1.463 – 1.416 – 1.391 – 1.349 – 1.340 – 1.316 – 1.263 – 1.063 – 1024. Die höchsten Gipfel des Supramonte ragen alle gut einen Kilometer über Meereshöhe in die Senkrechte. Der Nepalese lächelt da nur müde, dem Deichläufer scheint das mehr als genug.

Das Merkwürdige daran ist: Nähert man sich Oliena (ca. 400 Meter über dem Meer), wirken sie gar nicht so hoch. Und fährt man auf der Strada Statale (SS 125) durch die Region von Dorgali gen Süden, ist die Höhe auch nicht das, was beeindruckt. Vielmehr dominieren von Ferne die sanfte Schwünge der silbrig-grauen Riesen, die sich ewig fortzusetzen scheinen.

Die SS125 erschließt weite Teile des Supramonte

Die SS125 erschließt weite Teile des Supramonte

Erst, wenn man sich ihnen ganz nähert, wenn man bei Urzulei in das tiefe Tal fährt oder aus der Ebene wieder hinaufklettern muss und von den engen Serpentinen gebremst wird, sind die Felswände überpräsent.

Der Wanderer fühlt sich spätestens in der ersten Schlucht oder beim Wiederaufstieg vom Meer unheimlich bedeutungslos und winzig.

Dieser Artikel kann nur eine kleine Einleitung in die schier grenzenlose Welt des Supramonte sein. Ihn zu entdecken und zu erkunden scheint uns eine Lebensaufgabe.

Beginnt einfach mit einem Tag oder einem Wochenende. Das Schaf meint: Es lohnt sich. Denn die ganze Schönheit Sardiniens erschließt sich nur dem, der durch die Berge streift.

Selbstnatürlich hat es zufällig ein paar schwarzschafige Tourenvorschläge parat …

Der Supramonte ist kein Ponyhof

Neee, isser nicht. Und auch kein Kindergeburtstag. Wer hier wandert, fährt oder klettert kann traumhafte Momente erleben, aber auch den Albtraum des Sich-Verlaufens und Steckenbleibens. Immer wieder müssen Touristen aus misslichen Situationen gerettet werden (bei Übernahme der Kosten, sofern man fahrlässig handelt).

Immer gilt es, das eigene Können und die eigene Verfassung gut einzuschätzen: Oft begegnet man hier keinem einzigen Menschen. Die unberührte Natur ist tagsüber großartig, kann aber schon bei Eintritt der Dämmerung nicht gekannte Ängste hervorrufen – beginnend bei der schlichten Panik, den Weg nicht mehr zu finden.

Weg-Finde-Helfer

Weg-Finde-Helfer

Daher auf jeden Fall das Übliche: praktische Kleidung, feste Schuhe, Jacke, Taschenlampe, soviel Wasser wie möglich, mind. 2 Liter, sowie Nahrung (das schwarze Schaf hat gern Müsliriegel und eine Tüte Goldbären dabei). Dazu Kompass, GPS, Mobiltelefon (wobei Handy- und Satellitenempfang nicht immer gut sind). Dann das Wetter: Je nach Jahreszeit kann es zu heiß sein, aber auch schnell zu kalt werden.

Eine wilde, freie Natur verändert sich: Durch Geröll oder Regenfälle werden ganz normale Pfade plötzlich zu Sackgassen oder der Rückweg ist auf einmal nicht mehr erkennbar. Vertraut Euch in schwierigen Gebieten einem Guide an – das ist kein Zeichen von Schwäche. Und so manch ein Guide schenkt Euch Eindrücke und Plätze, an denen Ihr sonst vorbeigelaufen wärt. Detailliertes Kartenmaterial ist wichtig, aber nicht ganz einfach zu finden – beginnt Eure Vorbereitung daher früh.

Jetzt aber los!

Der Supramonte … oder besser: Fünf Supramontes

Der Supramonte ist in fünf Regionen unterteilt, die jeweils zu einer Comune gehören: Die Berge um Orgosolo, Oliena und Urzulei bilden den “Supramonte montano”, der zu den Bergen der Inselmitte gerichtet ist (er geht über in den Gennargentu); die in Dorgali und Baunei den “Supramonte marino”, da sie ans Meer ragen.

