»Die zehn schönsten Strände auf Sardinien« – ehrlich, mich gurkt dieser Listenzwang an. Doch doch, ich könnte locker so ne Liste zaubern – bei 1.800 Kilometern Küste ist das nun wirklich keine Kunst.

Aber abgesehen davon, dass »Sardinienurlaub« nicht automatisch »Strandurlaub« heissen muss (im Gegenteil – landestypisch reisen geht ganz anders auf dieser Insel), hinterlässt der Strandtourismus immer mehr Spuren. Denn einige Strände sind zwar schön, werden aber, sobald der Tourismus und der Strandwahn Hochsaison haben, schrecklich. Und ich fürchte, so Listen machen es nicht unbedingt besser.

Im letzten Jahr hat die Gemeinde Baunei begonnen, die Zahl der Touristen an einigen Stränden des Supramonte (z. B. Cala Goloritze, Cala Mariolu) zu limitieren und Gebühren einzuführen. In dieser Saison folgen andere (z. B. La Pelosa in Stintino) diesem Beispiel.

So sieht für das Schaf der optimale Strand im Sommer aus: Cala Mariolu im Supramonte

Auch in diesem Sommer mit Zugangsbeschränkung: Cala Mariolu im Supramonte

Ich finde das mehr als richtig und längst überfällig. Da hilft nur: Suche dir Alternativen. Gib z. B. den »Underdogs« unter den Stränden an der ruppigen Westküste eine Chance. Oder suche dir einen anderen Reisemonat. Dann bist du an der Cala Goloritze auch mal fast allein und im Sommer ist schonmal einer weniger da.

Aber: Strände sind für 90% der Ersturlauber ein Anfang. Und auf einer Insel ist der Wunsch nach Strandtipps sowohl naheliegend als auch beeehrechtigt. Ja, auch ein schwarzes Schaf hängt mal am Strand ab. Sogar oft und gern. Der hohe Relaxfaktor und die Schönheit der sardischen Strände sind einfach unbestritten.

Ich stelle also die Strände auf Sardinien vor, an denen ich mal rundum happy war. Die, an denen ich auch in der Hauptsaison so etwas wie Ruhe fand. Die, zu denen ich in der Nebensaison zurückkehre, um sie wirklich geniessen zu können.

Wo du dieses Wasser findest bleibt geheim. Tipp: Die Bucht ist nur mit dem Boot erreichbar ...

Wo du dieses Wasser findest bleibt geheim. Mini-Tipp: Die Bucht ist nur mit dem Boot erreichbar …

Andere Strandtipps behalte ich einfach für mich – damit sie auch weiterhin Geheimtipps sind und nicht unter zuviel Besuch leiden.

Nicht zu beantworten: der schönste Strand auf Sardinien

Da ist schon die Frage Humbug und nicht zu beantworten. Was ist denn bitteschön »schön«? Und was nicht? Wo will man anfangen und wo aufhören? Wie könnte man die Cala Goloritze auf die Liste setzen, die Cala Luna aber nicht? Eben.

Gehört sicher zu den schönsten: Cala Luna

Gehört sicher zu den schönsten: Cala Luna am Golfo di Orosei (Ostküste)

Ausserdem: Ist Schönheit nicht Frage des persönlichen Geschmacks? Und komplett subjektiv? Genau!

Am Ende des Artikels gibt’s darum tatsächlich auch meine Lowlights, die vielleicht andere Leute als Highlight empfinden. Denn manchmal ist »schrecklich schön« von »ganz schön schrecklich« auch an tollen Stränden nur eine polternde italienische Grossfamilie, eine überhöhte Strandliege- und Schirmgebühr oder einen Haufen deutscher Urlauber entfernt.

Schwierig, aber machbar ist eine Antwort auf die Frage nach meinem aktuellen Lieblingsstrand:

Der alternative Reiskornstrand: Mari Ermi (Westküste / Sinis-Halbinsel)

Mein Liebling des Sommers 2017 und Nachbar vom berühmten »Reiskornstrand« Is Arutas auf der Sinis-Halbinsel. Mari Ermi hat fast den gleichen wunderbar körnigen, weissen, weichen Sand, den gleichen Blick, das gleiche Wasser – ist aber weitläufiger und in der Hauptsaison weniger frequentiert. In der Nebensaison super entspannt mit Kitesurfern. Das  Wasser ist so türkis, dass mans nicht glauben mag. Der weite Blick gen Westen ist ideal für Sonnenuntergänge – die wiederum in Porto S’Uedda, eine Bucht weiter nördlich, noch schöner sind. Tipp fürs Feriendomizil: Sa Pintadera, Cabras oder der Agriturismo Sa Ruda bei San Salvatore.

