was bald was mit Traum. „Einsame Bucht“ ist eh schon ein aussterbender Begriff auf der Insel.

Insofern sind die wenigen kostenpflichtigen Strände, deren Zugang zugunsten der Natur limitiert wird – so die bescheidene Meinung des schwarzen Schafs – doch ein guter Kompromiss.

Plus die eben schon erwähnte gute Nachricht:

Die überwältigende Mehrheit der Strände auf Sardinien ist kostenfrei nutzbar! Sogar alle, wenn du in der Nebensaison reist.

Mehr als 240 Strände – die 16 kostenpflichtigen Strände entsprechen 6,67%.
Auf dieser Karte, die einem Reiseführer beilag, sind 240 Strände verzeichnet (tatsächlich gibt es noch mehr kleine Buchten). Die 16 kostenpflichtigen Strände entsprechen 6,67 %.

Das Schaf hat weiter unten noch ein paar Gedanken zum „Warum“ aufgeschrieben. Vielleicht hat ja wer Muße und mag das lesen 🤗

Aber erstmal die aktuelle Liste der kostenpflichtigen Strände (Quelle: La Nuova Sardegna vom 12. April 2024) und die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Liste der reservierungs- und kostenpflichtigen Strände bzw. mit begrenzter Anzahl an Besuchern auf Sardinien

Stand April 2024 sind nur 16 sardische Strandschönheiten kostenpflichtig, mit einer maximalen Besucherzahl versehen und/oder zu reservieren. Die meisten Zugangsbeschränkungen gelten in der Hauptsaison, etwa Juni bis September. Für Kinder (das maximale Alter variiert, i.d.R. 6 oder 12 Jahre ) sowie für im jeweiligen Gemeindegebiet wohnende Sarden oder „residenti“ sind die meisten Strände kostenlos.

Die kostenpflichtigen Strände im Norden

La Pelosa – Stintino: Schon seit einigen Jahren ist der Strand zugangsbeschränkt, vom 1. Juni bis 31. Oktober. Von den 1500 täglich verfügbaren Plätzen können 750 reserviert werden, der Rest ist für Tagesgäste. Kosten: EUR 3,50 pro Person. Reservierungen werden für maximal 4 Erwachsene und frühestens 48 Stunden vor dem beabsichtigten Badetag und -zeit akzeptiert. Infos und Online-Reservierungen unter: https://spiaggialapelosa.it/

Einer der kostenpflichtigen Strände: An La Pelosa in Stintino dürfen vom 1. Juni bis zum 31. Oktober „nur“ 1500 Personen täglich baden. In der restlichen Zeit ist er hingegen herrlich leer – wir konnten im April sogar kostenlos parken.
Einer der kostenpflichtigen Strände: An La Pelosa in Stintino dürfen vom 1. Juni bis zum 31. Oktober „nur“ 1500 Personen täglich baden. In der restlichen Zeit ist er hingegen herrlich leer – wir konnten im April sogar kostenlos parken.

La Rena Bianca – Santa Teresa Gallura: Neu hinzugekommen 2024; 1050 Plätze können reserviert werden. Kosten und Buchungsmodalitäten sind noch nicht kommuniziert. Zur Saison sollen Infopoints an den drei Eingängen zum Strand eingerichtet werden, und eine Online-Reservierung soll möglich sein.

Cala Coticcio/Cala Brigantina – Nationalpark Arcipelago di La Maddalena. Die kleinen Buchten waren irgendwann derart überlaufen, dass die Teilnehmerzahl auf maximal 60 Personen pro Tag begrenzt werden musste. Kosten 3 Euro (online zahlbar) plus Kosten für den Guide, der obligatorisch ist, um in die Cala Coticcio und/oder die Cala Brigantina zu gelangen. Online buchbar für die Zeitfenster: 8-13 Uhr, 9-22 Uhr, 13.30-18.30 Uhr und 14-19 Uhr. Mehr auf www.lamaddalenapark.it inkl. einer Liste der Guides (Kontakt individuell per Whatsapp).

Piscine di Cannigione – Arzachena/Costa Smeralda: vom 15. Juli bis zum 31. August muss via App für einen halben oder ganzen Tag reserviert werden (ab 72 Stunden vor dem Einlass). Genauere Infos sollen zu Saisonbeginn folgen.