Supramonte marino - bei der Cala Luna

Supramonte marino – bei der Cala Luna

Gern stellen wir die fünf näher vor und beginnen im Norden der SS 125, in Dorgali.

Supramonte di Dorgali

Fahren wir von Olbia auf der SS 131 aus Richtung Süden, kommt – während rechter Hand noch der Montalbo imponiert – nach einer Kuppe der erste Silberrücken ins Blickfeld. Beeindruckend erhebt er sich hinter dem Ort Dorgali. Hier beginnt die Bergwelt des Supramonte. Enorme Felsbastionen empfangen den Reisenden.

Lago und Fiume Cedrino

Lago und Fiume Cedrino

Die Flüsse Flumineddu und Cedrino haben tiefe Täler in die Felsen geschnitten. Eine Vielzahl von Höhlen und Grotten in den Bergen machen diese Welt so besonders.

Der Supramonte di Dorgali teilt sich in zwei Teile, “occidentale” und “orientale”, West und Ost, getrennt vom fruchtbaren Valle Oddoene. Im Westen begrenzt das zum Supramonte di Oliena gehörende Valle di Lanaitto, im Süden die Gola di Goroppu (die auch die Gemeinden Urzulei und Orgosolo für sich beanspruchen), die die Ogliastra und die Barbagia voneinander trennt.

Schwarzschaf-Tipps

Mit Geheimtipps wird es hier langsam schwierig, da der Supramonte Dorgalese quasi als “Einsteigergebiet” gilt und die Menschen busweise hier ankommen und überall hingefahren werden. Auch die Wasserseite von Cala Gonone aus ist sehr gut erschlossen und die Erkundung der Grotten kein Riesenabenteuer mehr.

Aber ein “sanfter Einstieg” in den Supramonte ist ja nicht das Schlechteste:

  • SU GOLOGONE: Den “Eingang” zum Supramonte Dorgali markiert die Quelle “Su Gologone”. Sie ist natürlich kein Geheimtipp, und mittlerweile umrahmt von einem Kassenhäuschen, einer Bar und Picknickplätzen mit entsprechendem Hauptsaison-Geräuschpegel. Unser Tipp: Besucht diese Schönheit in der Nebensaison oder im Sommer ganz früh morgens. Und für Friesennerz- und Schirm-Besitzer: Bei Regen werden die Quelle und der umliegende Park eine echte Oase und scheint vor Leben nur so zu sprühen.
  • CODULA FUILI: Ein recht einfacher Trekkingpfad beginnt an der Serpentine, die hinunter nach Cala Gonone führt, kurz vor der letzten Linkskurve nach rechts biegt Ihr in einem Feldweg, ca. 4 km weit ins Hinterland. Der Weg zur Schlucht ist leider nicht ausgeschildert, wer ihn findet geht aber vorbei an alten Schutzhütten und kann die ein oder andere Grotte begehen. Wir sind durch das  trockene Flussbett zur hübschen Schlucht “Codula Fuili” gelangt (bereits hier gibt es die ein oder andere Kletterpartie über Steine). Wer mit ausreichend Kondition und Klettererfahrung und -ausrüstung unterwegs ist, kann in die Schlucht hinunter und weiter bis ans Meer zur CALA FUILI. Hier finden sich für geübte Kletterer schöne Plätze – und nur sie können die Grotten und die Schlucht in ihrer ganzen Pracht entdecken. Eine Beschreibung und GPS-Daten gibt es auf www.gps-tour.info, einen Guide und ein paar Impressionen findet Ihr zum Beispiel hier: www.keya.eu
  • ALTOPIANO TODDEITTO: Auf dem gleichen Pfad wie zur Cala Fuili oder von Cala Gonone aus gelangt man auf diese Hochebene. Belohnt werdet Ihr für Auf- und Abstieg mit einer atemberaubenden Weitsicht aufs Meer und einem entspannten Platz zum Relaxen.
  • KANUFAHREN AUF DEM CEDRINO: Der Cedrino ist der Fluss bzw. See, den man bei der Anreise Richtung Dorgali überquert. Dort zwischen den Felswänden zu Kayaken macht echt Spaß, speziell im Frühling, wenn der Fluss wirklich Wasser trägt! Eine Beschreibung findet ihr in unserem Artikel.

