Wer in der Zeitspanne eines Urlaubs einen zarten Eindruck von Sardiniens Vielfalt bekommen möchte, ist mit dieser O-wie-schön!-Route an der nördlichen bis mittleren Ostküste von Olbia in die Ogliastra auf dem richtigen Weg. Insbesondere die Landschaft wird mit jedem Kilometer schöner.

Die Route ist auch mit alternativen Verkehrsmitteln wie Bus oder Fahrrad gut machbar, erfordert nur etwas Geduld und/oder Ausdauer (im Sommer ist von langen Etappen mit dem Bike in der heißen Sonne eher abzuraten). Und auch die „Mitreisenden“ ändern sich je nach Reisemonat: von viel Gesellschaft bis zu absoluter Einsamkeit alles dabei.

In jedem Fall macht sie sardiniensüchtig!

Casa Cantoniera an der SS125, die sich durch den Supramonte schlängelt
Casa Cantoniera an der SS125, die sich durch den Supramonte schlängelt

Start an der nördlichen Ostküste: OLBIA

Das „Tor zur Insel“ ist auf den ersten Blick keine ausgesprochene Schönheit … oder sagen wir, von Hafeneinfahrt und Flughafenviertel aus gesehen, ist der Ort recht schmucklos. Aber beim genauen Hinsehen ist das anders: Olbia ist prima zum geschmeidigen Eingewöhnen in die Inselwelt. Wer den Schildern ins Zentrum folgt, an der Hafenmole (Molo Brin) am Riesenrad und archäologischen Museum sein Auto abstellt, beginnt die schöne Seite der Stadt zu sehen. Die Einkaufsstraße Corso Umberto wartet mit einigen Geschäften und netten Bars zum Einstimmen auf. Da kann man ruhig mal absichtlich Bikini und Badehose zuhause vergessen. Die Touristen-Souvenirshops lasst am besten links liegen, die schöneren und lokal gefertigten Sachen gibt es in den Orten im Hinterland.

Gleich am Anfang der Straße zeigt schon die Weinbar und Enoteca »In vino veritas« dass die Insel richtig gute Weine hat – und an der zentralen Piazza Mateotti legt „The Wine Club“ noch einen drauf. Oder man fährt gleich weiter zu einem der Weingüter rund um die Stadt (Cantina Murales, Cantina Olbios, Cantina Masone Mannu …).

Wer Kultur sucht, ist im Archälologiemuseum Museo di Olbia (www.olbiaturismo.it/Museo-1.html) in Hafennähe richtig. Ein Haufen wichtiger archäologischer Funde, unter anderem ein altes römisches Schiffswrack, sind in dem architektonisch interessanten Gebäude ausgestellt.

Apropos Archäologie: Wer schon ins Thema Nuraghen einsteigen will, kann zum Nuraghen Cabu Abbas fahren. Ein kleiner Aufstieg auf einen ca. 250 Meter hohen Hügel (etwas spärlich ausgeschildert an der Straße nach Golfo Aranci) und man sieht nicht nur einen großen Nuraghen mit Schutzmauern, sondern hat auch einen fantastischen Panoramablick auf die Stadt Olbia und den Golfo di Olbia (Informationen auf www.sardegnacultura.it). Alternativ ist das Gigantengrab S’Ape e Su Monte und das Castello Pedres südlich von Olbia etwas einfacher zu erreichen.
Wer es eilig hat (warum bloß?!), nimmt die Carlo Felice (so nennt man die einmal durch die Insel führende Schnellstraße SS 131).

Unsere Route führt weiter auf der Landstraße SS 125.

ABSTECHER LOIRI / PADRU

Wer Zeit hat, oder morgens ganz früh in Olbia ankommt, dem sei empfohlen, die Nebenstraßen via Loiri und Padru und dann erst Richtung Porto San Paolo wieder auf die SS 125 zu fahren. Dich erwartet eine wirklich schöne Landschaft, früh morgens mit einer ganz besonderen Stimmung. Durch die kleinen Dörfer und Weinhängen und Kuh- und Schafherden fährt es sich gleich viel entspannter.

