Sardinien im September ist ein einziger Genuss. Das liegt nicht zuletzt an der bereits erfolgten Sommerernte und der beginnenden Weinernte. Inselweit reifen Vermentino, Cannonau und Carignano jetzt zu den aromatischen Tropfen, die unzertrennlich mit der Inselkultur zusammenhängen – schon in der nuraghischen Kultur wurde Wein angebaut.

Der Monat macht es dir insgesamt leicht, Sardinien zu lieben: Die Sonne scheint an vielen Tagen, die Temperaturen werden gefälliger für Ausflüge aller Art, die Luft ist leicht.

Cabras an der Westküste: entspannter Sommerabend am See

Die Tage werden bereits kürzer, die Sonne geht so rund um sieben Uhr morgens auf und um halb acht abends unter. Doch gerade die lauen Sommerabende im Lichter- oder Mondschein sind sehr schön. An der Westküste beschert dir das wundervolle Stimmung, genau zur richtigen Zeit um bei einem Aperitivo am Strand den Feuerball im Meer untergehen zu sehen.

Sportliche Aktivitäten würde ich an sonnigen Tagen immer noch in die Morgen- oder Abendstunden legen. Aber das Klima ist sehr angenehm für Rundreisen durch die Insel und Ausflüge zu Land und Leuten.

Doch die Insel ist ausgetrocknet, und Regen ist auch im September noch relativ selten. Was die Urlauber freut, ist für die Einheimischen kaum mehr erträglich: Die Gefahr von Wald- und Buschbränden ist lang noch nicht gebannt: Bitte pass auf und hilf mit, Feuer zu vermeiden. Das Feuerverbot im Freien gilt noch bis Ende Oktober (= kein Lagerfeuer am Strand!).

Es gibt Tage im September, die immer noch gut über 30 Grad haben. Herbstlich wird es nur vereinzelt, wenn sich zum Temperaturausgleich Sommergewitter oder Tiefs im Mittelmeer bilden. Das Wasser ist noch sehr warm, Land und Luft kühlen nachts schon deutlich ab.

Die Hauptsaison ist vorbei … oder auch nicht 😉

Dafür sorgen vor allem wir deutschen Touristen: Der September ist (zusammen mit dem Mai) der Lieblingsmonat von Urlaubern aus Deutschland und Österreich; auch bei Osteuropäern und Skandinaviern ist er beliebt. Die Randmonate mutieren so seit einigen Jahren zur „kleinen Hauptsaison“.

Allein darum lohnt sich, die Küstenorte öfter zu verlassen: Höre ich in Cafés und Restaurants statt Italienisch zu oft meine eigene Sprache, nimmt zumindest mir das viel Urlaubsgefühl weg.

Schwarzschaf-Tipp: Fahre in die Inselmitte. Dort erwartet dich die ehrliche, von Herzen kommende sardische Gastfreundschaft, abseits des Tourismus.

An den Stränden und in den küstennahen Hotels und Restaurants ist im ersten Folgemonat nach „Ferragosto“ immer noch Hochbetrieb. Es ist noch nicht wirklich entspannt, denn die vielen Hausbesitzer sind immer noch da, und wer als Ausländer nicht an die Sommerferien gebunden ist, nutzt die leicht (aber nur ganz leicht) niedrigeren Preise. Manchmal sind die Hotspots an den Küsten darum immer noch voll und die spontane Suche nach einem freien Platz im Lieblings-Restaurant gerät zur Glückssache.

Gemütliches, landestypisches Gasthaus im Inselinneren Sardiniens
Gemütliches, landestypisches Gasthaus im Inselinneren Sardiniens

Das Gute: Oft findest du schon 20, 30 Minuten abseits der Dauerbeschallung in den touristischen Dörfern / villaggi turistici authentische Orte, eine herrliche Ruhe, traumhafte kühle Grotten, schattige Wälder, tiefe Täler, stille Seen, erstaunliche Museen. Wohl dem, der nicht am Strand festgenagelt ist.

Das Jahr beginnt im September

Im antiken, sardischen Kalender begann das landwirtschaftliche Jahr im September. Und als von der Landwirtschaft geprägten Insel richtet sich auch heute noch viel danach, wie es früher war.

Der Monat heißt im sardischen Sprachgebrauch zum Beispiel Capidanni, Cabuannu. Das kommt vom Lateinischen caput annum / Haupt des Jahres und bezeichnet, dassnach dem heißen, trägen Sommer alles auf Anfang stand und die wichtigsten landwirtschaftlichen Zweige ihre Arbeit wieder aufnahmen – allen voran der Weinbau.

Wohl dem also, der nicht am Strand klebt und weiß, wie sich die Klimaanlage des Autos einschalten lässt und sich in die Inselmitte und die Weinbauregionen der Insel begibt.

Cannonau auf einem Hang bei Mamoiada
Cannonau auf einem Hang bei Mamoiada

Doch das ist längst nicht alles: Sardinien im September ist speziell in ländlichen Gebieten und der Inselmitte ein Garant dafür, nach Strich und Faden verwöhnt zu werden: zwanglose Gesellschaft, gutes Essen, Wein und Musik, nette Menschen und viele Feste!

Die sprichwörtliche, sardische Gastfreundschaft erwartet dich.