Cala Brandinchi e Lu Impostu – San Teodoro. In der vergangen Saison wurden von Anfang Juni bis Ende September täglich 1447 Personen an der Cala Brandinchi und 3352 in Lu Impostu zugelassen. Die Mehrkosten zum Parkplatzticket betragen EUR 2 bzw. für Anwohner in San Teodoro EUR 1, Residenti kostenlos. Die Preisliste und Zahlen werden voraussichtlich im Mai aktualisiert. Diese Strände sind jedoch nichts für Spontanbesucher – hier ist mit einigen Tagen Vorlaufzeit zu rechnen. Reservierung auf www.santeodorospiagge.it

Ein Strand für Dich allein: Cala Brandinchi
Ein Strand für Dich allein: Cala Brandinchi fuori stagione / außerhalb der Saison.

Oasi Biderosa – Orosei. Schon immer kostenpflichtig und eingeschränkt war der Zugang zum Naturpark Oasi Biderosa. Kosten pro Person EUR 3, zzgl. Parkplatz – zugelassen sind 100 Autos (Parkplatz EUR 12), 30 Motorräder (Parkplatz EUR 6) und 100 Fahrräder. Das Ticket wird am Eingang gekauft, im Juli und August ist empfehlenswert zu online zu reservieren: https://www.oasibiderosa.it/

Die kostenpflichtigen Strände im Golfo di Orosei / Supramonte marino

Für dieses Gebiet habe ich vor einiger Zeit einen separaten Artikel verfasst mit allgemeinen Informationen zu allen Buchten, auch für die nicht kostenpflichtigen Strände. Nachfolgend also die aktuellen Zahlen. Informationen auch auf: www.turismobaunei.it
(Die genannten Preise sind nur die Umweltabgabe und verstehen sich ggf. zuzüglich der Kosten für eine Bootstour, die etwa bei 30-40 Euro für Ausflugsboote ab Cala Gonone liegt. Das selbstgemietete Schlauchboot kann in der Saison auch 400-600 Euro kosten, je nach Größe).

Cala Goloritzè – Supramonte di Baunei. Um die Goloritzè wurde bereits 1993 ein 13,24 ha großes Naturschutzgebiet eingerichtet, kostenpflichtig ist der Zugang seit einigen Jahren. Sie ist nur zu Fuß in einer Wanderung in ca. 1,5 Stunden erreichbar (Achtung: Rückweg nur bergauf, ca. 480 Höhenmeter, ca. 2 Stunden; nicht an sehr heißen Tagen empfohlen). Maximale Besucherzahl: 250 Personen gleichzeitig, Kosten inkl. Parkplatz EUR 7,00 pro Person. Einlass zum Pfad ab 7:30 Uhr, letzter Abstieg um 15:30 Uhr, damit auf dem schmalen Pfad keine Probleme mit aufsteigenden Besuchern entstehen. Ein über das Meer ist NICHT möglich – bis 300 Meter vor der Bucht besteht Ankerverbot. Reservierung bereits ab April über die Webseite https://heartofsardinia.com oder die App „Heart of Sardinia“, das Ticket kann aber auch spontan am Eingang des Wanderpfades gekauft werden.

Kletterer, die nicht in die Bucht, sondern auf die Felsnadel Auguglia wollen, melden sich beim Tickethäuschen am Eingang des Pfades an; letzter Abstieg ist um 15 Uhr. Wer nach dem Klettern auch baden will, reserviert und zahlt ein Ticket wie alle anderen.

Derzeit nur per Boot: Cala Goloritzè
Cala Goloritzè vom Meer ausgesehen: Abstand / Ankerverbot bis 300 Meter vom Ufer, Zugang per Trek ab der Hochebene Golgo / Baunei.

Cala Luna – Dorgali/Baunei. Die Gemeinden Dorgali und Baunei arbeiten seit letztem Jahr zusammen, um die Zugänge zur beliebten Cala Luna zu regeln. Informationen stehen noch aus, werden aber spätestens Ende Mai erwartet. Bis dahin ist der Zugang per Wanderung oder Boot frei.

Cala Mariolu, Cala Biriola, Cala dei Gabbiani – Baunei. In der Cala Mariolu werden maximal 700 Personen pro Tag zugelassen, Zugang per Wanderung oder Ausflugsboot. Wer als Selbstfahrer mit dem Schlauchboot kommt, darf es 70 Minuten vor Anker legen. Es wird daher empfohlen auch die anderen beiden Strände zu besuchen, damit sich die Besucher und Boote besser verteilen. Gebühr jeweils 1 Euro, vor Ort zu entrichten.

