Olbia, die Stadt im Norden Sardiniens, ist für die meisten nur eine Durchgangsstation. Zack, angekommen – schon wieder weg! Kaum jemand bleibt in Olbia, wenn er mit der Fähre oder dem Flugzeug ankommt.

Ob mit dem Flugzeug oder per Schiff: Olbia ist das Tor Sardiniens

Ob mit dem Flugzeug oder per Schiff: Olbia ist das Tor Sardiniens

Olbia war schon immer das Tor Sardiniens, und damit ein Ort zum Ankommen und wieder Wegfahren. Bei der Ankunft holt man den Mietwagen, hält am Supermarkt am Stadtrand, trinkt vielleicht schnell noch einen Kaffee … aber ach, das kann man ja auch später am Ziel (das heißt dann für die meisten eh das touristische San Teodoro und man fragt sich schon, ob nicht viel besser wäre, in einer “echten” Stadt zu bleiben … aber das ist ein anderes Thema).

Und ein bisschen ist es, als hätten die Stadtväter das akzeptiert: Die Silhouette bleibt schmucklos, die Verkehrsführung ist verworren, Flanieren ist anderswo schöner, man gönnt sich riesige Parkplätze und gleich drei Einkaufszentren, und die Bausubstanz sorgt nicht unbedingt für heimeliges Wohlfühlambiente.

Aber: Olbia ist määähr. Denn wie so oft hilft, genau hin zu gucken. Denn Olbia hat sich in den letzten Jahren gemausert. Und es hat ein paar ganz hübsche Ecken. Auch ich bin erst nach vielen Jahren mit der Stadt warm geworden.

Die Stadt hat ein paar nicht zu unterschätzende Vorteile. Wenn man sich ein bisschen mit ihr beschäftigt, ist Olbia sogar eine ganz fröhliche Stadt, in der es sich im ganzen Jahr gut leben lässt. Vielleicht nicht der Nabel der Welt, aber ein Startpunkt und eine solide Basis allemal!

Gib Olbia eine Chance … Denn sie kann, wenn sie will!

Das historische Zentrum von Olbia: Corso Umberto I

Das historische Zentrum von Olbia: Corso Umberto I

Olbia, Pausania, Terranova oder Terranoa

Stimmt alles. Die verschiedenen Namen erzählen die Stadtgeschichte. Seit etwa 300 vor Christus gibt es den Hafen Pausania, die Römer nannten die Stadt Olbia, sie war auch immer ein wichtiger Bischofssitz.

Zwischen Mittelalter und dem zweiten Weltkrieg hieß sie Terranova (auch D.H. Lawrence reiste in seinem Buch “Das Meer und Sardinien” nach Terranova), danach kehrte man zu Olbia zurück. Auf Sardisch hieß und heißt sie allerdings immer “Terranoa”.

Die Stadt ist also mindestens 2.000 Jahre alt. Davon sieht man nicht mehr so rasend viel: Die kläglichen Überreste, wie eine punische Mauer, sind zu vernachlässigende Sehenswürdigkeiten.

Olbia lebt im Heute, was für eine sardische Provinzstadt ja mal keine so schlechte Eigenschaft ist. die Die Bevölkerung der sardischen Kleinstadt ist relativ jung und hat durchaus eine künstlerische Ader, die sich in Street Art und Straßenmusik ausdrückt.

Streetart, eine verbreitete Kunstform in Olbia

Streetart, eine verbreitete Kunstform in Olbia

Politiker machen tendenziell im Kopf der Sarden alles falsch, das Lamento ist groß und so hegt man auch in Olbia eine Abneigung gegen unpopuläre Entscheide des Sindaco / Bürgermeisters. Doch jedes Jahr gibt es neue Ideen zur Aufwertung des Zentrums. Das – man würde es nie zugeben – sorgt durchaus für hohe Lebensqualität in Olbia.

Man setzt leider auf den Kreuzfahrttourismus: Und so passiert es, dass Menschen hordenweise in das historische Zentrum einfallen, in der schicken Weinbar zu zehnt ein Selfie machen, irgendeine Flasche Wein kaufen und genauso schnell wieder verschwinden. Und von Olbia, geschweige denn Sardinien, sicher gar nichts verstanden haben.