Kielwasser vor der Isola Tavolara
Kielwasser vor der Isola Tavolara

PORTO SAN PAOLO, ISOLA TAVOLARA

Von Porto San Paolo aus erreicht man per Schiff die Isola Tavolara, den drachengleichen Felsen im Meer, über dem manchmal eine kleine Wolke schwebt. Dann Achtung, denn das kann mindestens Wetteränderung, und oft Wetterverschlechterung heißen.

Falls du mit dem Rad da bist, kannst du dich in dem Fischerörtchen einnisten (z. B. im schlichten, aber netten Hotel Castello di Tavolara oder schön und unkompliziert im Felix Hotel / Residence) – und abwarten, was kommt.

Ist der Tag schön, dann nichts wie hinüber auf die Insel: Entweder mit dem Zubringerboot oder etwas exklusiver mit einem alten Segelboot und Sailing San Paolo. Eine kleine Wanderung oder ein Strandtag – „das kleinste Königreich der Welt“ ist auch gleichzeitig ein Meeresschutzgebiet und im Hafen von Porto San Paolo findest du den Stand der AMP Area Marina Protetta Tavolara, die Infotouren anbieten. Sehr schön sieht die Insel auch von Porto Taverna und Porto Istana aus.

Danach wird es in der Saison leider arg touristisch und der Verkehr ist zu manchen Zeiten wirklich anstrengend (aber vielleicht nehme auch nur ich das so wahr). Halte einfach, wo es dir gefällt, z. B. am weiten Strand von La Cinta bei San Teodoro.

Ansonsten kannst du getrost weiter fahren: Das Beste kommt erst noch 🙂

Schaf vor Posada
Schaf vor Posada (Foto: antico terrazzo)

POSADA

Ein echtes Schmuckstück, das Städtchen auf dem Berg, mit dem kleinen Castello Fave (die „Bohnenburg“ … lasst Euch die Geschichte vor Ort erzählen), das schon von weit sichtbar ist. Die Altstadt nimmt den Reisenden sofort für sich ein: bunte Häuser, enge und zuweilen recht steil bergauf führenden Gassen, bieten Ausblicke schönster Art.

Für den Sonnenuntergang mit Meerblick auf der Dachterrasse des Antico Terrazzo, einer urigen kleinen Weinbar und Restaurant in einem historischen Gemäuer in der Altstadt. Und selbst wenn das Wetter nicht so gut ist, ist es drinnen mega gemütlich … Posada ist zu einem kulturellen Geheimtipp geworden, da gibt es vor allem mal etwas anderes für die Ohren: Zum einen im Rahmen der Lesungen des Literaturpreises „Prèmiu de Poesia de Pasada„, der Werke in sardischer Sprache prämiert und über die Inselgrenzen hinaus immer mehr Anerkennung findet. Zum anderen wächst besonders die junge Musikszene – nicht ohne immer wieder Inspiration im Traditionellen zu suchen. Hier bekommt man fast jedes Wochenende spannende Klänge zu hören.

Als Unterkunft gibt es einige B&B im Zentrum. Ich selbst wohne wenn, dann etwas außerhalb: In der Tenuta Vrau gewohnt, mein Zimmer hatte einen tollen Blick über das Hinterland bis Posada und aufs Meer. Oder alternativ, bei Verwöhnbedarf im Essenza bei Torpé – luxuriös in Schäferhütten nachempfundenen Bauten, dazu gibt es Massagen, Kurse (Yoga, Kräuter …), Tee … alles wunderbar natürlich.

