Eine Trekkingtour. Vier Stunden. Wunderschön. Und am Ende? War das schwarze Schaf nur am Rand dessen, wo es hinwollte. Macht das was? Nö.

Aber zum Anfang. Da hat uns jemand eine Tour empfohlen. Zur Codula Fuili. „La piccola Gorroppu“, so beschrieb er sie. Und die mögen wir. Und so’n Schaf denkt, ja, cool, da muss ich hin!

Also stapft es los. Die Anfahrt klang erstmal einfach. Nach Dorgali, dann an der Serpentine nach Cala Gonone ziemlich weit unten rechts Richtung dreier Agriturismi abbiegen, die dort ausgeschildert sind. Vier Kilometer, Auto abstellen, Wanderweg zur Linken, basta.

Basta Pustekuchen. Das Schaf suchte sich eine Stunde lang einen Wolf! (Damit dir das nicht passiert: Eine Beschreibung und GPS-Daten gibt es auf www.gps-tour.info).

Zugegeben, die Nebenstraße ist wirklich grandios, da macht das nichts. Sie verläuft am südöstlichen Hang des Monte Tului. Hier jagt ein großer Ausblick den nächsten.

Da ist das Tal, in dem sich die Codula Fuili befindet, der gegenüberliegende Berg, der Wechsel von Fels, Macchia und Wald …

Vegetation im Supramonte

Vegetation im Supramonte

Doch was hier und da aussieht wie ein beginnender Wanderweg ist keiner. Und dann besann sich das Schaf auf das, was es am besten kann: der Nase nach laufen.

Ernsthaft: Gut und permanent ausgeschilderte Wanderwege sind hier rar gesät. Was zählt, sind gesunder Menschenverstand, Orientierungsvermögen, Vertrauen in die Natur und eine große Portion Respekt vor derselbigen.

Findet man also keinen Weg, weiß aber, dass da einer oder mehrere sind, heißt es: nachdenken.

Wir wollen zu einer von einem Fluss gegrabenen Schlucht, zur „Codula Fuili“. Also suchen wir den Fluss. Denn der bringt uns über kurz oder lang zur Schlucht. Und in einem trockenen Flussbett wandern, ist eine ziemlich sichere Sache (wichtig, da das Schaf an diesem Tag allein unterwegs ist).

Blick in die Codula Fuili

Blick in die Codula Fuili

Trockenes Flussbett klingt für manche komisch, aber sardische Flüsse haben eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit, trocken dahin zu fließen.

So auch in der Region „Cumbida Prantas“. Natürlich stehen hier keine Schilder, die darauf hindeuten, dass es hier so heißt – das verriet uns die Karte.

Wolken verdunkeln den Himmel

Wolken verdunkeln den Himmel

Der Riu S’Ungrone sa Mesa, der die Codula Fuili gegraben hat, führt nur zu Beginn im Frühling Wasser. Anschließend versickert er und fortan sind in seiner ewig alten Spur Steine und Geröll.

Und dann verwirrt kurz ein Blick zum Himmel. Wolken ziehen auf und verdunkeln die Szenerie. Die können sich im Gebirge schnell zu Unwettern zusammenraufen.

Zum Glück hatte das schwarze Schaf vorher einen Blick auf die große und kleine Wetterlage geworfen, und eigentlich war klar: Heute war nichts Wildes zu erwarten. Der will nur spielen.

Also weiter. Der Weg im Flussbett ist ja ziemlich eindeutig, verlaufen ist mit ein bisschen Hirn quasi ausgeschlossen. Nur Nässe könnte die Angelegenheit rutschig machen. Vorsicht.

Doch bald wurde es tatsächlich wieder sonnig. Alles ist gut.

Wanderung durch das Flussbett

Wanderung durch das Flussbett

Der Fluss birgt auch die ein oder andere Kletterstation hinunter und später wieder hinauf – da er ja bergab fließt.

Ach ja, das war es dann auch, was den wolligen Wanderer an den Rand des menschlichen, äh, schafigen Könnens brachte.

Das schwarze Schaf steht irgendwann vor einem Punkt, an dem es in die Tiefe geht. Wären es drei oder vier Meter über dicke Felsen, wäre es geklettert. Es überwindet gern Felsen.

Blick in die Codula Fuili

Blick in die Codula Fuili

Doch bei zwölf (oder waren es zwanzig?) Metern hinunter wird’s ohne Ausrüstung ziemlich wollig.

Schließlich will man heil unten ankommen, nicht unten stecken bleiben und auch wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Kurz ist das Schaf enttäuscht. Den ganzen Weg, ohne unten in der Schlucht zu stehen? Ja, das ist wohl so.

Und dann ist es ganz egal. Denn wer sich an dieser Stelle hinsetzt, ist dem Glück schon ein kleines Stück näher.