Olbia, das Tor Sardiniens

Die Stadt ist mit ihrem Fährschiffhafen und dem kleinen, feinen Flughafen ein wichtiger Teil der Insel.

Im Hafen / Porto di Olbia ist die Stazione Marittima dell’Isola Bianca Anlaufpunkt für diejenigen, die an- und abfahren wollen. Ticketschalter, Bar, Ladestationen, WLAN, Souvenirshop – alles was Mensch auf der Durch- oder Heimreise so braucht. Hier landen die Fähren aus Genua, Livorno, Piombino und Civitavecchia an.

Tipp: Die Aussichtsterrasse auf dem runden Gebäude der Stazione gewährt dir einen tollen Blick über den Hafen und den Schiffsverkehr.

Schiffe im Hafen von Olbia, von der Seeseite aus gesehen

Schiffe im Hafen von Olbia, von der Seeseite aus gesehen

Der Flughafen Aeroporto di Olbia-Costa Smeralda wurde in den Sechziger Jahren gebaut, um dem beginnenden Luxus-Tourismus an der Costa Smeralda Aufwind zu geben. 2016 hatte der Flughafen 2,5 Millionen Passagiere,

Der frühere Flughafen Olbia-Venafiorita von 1927 beherbergt heute die Helikopterstaffel der Carabinieri auf Sardinien – und ist aktuell Schauplatz eines historischen Films von George Clooney.

Olbia, eine ganz normale Stadt

Das, was viele an der Stadt stört, ist eigentlich ihr Pluspunkt: Sie ist eine total normale Stadt, ohne großen Schnickschnack.

Olbia by night: eine ganz normale Kleinstadt auf Sardinien

Olbia by night: eine ganz normale Kleinstadt auf Sardinien

Das centro storico nennt sich zwar so, aber historisch ist da nicht viel. Sehenswürdigkeiten? Wird ja auch irgendwie überbewertet, dieses Sightseeing. San Simplicio muss reichen (ist immerhin ein guter Tipp, siehe unten).

Du kannst Olbias Zentrum schnell erfassen, die Stadt ist wirklich nicht groß: Parke kostenlos an Molo Brin, am inneren Hafenbecken. Quasi gegenüber beginnt der Corso Umberto I, die wichtigste Straße, beginnend am Rathaus / municipio führt sie quasi direkt zum Bahnhof / stazione ferroviaria. Praktisch für alle, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder weg wollen. Denn auch das geht von Olbia sehr gut: Hier hält quasi alles an Bus und Bahn, was du brauchst. Tickets gibt’s in der Bar oder im Tabacco-Laden. Hier beschreibt das Schaf sein Selbstexperiment, mit dem Bus von Olbia nach Santa Maria Navarrese. 

Boutiquen großer und kleiner Labels, sogar noch das ein oder andere privat geführte Geschäft, Unterwäscheboutique, Schuhladen, Segelklamotten-Laden – all das ist im Corso zu finden. Die Souvenirläden sind eher normal-touristisch und in den meisten bekommst du nicht unbedingt das Beste vom Besten. Kunsthandwerk kaufe lieber als Originale im Hinterland in kleinen Bottegas. Die Spezialitäten-Läden wiederum sind sehr gut sortiert.

Aber an Bars und Bistros ist das Stadtzentrum reich. Dazu unten mehr.

Olbia ist unheimlich praktisch

Olbia ist einfach ein ganz normaler Ort. Du kannst also quasi alles einkaufen, was du so in den Ferien oder im Alltag zum Leben brauchst.

An den Ausfallstrassen nach Palau, Golfo Aranci und San Teodoro gibt es Einkaufszentren / centro commerciale mit gut sortierten, großen Supermärkten und einigen Läden der üblichen bekannten Marken. Du kannst hier dein Auto waschen und auch in der Hauptsaison abends um zehn schnell noch was einkaufen. In der Nebensaison sind die Öffnungszeiten kürzer, aber sie an Sonn- und Feiertagen (mit wenigen Ausnahmen) geöffnet.