Reiskörner kann Mari Ermi auch

Reiskörner kann Mari Ermi auch

Strände auf Sardinien: echt schwarzschafige Highlights

Gut versteckt: Cala Domestica und Cala Grande (Westküste / Buggeru)

Diese Buchten dienten den Fischern in früheren Zeiten als Versteck vor Piraten, denn die Zufahrt ist vom Meer aus zwischen den Felswänden nur in einem relativ kurzen Moment auszumachen und die Cala Domestica ist so flach, dass sie kaum als Bucht zum Anlanden erkennbar ist. Die Cala Grande ist gar nicht zu sehen. Auch heute hat die Bucht das Glück, dass die Anfahrt über Land und Meer den meisten zu umständlich und zu weit ist. Im Sommer ist sie natürlich auch einigermassen voll, aber hier komme ich tatsächlich auch gern am frühen Abend hin. In der Umgebung gibt es wundervolle Treks und Kletterrouten (auch im Sommer machbar) und nach einem aktiven Tag im Meer zu baden ist mal ein echtes Highlight. Tipp: Besuche die Mine Galleria Henry in Buggeru oder die Mine Porto Flavia in Masua mit Blick auf den Pan di Zucchero. Beides spektakulär am Meer gelegen und unter der Erde ein spannendes und wichtiges Stück sardischer Geschichte.

Cala Domestica - und durch den Fels zur Cala Grande

Cala Domestica – und durch den Fels zur Cala Grande

Stürmisch: Coecuaddus (Südwestküste / Isola Sant’Antioco)

Ich mag ihn vor allem in der Nebensaison bei einem stürmischen Maestrale, der an der vorgelagerten Insel mit ordentlich Speed vorbeizieht. Hammer, wie schön! Dann ist der Strand menschenleer, maximal ein paar Kitesurfer, der Strand ist was für Könner und ein echter Geheimtipp. Auch an stillen Tagen ist Coecuaddus ein Träumchen, nur wenige Touristen kommen auf die Insel vor der Insel. Darum ist er auch bei den Einheimischen aus Sant’Antioco beliebt. Alternativen: windstiller ist Capo Sperone im Süden, der Strand glänzt durch flaches, traumhaftes Türkiswasser und die Abwesenheit von Liege-Batterien. Genial: ein Ausflug auf die Nachbarinsel San Pietro, mit steinigen kleinen Buchten an der Westküste.

Coequaddus: kann still und wild

Weite und Wohltat: Berchida (Ostküste)

Die hinführende Schotterpiste ist zwar nichts für empfindliche Mietwagen oder flache Cabrios. Aber wenn du die paar Kilometer im Schneckentempo geschafft hast, dann ist Berchida eine Wohltat. Nicht erschrecken, wenn der Parkplatz im Sommer voll ist (und er kostet auch ein paar Euro): An dem breiten und langen weissen Sandstrand verlieren sich die Menschen schnell. Beim Beachkiosk direkt nach links ab und ein paar hundert Meter durch den Sand stapfen. Dann findest du auch in der Hauptsaison ein ruhiges Plätzchen. Der Strand fällt relativ flach ab und hat wundervolle, weiche und lange Wellen, die sich bei Ost- und Südostwind herrlich auftürmen. Alternativen: die weissen Dünen am Capo Comino und das Naturschutzgebiet Oasi Bidderosa (kostenpflichtig).