Supramonte di Urzulei

Unerschlossen für Unerschrockene – so kann man den Supramonte di Urzulei vielleicht am besten beschreiben. Fahren wir auf der SS125 weiter gen Süden, scheint er erst einmal unerreichbar. Man muss schon sehr genau gucken, um die Wege zu finden, von denen aus er sich erkunden lässt.

Da hier wenige echte gekennzeichnete Trekkingpfade zu finden sind und man oft Tierpfaden folgen muss, ist es sehr leicht, sich zu verirren. Die Gemeinde arbeitet daran, die Wege vor allem für die Corpo Forestale und als Brandschutz zu verbessern, aber das braucht einfach Zeit.

Aber gerade seine Ursprünglichkeit macht ja den Supramonte di Urzulei so interessant und sehenswert.

Schwarzschaf-Tipps:

  • Urzulei

    Urzulei

    URZULEI: In das Dorf führt eine mehrere Kilometer lange Serpentine hinunter. Neben der einzigen Tankstelle weit und breit (weswegen die Abfahrt manchmal sein muss), ist hier … ehrlich gesagt, tote Hose. Das Dorf ist quasi der Gegenentwurf zur weltoffenen Großstadt, ein bisschen fühlt sich der Tourist, als würde er in eine Wildweststadt einreiten und von den Bewohnern, die hinter den Fenstern und Türen lauern, kritisch beäugt werden. Wir bestaunen die Wandmalereien und als wir die Corpo Forestales nach Mountainbike-Wegen fragen und ihnen erzählen, dass wir auf der Suche nach der “versteckten Schönheit Sardiniens” sind, erhellen sich ihre Gesichter. Ein Highlight, zu dem das schwarze Schaf gern wiederkam, war die jährlich hier stattfindende Meisterschaft in “Sa Murra”, einem alten Spiel, das mit den Fingern gespielt wird. Einen Eindruck gibt dieses Video auf youtube: Sa Murra – Urzulei. Versprochen, das sehen wir uns an!

  • GHENNA E’ PETTA: An diesem Pass bei km 187 beginnen auf beiden Seiten der Straße einfache bis mittlere Trekkingpfade. Der Richtung Osten (also zum Meer hin) führt zum “Villaggio Nuragico Or Murales”, eine Siedlung aus der Nuraghenzeit. Noch interessanter ist dieser Weg, weil an ihm einige Wohn-, Schutz- und Hirtenhütten zu finden sind, “cuiles” oder “pinnetos” genannt, in unterschiedlichen Größen und Formen, einige davon von den Corpo Forestale rekonstruiert, andere sind immer noch in Benutzung durch die örtlichen Ziegen- und Schafhirten. Die Pfade auf der anderen Seite führen zu einer Quelle, einer verfallenen römischen Brücke und der Ebene “Serra Ortenie”.
  • Quelle: laltrasardegna.com

    Piscina Urthaddara, Quelle: laltrasardegna.com

    PISCINA URTHADDARA: Achtung, jetzt wird’s richtig schwarzschafig. Inmitten der Berge, oberhalb der Gola Gorroppu, liegt eine seit Jahrhunderten von Hirten genutzte Wasserquelle. Der Weg dorthin: 2 – 3 Stunden Wanderung, zum Teil auf ganz schmalen Pfaden. Die Belohnung bei der Ankunft: Trinkwasser (trotzdem abkochen!), der wunderschöne Wasserfall und Füßekühlen in dem See. Der Rückweg: anstrengend … Einen Lageplan gibt es auf trekkinginsardegna.it (Download PDF). Wir planen unsere Tour für diesen Herbst und sind schon sehr in Vorfreude!

Supramonte di Baunei

In diesem Abschnitt des Supramonte haben wir das Trekken gelernt. Früher eher wanderfaul, hat sich das hier schlagartig geändert. Das Tor zur Ogliastra besticht durch sagenhafte Ausblicke, abwechslungsreiche Strecken und Natur pur. Tiere, Pflanzen, Berg und Meer in Eintracht und Vielfalt.