Im riesigen Industriegebiet / zona industriale findest du vom Baumarkt über den Bootszubehör-Laden und einem Fashion-Outlet bis zum Elektronikmarkt fast alles. Oder eine Auto- bzw. Motorradwerkstatt, falls irgendwas an deinem Bike, Auto oder Bus ist. Wir empfehlen gern die Jungs, die den schwarzschafigen Redaktionspanda “betreuen” 🙂 Auch Fitnessstudios und einige Clubs, in denen auch im Winter Live-Musik gespielt wird, sind hier draußen angesiedelt.

Werbung! Und zwar sehr gern, aus freien Stücken

Werbung! Und zwar sehr gern, aus freien Stücken

Willst du ganzjährig etwas »echter« shoppen und deinen Cappuccino oder Caffè trinken, dann ist der Viale Aldo Moro die richtige Adresse. Um abends bzw. spät nachts noch etwas zwischen die Zähne zu bekommen, sind in der Via Gabriele Annuncio ein paar nette Mitnahme-Futterstationen.

Das centro storico / historische Zentrum ist bis auf einzelne Gebäude wie das Municipio / Rathaus oder die etwas versteckt gelegene Villa Tamponi recht schmucklos. Der überdachte Marktplatz ist sogar ein kleiner architektonischer Horror …

Aus dem richtigen Winkel betrachtet und bei Sonne, ist Olbias Zentrum sogar ganz hübsch :)

Aus dem richtigen Winkel betrachtet und bei Sonne, ist Olbias Zentrum sogar ganz hübsch 🙂

Die Hauptflaniermeile ist der Corso Umberto I, mit vielen Bars, Bistros und Trattorien und Geschäften. Abseits davon ein paar niedliche enge Gassen, in denen das ein oder andere gute Restaurant zu finden ist. In den letzten Jahren sind einige nette, von jungen Sarden aus Olbia und dem Umland gegründete Geschäfte und Lokale dazu gekommen. Der abendliche Markt im Sommer hat ein buntes Angebot.

Was wirklich sehens- und erlebenswert ist

Basilica di San Simplicio und Nekropole » Ein wirklich hübscher kleiner Bau, diese romanische Kirche, aus Granitsteinen im 11. Jahrhundert erbaut und damit eine der ältesten der Insel. Das Innere ist schlicht und schnell erfasst. Für die Olbiesen ist sie traditionell erste Wahl für Hochzeiten, Taufen und Kommunionen. Besuche die Kirche, wenn auch die Nekropole geöffnet ist: Als man die Kirche restaurierte und auch den Vorplatz sanierte und neu gestaltete, entdeckte man darunter bei den Bauarbeiten knapp 450 Gräber, die auf ca. 200 vor bis 300 nach Christus datieren, die Zeit der römischen Besatzung Olbias. Die Ausgrabungen dauern noch an und es ist nicht alles zu sehen, aber auf jeden Fall gibt’s in Olbia mehr als den üblichen Kirchenbesuch.

Speziell: San Simplicio im Winter :)

Speziell: San Simplicio im Winter 🙂

Wer einen Kontrapunkt sucht, findet den am Stadtrand, in der Nähe des Krankenhauses mit der Parrocchia S. Michele Arcangelo – ein strahlend weißer Bau in interessanter Architektur. Eine schöne Kirche im Stadtzentrum ist wiederum die Chiesa San Paolo mit ihrer bunt gefliesten Dachkuppel.

Chiesa San Paolo im Stadtzentrum von Olbia

Chiesa San Paolo im Stadtzentrum von Olbia

Hafen / Molo Brin / Museo Archeologico » Als Olbia noch Terranova hieß und die Schiffe nicht an der Isola Bianca, sondern an Molo Brin festmachten, war das hier ein sehr lebhafter Platz. Heute ist es ein riesengroßer Parkplatz und das ist fast der größte Vorwurf, den man der Stadt machen kann: Die prima fila / beste Lage in erster Reihe zubetonieren und mit Autos vollstellen: wie gruselig! Allerdings ist diese Nicht-Wertschätzung ein Vorteil für Segler: An der Molo Brin kann man immer noch kostenfrei festmachen (ohne Strom und Wasser, aber man hat immerhin einmal wöchentlich einen Müllservice und ein Refugium bei Schlechtwetter). Manchmal allerdings währt der Spaß nicht lang, wenn nämlich Superyachten, Militärschiffe oder gar Großsegler wie die Amerigo Vespucci festmachen, wird die Mole rigoros geräumt. Auch für Großevents wird der Parkplatz gesperrt, zum Beispiel für die Rallye Italia oder die Jetski-Weltmeisterschaften. Das moderne archäologische Museum / Museo archeologico am kleineren inneren Hafenbecken links ist eine wirklich gute Adresse, um mehr über die Hafenstadt zu erfahren. Die Exponate, wie z. B. die antiken Holzboote, die man im Hafen von Olbia hob, sind durchaus sehenswert.