Cala Mariolu im Supramonte di Baunei – maximal 700 Leute sind im Hochsommer erlaubt. Hier siehst du deutlich weniger im Mai. Und die Bucht ist frei zugänglich per Boot oder Trekking.

Cala Sisine – Baunei. War im Vorjahr auf der Liste, in diesem Jahr ist nur bekannt, dass die Zahl der Besucher pro Tag wohl 1600 betragen soll. Weitere Infos sollen folgen.

Die kostenpflichtigen Strände im Süden

Stagno Notteri, Villasimius
Eine Alternative, auch in der Hauptsaison ohne Einschränkungen: Stagno Notteri, Villasimius

Punta Molentis – Villasimius: Nur 150 Plätze sind im Voraus reservierbar (über www.villasimiussrl.it). Darüber hinaus gilt eine Grenze von 600 Personen oder 200 Parkplätzen pro Tag. Kosten: EUR 1, zzgl. Parkplatz

Porto Sa Ruxi – Villasimius: Maximal 450 Personen erhalten Zugang, keine Reservierung – also früh hinfahren. Eintritt kostenlos, Parkplatz kostenpflichtig.

Tuerredda – Teulada. Maximal 1.100 Personen (729 am öffentlichen Strand und 371 in den bewirtschafteten Liegezonen) werden eingelassen, Eintritt kostenlos, keine Reservierung. Beschränkung gilt vom 11. Juni bis zum 30. September.

An der Westküste gibt es in diesem Jahr gar keine limitierten oder kostenpflichtigen Strände.

Die meisten Besucher verteilen sich an allen genannten Stränden ganz gut über den Tag. Und wenn, dann sind die Strände nur im August ausgebucht. Insofern musst du grundsätzlich keine Sorgen haben, keinen Platz zu bekommen. An den absoluten Hotspots heißt es ggf. auf einen anderen Tag ausweichen.

Nun aber noch die versprochenen Gedanken des Schafs zum „Warum“ … Nein, ich hab’s nicht vergessen … 😜

Warum gibt es die kostenpflichtigen Strände?

Der allererste Grund, warum Strände kostenpflichtig sind, klang längst durch: Auf Dauer belastet der Mensch die Natur (wie eigentlich überall) – und hier speziell das Ökosystem Meer.

Das, was in unserem „Urlaubsausschnitt“ so perfekt wirkt, ist in Wirklichkeit sehr fragil. Das Mittelmeer ist durch Mikroplastik, Überfischung, Versauerung, Verlust der Artenvielfalt, Wetterextreme, Erwärmung und Abwässer heute arg gebeutelt.

Bei aller Schönheit sind einige Strände durchaus empfindlich und das natürliche Gleichgewicht kommt durch den zunehmenden Tourismus immer ärger ins Taumeln. Das unkontrolliert zuzulassen, gäbe vielen paradiesischen Orten auf der Insel den Rest.

Vielleicht sind auch 1500 Menschen täglich noch zu viel? Also, mir schon. La Pelosa, Stintino, in der Hauptsaison von oben betrachtet (Foto: Adobe Stock)

Für eine Insel ist die Küste in jedem Fall schützenswert. Viele Gemeinden erkennen das. Zwar ist man über wachsende Touristenzahlen einerseits erfreut – aber man sieht auch die offensichtlichen Nachteile. Manche Gemeinden und vor allem die ansässigen Einheimischen klagen schon über ein Zuviel an Urlaubern und haben gar Angst vor Massentourismus.

Letzteres haben sie wiederum mit ihren Gästen gemein.

Die Strände Sardiniens sind ein wahrer Schatz – und viele verlieben sich so sehr in Sardinien, dass es sie gar nicht stören dürfte, wenn mehr Strände kostenpflichtig werden, um sie zu schützen.

Bin ich jetzt schuld, nur weil ich Badeurlaub machen will?!

Badeurlaub auf Sardinien ist für viele ein Lebenstraum und erstmal ja nicht verwerflich. Sondern sehr verständlich. Immerhin gehören die Strände zu den schönsten im gesamten Mittelmeer.

Niemand denkt ja dran, mit seinem Strandbesuch vielleicht der Tropfen zu sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Auch die langfristigen negativen Auswirkungen sehen wir mit bloßem Auge nicht.

Also wird niemand in seinen drei Wochen Jahresurlaub freiwillig verzichten. Und so fahren alle hin in die Mini-Bucht und denken: Sollen doch die anderen draußen bleiben. Machen sie ja aber genauso wenig wie wir selbst von allein.