Weiße Dünen und Strand S'Ena e Sa Chitta
Weiße Dünen und Strand S’Ena e Sa Chitta

SINISCOLA

Der Ort ist etwas wuselig und unaufgeräumt. Aber gerade das macht ihn sympathisch. Denn die Stadt ist echt, die Einwohner sind mit sich selbst beschäftigt, hier findet sardischer Alltag statt, und kein touristisches Disneyland. Natürlich gibt es alles, was das Herz des Reisenden begehrt.

Siniscola ist ein super Ausgangspunkt für Mountainbiketouren, eine Straße führt hinauf auf den Monte Albo (siehe diesen Artikel), der die Stadt gleich hinter der Schnellstraße um über 1.000 Meter überragt, auch ein gutes Netz von Wanderwegen ist hier eingerichtet. Der Blick in Richtung Lodè und den Monti di Alà ist besonders morgens und abends traumhaft, wenn Nebelschwaden und schöne Lichter übers Land ziehen.

Hier könntest du hinter dem Montalbo weiterfahren bis Lula (dort erwartet dich ein spannendes Museum für moderne Kunst, das MAC Lula); als Unterkunft locken das familiäre B&B Sa Corte Nova oder das Boutique-Hotel Agua Dorada).

Wer weiter an der Küste entlang auf der Landstraße SS 125 Richtung Süden fährt, erreicht die schönen Strände der Region Baronia und ist zur Übernachtung in La Caletta gut aufgehoben (z. B. hat das 16Miglia neue und komfortable Zimmer im Zentrum), gutes Abendessen im ganzen Ort, z. B. im Su Fuffuraju, aber auch die Gastgeber in Hafennähe bieten oft frischen Fisch oder gute Pizza. Abends in der Saison rund um die Bars sehr lebendig 😉

CAPO COMINO

Zeit für die erste Badepause. Der Strand S’Ena e Sa Chitta liegt kurz vor Capo Comino, dem östlichsten Punkt Sardiniens, und ist ein Traum aus weißem, zartem Sand. In der Hauptsaison mit Musik und Beachbars am Strand, in der Nebensaison hilft der eigene Picknickkorb. Eine Bar mit Bistro findet sich ebenfalls in der Nähe.

Weiter südlich eröffnet der weitläufige Strand von Berchida (eine geschützte Naturoase, auf dem Hinweg ist der schöne Agriturismo Su Meriacru immer noch ein kleiner Geheimtipp für ein feines Mittag- oder Abendessen) den Blick auf das weite tyrrhenische Meer aus klarstem türkisfarbenem Wasser – ein Highlight, wann immer man die Augen öffnet.

OROSEI: mittlere Ostküste, Sardinien „in echt“

Mit rund 7.000 Einwohnern ist Orosei schon fast als groß zu bezeichnen, und trotzdem ein echter Wohlfühlort. Er liegt traumhaft im „Valle del Cedrino„, dem Tal, durch das der Fluss Cedrino fließt (je nach Jahreszeit mit mal mehr, mal weniger Wasser, aufgestaut zu einem See im Hinterland kann man darauf aber toll Kanufahren – Kontakt ein paar Kilometer weiter in Richtung Dorgali im Agriturismo Canales bei Dorgali – dort gibt es auch Zimmer).

Am Rande des Supramonte lässt sich zudem eine ganz ursprüngliche, naturbelassene Seite der Insel kennenlernen. Man ist in kürzester Zeit am Meer und am Berg, das macht die Gegend um Orosei so schön. 

Beim Rundgang durch die Altstadt von Orosei fallen hier und da Skulpturen und künstlerische Kleinigkeiten ins Auge. Hier lohnt es sich auch bei einer Rundreise ein wenig zu bleiben – eine wunderschöne Unterkunft findet ihr im Albergo Diffuso Mannois. Gut essen könnt ihr im angeschlossenen, typisch sardischen Restaurant mit etwas ausgefalleneren Gerichten in der Locanda Sa Turre. Auch die Nachbardörfer im Tal, GaltellìIrgoliLoculi e Onifai, sind einen Abstecher wert. Irgoli ist stolz auf seine Wandmalereien und in Galtellì kann der Reisende einem Rundgang zur Literatur-Nobelpreisträgerin Grazia Deledda folgen. Auf dem Monte Tuttavista gibt es einige Wanderwege und ganz oben hat man eben das: einen Blick überall hin. 