Das schwarze Schaf erlebt zum ersten Mal eine Jetski-Weltmeisterschaft!

Das schwarze Schaf erlebt zum ersten Mal eine Jetski-Weltmeisterschaft!

Pozzo Sacro Sa Testa » Am Ortsausgang Richtung Golfo Aranci / Pittulongu findest du diese antike nuraghische Stätte, eines der wenigen, wenn nicht DAS archäologische Highlight der Stadt. Das Brunnenheiligtum / pozzo sacro datiert auf ca. 1.500 vor Christus und lag lang unter der Erde vergraben. Erst in den 1930er Jahren wurde es von galluresischen Schäfern entdeckt, die nach Wasser suchten. Das dem Wasserkult gewidmete Heiligtum ist knapp achtzehn Meter lang und gebaut aus Granit, Trachyt und Schiefer, in sorgfältig und akkurat gearbeiteten Blöcken (von den Spuren der Zeit mal abgesehen). 17 Stufen führen hinunter zu einer Quelle. Ganz unten befindet sich ein kreisförmiger Raum mit einem Durchmesser von fast sieben Metern. Der Brunnen soll über den Fluss Rio Mulinu und unterirdische Wasserläufe mit dem Nuraghen, der sich oberhalb der Siedlung Osseddu auf einem Berg befindet, verbunden sein. Man sagt zumindest, dass es irgendwann mal so war. (Schwarzschafiger Tipp: Von dem Nuraghen hat man übrigens einen tollen Weitblick über die Stadt und den Golf von Olbia mit der Isola Tavolara.)

Blick vom Nuraghen bis Tavolara, da unten ist irgendwo der pozzo sacro

Blick vom Nuraghen bis Tavolara, da unten ist irgendwo der pozzo sacro

Le Saline und Fiume Padrongianus » Wenn du Natur brauchst, dann sind der Fluss und die Salinen südlich von Olbia ideal. Beides gleich hinter dem Flughafen und tolle Oasen. Die Salinen sind flache, hübsche Salzwasserlandschaften und von Reihern und anderen Vögeln bevölkert. Sogar Flamingos aus Olbia (eine kleine Kolonie ist im Quartier Poltu Quadu) oder San Teodoro schauen ab und zu hier vorbei. Auch einige weniger frequentierte Buchten finden sich hier, an denen du sogar im Sommer deine Ruhe und einen ganz tollen Blick auf den Leuchtturm / Faro di Olbia hast. Das schwarze Schaf ist auch gern am Strand von Le Saline. Dort sind auch ein Hundestrand, eine Beachbar (in denen es im Sommer ab und zu Grillabende gibt) und eine Kiteschule. Die Olbiesen allerdings sind im Sommer lieber an “ihrem Strand” Marina Maria, am anderen Ende der Bucht. Wer lieber Süßwassr mag, fährt zum Fluss Padrongianus. Er trägt auch im Sommer für sardische Verhälnisse viel Wasser und ist weitgehend naturbelassen, mit vielen Schwemmgebieten. Hier trifft man auch oft auf Fischer und man kommt leicht mit ihnen ins Gespräch. Erste Anlaufstelle ist der Parco Fluviale del Padrongianus (Zufahrt gleich hinter der Brücke), der zwar geschlossen ist, aber die Vogelwelt oder die Flugzeuge beim Start und Landung kannst du trotzdem beobachten. Es gibt keine Wanderwege direkt am Fluss, aber eine Reihe von Schotterstraßen führen durch Minda Noa, so heißt dieses Gebiet.