Wer hier ist, um Urlaub zu machen, sorgt sich auch selten um das, was in zehn Jahren ist. Das ist tatsächlich Aufgabe derer, die hier zuhause sind, und der Gemeinden.

Hautpsaison am Strand Berchidda. Der Zugang zum Nachbarstrand Oasi Biderosa ist (als Naturoase) schon immer limitiert und kostenpflichtig.

Aber da der Homo Turistensis ja trotzdem der „Schädling“ ist, muss man ihn eben mit der Nase drauf stoßen. Oder ihm kurz in den Geldbeutel greifen. Denn …

Wären wir überhaupt in der Lage, von allein das richtige Maß zu finden?

Leider fügen wir uns als Spezies nur so mittelprächtig in die Natur ein. Wer lang in der Stadt gelebt hat, hat vielleicht sogar den Kontakt zur Natur verloren.

Sardinien wäre sehr geeignet, dich wieder mit der Natur zu verbinden. Dazu musst du allerdings allein mit ihr sein oder in einem interessierten Nukleus wie der Familie oder einer Trekkinggruppe. Nicht mit 1500 anderen Touristen.

Das ist selbst in Natur- und Meeresschutzgebieten wie dem Supramonte marino im Golfo di Orosei oder dem Maddalena-Archipel schwierig. Da landen in der Hauptsaison, oft schon ab Mai, alle Nas‘ lang Ausflugsboote an und spucken Touristen aus, die sich mit ihrem Geraffel unvorsichtig ausbreiten.

Ab Mai graben sich die Ausflugsboote in den Strandsand. In der Hauptsaison landet mehrmals täglich allein die Flotte des Konsortiums Cala Gonone mit 11 Motorbooten mit einer Kapazität von 60 bis 350 Passagieren in den Buchten. Plus all die Boote, die privat oder mit Skipper gemietet werden.

Und wir kaufen die Tickets oder mieten uns auch ein Schlauchboot – obwohl wir in den meisten Fällen keine Ahnung vom Meer und dem Leben darin haben.

Wer schonmal eine von einer Schiffsschraube verletzte Meeresschildkröte gesehen hat, denkt plötzlich ganz anders über die vielen Freizeitkapitäne, deren eigentliches natürliches Habitat ein Konferenzraum ist.

Touristen parken Autos, wo sie sie besser nicht parken sollten. Als Grund wird genannt: Weil die Parkplätze voll sind. Aber statt auf die Idee zu kommen, dass dann wohl schon genug oder gar zu viele Leute da sind, stellt man sich wie die anderen ins Halteverbot und beschwert sich hinterher übers Ticket. Oder darüber, dass nicht ausreichend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. Dabei sind genug da – weil schon genug Leute da sind.

Die Strände wachsen ja nicht mit dem Tourismus. Im Gegenteil.

Strandbenutzung: Verwechslung mit dem Swimmingpool

Da hat der Strand sich zu Saisonbeginn also erholt und ist einigermaßen gesund. Und dann kommen wir. Verwechseln das Meer mit einem Swimmingpool.

Natürlich machen wir uns keinen Kopf, dass es für die nicht gut ist, wenn …

  • täglich Tausende sonnenmilch- und ölgebadete Körper ihre Rückstände an Sand und Meer hinterlassen (wo es keinen Filter gibt),
  • einige Gemeinden extra für uns das eigentlich für den Küstenschutz wichtige und nützliche Seegras entfernen, damit wir bequemer liegen können, es nicht müffelt und wir uns nur nicht über die „Algenplage“ (die es nicht ist) beschweren;
  • Touristen alle Jahre wieder Sand und Muscheln wegschleppen (Achtung, das wird richtig teuer!),
  • einige mit ihrem Auto oder Camper auf empfindlichen Dünen stehen oder auf Pflanzen, die den Strand festhalten sollen,
  • einige ihren gesamten Müll einfach liegen lassen, weil sie es gewohnt sind, dass ihnen jemand hinterherräumt,
  • Mülltüten in eine Parkplatzecke gestellt oder in der Wallachei entsorgt werden, wo der nächste starke Wind sie direkt wegträgt oder Möwen sie zerfleddern,
  • manchen egal ist, wenn der Wind am Strand eine Verpackung oder Dose wegweht, und sie nicht versuchen, sie wieder einzusammeln,
  • Kinder mit Quallen, Seesternen und Seeigeln Weitwurf spielen,
  • Hundestrände nicht respektiert werden,
  • und und und …

Kleine Frage: Warum sollte das alles kostenfrei möglich sein?