An der Marina di Orosei direkt an der Küste werden Richtung Süden dann die ersten hohen Berge sichtbar, die ins Meer abfallen. Wer das nicht gesehen hat, hat Sardinien nicht gesehen, soviel steht fest.

Supramonte trifft das Meer
Der Supramonte trifft auf das Meer

Traumbuchten an Sardiniens Ostküste im GOLFO DI OROSEI

Spätestens hier an der Küste wird klar, warum die Route „O-wie-schön“-Route heißt.

Ab hier finden Reisende das Paradies schlechthin, einen Traum aus Türkiswasser, Felsen, Buchten und schönen Ausblicke so weit das Auge reicht. Hier beginnt der Nationalpark „Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu“. Traum-Buchten noch und nöcher. Die gilt es, selbst zu entdecken – z. B. per gemietetem Schlauchboot ab Cala Gonone – so als Tipp für alle, die es naturbelassen mögen und auf Heckmeck und dicht-an-dicht-Sonnenschirme und Strandliegebatterien verzichten können.

Bitte beachtet: Für einige Buchten gibt es in der Sommersaison (ab Mai bis ca. Oktober) eine Höchstzahl an Badenden und es kostet einen kleinen Obulus, sie zu besuchen (in manchen Bootstouren enthalten).

Mehr Infos zu den Buchten im Supramonte in diesem Artikel: Die Buchten im Supramonte marino: zwischen Türkisträumen und Zugangsbeschränkungen

Cala Mariolu – ein Träumchen in der Vorsaison, ohne viele Badegäste

Das wilde Gebirge der Ostküsten-Route: der SUPRAMONTE

Von Orosei (noch besser von DORGALI) lässt sich trefflich der Supramonte entern. Aktivurlauber finden hier ein wahres Trekkingparadies.

In Dorgali selbst ist es auch ausgesprochen nett. Gut Essen in entspannter Pub-Atmosphäre könnt ihr in der Lìtu Osteria Moderna an der Umgehungsstraße. Richtig gute landestypische Küche gibt es im Ristorante Colibri. Als Unterkunft in Dorgali empfehle ich gern das ganzjährig geöffnete Hotel Il Querceto, aber es gibt auch eine Reihe netter und familiärer B&B, mit denen du nichts falsch machst. Wer es schicker mag, wählt etwas außerhalb die Villa Cedrino oder fährt gleich in Richtung Oliena ins Experience Hotel Su Gologone (wirklich nicht günstig, aber ein Abstecher lohnt sich unbedingt – vielleicht am Wochenende oder einfach für ein Mittagessen mit Spaziergang durch die tolle Anlage oder einen Drink in der Bar Tablao). Ganz auf Bio eingestellt ist der Ecoparco Neulé – das wäre etwas für einen längeren Aufenthalt.

Man ist hier im Supramonte di Dorgali (anschließend gibt es auch noch die Supramontes di Baunei, Orgosolo, Oliena und Urzulei). Die Empfehlungen sprengen hier den Rahmen. Aber zu jedem der namensgebenden Dörfer lohnt ein Abstecher. Daher schnell ein paar Stichworte zum Selbersuchen: Valle di Lanaitto, Quelle Su Gologone, fahrt wenn möglich die Nebenstraße von der Grotta Ispinigoli nach Cala Gonone – sie führt über viele kleine Serpentinen über einen kleinen Berg mit grandiosen Ausblicken (und miesem Straßenbelag) und zum sehr sehenswerten Freilichtmuseum Parco Museo S’Abba Frisca (das auch Ferienwohnungen anbietet).

