Das literarisch interessierte Kulturschaf folgt in diesem Beitrag den Spuren einer großen Sardin: Grazia Deledda, im Volksmund einfach „La Deledda“ genannt. Ihres Zeichens die einzige sardische und italienische Literaturnobelpreisträgerin. Die Werke der Deledda sind inhaltlich keine einfache Kost, geben sie doch einen tiefen Einblick in die sardische Seele und das wirklich wahre Leben auf der Insel.
Den Nobelpreis für Literatur erhielt Grazia Deledda 1926 für …
„(…) ihre von Idealismus inspirierten Werke, die mit Anschaulichkeit und Klarheit das Leben auf der Insel ihrer Geburt schildern, und die mit Tiefe und Wärme die Probleme des menschlichen Lebens im Allgemeinen behandeln.“
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1926/

Wer aufgepasst hat und rechnen kann: 2026 ist die Preisverleihung genau 100 Jahre her!
Zu diesem außergewöhnlichen Jubiläum haben die Kulturbeauftragten des Distretto Culturale Nuorese vom 22. bis 24. Mai 2026 ein Programm namens „Le Parole di Grazia“ organisiert – zusammen mit den Museen und archäologischen Stätten der Provinz Nuoro in sage und schreibe 20 Orten, inspiriert von den Worten der großen Schriftstellerin.

Für alle, die Italienisch verstehen oder lernen, aber auch für alle neugierigen und generell kulturell interessierten Menschen eine Einladung, die Region um Nuoro und die aktuelle Kraft der Worte Deleddas zu entdecken.
Und für das schwarze Schaf eine willkommene Gelegenheit, sich nochmal einige Orte ihres Wirkens und Schauplätze der Romane von Grazia Deledda in Erinnerung zu rufen.
Bevor es sich jedoch einzelnen Orten widmet, hier einige Hintergrundinformationen über Zeit, Ort und die persönlichen Umstände von Grazia Deledda.
Am 27. September 1871 als fünftes von sieben Kindern einer wohlhabenden Familie in Nuoro geboren, wuchs Grazia Deledda in einem kulturell geprägten Umfeld auf – ihre Geburtsstadt wird auch das „sardische Athen“ genannt.
Sie ging bis zur vierten Klasse zur Schule und lernte dann privat Italienisch, Französisch und Latein zunächst von einem Freund der Familie. Später setzte sie die Studien im Alleingang fort.
Früh beschäftigte sie sich mit Literatur und las die unterschiedlichsten Werke – von der Bibel über nationale Romane bis zu den großen ausländischen Autoren ihrer Zeit. Eine Freundschaft mit dem Archivar und Schriftsteller Enrico Costa aus der Region Sassari brachte sie dazu, selbst zu schreiben.
Sie war neugierig, burchikos, frech – und zielstrebig. Ihre erste Geschichte, „Sangue Sardo„, „Sardisches Blut„, veröffentlichte sie mit 17 Jahren.
Ihr Umfeld beäugte ihre Ambitionen trotz aller kulturellen Offenheit eher argwöhnisch: Sie wurde von Verwandten und Nachbarn angefeindet, so dass sie lange Zeit heimlich schrieb.
„La Deledda“ befand sich ständig in einem Wechselbad der Gefühle zwischen finanziellem Wohlstand und dramatischen Ereignissen in ihrer Familie: Der älteste Bruder gab wegen einer schweren Alkoholsucht sein Studium auf; der jüngste Bruder wurde kriminell; der Vater erlitt einen Herzinfarkt und starb; vier Jahre später starb auch ihre Schwester.
1892 begann sie eine Zusammenarbeit mit der „Rivista di tradizioni popolari italiane“ (Zeitschrift der italienischen Volkstraditionen) in Bologna, herausgegeben von Francesco de Gubernatis (manche sagen den beiden eine Affäre nach).
Sie machte schnell mit ihren Erzählungen und Novellen auf sich aufmerksam. Insbesondere „La via del male“ („Der Weg des Bösen„) löste die Bewunderung sowohl der einfachen Leute ihrer Heimat als auch die der italienischen Literaturkritiker aus. 1900 heiratete sie und zog nach Rom, wo sie zwei Söhne bekam, Franz und Sardus.
In Rom schrieb sie die meisten ihrer Werke – jedoch spielen alle auf ihrer Heimatinsel oder haben einen sehr starken Bezug zu Sardinien.