Vogelparadies und Oase südlich von Olbia

Vogelparadies und Oase südlich von Olbia

Schwarzschafige Highlights in Olbia

Events in Olbia

Events wie Olbia in fiore / blühendes Olbia oder Primavera / Frühling in Olbia sind mittlerweile gut organisiert und bieten schon zu Saisonbeginn Abwechslung. Infos z. B. auf Olbia.it (auch eine gute Informationsquelle für alles, was in Olbia und der Gallura so passiert).

Stadtfest San Simplicio » Immer Mitte Mai. Olbia feiert etwa eine Woche lang das für sie wichtigste Fest des Jahres zu Ehren des Stadtpatrons und Heiligen San Simplicio. Manche Kleinbetriebe schließen auch für einen oder mehrere Tage und es ist quasi unmöglich, in Olbia eine geöffnete Autowerkstatt oder einen Handwerker zu finden. Früher war San Simplicio tatsächlich ein religiöses Fest der Gläubigen. Früher war der Hauptbestandteil auch noch die Prozession, der man andächtig ab der Basilica folgte. Und echte Fischer feierten fröhlich an der Molo Brin. Wie gesagt, früher. Heute wird im Parco Fausto Noce ein Spektakel veranstaltet, mit Jahrmarkt, Fressbuden und Konzerten. An manchen Tagen sind deswegen sogar Geschäfte geschlossen oder Genau genommen sind es mehrere Feste in einem: Zum religiöen Fest haben sich dei Sagra delle Cozze und die Sagra del Vermentino sowie ein Palio alle Stelle / Sternenritt in der Via Redipuglia gesellt – und das obwohl die Olbieser weder Weinbauern noch Reiter sind. Im Parco Fausto Noce (fußläufig zu erreichen, Olbia ist klein) finden Musikkonzerte statt und ein ganz moderner Jahrmarkt mit Fahrgeschäften ist aufgebaut. Vergiss heimeliges Stadtfest, es ist laut, müllig und diffus. Fressstände noch und nöcher an der Straße nebendran. Tatsächlich ist endlich mal was los im Flecken und das Schaf meint: Kann man durchaus erlebt haben!

Reiter des Sternenritts / Palio alle stelle in der Via Redipuglia

Reiter des Sternenritts / Palio alle stelle in der Via Redipuglia

Sagra delle Cozze » Das Muschelfest anlässlich San Simplicio ist für viele die wesentliche Attraktion und der Hauptgrund, zum Fest zu gehen. Früher hatten die Fischer von Olbia ihre Muschelernte dem Heiligen und dem Allgemeinwohl gespendet, und das Fest fand noch im Hafen statt. Immerhin die Großzügigkeit hat sich bis heute gehalten: Jeder bekommt Muscheln satt und die gibt es immer noch für alle for free! Die Einheimischen finden das super, auch das Spektakel insgesamt. Endlich mal was los im Flecken! Mancher trauert dem alten Fest hinterher – kommt aber trotzdem. Nur der ein oder andere Fischer oder Fischersohn weigert sich, hin zu gehen. Aber wie schon gesagt: Die meisten Olbiesen leben im Heute und die ganze Stadt (die nunmal etwas größer geworden ist) feiert zusammen. Trotz seiner Größe ist es ein Fest der Einheimischen. Man muss sich auch gar nicht verabreden, man trifft sich eh in der langen Schlange für die Cozze di Olbia und plaudert an den langen Reihen Stehtischen. Einziger Wermutstropfen: Es ist eine gnadenlose Plastikmüllschlacht. Daran wird sich vermutlich so schnell auch nichts ändern.

Muscheln satt für alle, for free: Sagra delle Cozze

Muscheln satt für alle, for free: Sagra delle Cozze

Remata de Sos Carreras » Wer lieber ein beschauliches, aber auch sehr authentisches Fest erleben möchte, ist bei der Remata de Sos Carreras gut aufgehoben. Ende Juni treffen sich in einem der inneren Hafenbecken Ruderer aus den verschiedenen Quartieren. Es sind wieder Einheimische, die hier in Teams in einer bestimmten Technik der antiken Fischer rudern. Die für Olbia typischen, schlichten Fischerboote (im Prinzip Nussschalen aus Holz) werden von einer lokalen Werft jedes Jahr liebevoll auf Vordermann gebracht. Gegessen wird natürlich auch: In einem riesigen Topf mit heißem Öl wird Fisch aus dem Meer vor Olbia frittiert und einige der Ruderer sind am Tag zuvor rausgefahren und haben ihren Fang gespendet (denn eigentlich ist auch dieses Fest zu Ehren eines Heiligen).