Sardinien im September: Feste und Events

(Anmerkung der Schwarzschaf-Redaktion: Die nachstehende Liste ist unvollständig
und gibt erste Anhaltspunkte. Pandemiebedingt können zudem einzelne Events
abgesagt oder Restriktionen unterworfen sein. Bitte informiert euch vor Ort noch einmal.)

Beim Barfußlauf / Corsa degli Scalzi laufen am 1. Wochenende im September weiß gekleidete Männer von San Salvatore di Sinis nach Cabras. » zum Artikel auf diesem Blog

Die Herbstfeste des Autunno in Barbagia beginnen … 2021: mit Glück 😉 Die Reihe an sich ist aufgrund der Planungsunsicherheit abgesagt. Aber den einzelnen teilnehmenden Dörfern ist freigestellt, Events mit eigenen Konzepten (z. B. beschränkte Personenzahl, nach Reservierung) und im Freien umzusetzen. Der alte Grundsatz zu den Herbstfesten bleibt also: Irgendwo ist immer irgendwas! Bis Weihnachten lohnt es sich in jedem Fall, in die Inselmitte zu fahren. Bei der Festreihe geht es immer um lokale Spezialitäten und örtliche Sehenswürdigkeiten und Traditionen. Den Anfang machen üblicherweise Bitti, Dorgali, Oliena und Sarule. Aber selbst wenn nichts ist, kann man sich die Dörfer ja ansehen und ganz normal in den Urlaub einplanen. » Liste der Dörfer und » schwarzschafige Überlebenstipps

In Orani und Sarule freut man sich auch auf das Fest Madonna di Gonare (die für gute Ernte sorgt). Die Dörfer wechseln sich als Gastgeber ab. 

Sa Murra - murales an einer Hauswand in Urzulei
Sa Murra – murales an einer Hauswand in Urzulei

Sa Murra! In Urzulei findet jährlich ein internationales Turnier der Murra-Spieler im Mittelmeerraum statt. Und auch hier gilt: Sollte das Fest gerade nicht stattfinden, lohnt die Fahrt nach Urzulei allein wegen der typischen, schwarzweißen Wandmalereien / Murales. » Määähr über Sa Murra – das Glücksspiel mit Charakter

Regattazeit! Beim Round Sardinia Race wird in fünf Etappen die ganze Insel umrundet. Gesegelt wird auch vor der Costa Smeralda beim Rolex Swan Cup. Mit Glück gibt es auch Regatten der Lateinsegler / Regata a Vela latina, z. B. in Stintino (unregelmäßig, die Tradition pflegen leider immer weniger). » Regattakalender des Yacht Club Costa Smeralda

Hilf auf einer azienda vitivinicola bei der Weinernte. Feste zur Weinernte / Festa della vendemmia / Sa Festa de Binnenna feiern z. B. Ussana und Monserrato. Alternativ mach eine Fahrt entlang » der Weinstraßen der Insel

Beim kreativen Musik- und Kulturfestival Isole che parlano in Palau spielen Künstler in freier Natur, z. B. unter dem Bärenfelsen / Capo d’Orso. Absolut empfehlenswert! Meist in der ersten vollen September-Woche » www.isolecheparlano.it

Die Matrimonio selargino (antico sposalizio) ist ein altes Hochzeitsritual in Selargius. An diesem Tag heiraten auch besonders viele Paare – in dem Dorf feiern in manchen Jahre 10, 20 Paare zusammen! Doch nicht nur dort: Allein aus meinem Freundeskreis haben drei Paare im September auf Sardinien geheiratet. Von der romantischen Strandzeremonie bis zum alternativen Ja-Wort in den sardischen Bergen ist so einiges möglich.

CollInArte, Festival in Collinas mit Musik, Poesie, Kunsthandwerk, Malerei und anderem; Anfang September.

Die Kaktusfeigen reifen. Vorsicht beim Ernten! Nie mit bloßen Händen anfassen, besser mit Ästen oder Zeitung, und nie direkt essen (= Bauchweh). Erntehilfe » in diesem Artikel

Auch die Mandeln reifen. Baressa im Medio Campidano feiert in der Monatsmitte seine Sagra delle Mandorle.  

An den Küsten sind Konzerte am Strand und spontan organisierte SUP-Fahrten, auch zu nächtlicher Stunde, keine Seltenheit. Achte auf lokale Aushänge in den Bars oder Hotels.

Und und und … 🙂

Extra-Tipp: Transhumanz

Das schwarze Schaf reist in den südwestlichen Gennargentu und von dort ins Oristanese, auf den Spuren der Transhumanz. 

In einer Bar in Fonni holt es sich noch zwei Flaschen Wasser. Die Kellnerin wechselt gerade den Wandkalender aus. Ganz oben: der September. Das sardische Jahr beginnt mit Cabidanni, vom lateinischen caput annum / Haupt des Jahres. Das Beste und Letzte kommt quasi zuerst, denn der September war der letzte Monat, in dem die Familien noch zusammen waren. Danach verließen die Hirten mit ihren Herden die kargen Weiden in den Bergen und zogen in die wärmere Ebene, um erst im Frühling zurückzukehren. » zum Artikel über die Transhumanz auf Sardinien

Im September auf Sardinien musst du nur aufpassen, dass du nicht sofort ein Haus kaufst und glaubst, das Leben auf der Insel sei im ganzen Jahr so. Spoiler: Ist es nicht 😉

Ich empfehle » die schwarzschafigen Auswanderertipps und wünsche allen, die im September reisen, viel Spaß auf der Insel!

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

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