Wir haben an diesem Junisonntag genau zwei Bedürfnisse: 1. Abschalten, 2. die Pizza von gestern aktiv verarbeiten. Da gibt es keine zwei Meinungen, was das Beste ist: Ab ins Kayak und rauf auf den Cedrino! Unberührte, starke Natur und intensive Stille erwarten uns an einem der wasserreichsten Flüsse Sardiniens.

Eine Kayaktour ist quasi immer eine gute Idee :)
Eine Kayaktour ist quasi immer eine gute Idee 🙂

Der Cedrino (im lokalen Sprachgebrauch: Tzedrinu) ist nicht besonders lang, nur 80 Kilometer, und trotzdem der fünftlängste auf Sardinien.

Seine Quelle ist am Monte Fumai im Supramonte di Orgosolo auf rund 1300 Metern. Hinter seiner Quelle schlängelt und windet sich der Cedrino und ist kaum zugänglich. Erst bei Dorgali und Oliena entwickelt er seine ganze Pracht und öffnet sich in den Lago del Cedrino – gebildet durch die Staustufe Pedra ‘e Othoni. Er mündet schließlich bei Marina di Orosei ins Meer.

Viele denken, die Karstquelle Su Gologone sei sein Ursprung, dem ist aber nicht so, aber sie führt ihm an seinem rechten Ufer viel Wasser zu. Seine Besonderheit auch deswegen: Er trägt ganzjährig relativ viel Wasser – eben auch durch Su Gologone, die den Supramonte entwässert und durchschnittlich mit bis zu 500 Litern pro Sekunde sprudelt. Das meiste ist Regenwasser, das in der zentralen Bergregion runter kommt und durchs Karstgestein sickert.

Im ganzen Jahr wasserreich und wunderschön: der Cedrino

Ganz- und halbtägige Touren am Lago del Cedrino

Wir mieten unser Kayak am Lago del Cedrino am Agriturismo Canales.

Ich kann auch die Übernachtung hier nur wärmstens empfehlen – das Panorama, die hausgemachte Küche, der Relax-Faktor und last but not least die Authentizität sind gute Argumente. Da gerade die kleinen Betriebe von der Corona-Krise ziemlich hart getroffen wurden, wäre es doch schön, sie zu unterstützen: Buchung bei booking.com / Webseite Agriturismo Canales). Es gibt natürlich auch noch weitere Vermieter in Dorgali und Oliena, und auch an der Quelle Su Gologone kannst du Kayaks mieten.

Agriturismo Canales: authentisch, entspannt und empfehlenswert für alle, die ein paar Tage in der Gegend um Dorgali und Oliena verbringen möchten

Am See teilt sich der Cedrino in drei Arme und damit hast du zum Start die Qual der Wahl (Richtungsangaben vom Steg des Agriturismo Canales aus):

  1. Die erste Tour führt geradeaus zum Riu Flumineddu, dem Fluss, der die Gola Su Gorropu gegraben hat, und durch das Valle Oddoene fließend, hier in den Cedrino mündet. Du bist in etwa einer halben Stunde da und gehst zu Fuß weiter. Bestens in einer Halbtagestour machbar und ideal zum Entspannen.
  2. Die zweite Tour ist ein Teil der dritten und führt zur Kirche / Chiesetta San Pantaleo (die man auch von oben vom Agriturismo sieht). 1 und 2 kann man gut in einer Halbtagestour machen.
  3. Die dritte und längste Tour führt in rund 1,5 Stunden zur Quelle Su Gologone, durch eine geniale Landschaft. Die Zeit muss man na klar auch für die Rücktour einplanen, aber es ist echt prima als Tagestour mit ausgiebigen Pausen und Besichtigung der Quelle machbar. Die ganz Sportlichen können nach Zeit, Lust und Laune entscheiden, ob sie noch zum Flumineddu möchten.
Suchbild: Chiesetta San Pantaleo
Suchbild: Chiesetta San Pantaleo

Mit einer Tagestour kann man das ganze Gebiet ohne Hektik erkunden, und gestaltet die Pausen dann je nach Lust und Laune halt etwas kürzer oder länger.