Die unverwechselbare Melancholie eines Sarden, der von seiner Heimat getrennt ist, klingt immer mit.
Man sagt Grazia Deledda ein fotografisches Gedächtnis nach. So konnte sie viele Beobachtungen aus ihrer kindlichen Welt und Details aus besuchten Dörfern in der Umgebung auch noch nach langer Zeit aufschreiben.
„Ich habe mit den Winden, den Wäldern und den Bergen gelebt, ich habe tagelang, monatelang und jahrelang das langsame Vorbeiziehen der Wolken am sardischen Himmel beobachtet, ich habe tausendmal meinen Kopf an Baumstämme, Steine und Felsen gelehnt, um dem Rauschen der Blätter zu lauschen, und dem, was das fließende Wasser erzählte; ich habe den Sonnenaufgang, den Sonnenuntergang und den Mondaufgang in der unermesslichen Einsamkeit der Berge gesehen; ich habe die Lieder und traditionelle Musik, die Legenden und die Erzählungen des Volkes gehört – und so hat sich meine Kunst geformt, wie ein Lied oder eine Melodie, die spontan aus den Lippen eines primitiven Dichters sprudelt.“
Nach ihrem Nobelpreis lebte sie ein sehr zurückgezogenes Leben. 1936 starb Grazia Deledda in Rom an einem Tumor.
Starten wir nun unsere Reise entlang der …
Ihr Geburtshaus befindet sich in der heutigen Via Grazia Deledda im historischen Zentrum von Nuoro und ist jetzt das „Museu deleddiano“ (Informationen auf www.isresardegna.it in italienischer Sprache).

(Kleiner Exkurs: Einige Schritte weiter gibt es ein echt empfehlenswertes, sardisches Restaurant mit Crossover-Küche: das Casa Ruiu. Im Sommer sitzt man im schattigen Garten – auch zum Mittagessen oder Aperitivo ein Tipp!)
Auch aufgewachsen ist Grazia Deledda in diesem alten Stadtteil Nuoros: San Pietro, sardisch: Santu Predu.
Es war das Viertel der Hirten und Grundeigentümer. Auch heute begegnet man hier in den Straßen ab und zu noch Leuten zu Pferd. Es soll sogar noch einige geben, die ein Pferd im Innenhof des Hauses halten, wenn sie in der Stadt sind, und zu Ländereien am Ortsrand reiten und es dort weiden lassen, während sie Oliven- oder Weinhänge pflegen. Oder auf den Monte Ortobene.
In Grazias Geburtshaus werden in zehn Räumen Manuskripte, Fotografien und persönliche Gegenstände der Schriftstellerin gezeigt, darunter natürlich auch der Nobelpreis und Details ihrer Reise nach Stockholm.
Das Museum ist ganzjährig geöffnet (montags geschlossen, im Winter verkürzte Öffnungszeiten) und es gibt mehrsprachige Audioguides.
Einen schönen, städtischen Spaziergang (nicht einmal einen Kilometer lang) macht man von dort zur „Chiesa della Solitudine“ („Kirche der Einsamkeit“) an der Straße, die auf den Monte Ortobene hinaufführt.
Hier liegen die sterblichen Überreste von Grazia Deledda (überführt aus Rom im Jahre 1959) in einem unspektakulären, schwarzen Sarkophag. Die Kirche wurde 1957 von dem nuoresischen Künstler Giovanni Ciusa Romagna gestaltet, der eine dort früher befindliche Kirche aus dem Jahr 1625 rekonstruierte.
Die sardische Künstlerin Maria Lai schuf in dem kleinen Park rechts ab der Kirche ihr letztes öffentliches Kunstwerk – es ist Grazia Deledda gewidmet.

Von hier könnte man auch eine relativ kurze, aber knackige Wanderung auf den Monte Ortobene unternehmen: Es geht ca. zwei Stunden bergauf bis zur Statue des Erlösers (Redentore).
Eine Prozession hinauf wird auch während eines der wichtigsten religiösen und kulturellen Feste Sardiniens unternommen: „Il Redentore“ (jährlich am 29. August). Die bunte Prozession aus vielen Dörfern Sardiniens führt bis zur Statue hinauf, dort wird eine Messe gefeiert.