Berchida - Capo Comino

Berchida – Capo Comino

Top für Aktivurlauber: Cala Goloritze (Ostküste / Supramonte)

Am besten ist die Goloritze, wenn du sie dir »erwanderst«. Der Trek ab dem Altopiano del Golgo bei Baunei ist einigermassen anspruchsvoll, geht über einen Berg und durch ein felsiges Tal hinab und dauert gut zwei Stunden, manche schaffen es schneller. Aber der Rückweg dauert und ist entsprechend anstrengend, weil es wieder bergauf geht. Die Felsen, das traumhafte Meer, die einzigartige Natur sind deine Belohnung. Kletterfans aufgepasst: Die Auguglia, eine rund 130 Meter hohe Felsnadel ist der Hit! Der einfache Weg zur Bucht ist über das Meer – Miet-Schlauchboote und Bootstouren (von klein bis gross im Ausflugsdampfer) ab Cala Gonone, Santa Maria Navarrese oder sogar ab La Caletta. Alternative: Chartere für eine Woche ein Segelboot. Der Segelurlaub am Golfo di Orosei gehört zu den schönsten Dingen, die ich je im Leben gemacht habe.

Inbegriff der Traumbucht: Cala Goloritzè, vom Meer aus gesehen

Für mich der Inbegriff der Traumbucht: Cala Goloritzè, vom Meer aus gesehen

Schutzbedürftig: Cala Mariolu / Ispuligidenie (Ostküste / Supramonte)

Oder auch: Ispuligi de Nie – Flöhe aus Schnee. Der seltsame Name beschreibt die feinen weissen Steine, die hier in der Bucht liegen und das Wasser noch einen Tick klarer und kristalliner scheinen lassen als an allen anderen Stränden. Die weissen Steine werden zur angrenzenden Felswand immer grösser. Sie teilt sich das Felsen und Wasser mit der Cala Mariolu, ebenfalls eine Naturschönheit. Bis in der Sommersaison das erste Touristenboot quasi direkt auf den Strand fährt und 50 Leute ausspuckt. Das tut schon beim Hinsehen weh und die Bucht leidet. Der Zugang ist daher neuerdings kostenpflichtig und reglementiert und die Zahl der Touristen begrenzt. Gut so. Schöner ist es eh in der Nebensaison, wenn nur die Aktiven über den schwierigen Trek herunterkommen und nur ein paar private Boote hier heraus fahren. Diese Bucht im Supramonte ist jedenfalls ein echtes, schwarzschafiges Highlight und ein Lieblingsplatz – zu dem ich allerdings viel zu selten zurück kehre. Alternative: gibts nicht. Aber wer nicht Boot fahren oder wandern kann/will, tröstet sich mit der hübschen Cala Fuili bei Cala Gonone.

Ispuligidinie: Träum ich oder bin ich wach?

Ispuligidinie: Träum ich oder bin ich wach?

Lido di Cea / Is Scoglius Arrubius (Südostküste)

Eine vulkanische Verwerfung schuf die rote Steinreihe (sardisch: Is Scoglius Arrubius), die am Lido di Cea ins Meer ragt und jedes Abend- und Morgenlicht noch schöner sein lässt. Schon ab September hast du an manchen Abenden das Glück, mit einer Flasche Wein ganz allein da zu sein. Im Frühling klappt das sogar tagsüber. Hier findest du noch mehr Impressionen und Informationen.

Is Scoglius Arrubius: ganz allein unterm Palmdach

Is Scoglius Arrubius: ganz allein unterm Palmdach

Stille in der Stadt: Spiaggia di Sant’Elia (Cagliari / Südküste)

Ich hab ja eigentlich den Poetto echt gern. Wenn ich in Cagliari bin, dann ist er meistens mein Strand. Aber an manchen Tagen im Sommer ist er einfach zu voll. Dann weiche ich auf diese kleine Bucht im Viertel Sant’Elia unterhalb des Sella del Diavolo aus, von den Einheimischen auch La Spiaggiola genannt. Ist es dort auch voll (was eigentlich nie vorkommt, weil der Parkplatz klein ist und die Schotterstrasse ziemlich schlaglöchrig), dann nehme ich einen der Pfade an der Küste entlang hinauf auf das Capo Sant’Elia und setze mich oberhalb der Bucht irgendwo in die Nähe des alten Leuchtturms. Tipp: Wenn du noch mehr Stille brauchst, fahre durch den einsamen Sarrabus – über die alte SS 125 an Burcei vorbei durch das Hinterland oder gar die SS 387 via Dolianova (Top-Weinanbaugebiet!).

