Boes e Merdules: Der Kampf zwischen Mensch und Tier

6. Februar 2014 | Von | Kategorie: Barbagia, Feste und Events, Hirtentum, Kultur, Kurioses, Nuorese, Sardischer Karneval, Traditionen | Italiano
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Viele sagen, in Ottana gäbe es den schönsten Karneval auf Sardinien. Die Boes e Merdules sind tolle, zottelige  Figuren,die eine Art Schauspiel zeigen, dazu Tänze auf einem großzügigen Dorfplatz, unterhalb der beeindruckenden Kathedrale San Nicola von 1160. Die Szenerie ist wirklich kaum zu toppen.

Boe e Merdule vor der Kirche San Nicola

Boe e Merdule vor der Kirche San Nicola

Ottana zeigt uns eine sehr sehenswerte Form des Karnevals der Barbagia. Die Faszination der Boes e Merdules zieht auch viele Menschen aus allen Teilen der Insel und sogar von außerhalb an. Damit ist ein großes Fest garantiert, und der Reisende kann mit einem tollen Rahmenprogramm rechnen. Intim ist der „Carnevale Ottanese“ nicht unbedingt, aber dafür beeindruckend und trotz der Größe authentisch.

Am frühen Nachmittag des Karnevalssonntag befindet sich das direkt an der Schnellstraße 131 liegende Dorf (auch das sehr praktisch) in einer ruhigen und gelassenen Stimmung.

Das ändert sich auch nicht, als das schwarze Schaf dort eintrifft. Es streift ein Weilchen durch die noch leeren Gassen. Nach kurzer Zeit trifft es auf einen Handwerker, der gerade Holzstücke grob zurecht haut. Später am Tag können Zuschauer ihm zusehen, wie er daraus live die traditionellen Masken schnitzt.

Das Stück, das er jetzt zu fassen hat, soll »Su Boe« werden, eine der zentralen Figuren des Carnevale Ottanese, die Hörner sind schon erkennbar.

Das pecora nera nutzt die Zeit bis zum Beginn der Feierlichkeiten, sich in der nächsten Bar zu stärken und über den Karneval in Ottana schlau zu machen.

Boes e Merdules

Die Ursprünge des Karnevals in Ottana verlieren sich in weiter Vergangenheit. Alte Riten und Kulte fließen ein, und so genau kann keiner sagen, wann das eigentlich angefangen hat, mit den »Boes und Merdùles«.

Boes e Merdules sind auch für Späße zu haben

Boes e Merdules sind auch für Späße zu haben

Diese beiden Hauptfiguren, »Su Boe« und »Su Merdùle« gehören zusammen. Sie bilden eine gemeinsames Bild und repräsentieren einen Ochsen und seinen Herrn.

Sie sind ein Symbol für die Schwere des Landlebens, und spielen später während sie durch das Dorf ziehen, den ewigen Streit zwischen dem kräftigen Tier und dem Menschen dar. Letzteren zwingt das Leben, das Tier zu unterjochen – damit beide überleben können.

Bis in nicht allzu ferne Zeiten galt ein Paar Ochsen als das ganze Leben seiner Besitzer. Ein Landwirt, der Ochsen besaß, galt als wohlhabend. Wenn er sie verlor, war sein Leben quasi am Ende.

Das galt speziell in Ottana bis zum Beginn der 70er Jahre, als sich eine neue Einnahmequelle eröffnete: Ein Unternehmen der Petrochemie siedelte sich in Ottana an und hat sowohl den Ort und seine Landschaft als auch die Bedeutung alter Traditionen massiv verändert.

Diese Veränderung hat die Masken zum Glück nicht vertrieben. Sie sind weiterhin tief in der Bevölkerung, bis in die ganz junge Generation, verankert. Das liegt sicher an der Faszination, die die Masken auf Groß und Klein ausüben, aber auch an der tief verwurzelten Liebe zur Insel und dem Stolz auf ihre Besonderheiten.

Zur Karnevalszeit streifen Gruppen von Boes und Merdules durch die Straßen, die zum in Kulturvereinen organisiert sind, sich zum anderen aber auch spontan oder unter Freunden bilden. Letzteres sind häufig junge Einwohner, die auf ihre ganz eigene Weise an alte Traditionen anknüpfen. Da sieht man auch mal einen Boe mit einem grünen Regenschirm, bunten Luftschlangen um den Hals oder einer Flasche Ichnusa in der Hand.

Der Zuschauer sieht auch keine Prozession, die bestimmten Regeln folgt, sondern die Protagonisten bewegen sich frei im Dorf. Quasi überall kann man den Boes e Merdùles begegnen – zu späterer Stunde natürlich auch in Bars oder beim Essen. Sie kommen und gehen, wie es ihnen gefällt, den ganzen Sonntag, einige am Montag (das ist auch der Tag, an dem sich die Kinder verkleiden), und wieder viele am Dienstag.

»Su Boe«

Das feine, schöne Gesicht des Boe

Das feine, schöne Gesicht des Boe

Der Ochse ist eine der freundlichen Figuren des Karnevals in der Barbagia. Er ist ein Glücksbringer: Zwischen den Augen trägt er einen Stern, der ihn selbst und auch seinen Herrn beschützt. Charakteristisch sind die schönen Mandelaugen und die klaren sympathischen Linien von der Schnauze bis zu den Hörnern.

Er trägt einen Umhang aus weißen Schaffellen – und eine gewaltige Last: einen Schmuck aus Glocken unterschiedlicher Größe, der bis zu 35 Kilogramm wiegen kann.