Theoretisch kannst du dich ab dem Startpunkt auch nach links wenden und die Brücke unterqueren, die Strecke ist kurz und endet an der Staustufe / diga – und ist damit nur spannend für Liebhaber solcher Bauwerke.

Die Brücke kennt fast jeder, der schonmal nach Cala Gonone gefahren ist.
Die Brücke kennt fast jeder, der schonmal nach Cala Gonone gefahren ist.

Wir haben es vorgezogen, auszuschlafen und entspannt gegen mittag anzureisen. Unser Hauptanliegen ist, einen relaxten Sonntag in schöner Natur zu verbringen und eben besagte Pizza in Energie umzusetzen. Und weil wir den Abschnitt zur Su Gologone schon von einer früheren Tour kennen, lautet unsere Wahl:

Halbtagestour auf eigene Faust zum Flumineddu … und danach noch zur Chiesetta 🙂

Francesco ist unkompliziert und er verzeiht uns, dass wir uns erst noch umziehen und Zeug ins Auto legen und doch wieder rausholen, bevor er uns in seinem 4×4 runter zum Fluss fährt … geht ja alles von unserer Zeit ab, denkt er sich wohl.

Und damit sind wir auch schon direkt beim Thema Vorbereitung:

Praktische Tipps für deine Kayaktour (nicht nur) auf dem Cedrino)

  • Wasser (gut 2 Liter pro Nase)
  • Verpflegung / Picknick (wir haben uns vorher jeder ein Panino selbst gemacht)
  • Sonnenhut und Sonnenbrille
  • Sonnenmilch (falls du auch baden willst, empfiehlt sich eine, die keine Schäden an der Umwelt hinterlässt, z. B. von eco cosmetics)
  • Leichte, einfache Turn- oder Wanderschuhe, falls du an Land, weiter gehen willst – deine Füße werden es dir danken! Fürs Flussbett (Tour zum Flumineddu) eignen sich auch Wasserschuhe.
  • Strandhandtuch, Badeklamotten (für ein Sonnenbad / Schläfchen zwischendurch bei einem “Landgang”) und/oder falls du in dem Nass baden magst. Ich bin kein See-Bader, aber die kleinen “piscini naturali” (natürliche Pools) am Flumineddu sind schön klar und echt toll.
  • Wasserfester Sack / Dry Bag (gibt es in verschiedenen Größen, je nach dem was du alles mitnehmen magst); auch an beliebten “Miet-Tagen” haben die Vermieter nicht für jedes Kayak auch einen Sack. Für Wassersportler sehr praktisch, auch nach dem Urlaub.
  • Schwimmende, wasserfeste Handyhülle (ich hab meine natürlich vergessen)
  • Leine, um etwas am Kayak festzubinden (z. B. den Rucksack)
  • Mein Spezialtipp für blasse Nordländer: langärmeliges, weißes Hemd, bevorzugt aus Leinen, aber es reicht auch ein günstiges, das du auch ab und an ins Wasser tauchen und so für Frische sorgen kannst. Denn irgendwann hilft die Sonnenmilch auch nicht mehr weiter, die Haut hat extrem viel zu tun. Und so bekleidet kannst du auch einen ganzen Tag auf dem Wasser sein.
  • Neu (Corona-Maßnahmen 2020): Mund- und Nasenschutz (z. B. beim Abholen der Kayaks / Einweisung und dem “Bier danach”), während der Tour natürlich nicht.

Gut ausgerüstet geht es endlich los!

Tour zum Riu Flumineddu

Wir sind an einem lauschigen Juni-Sonntag unterwegs und entscheiden uns also für die Fahrt zum Flumineddu. Die Sonne schenkt Glücks-Endorphine, der Fluss pure Entspannung, die hohen Berge ein Gefühl der Geborgenheit und das Kayak ist unsere Freiheit. Ziemlich perfekt das alles.

Als wir den breiten Stausee hinter uns gelassen haben, erheben sich die Berge grau-grünen Berge rechts und links. Der Supramonte ist einfach unschlagbar schön.