Denn wie eine kleine Oase breitet sich die Codula vor uns aus. Wie ein japanischer Bonsaigarten, hier und da wachsen kleine Bäume aus dem Felsen.

Wir haben das hier noch nicht gesehen, und der Fels ist schon so lang da. Wir entdecken viele bemerkenswerte Kleinigkeiten, die allen, die nicht hier sind, verborgen bleiben.

Detail in der Landschaft

Detail in der Landschaft

Wie war das eigentlich, als hier noch Wasser floss und die Muster in die Steine grub? Das ist lang her, aber war hier so viel Wasser, dass er die Steine blank polierte und aus den höheren Regionen nach unten Richtung Meer beförderte? Hätte man mit einem Kajak hier fahren können? War hier, wo es weit hinunter geht, ein Wasserfall?

Überhaupt ist es ganz wichtig, sich hinzusetzen und mal ein paar Minuten bis zu einer Stunde gar nichts zu tun. Lass sie klettern. Du sitzt nur. Das muss man auch erstmal hinkriegen.

Und vielleicht auch mal gar nichts hören. Nur wenige Geräusche sind hier zu vernehmen:
Das Schaf hörte: Geraschel. Ein wenig Vogelgezwitscher. Und lange Zeit … nichts. Traumhaft.

Die Codula Fuili … ja nun, wir wollen sie sehen und klettern an der felsigen Seite hinauf, die uns sicher scheint. Da breitet sich die Schlucht unterhalb des Sitzplatzes aus. Man kann ihre Pracht erahnen – sie ist bereits von oben wunderschön. Ein friedlicher Platz Welt.

Vorbereitet für Wanderer mit Ausrüstung

Vorbereitet für Wanderer mit Ausrüstung

Und wie der Blick so in die Tiefe geht, versteht das Schaf auch endlich, warum es nicht weiter geht: der Einstieg in das Flussbett begann auf ca. 350 Höhenmetern. Der Fluss endet im Meer, also auf null Höhenmetern. Bis jetzt sind wir schätzungsweise moderate 20, 30 Höhenmeter abwärts gelaufen.

Die Schlucht hat Wände von bis zu 300 Metern – die erfasst man erst unten, aber die Unzulänglichkeit der eigenen Hufe und das minimale mathematische Verständnis sagen einfach: Das geht nicht.

Wer in das Innere der Schlucht vordringen und ihre Grotten erkunden möchte, braucht Ausrüstung und Kletterkönnen. Für Kletterer führen tatsächlich so einige vorbereitete Routen hinunter. Für „normale Schafe“ ist hier Schluss.

Ziegen als Begleiter

Ziegen als Begleiter

Aber das macht nichts. Der Anstieg durchs Geröll zurück steht bevor. Dabei kreuzt eine entzückende Ziegenherde das Flussbett. Für die ist es ziegenleicht, Wege rundum zu finden, die ein ortsunkundiges Schaf nie im Leben sehen würde. Das Schaf wird beobachtet. Na klar.

Am Ausgangspunkt angekommen, lockt die Straße (ein bisschen geteert, ein bisschen schottrig) weiter hinauf auf die Hochebene „Altopiano Toddoitto“.

Die Gegend ist etwas für Vielseitigkeitssportler: Die kurvige Nebenstraße über die Hochebene ist für Mountainbiker ein Träumchen, Höhenmeter und Natur pur.

Karstgestein, vom Wasser gelöst

Karstgestein, vom Wasser gelöst

Kaum über dem Pass wechselt die Landschaft – obwohl sie doch irgendwie gleich aussieht. Graues, kantiges Gestein statt des weichen, weißen Kalkgerölls. Das ist die Belohnung. Noch ein wenig weiter, einfach nur laufen, Entspannung pur.

Der Gang querfeldein ist wie in einer Mondlandschaft. Und mit jedem Schritt nähert man sich dem traumhaften Ausblick auf die Küste Richtung Süden. Da ist er, der Berg, der nur vom Meer aufgehalten wird.

Da breiten sich traumhafte Ausblicke aus.

Traumhafter Blick über die Küste des Supramonte

Traumhafter Blick über die Küste des Supramonte

Zum Schluss fuhr das Schaf noch mit dem Auto zur Cala Fuili, nahm den Abstieg über die lange Steintreppe hinab zum Strand, der das Ende des Flussbetts und der Schlucht markiert.

Wie wunderbar, wenn die Sonne im Rücken des Supramonte untergeht und Meer und Himmel sich leicht rosa färben. Dort, wo der Berg das Meer trifft, ist Sardinien immer am schönsten.

 

Weitere Informationen

  • Wie das Innere der Schlucht und ihre Grotten aussehen, zeigen diese drei Canyoning-Freunde in ihrem Video auf Youtube – Wow!
  • Gute und meistens zutreffende Wettervorhersagen (in italienischer Sprache) findet Ihr auf sardegna-clima.it

 

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