Toll zum Wandern ist auch das Gebiet oberhalb der Cala Fuili (abfahren gleich nach Cala Gonone an der SP 26 nach links in Richtung Nuraghe Mannu). Darüber hinaus lest gern weiter in diesem Artikel über alle „Supramontes“: Der Supramònte ~ ewiger Silberrücken, Naturwunder und Trekking-Eldorado und widmen uns ein paar einzelnen, nicht zu verpassenden Schönheiten an der SS 125, während wir in Richtung Ogliastra weiter fahren.

Auf dem Monte Corrasi, Supramonte di Oliena

Entlang der STRADA STATALE – SS 125

Die SS 125 selbst ist ein Traum von einer Straße. Wir können nur jedem Sardinien-Reisenden empfehlen, die gesamten knapp 400 km entlang zu fahren – hier lernt man viel über die Vielfalt der Insel und kann mindestens zwanzig Sachen ausmachen, die man nicht schafft, anzusehen.

Der Wunsch, wieder auf die Insel zu kommen, wird oft auf der SS125 geboren. Da kann sich die Costa Smeralda noch so abrackern – richtig schön wird Sardinien erst durch seine Felsmassive und die bestechende Verbindung von Berg und Meer. Einige meinen sogar, von der Seeseite Ähnlichkeiten mit Thailand auszumachen.

Blick von der SS 125 auf die Gola Su Gorroppu
Blick von der SS 125 auf die Gola Su Gorroppu

Besonders schön auf dieser Route ist das knapp 50 Kilometer lange Teilstück DORGALI – BAUNEI.

Wider Erwarten ist dies keine Küstenstraße mit Meerblick, sondern eine hochgelegene Landstraße mit Berg- und Talblick – was nicht weniger schön ist! In vielen Kurven und ein wenig auf und Ab schlängelt sich zwischen den Bergmassiven des Supramonte: denen, die zum Meer abfallen und denen, die das wilde Herz Sardiniens bilden.

Hoch liegt sie nicht, nur rund 400, 500 Meter. Und hat man erstmal Dorgali erklommen, bleibt das auch so auf der Strecke. Mit dem Bike sammelt man zwar trotzdem ein paar Höhenmeter, aber das ist alles gut verträglich. Die Berge erheben sich links und rechts.

Generell bitte schön langsam und vorsichtig fahren: In der Region leben ziemlich viele wilde Haustiere und die queren oft die Fahrbahn. Von Eidechse über Ziege und Schwein bis zur ausgewachsenen Kuh oder Pferden ist alles dabei.

Gleich hinter Dorgali sieht man rechter Hand ein schönes, friedliches Tal, das Valle Oddoene – in dem Wein- und Olivenbauern leben.

Das Valle Oddoene bei Dorgali in seiner ganzen Pracht
Das Valle Oddoene bei Dorgali in seiner ganzen Pracht

Von der SS 125 ist Richtung Süden rechter Hand irgendwann eine große Felsspalte in einer Bergwand ersichtlich – die Gola Su Gorropu (hier unser Artikel). Vom Genna Silana (tolle Bar für einen Zwischendurchhalt!) führt hinter dem großen dunkelrot getünchten Haus (Casa Cantoniera Genna Silana) ein Trekkingpfad (für konditionierte Wanderer) durch Steineichenwälder und an den Felswänden entlang etwa 1,5 Stunden hinunter – und hinterher wieder hinauf … Nicht unbedingt etwas für Gelegenheitswanderer – für die ist der Pfad ab dem Valle Oddoene geeigneter. Übernachten kann man hier im Nirgendwo sogar auch, nämlich im Gorropu Hotel. Hemdsärmelig-entspannt, mitten in der Natur.