Auch La Spiaggiola genannt

Auch von oben schön: La Spiaggiola

 

Privatsphäre für Wanderer: Cala Napoletana (Nordküste / Isola Caprera)

Vom Süden ganz weit in den Norden, auf die Insel Caprera. Über einen hübschen, leichten Trek gelangst du in diese kleine Bucht, in der tatsächlich auch im Sommer noch so etwas wie Privatsphäre herrscht. Hier wandere ich gern mit Freunden hin. Das sind oft »Bürohengste«, die gern am Strand schimmeln, aber auch was von der Landschaft sehen mögen – die aber nur einmal im Jahr wandern (nämlich im Urlaub) und für die die Treks im Supramonte zu viel des Guten sind. Die Cala Napoletana ist klein und daher auch mit wenigen Leuten schnell voll. Also kann passieren, dass man einigermassen auf Tuchfühlung ist. Dagegen hilft: früh losgehen oder sich arrangieren. An manchen Tagen, vor allem solchen mit Wind, bleibt man aber auch mal allein. Alternative: war mal die Cala Coticcio (auch »Tahiti« genannt). Die gehört aber jetzt zur Schutzzone A des Naturschutzgebiets Arcipelago di La Maddalena und darf nicht mehr betreten werden. Bin gespannt, wie viele sich dran halten. Tipp: Schön sind kleine Bootstouren ins Archipel, z. B. ab Palau mit dem Segelboot oder Tauch- oder Whalewatchtouren (z. B. ab Poltu Quatu mit Orso Diving).

Cala Napoletana, Caprera

Cala Napoletana, Caprera – hier Ende September, mit Glück ganz leer

Traum zwischen den Felsen: Cala Spinosa (Nordküste / Capo Testa)

Ganz eng und klein, sehr felsig, sehr ruppig. Wundervoll zu erleben, wie sich im Sommer die Touris den ausgewaschenen, steilen Pfad mit Flipflops runter quälen, unten dann keinen Sand vorfinden und entnervt wieder nach oben klettern – oder unten bleiben und jammern. Die Bucht ist trotzdem eine der schönsten, die ich kenne. Eingerahmt von den wilden Felsen, die das Capo Testa ausmachen. Man sucht sich einen Quadratmeter auf irgendeinem Fels, springt von selbigem ins Wasser und freut sich des Lebens! Wasserschuhe (heissen die so?) sind hier praktisch. Die Bar oberhalb ist nett, aber unverschämt teuer. Und besser gegessen hab ich auch schon. Also … der eigene Picknickkorb zum Sonnenuntergang ist hier quasi Pflicht. Wem es in der Cala Spinosa tatsächlich zu steinig ist, dem sei der Strand im Valle della Luna empfohlen, erreichbar nach einer kurzen Wanderung übers Kap.

Cala Spinosa am Abend

Super relaxed: Cala Spinosa am Abend

Bitte ganz vorsichtig: Cala d’Arena (Nordküste / Isola Asinara)

Das allererste, was man über die Insel Asinara wissen muss: Sie ist komplett Naturschutzgebiet – und hier meint man das auch so. Du kannst dich in den Zonen B und C mit aller Vorsicht bewegen. In der Zone A gilt: Betreten, Befahren, Anfassen ist absolut verboten! Die Cala d’Arena unterhalb eines spanischen Turms ist in der Zone B und einfach traumhaft. Über einen superschönen Trekkingpfad zum Leuchtturm an der nördlichsten Spitze gelangst du zu ausschliesslich zu Fuß oder per Bike zu ihr. Tourismus Fehlanzeige. Du bist in purer Natur. Alternative: Falls du gar nicht am Strand liegen willst und dir reicht, sie von Weitem anzusehen, sind die Cala Scombro di dentro und Cala Andrea in der Zone A genau richtig für dich. Türkiser Totaltraum! Asinara hat nur eine Unterkunft, das Hostel Cala d’Oliva. Wenn du also über Nacht bleiben willst, musst du reservieren.

Blick auf Cala d’Arena mit dem spanischen Turm

Oh no no: »vermeidbare« Strände auf Sardinien

Manchmal sind Strände echt nicht so schön wie gedacht oder wie andere sagen. Das liegt in den meisten Fällen aber an den Besuchern, an überhöhten Erwartungen oder auch der geschmacklosen Infrastruktur. Nur ganz selten ist ein Strand wirklich gruselig.

Hier die »vermeidbaren« Strände inklusive Begründung und dem Versuch, ihnen doch etwas schönes abzugewinnen.

