Das Schaf ächzt in seiner schwarzen Wolle. Sardinien im August, das ist was für Kamele. Denkt es, und sucht in der baumarmen Landschaft verzweifelt nach Schatten. Die drei Wolken, die am Himmel ziehen, haben sich bald vaporisiert. Jede Bewegung ist zuviel. Alles schreit nach Faulheit. Wie schön wäre jetzt ein Sommergewitter, damit die Schwere verschwindet. Vielleicht am Abend.

Das Thermometer kratzt immer noch an der 40, in einigen Orten klettert es sogar noch darüber. Die Sarden sind im Schatten, die Touristen am Strand. Vielen Nordeuropäern ist es auf Sardinien viel zu heiß.

Graue Schwaden am Horizont verheißen zudem nichts Gutes. Ein Feuer. Eines von viel zu vielen. Jeden Sommer wieder. Das ausgetrocknete Land, bewachsen nur von flacher, mediterraner Macchia, brennt wie Zunder. Buschbrände entstehen vor allem durch Unachtsamkeit, menefreghisti (Leute, denen alles egal ist) und Feuerteufel. Sie sind ein ewiger Fluch auf Sardinien. Daher – weil es einfach zu wichtig ist – als erstes meine Tipps zur Feuervermeidung und -bekämpfung.

Rauch verdunkelt den Himmel ... alle Jahre wieder brennt es auf Sardinien
Rauch verdunkelt den Himmel … alle Jahre wieder brennt es auf Sardinien

2021 haben Feuer am Montiferru in sechs (!) Tagen auf 50 Kilometern Länge 20.000 Hektar Wald und landwirtschaftliche Fläche zerstört. Selbst in Olbia, nur 100 Kilometer entfernt, war der Himmel von Rauch verdunkelt – zusätzlich genährt von einem Feuer südlich der Stadt. Das war schon sehr spooky – und man kann nur ahnen wie es denen geht, die alles verloren haben oder die vor Ort geholfen haben.

Während es also irgendwo auf Sardinien brennt, bekommen viele in ihren Urlaubsorten davon gar nichts mit. An den Küsten kommen Feuer selten an. Aber wenn doch mal ein Touristenort von Flammen bedroht ist, dann bekommt man sofort ein Gefühl dafür, wie fragil doch alles ist. Darum, bitte aufpassen! Auf euch selbst und auf die Natur.

Sardinien im August = Urlaub in Italien

Sardinien gehört zu den Top-Zielen in Italien – und platzt an den neuralgischen Punkten aus allen Nähten.

Der Sommerurlaub auf der Insel hat vor allem bei den Italienern selbst Tradition. Im August ist Sardinien ein bisschen Italien, ob es nun will oder nicht. Schuld ist der römische Imperator Ottaviano Augusto, der den Italienern den Feiertag Ferragosto bescherte, am 14. August. An den beiden Wochen rund um dieses Datum sind die touristischen Hauptziele – allen voran der Nordosten mit der Costa Smeralda – ausgebucht, teuer und total voll.

Fast ganz Festland-Italien schließt seine Infrastruktur und fährt geschlossen ans Meer. Staus gehören zum Spektakel dazu – sogar auf der Insel. Auf dem Festland muss man an bestimmten Wochenenden damit rechnen, dass die Autobahnen zu den Fährhäfen stark frequentiert sind.

Nadelöhre wie Genua oder Florenz, die kurvigen Abschnitte auf der A 15 durch die Appeninen und die Zubringer nach Livorno sind immer dicht. Da hilft nur, antizyklisch fahren und auf gar keinen Fall rund ums Wochenende.

Volle Strände und Buchten

Ein guter Grund, nicht im Sommer auf der Insel zu urlauben sind auch die überfüllten Strände und Buchten an den beliebtesten Urlaubsorten (hier eine kleine Übersicht, wo es voll werden könnte und man eher auf die Nebensaison ausweichen sollte, wenn man kann). Oft muss man einige hundert Meter, ach, manchmal auch einen Kilometer, laufen, um einen freien Platz fürs Handtuch zu bekommen.

Die Liegebatterien nehmen gefühlt immer mehr Platz ein, einige Strände haben Zugangsbeschränkungen und müssen kostenpflichtig reserviert werden. Für den Parkplatz zahlt man horrende Tagesgebühren. Das ist ja grundsätzlich auch irgendwie richtig, denn es wird langsam zuviel, die Natur leidet und dann sollen die Vielen auch zahlen.

Aber irgendwann hört einfach der Urlaubsspaß auf, wenn man ständig zur Kasse gebeten wird – und nicht alle rechnen das mit ein.