Optimales Trekkinggebiet: Supramonte di Baunei
Optimales Trekkinggebiet: Supramonte di Baunei, mit dem Hotel Goroppu am Pass Silana
Murales an der Bar Silana zwischen Dorgali und Urzulei

URZULEI

Die Straße führt 4 km Serpentinen hinunter. Da ist übrigens auch die einzige Tankstelle des Supramonte. Aber wer auf dem letzten Tropfen hinunter fährt und dann Pech hat und der Automat funktioniert nicht (was passiert), kommt unter Umständen nicht wieder hoch …

Das Dorf wirkt im ersten Moment recht abweisend, aber für uns macht gerade das einen Reiz. Es hat überall schwarz-weiße Murales und in der Dorfbar findet man auch schnell Kontakt.

Wieder oben auf der SS 125 geht es links nach Teletotes und zur Codula di Luna – Pfade, die kaum ein Tourist auf dem Zettel hat. Hier ist man am besten zu Fuß oder mit dem Mountainbike unterwegs. Dabei anzutreffen: frei laufende Pferde, Ziegen und Wildschweine – und kaum ein Mensch. Welch Wohltat!

Überhaupt führt von der SS 125, wenn man genau hinguckt, der ein oder andere Forstweg seitlich weg. Auf jedem kann man (außer in der Jagdsaison gegen Ende des Jahres) ganz wunderbare lange Trekkingtouren unternehmen. Einige uralte Hirtenpfade führen (mit Kletterabschnitten, nur für geübte Wanderer und/oder mit ortskundiger Führung) sogar bis ans Meer.

Allerdings ist auch möglich, Wildschweinen oder frei laufenden Hunden zu begegnen. Also, Vorsicht.

BAUNEI – hier beginnt die Ogliastra

Das letzte Bergdorf an der SS 125 ist Baunei. Hinter dem Ort weist ein Schild stolz darauf hin, dass der Ort auf dem gleichen Breitengrad wie New York, Peking, Philadelphia, Samarkand, Madrid und Ankara liegt. Und irgendwie beeindruckend ist es auch hier: ein grandioser Panoramablick, von 484 Metern über dem Meer sieht man hinunter in die Ebene bei Tortoli und Arbatax, während sich der Supramonte am Horizont in den Hängen des Gennargentu verliert.

Wer das Dorf nicht nur als Durchgangsstation zum Strand nutzt, sondern ein wenig bleibt und in der Panoramaterrasse oder mitten im Dorf ein Gläschen Wein oder einen Cappuccino trinkt und sich ein Zimmer nimmt, trifft auf unheimlich freundliche Leute. 

Alle, die von der Bergwelt des Supramonte noch nicht genug haben (wie auch!?), suchen sich die Stichstraße in Richtung Berg: etwas ungelenk ausgeschildert sind der Voragine (Erdkrater) „Su Sterru“, „Altopiano del Golgo“ und die Kirche „San Pietro“ auf der Hochebene hinter dem Dorf. Eine Serpentine schlängelt sich hinauf und dann lässt sich hier einiges entdecken. Unser Artikel beschreibt einige Highlights und in meinem Wanderführer „Wanderzeit Sardinien“ ist eine entspannte Tour zum Kennenlernen des Supramonte beschrieben. 

Hinter Baunei lockt noch „Sa Pedra Longa„, eine ca. 120 Meter hohe Felsnadel im Meer. Der Ort eignet sich bestens für einen mehrtägigen Aufenthalt, bevor es zur Küste runtergeht.

Übernachtungstipps habe ich auch einige für Baunei – und alle waren und sind ganz wunderbar: Hotel GoloritzèVia Roma Charming Rooms – Bynos Rooms Domu AlaHotel Bia Maore

Typisch Ogliastra
Typisch Ogliastra – der Blick von oben aufs Meer
Santa Maria Navarrese
Santa Maria Navarrese

SANTA MARIA NAVARRESE

Auch wenn es juckt, die Abfahrt schnell zu nehmen: Schau, dass du ab der SS 125 die Strada Panoramica hinter Baunei erwischst. Hier findet sich auch das ein oder andere Restaurant am Hang (Qualität können wir nichts sagen, aber die Lage ist der Hit!).

