Der traditionelle Karneval auf Sardinien kündigte sich wie gewohnt bei den Herbstfesten der Barbagia an: Quasi überall tauchten irgendwelche urigen Figuren mit Masken auf. In Mamoiada tanzten die Mamuthones und Issohadores auf den Straßen, quasi jedes Dorf zeigte irgendeine der alten Karnevalstraditionen und gab zu verstehen: Das Beste der Barbagia kommt erst noch! Nämlich zum traditionellen Karneval!

Aber wann genau ist der? Und wo ist was los? Was ist der sardische Karneval überhaupt? Und wie komme ich auf die Insel?

Hier ein paar Tipps und Ideen für die tollen Tage.

Maske Su Boe aus Ottana

Maske Su Boe aus Ottana

Traditioneller Karneval – save the date: 3. März 2019

Die nächsten Termine zum Karneval auf Sardinien:

  • Quasi die “Vorgeschichte”, der eigentliche Beginn des traditionellen Karnevals ist in der Barbagia im Januar mit den Feuern zu Ehren des Heiligen Sant’Antonio: 16./17. Januar 2019
  • Der eigentliche Karneval beginnt am 28. Februar 2019 mit dem Giovedì Grasso / fetten Donnerstag. 
  • Das Highlight ist der Karnevalssonntag am 3. März 2019
  • Letzter Tag: Martedi grasso / fetter Dienstag am 5. März 2019, an dem bis in den frühen Morgen gefeiert wird.
  • Am darauf folgenden Aschermittwoch / Mercoledi delle cenere ist der Karneval auch hier offiziell vorbei. Aber eigentlich doch nicht 😉
  • Dörfer die nicht mit den großen Festen konkurrieren wollen, wählen für ihres oft auch ein Wochenende vor oder nach Karneval.
  • Die meisten traditionellen Feste sind am Karnevalssonntag oder am Dienstag, dem Martedì Grasso. Viele Dörfer feiern aber auch von Donnerstag bis Donnerstag … und das ist auch in jedem Jahr anders. Aktuelle inselweite Termine und zusätzliche Termine findest du etwa ab Januar 2019 zum Beispiel auf sardegnainblog.it.

Und nun auf ins wilde Treiben!

Was ist der sardische Karneval?

Du wirst schnell merken: Speziell in der Barbagia hebt sich der Karneval sehr deutlich von seinen Festland-Brüdern ab. Kurz: Er hat wenig bis gar nichts mit Luftschlangen und Büttenreden zu tun (was zumindest das schwarze Schaf sehr angenehm findet).

Hier geht es um archaische Riten, urige Masken und wilde Bräuche, zurückzuführen auf antike, heidnische Feste im Mittelmeerraum, die sich in der hiesigen Hirtenkultur weiter entwickelt haben.

Eine kulturelle Einführung findest du in diesem Artikel: Carrasegare! Erlebe den sardischen Karneval.


Und: Natürlich fließt auch viel Wein – der ja bekanntlich auch beim Überwinden von Sprach- und Kulturbarrieren sowie beim Tanzen und Singen hilft. Übt doch schonmal den Karnevals-Klassiker “Carrasegare” – am beliebtesten ist die Version der sardischen Band Tazenda (hier der sardische Text).
Das Ganze hat eine gewisse Ernsthaftigkeit. Niemand “verkleidet” sich zum Beispiel “einfach so” als Mamuthone. Das heißt nicht, dass der Karneval auf Sardinien nicht lustig wäre. Speziell am Martedi Grasso wird es oft sehr ausgelassen.

Der sardische Karneval kann auch lustig sein!

Der sardische Karneval kann auch sehr lustig sein!

Sardischer Karneval: in die Vollen!

Wer gleich mal in die Vollen der sardischen Tradition gehen will, ist in Fonni gut aufgehoben: die zotteligen Urthos e Buttudos streifen durchs Dorf. Ihre Besonderheit: Sie sind sehr spontan und wild – und klettern auf alles, was sie trägt.

Urthos e Buttudos: fix die Hauswand hoch

Urthos e Buttudos: fix die Hauswand hoch

Gar nichts für schwache Nerven ist der Karneval in Lula, wenn Su Battileddu durch die Straßen zieht …

Live und in Farbe in Lula: die Tragödie des Su Battileddu

Live und in Farbe in Lula: die Tragödie des Su Battileddu

Viele Dörfer außerhalb der Barbagia feiern am Samstag und private Gruppen bauen carri allegorici – also bunte und lustige Wagen, wie zum Beispiel in Siniscola, Olbia, Barisardo, Mandas ach, eigentlich überall.

Reiterfeste

Die Westküste ist optimal für Pferdefreunde: Besucht den Klassiker, das Reiterfest Sa Sartiglia in Oristano, mit dem Sternenritt und den akrobatischen “Pariglie” – sowohl am Karnevalssonntag als auch am Dienstag. Montags reitet der Nachwuchs, auch nett anzusehen!