Kostenpflichtige Strände mag keiner. Müll ordentlich entsorgen aber auch nicht. Wer nach einmal Urlaub seinen Sonnenschirm oder anderen Müll einfach weglegt, soll gern eine Gebühr zahlen.

Nein, dass andere, sogar einige Sarden, das auch machen, ist kein Argument.

Das Meer ist ein Lebensraum für unzählige Arten, die ein Recht auf ein intaktes Zuhause haben. Mal abgesehen davon, dass ein intaktes Ökosystem Meer auch uns als Menschen, die wir an Land wohnen, zugute kommt.

Man kann das Meer nämlich nicht fix wiederherstellen, wenn eine Kachel abbricht oder ein Abfluss verstopft. Und man kann auch nicht einfach den Filter tauschen oder Schmutz schnell wegputzen.

Jedenfalls ist das Meer eben kein künstlicher Swimmingpool, den man nach Lust und Laune be- und ausnutzen darf oder sollte.

Relativ schnell kommt aber das Argument „Wir bringen ja im Urlaub Geld ins Land.“

Ja, dann tun wir das doch auch an dieser richtigen Stelle – und zahlen bereitwillig das Ticket, statt uns zu beschweren 🤗

Last but not least noch die Standardfrage des genervten Billigurlaubers, wenn er / sie irgendwo extra zahlen muss:

Ist das nicht nur Abzocke von Touristen?

Noch ne kurze Antwort: Nein. Die Einnahmen aus den Tickets fließen in der Regel in die Infrastruktur zum Schutz der Strände. Umweltschutz und Renaturierung sowie Entsorgung kosten richtig Geld. Und an vielen Stränden sind lokale Vereine eingesetzt, die für ihren Einsatz bezahlt werden wollen und sollen.

Gehen wir also erstmal davon aus, dass sich damit niemand bereichert, sondern „unser Geld“ dort eingesetzt wird, wo es Sinn hat. Das, was wir doch immer wollen.

Das Schaf hat trotzdem gerade Lust, zu rechnen. Denn im Einzelfall lohnt sich schon, genau hinzugucken – und zu differenzieren.

Ein kleines Rechenexempel …

Die Gemeinde Baunei nimmt für die Cala Goloritze nimmt bei 250 Leuten und 7 Euro für Ticket inkl. Parkplatz maximal 1.750 Euro pro Tag ein. Nehmen wir mal an, sie ist tatsächlich täglich ausgebucht für vier Monate, also 120 Tage, dann sind das maximal 210.000 Euro pro Saison, von denen alles bezahlt werden muss. Und da Umweltschutz das ganze Jahr betrifft, und hier teilweise auch übers Meer erfolgen muss, kann man sich leicht ausmalen, dass mit der Kohle keiner reich wird. Baunei lebt zudem von Aktivurlaubern. Für die Buchten im Supramonte würde ich tendenziell einen grünen Haken setzen. ✅

Skeptisch werde ich, wenn kein direkter Naturschutz erkennbar ist. Gleiche Rechnung also für 1447 Personen an der Cala Brandinchi und 3352 in Lu Impostu. Sind zusammen = 4799 Personen x 2 Euro = 9598 Euro pro Tag = 1.151.760 Euro in einer viermonatigen Saison für die Gemeinde San Teodoro. Runden wir ruhig ab: Rund eine Million Euro steht also zur Verfügung. Die wiederum sehe ich ad hoc nicht in Umweltschutzmaßnahmen investiert. So leid es mir tut. In und um San Teodoro sieht alles nach noch mehr Ferienhäusern, künstlich geschaffenen Freizeitangeboten aus. Schön für die Familien. Doch ein natürlicher, wertvoller Strand, den man unbedingt schützen möchte und viele bunte Wasserrutschen und Plastik-Spielgeräte im Meer sowie die immer noch dichten Menschenmengen auf den langen Strandstreifen passen zumindest in meinem Kopf nur mittelprächtig zusammen. Statt dessen schließt man die Schranke im Winter vollständig, wenn überhaupt kein Badetourismus zu befürchten ist. ❌