Selbst mit dem Boot ist es irgendwann schwierig. Wer chartert, erlebt Sardinien im August als warme Badewanne, windarm – und Herr Müller-Lüdenscheid und die Gummiente sind auch da. Nur in Form hundert anderer Signor Rossis mit ihren Gummibooten unvermeidbar und drücken leider auch so manchen Spaß in den Buchten.

Megayachten an der Costa Smeralda im August. Da wirkt sogar die riesige Segelyacht "A" durchschnittlich ...
Megayachten an der Costa Smeralda im August. Da wirkt sogar die riesige Segelyacht „A“ durchschnittlich …

Stimmt schon – Megayachten bestaunen hat durchaus etwas Spaßiges. Aber das ist nach zwei, drei Tagen wieder nebensächlich. Und wenn der Liegeplatz in der Marina am Tag so viel kostet wie ein ganzer Monat im Winter, fragt man sich schon, ob das so schlau war, ausgerechnet im August auf Sardinien zu chartern.

Wer einfach nur eine (zugegeben echt traumhafte) Bootstour, z. B. ins Maddalena-Archipel bucht, sollte aufpassen, mit welchem Gefährt es losgeht. Einige Dampfer transportieren bis zu 200 Menschen – und kippen diese nach einer Fahrt mit lautem Motor gleichzeitig in die Traumbucht. Da ist es mit der Idylle schnell vorbei.

Ein Segelboot mit maximal 10 Leuten, auf dem der Skipper das Revier und damit Ausweichbuchten kennt, die nicht in jeder Seekarte stehen, ist jeden Euro mehr wert.

Selbst die Pandemie hat im Sommer niemanden aufgehalten, Touristenmassen in die Traumbuchten zu transportieren
Selbst die Pandemie hat im Sommer niemanden aufgehalten, Touristenmassen in die Traumbuchten zu transportieren

Ich selbst bin im Sommer fast nie auf Sardinien, sondern wirklich lieber in Schleswig-Holstein oder noch nördlicher. Hitze & Hauptsaison sind wirklich nicht meins.

Was, wenn ich die Hauptsaison nicht vermeiden kann?

Wer wegen schulpflichtiger Kinder auf die Sommerferien festgelegt ist – wobei es ja auch noch Oster- und Herbstferien gibt – für den habe ich ein paar Tipps in diesem Artikel parat: Was kann ich bei 40 Grad Hitze machen? Life Hacks und Ausflugstipps für Sommerurlauber auf Sardinien

Wer ein wenig mehr Privacy als in San Teodoro sucht und sich keine abgeschirmte Villa in Pantogia leisten kann, dem sei der Südwesten Sardiniens empfohlen – die Küste von Arbus mit Piscinas und Scivu, mit echten, von Landwirtschaft und Bergbau geprägten Orten, bis hinunter in das Sulcis mit seinen wunderbaren Weinlagen und zu den Inseln Sant’Antioco und San Pietro, letztere mit ihrer wunderschönen Stadt Carloforte, haben noch ein moderates Urlaubsgeschehen und sind nicht weniger schön.

Auch an der Costa del Sud, je weiter du dich nach Westen bewegst, ist möglich, ruhigere und genauso traumhafte Buchten zu finden, an denen nicht tausend andere sein wollen.

Entspanntes Urlauben an der Costa del Sud, hier bei Teulada

Natürlich musst du auf Sardinien im August überall damit rechnen, dass Strände voll sind – richtig einsam ist es nur an wenigen Buchten. Hab bitte Verständnis, dass ich meine Geheimtipps hier nicht preisgebe – dann ist es nämlich auch dort schnell mit der Einsamkeit vorbei und nix ist mehr geheim.

Du musst diese Orte selbst finden. Aber das ist mit ein bisschen Neugier und der Bereitschaft, im Einzelfall auch mal zu scheitern, gar nicht so schwer. Einfach der Schnüffelnase nach 😉

In fast allen Orten musst du Restaurants vorab reservieren und für Hotels höhere Preise zu zahlen. Das ist in der Hauptsaison normal. Aber in einigen Orten ist das alles deutlich entspannter als in anderen Inselteilen.

Vor allem in der Inselmitte. Sie ist ein wirkliches Refugium im Sommer. Du wohnst und lebst um einiges günstiger – speziell wenn du in kleinen B&B oder in einem Agriturismo bei Einheimischen wohnst. Und, das Essen ist um einiges besser als jedes Touristenmenü an der Küste.