Marina di Arborea: da gab’s mal bessere Zeiten …

Insgesamt finde ich Strände, an denen das Seegras Posidonia liegt, nicht hässlich, sondern wunderschön. Ganz objektiv, denn die Posidonia ist wichtig für das Ökosystem Mittelmeer und ein gutes Zeichen für die Wasserqualität. Und kann manchmal sogar lustig sein, wenn es denn als Seeball dort liegt. Wie eben an der Marina di Arborea. Wenns allerdings permanent müffelt, gibt es durchaus angenehmere Plätze. Zudem ist die vorhandene Infrastruktur geschlossen und in erbärmlichem Zustand. Alternative: An diesem Tag bin ich weiter gefahren nach Pistis, einem herrlich weiten Strand weiter südlich am Capo della Frasca.

Marina di Arborea hat definitiv die beste Zeit hinter sich

Marina di Arborea: hat definitiv die beste Zeit hinter sich

Platamona: das Rimini Sardiniens

Der Strand ist wirklich nur in der Nebensaison aushaltbar – und auch dann gibt es schönere. Im Sommer ist schon an der Strasse die Hölle los, die italienische Familie wackelt jeden Morgen mit ihrem Geraffel an den Strand und abends zurück, isst schlechte Pasta oder Pizza – und das zwei Wochen lang. Begreifbar, warum man Platamona das Rimini Sardiniens nennt. Zu Ferragosto gibts hier billigen Alkohol und Party. Alles, was Sardinien ausmacht, ist hier noch weiter weg als anderswo. Die Wohneinheiten unter den Pinien sind der blanke Touristenwahn. Mir gefällt es gar nicht und ich kenne auch keinen einzigen Fan dieses Küstenabschnitts. Alternative: Das Beste an Platamona ist das Hinterland. Sorso, Sennori, Nulvi – bis Sassari gibt es kleine, echte Orte, wo du richtig guten Wein und Olivenöl bekommst.

Schöner als Platamona: Weinhänge bei Sorso

Schöner als Platamona: Weinhänge bei Sorso

Costa Rei: völlig überbewertet

Hundespuren, die auch nach Stunden noch die alleinigen Abdrücke im Sand sind: Das geht an der Costa Rei nur in der absoluten Nebensaison. Die beginnt im Oktober und hört auch erst im Mai auf, das ist das Gute an diesem ausgesprochenen Touristengebiet. Ansonsten gilt: erstaunlich, womit sich der landläufige Tourist so zufrieden gibt und was man ihm alles als »echt sardisch« verkaufen kann. Selbst die Wiederholungstäter. Doch, es gibt Perlen, sicher irgendwo. Ja, ganz nett der lange Strand. Aber das ist auch schon alles. Ich hab mich in einem gruseligen Hauptsaison-Selbstversuch vom Hinterland retten lassen.

Costa Rei in der absoluten Nebensaison

Costa Rei: geht nur in der absoluten Nebensaison

La Pelosa, Stintino: kaputtgespielt

Der Strand gehörte mal zu den schönsten Sardiniens und ist jetzt nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Zahl der Strandbesucher wird ab der Saison 2018 beschränkt. Weil zu viele Touristen dafür sorgen, dass der Strand langsam aber sicher zerstört wird. Die traurige Seite des Tourismus. Zudem kann er sich wegen der immer heftiger werdenden Stürme (Stichwort: Klimawandel) auch im Winter nicht richtig erholen. Alternative: Die Spiaggia della Pelosetta befindet sich genau eine Bucht weiter, dort liegst du auf Felsen, aber hast wenigstens Platz und eine top Beachbar.

Übervoll: La Pelosa

Übervoll: der einst so wundervolle Strand La Pelosa

Chia, Su Giudeu & Cala Cipolla (Südküste / Costa del Sud): Nachhaltigkeit, was ist das?