Schwarzschaf-Tipps

  • Road with a view: Strada panoramica

    Road with a view: Strada panoramica bei Baunei

    AS PISCINAS: Diese kleine Oase auf der Hochebene Golgo bei Baunei ist einer unserer Lieblingsplätze. Einfach zu erreichen und eine wirkliche Wohlfühloase. Von hier aus ist eine mittelschwere Wanderung zur CALA GOLORITZÈ möglich, die innerhalb eines Tages zu schaffen ist.

  • PEDRA LONGA: Das heißt einfach nur “langer Stein” und beschreibt die Form des aus dem Meer ragenden Felsen. Sie zu erreichen ist zur Abwechslung mal leicht: von der SS 125 geht eine gemütliche Teerstraße hinunter, unten warten ein Parkplatz und (in der Hauptsaison) ein Restaurant, ein kleiner Fußmarsch bis zum Meer, Ausblicke auf Berg und Meer genießen, ein paar Ziegen ausweichen und – schwupp! – hast du eine echt schöne Ecke der Ogliastra gesehen und einen tollen Tag gehabt. Mehr zur wunderbaren Ogliastra liest du hier.
  • SANTA MARIA NAVARRESE (PANORAMICA): Der Ort liegt eigentlich unten auf Meereshöhe, hat aber eine ganz wunderbare Panoramastraße – die “Strada panoramica Surrele” ist direkt aus dem Ort erreichbar, aber auch von der SS 125 aus. Ein Träumchen für Mountainbiker. Hier und da gehen Schotterwege Richtung Berg ab, die man einfach auf eigene Faust entlang fahren (und natürlich auch laufen) kann. Dabei besteht Sackgassengefahr: Wir sind mal im Vorgarten eines Privathauses gelandet, aber die Leute waren unheimlich nett und es gab natürlich einen Mirto als “Carburante” (Treibstoff) für den Rückweg. Großartig ist der Blick hinunter nach Arbatax und weit darüber hinaus. Auch der Trek von Santa Maria Navarrese nach Baunei (ca. 10 km) ist super für einen Wochenendausflug mit Übernachtung in dem hübschen Bergdorf (oder andersrum).
  • CUNNU E S’EBBA: Dieser 50 (manche behaupten, 70) Meter hohe Wasserfall steht seit Ewigkeiten auf unserer Liste – wegen Schlechtwetter mussten wir die Wanderung dorthin aufgeben. Dummerweise gibt es ihn nur nach starken Regenfällen. Wir versuchen es weiter. Wer es vor uns schafft, ist eingeladen, seine Erlebnisse mit uns zu teilen – eine Mail an beeeh@pecora-nera.eu würde uns freuen!
  • Bewohner des Supramonte

    Bewohner des Supramonte

    SELVAGGIO BLU: Im Supramonte liegt eine der anspruchsvollsten Kletter- und Trekkingrouten Europas (mehr auf selvaggioblu.it). Nur für Fortgeschrittene ist der “Selvaggio Blu” in etwa sechs Tagen, mit Übernachtung im Freien zu bewältigen. Der Weg beginnt südlich von Baunei bei dem Felsen Pedra Longa, führt über Ovile Piras, Portu Cuau, Cala Goloritzé, Altopiano del Golgo, Cala Sisine und endet schließlich an der Cala Luna. Uralte, schmale Hirtenpfade, imposante Felslandschaften (auch weit nach unten hinabfallend), anspruchsvolle Kletterabschnitte und immer wieder dieser unübertreffliche Blick auf das weite blaue Meer – all das lockt auch das Schaf, aber leider ist es nicht so weit, den Weg zu gehen und sicher nicht ohne Führer. Wer weiß, vielleicht eines Tages …

Exkurs: Die Traversata

Hier passt ein kleiner Exkurs hin – denn zum nächsten Abschnitt des Supramonte ist es weit. Sehr weit. Wir können den Supramonte nicht einfach so queren, um in den Supramonte di Orgosolo zu gelangen. Urzulei und Orgosolo trennen Luftlinie nur 18 Kilometer. Doch man muss den Supramonte in südlicher Richtung verlassen und am Gennargentu vorbei – über 70 km Landstraße und endlose Serpentinen.