Der Berg, 955 Meter hoch, ist der Schauplatz des Romans „Der Alte vom Berg“ (Il vecchio della montagna) und „Schilf im Wind“ (Canne al vento).
Grazia Deledda zeichnet ihn als einen mystischen, aber auch idyllischen Ort:
„… dort unten, rings um den Schafstall, war der Ortobene ganz und gar ein Zauber aus Felsen, Wäldern und Lichtungen … das Moos bedeckte Steine und der Efeu auf den hohen Felsspalten ließ seine Büschel vom Wind liebkosen.“ (aus: Der Alte vom Berg)

In ihren Werken beschreibt Deledda auch die Kirche „Nostra Signore del Monte“, die um 1600 auf dem Gipfel erbaut wurde und einige kleine Hütten („cumbissias“), in denen Pilger Unterschlupf fanden und sich hier sich auf religiöse Feste vorbereiteten. Eine weitere Kirche, die Kirche von Valverde (grünes Tal, sardisch: „Balubirde“) wird im Roman „Canne al vento“ beschrieben.
Was macht Nuoro aber so besonders, dass aus diesem Ort eine Literaturnobelpreisträgerin geboren wurde?
Nuoro war um die Jahrhundertwende die kulturelle Oase der Barbagia – und Inspiration für die junge Deledda. Man nannte es auch „das sardische Athen“ – „l’Atene sarda„.
Viele Künstler trafen sich hier, vom Musiker bis zum Poeten, vom Maler bis zum Bildhauer: Sebastiano Satta, Francesco Ciusa, Antonio Ballero, Giacinto Satta, Priamo Gallisay und Pasquale Dessanay.
Ausländische Intellektuelle wie D. H. Lawrence waren begeistert und brachten die künstlerischen Errungenschaften auf den Kontinent – und verhalfen Nuoro so zu seinem Spitznamen.
Auch heute beherbergt Nuoro ein großartiges Kunstmuseum: das MAN – Museo d’Arte della Provincia di Nuoro (www.museoman.it).

Das „Museo del costume e delle tradizioni popolari di Nuoro“ zeigt zudem: volkstümliche Kostüme und Traditionen aus Nuoro. Im September findet eine europäische Wissenschaftsnacht statt („La notte dei ricercatori„). Auch Archäoliogieinteressierte finden im nationalen Museum in der Via Mannu wertvolle Hinweise auf die sardische Frühkultur: Museo Archeologico Nazionale. Auf der musikalischen Seite ist das Festival „Nuoro Jazz“ zu erwähnen, das Ende August/Anfang September stattfindet.
Tipp für die Übernachtung in Nuoro: Ein sehr hübsches und nettes B&B ist das „Nughe’e’Oro„, von der Veranda gibt es einen traumhaften Blick auf den Sonnenuntergang am Monte Gonare (nicht von der Lage in einer schmucklosen Seitenstraße abschrecken lassen). Auch mitten im Zentrum wohnt man schön und modern im B&B Graffiti in Barbagia. Ganzjährig eine sichere Bank ist das Hotel „Il Sandalia„, auf einem Hügel am Stadtrand gelegen, von dem man die Stadt bis in das Hinterland überblickt. Das Hotel wirkt auf den ersten Blick schlicht, die Zimmer sind aber geschmackvoll und sauber und hier und da findet sich Sinn für Kunst und Kultur. Zuletzt wohnte ich
Etwa 15 Kilometer lang schlängelt sich eine kleine Sandstraße (Luftlinie ca. 8 Kilometer) ausserhalb der heutigen Stadtgrenzen von Nuoro durch ein Tal und dann hinauf in das kleine Dorf Lollove.
Heute ist es fast vollständig verlassen, aber zur Zeit des Deledda-Romanes „La Madre“, „Die Mutter“ gab es dort noch ein paar Einwohner – und eine Kirche, die auch heute noch steht: Die „Cattedrale di Santa Maria della Neve„.
Die auf Wunsch eines Bischofs hier erbaute Kirche steht auf dem Hügel „Sa Tanchitta“ und wirkt fast etwas überdimensioniert für das kleine Dorf. Hier erleben die Protagonisten (ein junger Priester, der sich in eine junge Frau aus Lollove verliebt und deren Mutter, die diese Beziehung zu verhindern sucht) ihre dramatische Geschichte. Eine Tafel an der ersten Kreuzung in Lollove weist auf Grazia Deledda und die verschiedenen Orte ihres Wirkens hin.
Der Ort ist wunderschön am Fuße des Monte Lollove gelegen, und auch heute werden im Herbst einige Feste hier gefeiert. Zum Beispiel macht der „Autunno in Barbagia“ hier Station, und ein Kirchenfest lockt die früheren Bewohner zurück. Lest dazu auch unseren Artikel auf pecora-nera: Lollove ~ das charmante Geisterdorf.
Von Lollove gelangt man über eine kleine Provinzstraße nach 37 Kilometern nach Bitti – oder wie Grazia Deledda den Ort in ihren Romanen nennt: „Tibi“. Der Ort ist Schauplatz in „Colombi e sparvieri„, „Due miracoli“ und „Il padre„. Im Roman „Colombi e sparvieri“ wird eine Friedenszeremonie beschrieben, die 1887 hier zwischen den Dörfern stattfindet.
Außerdem wird stets die Wallfahrtskirche „Santuario di Nostra Signora del Miracolo“ erwähnt, die etwas außerhalb auf den Hügeln von Gorofai liegt.