Die Costa del Sud ist für mich so ein ambivalentes Ding. An den Stränden der Südküste musst du Glück oder Geld haben. Im Sommer ist die Küste komplett voll und kilometerweit unzugänglich – wegen der eingezäunten Luxus-Resorts. Für mich der Horror. Doch manchmal gibt es Tage, da ist wundersamerweise nichts los. Keine Ahnung, wo die Leute dann sind. Chance auf Platz für dein Handtuch hast du oft in der »Zwiebelbucht« Cala Cipolla, weil du etwas weiter gehen musst, während Chia das Gros der Touris abfängt. Chia finde ich eigentlich nur in der Nebensaison toll. Dann aber wirklich: Ich ging den genialen Küstentrek von Sa Colonia über Su Giudeu zum Capo Spartivento (superschön das luxuriöse Boutiquehotel im Leuchtturm) im April, und die Strände waren bis auf ein paar Kitersurfer und Spaziergänger weitgehend leer. In der Lagune bei Chia gründelten friedlich ein paar Flamingos … Auf der Strasse beginnt hinter Chia ein Cabrio-Traum – an einem schönen, warmen Frühlings- oder Herbsttag ist die Küste nicht zu toppen. Da kannst du sogar auf die Costa Smeralda pfeifen. Nächstes Problem: Camper, die sich bis auf die Strände stellen. Naturschutz scheint sowohl ihnen als auch der lokalen Polizei egal zu sein. Schwierig, diese Küste. Alternative: Capo Teulada, nur im Sommer wird der Zugang durchs Militärgebiet gestattet und geöffnet. Gut ist das, was da passiert, allerdings nicht. Die Costa del Sud macht damit aus Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten für die Natur quasi alles falsch, was geht …

So gefällt mir Chia: im April bei einer Küstenwanderung

So gefällt mir Chia: im April bei einer Küstenwanderung

La Cinta: in touristischer Sippenhaft

Jetzt werde ich glaube ich erschossen. Wie kann ich es wagen?! La Cinta??? Bin ich denn wahnsinnig? Der Traumstrand der Deutschen schlechthin? Genau deswegen landet La Cinta – LEIDER – in meiner Minus-Kategorie. Mir kommt es jedesmal so vor, als wär ich an der Ostsee, so viele D-Kennzeichen gibt’s auf dem Parkplatz. Ja, gerechterweise müsste es San Teodoro heissen, der Strand ist hier quasi in Sippenhaft genommen. Ist auch nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Wie oft war ich schon da: in der Saison viel zu touristisch, zu deutsch, alles ist auf den Strandtourismus ausgelegt, die Perlen sind so versteckt, dass es einfacher ist, direkt wieder wegzufahren und sein Glück in Siniscola, Oliena oder Nuoro zu versuchen – und da sogar das echte Sardinien zu finden. Ich mag Touridörfer wie San Teodoro einfach nicht, die im Winter zu 95% aus verrammelten Häusern bestehen und kein echtes Leben haben. Da kann auch La Cinta nicht viel dran ändern. Friedensangebot: La Cinta ist das Schönste (für mich sogar das einzig Schöne) an San Teodoro. Weit nach und vor der Hauptsaison ist La Cinta top für Kitesurfer, ihnen macht er sogar richtig Spaß. La Cinta zeigt seine wahre, innere Schönheit vor allem an einem stürmischen, eiskalten Tag im Februar. Und »off season« gehört er auch für mich zu den schönsten Stränden der Insel.

Überall verboten: Sand und Muscheln mitnehmen!

Last but not least. Falls es noch nicht bei allen angekommen ist: Man darf keinen Sand mitnehmen und wird dafür auch bestraft. An so manchem verpassten Abflug ist die Flasche abgefüllt mit Muscheln und Strandsand schuld, die im Gepäck gefunden wurde (das ist wirklich extrem einfach beim Durchleuchten zu erkennen). Und dann wird’s ungemütlich. Ich zitiere aus einem anderen Blogbeitrag: »Das Meer braucht die Muscheln – auch die nicht mehr lebenden – für seinen Kreislauf. Es gibt teilweise schon mehr Plastik als Muschel, also lasst das bisschen doch einfach da, wo es ist. Jedes Gramm ist wichtig für das eh schon gestörte Gleichgewicht der Natur.« … Und: »Wer Strandsand, Algen, Sand oder anderes Material aus dem marinen Staatsbesitz oder den Küstenzonen oder den Hafenzonen entfernt, wird mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt.« Aktuell ab 1.500 Euro. Also, überlegt euch das gut …

»es ist strengstens verboten, Steine und Sand vom Strand wegzunehmen«

»es ist strengstens verboten, Steine und Sand vom Strand wegzunehmen«

Noch mehr »schönste Strände auf Sardinien«

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