Typisches Fischerboot aus Olbia

Typisches Fischerboot aus Olbia

Unterkünfte in Olbia

Das schwarze Schaf meint, man kann in Olbia auch ein paar Tage verbringen. Sie ist ein super Ausgangspunkt für Ausflüge ins Hinterland, z. B. nach Monti, Ozieri, Tempio … Hier unsere Tipps für eine Unterkunft in der Stadt:

  • Ospitalita’ del Conte Hotel & Spa, im historischen Zentrum (auch als B&B buchbar, und sehr wichtig in der Nebensaison: mit einem schönen Wellness-Bereich).
  • City Garden Guest House: Etwas abseits des Zentrums, aber immer noch nah dran und mit schönen, modernen, gut ausgestatteten Zimmern. Ideal für Geschäftsreisende ist das City Garden Guest House (hier war das schwarze Schaf schon mehrere Male).
  • Und noch eine private Empfehlung: Unser Freund Alessio vermietet in den Sommermonaten sein hübsches, großes Appartment – ideal für Paare. Es ist in einem ruhigen Wohngebiet am Stadtrand gelegen und hat einen eigenen Parkplatz für Auto / Mietwagen.

Bars & nette Plätze zum Aperitivo

  • In Vino Veritas, in Hafennähe, Ecke Corso Umberto I / Via Principe Umberto, ganzjährig geöffnet, eine ur-gemütliche Bar, die neben Wein auch sardisches Craft-Bier sowie eine gute Auswahl an Rum und Gin hat.
  • Namaste – Wenn im Vino Veritas alles voll ist (was im Sommer ständig passiert), sitzt du gleich nebenan lauschig und ruhig im begrünten Innenhof. Eigentlich ein Restaurant, aber das Schaf war zum Apéro dort (und kann leider nichts zum Essen sagen).
  • KKult – Bar / Bistro für Kleinigkeiten … das schwarze Schaf sitzt hier gern und bloggt bei einem Tee, Kaffee, Wein, Salat, Panino … und das alles mit freiem WLAN und Ladestation für Handys 🙂
  • Mapari Wine & Food Wine Bar – Schwarzschafiger Favorit vor allem im Winter, dann ist es in dem kleinen, langgezogenen Gastraum richtig heimelig. Empfehlungen für neue sardische Weine, eine gute Auswahl an Craft Beer, dazu eine kleine Karte falls man doch Hunger hat – was will Schaf mehr?!

Gut essen in Olbia

Gut essen kannst du auf jeden Fall zu den Festen und bei Einheimischen. Lustigerweise ist es besonders schwierig, die heimischen Cozze in Restaurants zu finden. Diejenigen, die nicht im Großmarkt landen, genießen die Muschelfischer aus Olbia nämlich lieber selbst. Und so ist schlauer, sich mit Locals anzufreunden und die irgendwo im Hafen mit einem Glas Rotwein zu genießen. Aber Achtung: roh / crudo sind sie für ungeübte Mägen zuweilen schwierig.

Cozze di Olbia: die richtig guten gibt's direkt beim Fischer

Cozze di Olbia: die richtig guten gibt’s direkt beim Fischer

Die Küche in Olbia ist geprägt von Fisch und ist wenig raffiniert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Richtig gute Restaurants gibt es leider nicht so viele in Olbia. Wobei der Nordeuropäer ja oft schon mit wenig zufrieden ist und das alles gar nicht so übel findet. Vielleicht hat er auch recht, und nicht das sardisch-kulinarisch doch recht anspruchsvolle Schaf 🙂

Und das kann morgen sowieso wieder anders sein, denn gerade in der Stadt gibt es häufigen Besitzerwechsel oder Schließungen und wieder Neueröffnungen. Das kann die Qualität und Gemütlichkeit zum Besseren, aber manchmal eben auch zum Schlechteren verändern.

In Sachen Pizza kann man aber fast nichts falsch machen: In eine Pizzeria in Olbia kannst du sorglos eintreten. Sogar bei der Mitnahmepizza ist es meistens super.