Nebel im Steineichenwald

Nebel im Steineichenwald

Es gibt nur eine theoretische Alternative von Urzulei nach Talana und querbeet zur SS 389. Wir verraten es gleich: Wer es versucht, sollte sich darauf einstellen, kläglich zu scheitern.

Die Straßen sind in extrem schlechter Qualität, eigentlich immer gesperrt oder enden in Sackgassen (sei es abgesackter Teer, dass es selbst mit dem Rad lebensgefährlich ist, weiter zu fahren; oder Straßen, die zwar auf der Karte vorhanden, in der Wirklichkeit aber nicht existent sind; zuletzt ein nicht beseitigter Erdrutsch auf ca. 100 Meter quer über die Straße) so dass man den ganzen Kram wieder zurück muss. Und das kann dauern.

Die einzige Möglichkeit scheint den Trekkingfreunden offen zu stehen: Mehrere Routen aneinander hängen und in einer langen ausgedehnten mehrtägigen Wanderung hinüber gelangen. Das würden wir angesichts der immensen Gefahr sich zu verlaufen, allerdings nur ortskundigen Vollblut-Exkursionisten mit starken Nerven empfehlen.

Supramonte di Orgosolo

Gola Su Gorroppu

Gola Su Gorroppu

Dieser Teil des Supramonte ist also was für Einsiedler. Das weiß derjenige, der aus Süden kommt also schon. Vor Ort bestätigt sich dieser Eindruck noch einmal: Ja, von Orgosolo aus gibt es wohl Wege und Straßen – die wenigsten davon sind ausgeschildert, die meisten beginnen hinter verschlossenen Zäunen. In vielen Fällen ist durchaus ok, sie zu öffnen und zu schließen, aber wer weiß schon welches Tor? Anders als in Urzulei hat man hier das Gefühl, der gemeine Orgolese will gar nicht, dass man sein Territorium erkundet.Hier ist die Welt, in der sich früher (früher?) Banditen versteckt haben. Einsamer als einsam geht’s kaum.

FORESTA DI MONTES » Einfache Wanderungen auf Forstwegen zum Monte Fumai und Monte Novo San Giovanni. In dieser Region lebt eine stattliche Herde Mufflons. Scheu, aber wenn du im Winter und Frühling hier unterwegs bist, sind auch die Tiere am ehesten zu sichten, weil sie auf Futtersuche weitere Strecken zurücklegen als im Sommer oder Herbst.

Die Touren sind technisch leicht zu schaffen, kein großes Klettern, keine schwierigen Abschnitte – es sei denn du weichst absichtlich oder unbewusst vom Weg ab.

In anderen Abschnitten des Supramonte di Orgosolo kannst du dich extrem leicht verirren. Die Wege sind oft nur von Schweinen oder Eseln ausgetreten und vom Wetter ausgewaschen.

In manchem Tal erkennt nur noch der Einheimische anhand der Lage der Felsen, wo der Weg zurück ins Dorf ist – da kannst du dich noch so oft umdrehen, es breitet sich alles irgendwie gleich aus.

Und dann diese Wälder aus Steineichen, in denen die Sonne einfach nie zu sehen ist – der reine Orientierungswahnsinn. Gar schaurig ist die Dämmerung, oder der dichte Nebel im April.

Da glaubt man sogar, hier fliegen die Wildschweine tief, überall grunzt und wühlt es …

Schwarzschaf-Tipps

Achtung, halbwilde Sau im Anmarsch!

Achtung, halbwilde Sau im Anmarsch!

Das schwarze Schaf hat eine ordentliche Mütze voll Respekt vor der übermächtigen Präsenz der Natur im Supramonte di Orgosolo.

Wir sind jedes Mal wieder erstaunt, wie gut diese Berge es schaffen, sich gegen die große weite bunte laute Welt da draußen zu verteidigen. Hier scheint das alles nicht existent.