Eigentlich ist Sardinien im August daher sogar ideal für eine kulinarische Rundreise. Kleiner Tipp: Mit jedem Kilometer, den du dich von der Küste entfernst, wird es nicht nur kulinarisch, sondern auch landschaftlich und kulturell spannender.

Und manchmal findest du Orte, an denen du einfach nur sein kannst und komplett ungestört bist – wie ich im letzten Sommer im ausgetrockneten Stagno Sale e Porcus an der Westküste bei Cabras. Versuch das mal im August am Strand von Palau:

Last but not least, urlaubst du ehrlicher und nachhaltiger: Denn das wahre Sardinien hat mit dem Trubel an den Stränden relativ wenig zu tun.

Die kulturelle und menschliche Nähe zu Land und Leuten hilft nicht nur dir zu einem ganz besonderen Urlaub, sondern dein Geld landet auch in den richtigen Taschen – bei den Sarden.

In der Hauptsaison ist Sardinien eine andere Insel. Das Bild, das die meisten Urlauber von ihr haben, ist nur eines von vielen. Und eben nicht einmal ein wirklich wahres. Vice versa: Wenn du in der Nebensaison reist, wird dir diese Version der Insel fremd vorkommen.

Also, versuche, die Insel auch so zu erleben, wie sie wirklich ist. Bewege dich abseits der Massen und vielleicht magst du ja auch eines der landestypischen Feste der ein oder anderen Beachparty vorziehen.

Zum Schluss eine kleine Liste mit echt sardischen Feierlichkeiten.

Sardinien im August: Erlebnisse und Events

Anmerkung der Redaktion: Pandemiebedingt fielen zuletzt viele Feste aus. Bitte informiere dich vor Ort nochmal genau, ob die Feste stattfinden und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

  • Die Sagra del Redentore in Nuoro zeigt historische Trachten und Reiter aus allen Regionen der Insel.
  • Musikfreunde bekommen viel auf die Ohren: Festival Time in Jazz in Berchidda, das Aglientu Summer Blues Festival, das Musikfestival Musica sulle Bocche. Tolle Locations: das Amphitheater von Tharros am Meer hörst (meist Klassik), moderne Musik im Klanggarten / Parco Dei Suoni Riola Sardo.
  • Sassari feiert Sa Festha Manna / das große Fest und I Candelieri mit übermannshohen Kerzen.
  • Ein ähnliches Fest ist im nahegelegenen Dorf Nulvi mit Sa Essida De Sos Candhaleris genauso schön und deutlich familiärer.
  • Am 15. August ist der italienische Feiertag Ferragosto: Party die ganze Nacht, an vielen Stränden der Insel wird gefeiert, vom Poetto bei Cagliari und Quartu S. Elena bis zu Phi Beach an der Costa Smeralda. Dort bestaune die größten Motoryachten der Welt in der Cala di Volpe und Porto Cervo.
  • Die Sagra del Mirto in Telti ist Pflichttermin für Liebhaber des sardischen Likörs. Weinfreunde gehen zur Sagra del Vermentino in Monti. Beides Mitte August.
  • Sternschnuppen-Zeit! Besonders viele in der Notte di San Lorenzo (etwa Mitte August), bester Platz in lichtarmen Gegenden. Blickrichtung: Nordosthimmel.
  • Pasta vom Feinsten: Morgongiori lädt zur kulinarischen Sagra di Lorighittas (Anfang August) und Sadali zur Sagra del Culurgiones (Monatsmitte). Die Zuppa Gallurese, das typische Käse-Brotgericht der Gallura, feiert man in Badesi.
  • Am ersten August- Sonntag trägt Santa Giusta auf dem See die Regata de Is Fassonis aus: ein Rennen in den traditionellen Schilfbooten des Sinis. Gleiches auf dem Stagno di Cabras, manchmal auch schon Ende Juli.
  • In Santadì wird die Hochzeitszeremonie Matrimonio Mauritano abgehalten: eine Reminiszenz an die Nordafrikaner, die im ersten Jahrtausend auf Sardinien waren.
  • Orgosolo feiert Mitte August Mesaustu, eigentlich ein religiöses Fest zu Ehren der Beata Vergine Assunta, seit über einem Jahrhundert, zehn Tage lang. Mit Prozessionen zu Pferd in dörflicher Tracht, begleitet von lokalen Kulturgruppen, und Sa Vardia – mit den Pariglie, bei der die Reiter in rasantem Galopp akrobatische Figuren auf dem Pferderücken ausführen.
Einsamer Sonnenuntergang im Sommer an Sardiniens Westküste

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