Auf der einspurigen Straße geht es hinunter in den ersten Hafen seit Cala Gonone. Vorsicht – entgegenkommender Verkehr.

Der Ort ist eine prima Kombination aus Tourismus und Naturbelassenheit. Ein kleiner spanischer Turm am Strand, tausendjährige Olivenbäume, nette Trattorien und kleine Straßen sorgen für einigermaßen Ruhe. Ich mag das kleine, feine Nascar Hotel und hab mich auch im B&B Antico Telaio sehr wohlgefühlt.

Der nächste Ort, Lotzorai ist noch einen Tick echter, hier wohnen mehr Einheimische und das macht ihn ähnlich charmant, bloß ohne Meer, dafür aber mit einer Burg in der Nähe. Hier wird es in der Saison wieder einen Tick touristisch, aber immer noch entspannt, z. B. im B&B The Lemon House.

Wem das nach der natürlichen Einsamkeit des Supramonte zuviel ist, weicht ins Hinterland aus – z. B ins Hotel Sant’Efisio (im Restaurant gibts super lokale, hausgemachte Küche) und gibt sich den Heckmeck in kleinen Dosen.

Mit dem Zug in Lanusei
Mit dem Zug in Lanusei

Das Beste der Ostküste: die OGLIASTRA

Die schönste Region Sardiniens – so nennen sie viele, und es fällt wirklich schwer, das zu widerlegen. Wir sind seit Baunei mitten drin, in dieser Vielfalt aus Berg, Ebene und Meer, die doch so verschieden und doch irgendwie eins sind. Alle Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten in aller Kürze aufzuzählen, fällt schwer. 

Am ehesten vertieft sich dieser Eindruck bei einer Fahrt ab der Hafenstadt Arbatax (mehr zur Stadt in unserem Artikel) mit dem Trenino Verde hinauf in die Berge. Quer durch die Ogliastra fährt der kleine Zug, mehrere Stunden schenkt er tausend Eindrücke – hier unser Reisebericht bis Seui; die Strecken variieren jede Saison.

Auf dem Weg: LANUSEI (sehr schön: Cattedrale di Santa Maria Maddalena), Gairo (ein traumhaftes Trekkinggebiet streckt sich vom Gennargentu bis zur Marina di Gairo am Meer), Arzana (unerwartet spannender Ort und ein guter Ausgangspunkt zum Gennargentu-Gebirge), Seui (beherbergt vier Museen, darunter einen spanischen Kerker) und Ussassai (am 2. oder 3. Sonntag im August feiert man hier Sa Coja Antiga, eine Hochzeit nach alter Tradition).

Grottenolme kommen hier auch auf ihre Kosten, z. B. in den Grotten Su Marmuri und Matzeu (Ulassai), Serbissi (Osini) und der Grotta di Taccu Isara (Gairo Sant’Elena).

JERZU

Jerzu ist eines der bekanntesten Weinanbaugebiete des Cannonau. 21 Weingüter haben sich zu der Cooperative „Antichi Poderi di Jerzu“ (in etwa: die alten Weingüter von Jerzu) zusammengeschlossen und produzieren Weine guter Qualität: wenig Überkandideltes, einfach ehrliche und kräftige Tropfen. Ein Besuch in den Kellern der Cantina ist nach Anmeldung möglich (Kontaktdaten auf www.jerzuantichipoderi.it).

Auf dem Gemeindegebiet von Jerzu und Ulassai befinden sich die „Tacchi d’Ogliastra„, frei übersetzt in etwa „Absätze der Ogliastra“, die in den südlichen Gennargentu hineinragen. Diese riesigen Steinformationen stehen quasi aus dem Berg heraus, und laden zum Klettern und Umwandern ein: Tacco di Monte Tisiddu und Tacco Arba bei Ussassai, Monte Lumburau, Monte Arquerì, Taccu Anguil’e Ferru und Punta Corongiu bei Jerzu, um nur einige zu nennen (Informationen in italienischer Sprache auf: Sentieri „Tacchi d’Ogliastra auf sardegnaambiente.it).