Der Cedrino und der Flumineddu

Das fluoreszierende Grün markiert den Punkt, an dem sich die Flüsse Flumineddu und Cedrino treffen. Gleich hier, wo du dein Kayak liegen lässt (ja, einfach ablegen, hier muss nichts “gesichert” werden), beginnt die pure Entspannung.

Der Flumineddu schlängelt sich durch das Bett, das er sich selbst gegraben hat, und ist eine wahre Oase.

Wir gehen so vielleicht 500 Meter weit hinein, und finden einen schattigen Platz für unser Picknick. An der hohen Wand wachsen Bäume direkt aus dem Stein, über uns fliegen Schwalben, ein Wasserfällchen / cascatella plätschert friedlich … irgendwann döse ich weg …

Eine halbe Stunde später erkunden wir noch ein weiteres Stück des Canyons entlang des Flussbetts, bis wir an einem der piscine naturali / natürlichen Pools ankommen. Wir lümmeln uns wie Eidechsen auf den von der Sonne aufgeheizten Felsen und sind zufrieden – wir sehen es uns gegenseitig an.

Träumchen: unsere Oase am Flumineddu, im Sommer blüht der Oleander im Flussbett

Sowohl der Flumineddu als auch der Cedrino sind beide erstaunlich reich an Fischen: Forellen, Flussbarsche und sogar Karpfen. Ich bin kein Fischexperte, aber die Tiere sahen ganz schön gut genährt aus. Die Oase ist also nicht nur für Menschen gut.

Was man von den frei laufenden Kühen, die zum Trinken an den Fluss kommen, nicht unbedingt behaupten kann … aber immerhin, sie haben Wasser. Wahrer Luxus im Sommer auf Sardinien!

Wer noch nie auf dem Cedrino war, fährt die lange Strecke mit offenem Mund, staunend über die unberührte Natur und die Schönheit des Canyons aus Kalkstein, den der Fluss gegraben hat.

Die vielen Schattierungen von Grün bezaubern mich wirklich, und es stimmt: die Farbe beruhigt ganz ungemein.

Auch wir haben heute noch Kraft und gönnen uns den Abschnitt bis zum Kirchlein / chiesetta San Pantaleo.

Während die anderen aufsteigen, bleibe ich im Kayak, denn um mich herum ist gerade niemand zu sehen und die Stille und Weite des Ortes tut sehr gut. Eine Viertelstunde dümpele ich vor mich hin. Stress, was ist das?

Das da unten bin ich, allein mitten auf dem Fluss Cedrino 🙂

Bei einer sportlichen Ganztagestour würde man jetzt weiter flussaufwärts zur Quelle Su Gologone fahren. Wir machen uns auf den Rückweg und geben halbwegs pünktlich unsere Kayaks wieder ab. Wir genießen noch ein bisschen das Panorama und die schöne Atmosphäre des Agriturismo, sind uns aber einig: Nach einer Kayaktour ist braucht es ein kühles, isotonisches Getränk mit B und Futter!!! Da der Agriturismo aktuell nur für dort wohnende Gäste kocht (weil leider noch kaum Touristen auf Sardinien sind, die Saison fängt ja erst so leidlich an – gerade im Hinterland), fahren wir nach Oliena.

Panorama vom Agriturismo Canales
Panorama vom Agriturismo Canales

Das mit der Pizza, die wir ja als Tagesziel so gern verarbeiten wollten, hat also einen Haken: Gepaddel + Frischluft = Hunger. Wir gehen ins GICAPPA, eines unserer liebsten Restaurants / Pizzeria, dort kannst du für kleines Geld echt sagenhaft gut essen.

Ob die Tour von heute reicht, um auch noch die Pizza mit Finocchietto selvatico / wildem Fenchel oder Casu Marzu (mit Käsecreme des berühmten Madenkäse) oder die hausgemachte Pasta oder das Bier und den Mirto zu neutralisieren? Wissen wir nicht, ist uns jetzt aber auch endlich wampe, äääääh, wumpe 😀

Als wir gehen, stehen vor der Bar nebenan zwei Pferde, darauf sitzen zwei junge Kerle. Auch das ist Oliena, hier bist du halt noch im echten Sardinien.

Für einen rundum perfekten Tag braucht es wirklich nicht viel mehr.

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

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