Su Componidori - der Held der Sartiglia

Su Componidori – der Held der Sartiglia

Auf Pferde, traditionelle Masken und bunte Wagen gleichzeitig trefft ihr oft auch in Dorgali und in Ghilarza.

In Oniferi, Irgoli und Benetutti findet das Reiterfest “Pentolaccia a Cavallo” statt, bei dem über einer Sandpiste hängende Blumentöpfe von Reitern im Galopp zerschlagen werden.

In Santu Lussurgiu erlebst du bei “Sa Carrela ‘e Nanti” wie verkleidete Reiterpaare im gestreckten Galopp eine lange Straße im historischen Zentrum herunter donnern.

Sa Carrela e Nanti: Im Galopp durch Santu Lussurgiu

Sa Carrela e Nanti: Im Galopp durch Santu Lussurgiu    

Beim Karneval in Tempio Pausania kann man sich prächtig austoben – quasi täglich findet hier ab dem “fetten Donnerstag” irgendein buntes Fest statt. Das Highlight ist, wenn die Pappfigur des “Re Giorgio” in Flammen aufgeht – nach einer Rede, die mit den Politikern der Region abrechnet. Als sanfte Eingewöhnung für den Rheinländer durchaus geeignet!

Karnevalssonntag in der Barbagia

Die berühmten Klassiker der Barbagia und daher immer sehr gut besuchten Feste sind

  • in Mamoiada: Mamuthones e Issohadores
  • in Ottana: Boes e Merdules e Sa Filonzana

Immer wieder würden wir uns die Mamuthones und Issohadores in Mamoiada ansehen. Wer sie schon kennt, für den ist die “Vestizione” am frühen Nachmittag sehenswert, wenn sich die Männer “verwandeln”. Oder Ihr stimmt euch auf das Fest mit einem urtypischen Mittagessen beim Schäfer (pranzo del pastore) ein. Mamoiada gilt als der gastfreundlichste Ort in ganz Sardinien, das kann das schwarze Schaf nur bestätigen. Die Zimmer und Restaurantplätze in seiner Lieblings-Locanda “Sa Rosada” sind zum Karneval zwar schnell ausgebucht, aber die Feste im Innenhof schlicht grandios!

Mamuthone und Issohadore

Mamuthone und Issohadore in Mamoiada

In Ottana gibt es die vielleicht schönsten Masken eine sehr sehenswerte Form des traditionellen sardischen Karnevals: die “Boes und Merdules“. Die beiden Hauptfiguren, »Su Boe« und »Su Merdùle« gehören zusammen. Sie repräsentieren einen Ochsen und seinen Herrn oder Hirten. Sie zeigen Szenen aus dem Landleben, den ständigen Kampf zwischen Mensch und Tier. Außerdem seht ihr “Sa Filonzana”, die den Lebensfaden spinnt.

Su Boe in Ottana - eine der schönsten Figuren im traditionellen Karneval

Su Boe in Ottana – eine der schönsten Figuren im traditionellen Karneval

Darüber hinaus gibt es in der Inselmitte quasi unendlich viele Möglichkeiten.

Ein eher privates Fest unter den Dorfbewohnern findet Ihr in Orotelli, dort heißt es “Carrasegare Oroteddesu“, und Sos Thurpos e S’Eritaju führen ihre Tradition vor.

Sos Thurpos in Orotelli, hier feiern groß und klein zusammen

Sos Thurpos in Orotelli, hier feiern groß und klein zusammen

Lustig wird es auch in Oltzai. Wo man Schweinsmasken trägt, und Männer sich Frauenpuppen umschnallen, hat man immer viel Spaß!

In Gavoi laufen die “Tamburinos” durch die Straßen und machen mit ihren Trommeln und machen einen Heidenlärm!

Auf “Su Bundhu” triffst du in Orani. Diese Karnevalsfiguren tragen Lumpen und eine aus Kork gefertigte Maske mit Hörnern und einem Schnauzbart.

Su Bundhu in Orani auf einem Eselskarren

Su Bundhu in Orani auf einem Eselskarren

Montag: für die Kleinen

Einen der Klassiker erlebt ihr in Ottana am Monat mal anders: Die Boes  e Merdules in “Miniaturform”. Während Sonntag und Dienstag die Erwachsenen durchs Dorf streifen, werfen sich am Montag die Kleinen in die historischen Kostüme und sichern den Fortbestand der Tradition.

Auch in Oristano reiten am Montag die Kinder und Teens. Der Sternenritt ist mit Ponys wirklich niedlich.

Ansonsten ruhen sich am Montag die meisten Erwachsenen für den nächsten Tag aus.

Fetter Dienstag – Martedi grasso

Der “Martedi grasso” ist in fast allen karnevalistischen Orten der zentrale Tag.

In Mamoiada lohnt es sich übrigens auch noch am Abend einzutreffen, wenn die Mamuthones und Issohadores ihren Umzug schon beendet haben. Das ganze Dorf beweint dann symbolisch das Ende des Karnevals in Gestalt des Juvanne Martis Sero.