casa delle inquietudine / Maria Lai
casa delle inquietudine / Maria Lai

ULASSAI – moderne Kunst an der Ostküste

Zunächst scheint der wunderhübsch an den Bergwänden gelegene Ort nur etwas für Outdoor- und Kletterfreunde: Hier finden sich Kletterwände und -routen in allen Schwierigkeitsgraden sowie einige Wanderpfade. Eine schöne Tour in und um Ulassai hab ich in meinem neuen Wanderführer „Wanderzeit auf Sardinien“ beschrieben.

Wandern oberhalb von Ulassai, mit Blick auf den Monte Tisiddu

Zum Staunen etwas außerhalb hinter dem Ortsteil Santa Barbara sind die Wasserfälle „Cascate di Lequerci“ – spektakulär nur im Frühling und nach ausgiebigen Regenfällen, im Sommer eher trocken. 

Beste Reisezeit für den Wasserfall Cascate Lequarci bei Ulassai: Frühling
Beste Reisezeit für den Wasserfall Cascate Lequarci bei Ulassai: Frühling

Besonders stolz ist man auf die eigene Kulturszene. Der Heimatort der sardischen Künstlerin Maria Lai organisiert regelmäßig Ausstellungen unterschiedlichster Art und fördert junge sardische Künstler in besonderem Maße. Ich empfehle allen Kunstinteressierten unbedingt, in der „Stazione dell’arte“ reinzuschauen.

Übernachten kann man hier z. B. im Hotel Su Marmuri, oder – speziell für Kletterer – im Nannai Climbing Home.

Wieder etwas Meer gefällig? Vorletzte Station dieser Tour an der Küste ist …

CARDEDU

Bei Cardedu finden sich Sandstrände und das helle, klare Meer. Hier unten, an der südlichen Ostküste finden Reisende nicht nur kleine, einsame Buchten, sondern auch herrliche Plätze für Spaziergänge in einer stets frühlingshaften und blütenreichen Natur. Die Strände werden auch von Kite- und Windsurfern geschätzt – der Scirocco weht hier in den Sommermonaten meist beständig mit 10 bis 15 Knoten.

Ich mache eine Kanutour mit Francesco und bin schlicht begeistert. Für Cardedu habe ich leider keinen aktuellen Hoteltipp, schau gern bei Booking nach, ob du etwas findest.

Torre di Bari
Torre di Bari

BARI SARDO

Wieder zurück auf der SS 125 endet unsere Tour, obwohl wir damit ja längst noch nicht alles gesehen haben.

Bari Sardo ist ein recht junger Ort. Richtig schön finde ich ihn nicht, aber sein „Vorgänger“ war es wohl mal – zu dem sich dann auch die Fahrt lohnt: In „Torre di Bari“ an der Küste befindet sich der gut erhaltene spanische Turm, der heute ein kleines Museum beherbergt. Da die Einwohner aber von der Seeseite zu häufig angegriffen wurden, wurde der Ort ein paar Kilometer weiter im Landesinneren wieder errichtet.

Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle, aber auch Handwerkskunst, wie das Herstellen von Stoffen und Teppichen, gehört zu diesem Ort. In erster Linie besticht dieser Platz aber durch sein schier unendliches Sommerfeeling, und mit einem Sonnenuntergang mit Blick aufs Meer und einem Fläschchen Wein aus dem Picknickkorb lässt sich hier ein glücklicher Abschluss der Reise feiern.

Man könnte noch weiter fahren, wieder hinauf nach Perdasdefogu, einem der rekordverdächtigen Orte mit mehreren Hundertjährigen oder nach Tertenia, oder der SS 125 weiter folgen bis nach Cagliari

Ich hoffe, euch einige brauchbare Tipps gegeben zu haben – werft eure Empfehlungen gern in die Kommentare.

Habt eine tolle Tour und eine traumhafte Zeit!

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