Ein viertägiges religiöses Fest, Su Miraculu genannt, findet hier jährlich Ende September statt, an dem in Trachten gekleidete Gruppen der umliegenden Dörfer die Marienstatue in einer langen Prozession zuerst ins Dorf bringen, und dann wieder zurück ins Santuario. Der sardische Tanz, Gesang und ein gutes Abendessen für die Teilnehmer werden dabei nicht fehlen. Wer sich dafür ernsthaft interessiert und die religiösen Momente respektiert, kann natürlich auch als neugieriger Reisender Kontakt suchen und teilnehmen.
Das Kulturschaf stapft dann natürlich auch in das Multimedia-Museum „Canto a Tenores“. Denn Bitti ist und bleibt in erster Linie berühmt für seine Tenöre, die aber wenig mit den Carusos dieser Welt gemein haben. Der „canto a tenore“ ist eine der ältesten musikalischen Ausdrucksformen Sardiniens. Vier Männer mit unterschiedlichen Stimmen – „bassu“ (Bass), „contra“ (Bariton), „mesu oche“ (Altstimme) und „oche“ (Vorsinger) – stehen im Kreis und singen polyphon. Diese Kunst gehört zum “Immateriellen Erbe der Menschheit” der UNESCO.
Sehenswert ist auch der Nuraghenkomplex Su Romanzesu, etwa 13 km außerhalb von Bitti, der aber keine Rolle spielt – er war zu Deleddas Zeiten noch nicht ausgegraben.
Tipp für die Übernachtung in Bitti: Eine schöne alte Villa auf einer Hochebene bei Bitti beherbergt das traditionelle Hotel & Restaurant „Su Lithu“ (auf Booking // www.sulithu.it). Im Ort wohnten wir einfach, landestypisch und sehr authentisch bei Minni im B&B „Notte al Museo“ direkt in der Nähe der Museen.
Über die Strada Provinciale 3 ist Lula nur etwa 12 Kilometer von Bitti entfernt. Wer im historischen Zentrum genau hinsieht und nicht gerade zur Mittagsruhe ankommt, wird feststellen, dass sich seit der Schilderung Deleddas bis heute nicht viel geändert hat:
„Die Gassen Lulas sind eng … es herrscht ein lebhaftes Treiben von Klatschweibern, Kindern, Hühnern und Hunden, wie ich es noch in keinem anderen Ort gesehen habe. Die Häuser sind aus rötlichem Schieferstein und so klein, dass man sie zu Pferd mit dem Kopf überragt.“
Einer ihrer berühmtesten Romane, „Elias Portolu„, spielt in Lula. Wieder ist eine Wallfahrtskirche der wesentliche Schauplatz, das „Santuario di San Francesco“ aus dem 15. Jahrhundert (erweitert im 18. Jh.). Unüblich auf der Insel findet man sie als sehr reiche, und mit bunten Fresken verzierte Kirche vor, außen ist sie rein weiß gestrichen mit den typischen roten Ziegeln als Dach.
Hinter dem Ort kommt der dominante Monte Albo in greifbare Nähe, ein tolles Trekkingziel. An schönen Tagen kann man hinaufklettern und mit Glück bis ans Meer sehen. Oder die hübsche, ebenfalls weiß getünchte Landkirche „Il Miracolo„ besichtigen, die pittoresk direkt vor den Steinwänden des Berges steht.
Heute ist Lula vor allem für seine Karnevalstradition „Su Battileddu“ bekannt und ein sehenswertes Reiseziel. Zudem lockt das Kunstmuseum MAC Lula mit zeitgenössischer Kunst.
Galtellì ist ein lebhaftes Dorf mit rund 2.500 Einwohnern, Galtellinesi genannt. Es wirkt eine bisschen wie eine kleine Stadt, legt Wert auf Kultur und Moderne legt, und dabei sehr authentisch wirkt. Das Gute aus dem Gestern und Heute scheint hier zuhause zu sein. Nicht umsonst findet man ihn unter den „Borghi Autentici d’Italia“ – den authentischen Orten Italiens.
Das schöne Dorf am Fuß des Monte Tuttavista beherbergt den Kulturpark „Parco Culturale Grazia Deledda Galtellì“ (parchiletterari.com/parchi/grazia-deledda). Damit gemeint ist ein Pfad durch die Straßen des Dorfes, den man problemlos selbst entdecken kann, denn an vielen Hauswänden finden sich Zitate aus Deleddas berühmtestem Roman, „Canne al vento“, der fast ausschließlich in Galtellì spielt.
Wie die meisten ihrer Werke beschäftigt er sich mit den archaischen sardischen Regeln, die besonders für junge Menschen oft bedrückend sind – und fast zwangsläufig zu Übertretung und Schuldgefühlen führen.
Eine geführte Tour mit den Initiatoren vor Ort erklärt das alles noch viel besser, und bringt Euch auch zu den versteckten Perlen – zum Beispiel in den Innenhof der Basilika, wie folgt beschrieben:
“All’ombra del monte, tra siepi di rovi e di euforbie, gli avanzi di un antico cimitero e della Basilica pisana in rovina” – „Im Schatten des Berges, zwischen Brombeerhecken und Euphorbien, liegen die Reste eines alten Friedhofs und der Ruine einer pisanischen Basilika.“
Übernachtungstipp: Direkt im Ort gibt es eine schlichte, schöne Unterkunft im Canne al Vento. Ein schönes Ferienhaus ist das Domo Sedda, wenn man mit mehreren Personen reist, auch ein toller Ausgangspunkt für Sardiniens mittleren Osten. Dazu kann man auch schön im Nachbarort Orosei wohnen, zum Beispiel im Albergo Diffuso Mannois.
„Si spingevano sino a Nuoro, assieme a cavallini carichi di vino e aceto, cestini pieni di frutta fresca e secca, tessuti in orbace.“ // „Wir fuhren bis nach Nuoro, zusammen mit Pferden, beladen mit Wein und Essig, Körbe voll von frischen und getrockneten Früchten und Stoff.“
Obwohl sie nie einen ganzen Roman Satz in Oliena spielen ließ, schuf Grazia Deledda eindrucksvolle weibliche Figuren aus Oliena. Sie sind schön, selbstständig und stark, üben eine starke Anziehungskraft aus – und sich doch stets bewusst, dass die menschliche Existenz ein harter Kampf ums Überleben ist.
Nach Oliena kam „La Deledda“ des Öfteren, der Ort lag in der Nähe von Nuoro. Oliena ist berühmt für zwei Dinge: die schroffen Berge und die stolzen Frauen. Beides faszinierte die junge Literarin.