Am fetten Dienstag werden auch die “Fritelle” gebacken – in Öl und Fett gebackene Teigringe. Historisch gesehen ist dies der letzte Tag vor der Fastenzeit – also geht man in die Vollen! Und einmal im Jahr kann der Körper das aushalten 😉

Optimaler Ausklang: das öffentliche (und meist kostenfreie) Verteilen von Bohnen und Speck / fave e lardo, in Mamoiada auf der Piazza Santa Croce, aber auch in anderen Orten ein definitiver Teil der Tradition.

Boe in Ottana - die »Fritelle« hängen als Proviant über den Hörnern

Boe in Ottana – die »Fritelle« hängen als Proviant über den Hörnern

Wer immer noch nicht genug hat, fährt am Mercoledi delle Ceneri / Aschermittwoch nach Ovodda, um zu erfahren, was es mit Don Conte auf sich hat.

Neue-alte Karnevals-Traditionen

Fast jedes Dorf hat in den letzten Jahren irgendeine uralte, oft sogar längst vergessene Tradition wieder ausgegraben und wieder belebt.

Zum Beispiel in Escalaplano, wo junge Dorfbewohner in den Archiven der Stadt Hinweise auf eine alten Brauch gefunden und wiederbelebt haben. Infos auf der facebook-Seite der “Bois e Fui janna morti”.

Unterm Stierkopf: die Figur des "Bois" aus Escalaplano ist eine aus alten Zeiten wiederbelebte Figur

Unterm Stierkopf: die Figur des “Bois” aus Escalaplano ist eine aus alten Zeiten wiederbelebte Figur

Kritiker sagen, man will gern vom Karnevalskuchen etwas abhaben und das ginge hier und da zu Lasten der Authenzität.

Das will das schwarze Schaf hier nicht beurteilen, sondern sich einfach an dem, was da ist und was noch kommt, freuen. Alles ist gut, um den Winter auf Sardinien zu beleben.

Traditioneller Karneval auf Sardinien: da ist noch so viel määähr …  

Einige Dörfer haben außerdem ihren ganz eigenen Kalender … wie zum Beispiel Sinnai im Süden der Insel. Hier findet eine Art antiker Hirschjagd statt, immer am 21./22. Februar.

Sinnai: Is Cerbus

Sinnai: Is Cerbus

Mal ganz was anderes: der Höhepunkt des Carnevale Iglesiente in Iglesias ist meistens am auf die Hauptfesttage folgenden Samstag mit einem großen Fest im historischen Zentrum.

In vielen Orten, z. B. Laconi (hier geht’s zu unseren Impressionen) oder Neoneli tritt man nicht in Konkurrenz zu den Hauptfesten – und feiert der Einfachheit halber ein bisschen später, und dann mit vielen Gruppen zusammen. Hier trefft Ihr wieder auf viele Masken aus der Barbagia, darunter auch viele unbekannte.

Sassari bietet ein mehrtägiges Programm mit Umzügen von Gruppen und Masken aus allen Teilen der Insel. Dazu allerlei Rahmenprogramm und Veranstaltungen, auch für die Kleinen.

Last but not least ist die Inselhauptstadt Cagliari ein optimales Ziel, für eine Mischung aus Karneval und Urbanität. Bunte Umzüge gibt es auch hier, und dazu den ganzen Zauber der Stadt, Infrastruktur und Leben auch im Winter. Und: Cagliari ist quasi erste Wahl für den Anflug vom Kontinent. Dazu jetzt mehr.

Wie komme ich auf die Insel?

Das ist zugegeben in der tiefen Nebensaison nicht ganz einfach. Naja, eigentlich doch, denn so viele Möglichkeiten gibt es nicht. Frage ist nur, ob dir eine davon gefällt.

Im aktuellen Winterflugplan sind die verfügbaren Strecken sehr übersichtlich, schau einfach in diesem Artikel, ob für dich ein Flughafen in der Nähe dabei ist.

Zeitnahes Buchen ist sinnvoll, da der Platz in Flugzeugen ja tendenziell begrenzt ist und vielleicht noch mehr Leute auf die Idee kommen, zum sardischen Karneval zu wollen.

Immer und täglich geht Auto und Fähre, z. B. ab Livorno. Vielleicht keine Option, wenn du in Kiel wohnst, aber für alle in Süddeutschland, Schweiz und Österreich geht’s ganz gut.

Das kann man übrigens auch spontan entscheiden, wenn einem das Winterwetter nicht geheuer ist.

Das schwarze Schaf lehnt sich mal aus dem Fenster und behauptet: Fährtickets im Winter sind immer verfügbar, du kannst sie sogar direkt am Reisetag im Hafen kaufen. Wer eine Kabine will, bucht zur Sicherheit vielleicht so 1-2 Wochen im Voraus (aber aus eigener Erfahrung muss auch das nicht sein). Ohne Gewähr natürlich, dass das klappt 😉

Jedenfalls wünscht das schwarze Schaf dir viel Spass! Carrasegare!

Achtung, es fließt viel Wein!

Achtung, es fließt viel Wein!

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