Gut, hemdsärmelig, fischlastig: die typische Küche in Olbia

Gut, hemdsärmelig, fischlastig: die typische Küche in Olbia

Für alle, die gut sardisch bzw. sogar typisch olbiesisch essen möchte, hier ein paar schwarzschafige Tipps:

  • Anticas Lincantzias – Im centro storico, echt sardische Küche, alles liebevoll hausgemacht, sehr angenehmes Ambiente; von Einheimischen geführt und gekocht.
  • Domo Mea – Unheimlich nettes kleines Restaurant im Viale Aldo Moro; geniale, saisonale Pizzen mit Vollkornteig; im Restaurant eine kleine, aber sehr feine Karte, Pasta hausgemacht.
  • Pizzeria Dejavu – Speziell in der Muschelsaison bist du in diesem Restaurant/Pizzeria am Stadtrand (Via Bazzoni) sehr gut aufgehoben: Neben der sehr guten Pizza und einigen anderen Gerichten gibt es hier zur Muschelsaison die Cozze di Olbia / Miesmuscheln aus Olbia in allen Farben und Formen. Und, man kennt keine Feindschaften und empfahl uns noch S’Indattaru – La prima cozzeria di Olbia (die mittlerweile nach San Pantaleo umgezogen ist) wo es ausschließlich Muscheln gibt.
  • 51 – Neueröffnung aus 2018, 51 ist auch die Hausnummer. Vorn und draußen Bistro-Ambiente, hinten ruhiger. Zentral im Corso Umberto I, mit Fusion-Gerichten und sardischen Besonderheiten. Sehr talentierter Koch.
  • Überhaupt sind der Corso und Olbias Zentrum neuerdings gut für Street Food und den kleinen Hunger. Du findest hier z. B. die sardische Interpretation von Fish & Chips, Spezialitäten aus der Barbagia, Frittiertes und andere kleine Überraschungen
  • Wer es sehr hemdsärmelig mag und Fisch essen möchte, der sollte im Sommer dem Wagen auf dem Parkplatz in der Nähe der Lega Navale an der Straße zur Isola Bianca einen Besuch abstatten: Sehr gute Qualität, viel Frittiertes, aber auch die berühmten Cozze di Olbia gibt es hier bis spät abends.

Erstaunlich gut sind die hemdsärmeligen Futterstationen und kleinen Bar-Häuschen im Industriegebiet, in denen du gut und günstig zu Mittag essen kannst. Hausmannskost in Fernfahrer- und Arbeiter-Gesellschaft – das kann ja durchaus spannend sein.

Last but not least komme ich natürlich nicht umhin, die wohl beste Gelateria der Stadt zu empfehlen, allein schon wegen des Namens: La pecora nera!

Und zum Glück stimmt auch die Qualität: Hier wird das Eis selbst gemacht und ist richtig gut. Du findest sie in der Via Luigi Galvani 70, einen Tick außerhalb des Zentrums.

Super: die Gelateria pecora nera!!!

Super: die Gelateria pecora nera!!!

Öffentliche Verkehrsmittel in Olbia

Übrigens, Olbia ist sehr gut mit Bussen und Bahnen angebunden. Du findest die zentrale Bushaltestelle sogar in der Nähe des Bahnhofs, zu Beginn des Corso Vittorio Veneto.

Nicht immer ganz easy, den richtigen Bus zu finden. Aber mit etwas gutem Willen, Flexibilität und einer ordentlichen Portion Humor geht’s prima!

So. Und nun bist du dran! Gib Olbia eine Chance 🙂

1 Comment

  1. Christian Klepper

    21. September 2018 at 10:40

    Hallo liebes schwarzes Schaf,

    das Leben ist zu kurz um alles selber zu (er)finden. Um so glücklicher bin ich über den „Block“ mit Deinen Erlebnissen und Berichten mit denen sich Sardinien (meine Trauminsel) so toll enddecken lässt.
    Nach Jahren des „nur“ Windsurfens, ging es einige male mit Wohnmobil, Motorrad und Auto über die Insel. Jetzt, wo mein Segelboot in der Smeralda liegt und ich mehr Zeit habe, danke ich für diesen tollen „Wegweiser“.
    C.K.

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