Oliena ist wunderbar verwinkelt, liegt am Hang des Monte Corrasì, dem höchsten Gipfel des Supramonte. Das Kalksteinmassiv dominiert den mit über 7.500 Einwohnern für sardische Verhältnisse geradezu großen Ort.
Die wunderschöne Lage am übergroßen Berg bestimmt jeden Tag das Leben der Einwohner – man kann sich seiner Faszination und der Dominanz nicht entziehen.
Neben aller Kultur und dem literarischen Interesse ist der Ort heute der ideale Ausgangspunkt für einen echt sardischen Aktivurlaub. Eine mögliche Unterkunft ist etwas außerhalb der schöne Agriturismo Camisadu.

Die wichtigsten ihrer Werke mit deutscher Übersetzung: „Racconti sardi“ (1895, „Sardinische Geschichten“), „Elias Portolu“ (1903, „Die Maske des Priesters“), „Cenere“ (1904, „Asche“), „Nostalgie“ (1905, „Heimweh“), „L’edera“ (1906, „Der Efeu“), „Il vecchio della montagna“ (1906, „Der Alte vom Berg“), „Canne al vento“ (1913, „Schilf im Wind“), „Naufraghi in porto“ (1920, „Schiffbrüchige im Hafen“), „La madre“ (1920, „Die Mutter“), „La fuga in Egitto“ (1925, „Die Flucht nach Ägypten“), „Cosima“ (Memoiren, 1937 posthum, „Cosima, die Jugend einer Dichterin“).
Ich bin zwar nicht die Deledda, aber wo wir grad beim Thema sind, lege ich euch gern noch meinen eigenen Sardinien-Reiseführer ans Herz: „Natürlich! Sardinien“.
Auch über Grazia Deledda gibt es eine Seite 😉

Anmerkung der Redaktion: Beitrag zuerst veröffentlicht im Oktober 2014, aktualisiert 2024 und 2026.
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