Von einfach bis schwer zu erreichen hat dieser Teil des Supramonte tolle Highlights:

  • GOLA GORROPU: Während sich alle anderen streiten, wem diese imposante Schlucht “gehört” (sie gehört auf jeden Fall zu den tiefsten und schönsten in ganz Europa) setzen wir sie aufgrund der geografischen Gegebenheiten in den Supramonte di Orgosolo. Denn die Gola Gorropu wurde vom Fluss Flumineddu gegraben, der in der Nähe des Passo Arcu Correboi entspringt; er fließt durch ein zur Comune Orgosolo gehörendes Gebiet und streift und/oder begrenzt “die anderen Supramontes” nur (mehr über den Flumineddu auf ilportalesardo.it). Was Euch in der Schlucht selbst erwartet, könnt Ihr in unserem Artikel auf pecora-nera nachlesen. Übrigens: Die Gorroppu kostet fünf Euro – darin inbegriffen ist (neben Säuberung und Schutz der Gola sowie Hilfestellung und Informationen) auf Wunsch eine Führung in Italienisch, Englisch oder Französisch.
  • Eingang zur Gola Su Gorroppu

    Eingang zur Gola Su Gorroppu

    NURAGHE GORROPPU UND MEREU: Die beiden Nuraghen liegen oberhalb der Schlucht, eine halbe Wanderstunde auseinander und von der Schlucht nur kletternd zu erreichen. Der einfachere Trekkingpfad ist ebenfalls auf der Seite Urzuleis (bei km 178 auf der SS 125). Oberhalb der Gorroppu-Schlucht finden sich die beiden imposanten frühzeitlichen Bauwerke (hier geht es zur Beschreibung mit Bildern auf ilportalesardo.it, eine Wegbeschreibung findet Ihr auf www.trekkinginsardegna.it unter “Percorsi >; Nuraghe Mereu” bzw. “Nuraghe Gorroppu”. Eine Quelle mit Trinkwasser gibt es auf dem Weg, Sos Campidanesos.

  • SU SUERCONE: Oft tut sich im Supramonte die Erde auf – und mit 200 Metern Tiefe und 500 Metern Durchmesser auf 900 Meter über dem Meer ist Su Suercone einer der beeindruckendsten “Schlunde”. Auf halber Strecke zwischen Orgosolo und der SS 125, mitten im Gebirge, liegt diese versteckte Perle. Hinunter geht es nur für Halbwahnsinnige über einen schmalen Grat am Rande der Felswände. Aber ihn gesehen haben ist ja auch schon mehr als die meisten hinkriegen. Der einfachste Weg dorthin geht mal wieder von woanders aus, beginnend im Valle Lanaitto, beschrieben auf sardegnaturismo.it (italienisch) inkl. englischer Übersetzung). Den eigentlichen Weg kennen die Einheimischen, er beginnt hinter Orgosolo, führt weit in den Supramonte und ohne Begleitung ist selbst der furchtloseste Entdecker schlichtweg aufgeschmissen. Hier hat man endlich begriffen, warum man sich im Supramonte so trefflich verstecken kann, wenn man was ausgefressen hat. Bloß nicht vor den Wildschweinen.

Supramonte di Oliena

Lieben gelernt haben wir auch den Supramonte di Oliena – bei unserem Ausflug zum Voragine di Tiscali.

Wir beenden unsere Rundreise durch die Silberrücken im Supramonte di Oliena, der sich an den Supramonte di Dorgali schmiegt und in dem die Sonnenuntergänge noch ein bisschen schöner sind als anderswo.

Im Norden gibt es diverse Sehenswürdigkeiten, man kommt wieder näher an die touristische Region. Wir machen noch einen Abstecher zum Monte Tiscali, der in einem Kessel im Berginneren das bekannte “Villaggio nuragico di Tiscali” beherbergt – ein “must see” auf der Insel.

Schwarzschaf-Tipps

  • VALLE DI LANAITTO: Schön und ruhig ist es in diesem Tal (sard. Lanàithu). Ewig weite Wanderwege breiten sich in der fruchtbaren Ebene und an den Hängen aus; mehrere Hinweisschilder zu Sehenswürdigkeiten im Tal – von der Grotte bis zur Quelle – auch zu Pferd oder Mountainbike ist es gut zu erkunden. Umrahmt von Bergen lässt sich hier allem entfliehen und ganz bei sich sein.
  • Valle di Lanaitto und Monte Tiscali

    Valle di Lanaitto und Monte Tiscali

    VORAGINE DI TISCALI: Ein echter Geheimtipp ist der Voragine di Tiscali – die riesige Grotte ist nur mit ortskundigen Führern oder Leuten zu erreichen, die schonmal da waren. Zur Sommersonnenwende ein echtes Spektakel, siehe unseren Artikel »Lichtwunder im Voragine di Tiscali«.