Die Reinigung nach der Saison vielleicht? Oder die Personal- und Betriebskosten, um alles wieder einzumotten? Bestimmt stehen da mehrere Personen in mehreren Schichten am Parkplatz. Zumal es nicht wirklich viel weniger Menschen zu sein scheinen. Abzocke würde ich das zwar noch nicht nennen – dazu weiß ich zu wenig über die tatsächliche Mittelverwendung. Würde mich aber tatsächlich interessieren. Denn ist ehrlicher Natur- und Küstenschutz das Motiv, sollte der Großteil des Geldes genau dafür verwendet werden (meine bescheidene Erwartung). Ansonsten ärgere ich mich auch übers Ticket und gehe nicht hin. Bleiben als Gäste in der Mehrheit die, denen das egal ist. ❌

Bei dem in diesem Jahr hinzugekommenen, bewirtschafteten Strand in Santa Teresa Gallura bleibt ebenfalls abzuwarten, ob und was wirklich für den Naturschutz getan wird. Schön wäre, wenn die Einnahmen oder ein wesentlicher Teil davon dem Meeresschutzgebiet Capo Testa zugute kämen, das von der Gemeinde Santa Teresa verwaltet wird. Wir werden sehen. ⁉️

Mehr Nachhaltigkeit im Tourismus – durch ein Ticket?

Diejenigen, die die Natur nur kurz zum eigenen Vorteil nutzen und dann wieder verschwinden, können meinetwegen ruhig zahlen. Das ist ein bisschen wie CO2 kompensieren: Nicht der Weisheit letzter Schluss und nicht das Allheilmittel – aber es hilft ein bisschen. Und es ist für viele von uns ein Anfang, um sich bewusst zu machen, was wir tun. Ein Hilfsmittel, bis Naturschutz und Tourismus irgendwann substanziell nachhaltig werden.

Nachhaltiger Tourismus ist und bleibt ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen.

Frage dich bei der obigen Liste einfach:

  • Muss ich wirklich ausgerechnet an die kostenpflichtigen Strände gehen?
  • Und das am Ende täglich oder in jedem Urlaub? Oder reicht es vielleicht einmal und dann besuche ich einen der vielen kostenlosen Strände?
  • Oder schau ich mal, ob ich auf Sardinien andere Dinge finde, die genauso schön sind?

Auf Seiten der jeweiligen Gemeinde müssen die Tickets weiter gedacht, gut zu Ende gedacht und an Umweltziele geknüpft werden. Vielleicht belohnt man ja mal Leute, die an Strandreinigungen teilnehmen oder mit ihren Kindern Ausstellungen zum Thema Natur und Umwelt besuchen, mit Freitickets. Oder macht Deals mit den Museen oder Kulturvereinen in der Region, um Leute ins Hinterland zu locken. Natur-Touren rund um den Strand, der von Flora und Fauna berichtet. Infotafeln, Audioguides …

Und bitte nicht vergessen: Schließt das, was unbedingt geschützt werden muss, auch ganz zu und überlasst es ganz und gar der Natur. Die ist sich selbst genug.

Vorteil der Tickets: auf zu den Alternativen!

Last but not least haben Tickets einen gewaltigen Vorteil: einen regulierenden Effekt auf den Besucheransturm – der sich damit in andere Inselregionen und andere Aktivitäten bewegen kann.

Vielleicht bewegt dich das Ticket ja zu einem Besuch einer der unzähligen archäologischen Stätten der Insel – beispielsweise zum Gigantengrab Coddu Vecchju hinter Arzachena.

Damit nicht nur die Strände, sondern auch die anderen Schätze Sardiniens etwas von unserem Inselbesuch haben:

Meine besten Tipp also, wenn Reservierungen und kostenpflichtige Strände nicht so dein Ding sind:

  1. Mache einen Ausflug in eine andere Inselregion, in der nicht so viel Tourismus ist, z. B. in den Südwesten
  2. Plane deinen Urlaub wenn möglich außerhalb der Hauptsaison – auch im Mai und Oktober kann man noch baden und – siehe oben – noch viele andere Dinge tun.
  3. Achte konsequent auf Nachhaltigkeit und Natürlichkeit in deinem Urlaub und hilf mit, die Strände zu schützen.

Wenn Sardinien dann konsequent und langfristig auf Qualität statt auf Quantität setzt, bleibt die Insel noch lang so schön, wie sie ist.

PS. – Vielleicht inspiriert dich ja auch mein eigener Reiseführer, in dem du viele Tipps für das ganze Jahr findest – das meiste abseits der Strände:

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