  • SA OCHE E SU BENTU: Das heißt soviel wie “Die Stimme und der Wind” und ist der Name für ein umfangreiches Höhlensystem in etwa 150 Metern über dem Meeresspiegel im Inneren des MONTE TISCALI. “Sa Oche” ist die erste Höhle, die sich etwa 250 Meter weit erstreckt, ihr folgen “Su Bentu” und “Corbeddu” (benannt nach einem sardischen Banditen, der sich hier versteckt haben soll). Ein Fluss fließt durch sie hindurch und bildet mehrere kleine Seen. Hier ein paar Eindrücke auf ilportalesardo (it.) und eine Beschreibung auf sardegnaturismo.it (engl.)

Und wer’s jetzt einfach selbst erleben und nur noch staunen will, fahre hin!

Weitere Informationen:

  • Unser eigenes Fotoalbum auf Pinterest:http://pinterest.com/pecoraneraeu/supramonte-sardegna/
  • Der “Supramonte” auf der italienischen Wikipedia: http://it.wikipedia.org/wiki/Supramonte
  • … und in deutsch (leider deutlich kürzer): http://de.wikipedia.org/wiki/Supramonte
  • Detailliertes Kartenmaterial ist generell schwierig zu bekommen. Allein deswegen lohnt sich ein Guide – je nach Ort und Schwierigkeit kostet eine geführte Tour das Doppelte oder Dreifache einer mittelprächtigen Karte (evtl. werdet Ihr in Sachen Guide in unserer kleinen Liste schon fündig, ansonsten einfach vor Ort suchen und einen persönlichen Eindruck gewinnen). Wir werden uns in einem Artikel dem Thema Karten widmen. Wir empfehlen dort, wo die obigen Links nicht weiter helfen, im voraus im Internet nach Wegbeschreibungen zu recherchieren (Italienischkenntnisse helfen, aber auch viele Deutsche oder englischsprechende Reisende haben ihre Wege veröffentlicht) und mit Google Maps oder Earth, oder auf dem Geoportal Sardiniens das Gebiet vorab zu erkunden und ein paar Ausdrucke mitzunehmen: http://www.sardegnageoportale.it/webgis/sardegnamappe/mappa.html

Buchtipps Supramonte (italienisch)

Die besten Bücher sind leider nur in italienischer Sprache, einige sind nur im Buchhandel (Libreria) auf Sardinien, andere auch online erhältlich.

Auch wenn du die darin enthaltenen Beschreibungen gar nicht oder nicht vollständig verstehst, ist das jeweils verwendete Karten- und Bildmaterial oft wertvoll als zusätzliche Vorbereitung oder zur Orientierung. Wenn du Italienisch sprichst, werden dir diese Wanderführer ein Schatz sein.

Viele der darin beschriebenen Treks sind allerdings sehr anspruchsvoll und nicht für Ortsunkundige oder Alleinwanderer geeignet.

  • Sardegna a piedi. 11 itinerari spettacolari lungo la costa, Riccardo Carnovalini
  • A piedi in Sardegna. 73 passeggiate, escursioni e trekking alla scoperta della natura, Stefano Ardito
  • Itinerari sulle montagne della Sardegna, Mirta Morandini
  • Trekking dei Cuiles: Guida pratica sentieri dei Supramontes, Leo Fancello
  • Andalas e caminus del Supramonte di Baunei, Band 1 und 2, Aldo Nieddu
  • Il libro di Selvaggio Blu, Mario Verin und Giulia Castelli
  • Il sentiero Selvaggio Blu, Corrado Conca
  • Il top del trekking in Sardegna, Corrado Conca
  • Grande Traversata del Supramonte, Corrado Conca — www.grandetraversatadelsupramonte.it
  • Grande traversata del Gennargentu, Corrado Conca
  • Iscallas e pizzos. I sentieri verticali dei pastori alpinisti, Sebastiano Cappai

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