Trotz dieses enormen Gewichtes bewegt sich der Boe mit rhythmischen, kraftvollen Schritten, damit die Glocken so laut wie möglich durch die Straßen klingen. Zur gleichen Zeit wirkt er majestätisch und unzähmbar. Der Boe ist auch ein Rebell und weigert sich – durch Hinlegen auf den Boden – seine Arbeit auf dem Feld zu verrichten.

Die Masken des Boe sehen demnach auch wie ein Stier bzw. Ochse aus. Für viele haben sie aber auch Ähnlichkeit mit einigen gehörnten Bronzefiguren aus der Nuraghenzeit, mit den Kämpfern der Shardana. Den Nachweis einer Verbindung zwischen diesen Figuren suchen Forscher immer noch, konnten sie aber bislang nicht belegen.

»Su Merdùle«

Die menschliche Figur des Hirten, des „Merdùle“ hingegen will oder vielmehr, er muss den Boe zähmen. Er wird auch „Su Gobbeddu“ genannt, der Bucklige. Die Gesichtsmaske soll so hässlich und vom Leben gebeutelt wie möglich aussehen. Er ist derjenige, der sogar dem Teufel Angst machen und das Schlechte vom Leben fernhalten sollen.

Ein Merdule mit dem Instrument s'Orriu

Ein Merdule mit dem Instrument s’Orriu

Su Merdùle will das Tier bändigen, ist sehr dominant und kämpft, weil der Boe ihm kräftemäßig unterlegen ist. Auch er trägt einen Umhang aus weißen Schaffellen, die schwarze Maske im Gesicht zeigt die Spuren der Zeit.

Der Merdule trägt keinen Glockenschmuck. Ihn sieht man mit unterschiedlichen Utensilien auf dem Rücken, die er in seinem Alltag braucht: „Sa Taschedda“ (Brotbeutel aus Leder) sowie „Sa Socca“ und „Su Voette“ (Seile und Peitschen), mit denen er das Tier in seine Schranken weist und ihm Kommandos gibt.

„S’Orriu“ ist ein Instrument in Form eines Zylinders aus Kork, bespannt mit Eselshaut, und eine Schnur ist daran befestigt. Zieht man an dieser, ertönt ein ganz spezieller Laut, der unter den Tieren Unruhe und Verwirrung stiftet.

»Sa Ilonzana«

Ebenfalls ständig präsent in den Straßen Ottanas ist die weibliche Karnevalsfigur des Ortes: die bucklige Ilonzana, auch Filonzana genannt. Sie stellt eine trauernde Alte dar, die komplett in Schwarz gekleidet ist. Sie trägt wichtige Alltagsutensilien mit sich – Wolle und eine Spindel.

Die Spindel der Filonzana

Die Spindel der Filonzana

Ihr Auftritt ist von großer Bedeutung für die Dorfbewohner: Sie spinnt Wolle zu einem Faden und droht, diesen abzuschneiden, wenn man ihr nichts zu trinken gibt. Der Faden symbolisiert dabei im übertragenen Sinne das Leben desjenigen, der ihr gegenüber steht.

Sie prophezeit damit das Unglück einer schlechten Ernte. In früheren Zeiten bedeuteten schlechte Erntejahre schwache Familien, verhungernde Tiere und damit oft gleichermaßen den Tod.

Kleiner Tipp also: Wenn Ihr die Alte seht, sucht das Weite. Sie erscheint immer als letzte hinter den Merdùes, sie geht schwerfällig und hört nie auf, den Faden zu spinnen.

Ihr könnt natürlich auch das Spiel mitspielen. Man sagt, in der Taschedda des Merdùle befindet sich meistens Wein für die Alte. Wer darauf spekuliert, lebt aber gefährlich: Üblicherweise wird man von den Merdules festgehalten und gezwungen, selbst der Alten zu trinken zu besorgen. Tut man das nicht, droht sie, den Faden zu trennen.

Egal ob man nun daran glaubt oder nicht – es ist auf jeden Fall besser, wenn der Faden intakt bleibt.

Der Kampf zwischen Mensch und Tier

Der Hirte dominiert das Tier

Der Hirte dominiert das Tier

Die theatralische Szene, die »Su Boe« und »Su Merdule« miteinander spielen (meist auf dem großen Dorfplatz vor der Kirche) zeigt den Boe, der sich auf die Erde legt und sich weigert, zu arbeiten.

Rebelliert das Tier, kniet sich der »Gobbeddu«, also der Hirte, daneben und drängt es, wieder aufzustehen – manchmal mit Peitschenschlägen oder Tritten, und manchmal mit einem Streicheln der Schnauze.

Wenn der Boe sich weiterhin weigert, tritt die Filonzana auf den Plan und stellt sich an die Seite des Tieres und befiehlt ihm, zu gehorchen und droht ihm mit dem Durchschneiden seines Lebensfadens. Jetzt erhebt sich der Boe und stellt sich mit ungeheurer Mühe unter dem schweren Gewicht der Glocken auf seine Füße.

Die „Merdules“ bieten den Beobachtern der Szene oft etwas zu trinken an – und das darf man auf keinen Fall ablehnen. Die Wut der Boes und der Merdules ist heftig, und sie drohen mit ihren Hörnern oder der Peitsche. Natürlich geht es immer gut aus, und auch das ist ja nur eine Szene, die es im echten Leben auch gibt.

Andere Tiere

Im Carnevale Ottanese gibt es noch weitere Tierfiguren: “Su Molente” – der Esel, “Su Crapolu” – der Hirsch, und „Su Porcu” – das Schwein. Die ersten beiden tragen ebenfalls weiße Felle und Holzmasken, aber nur eine einzige Glocke um den Hals.

Handgefertigte Masken gibt es auch für kleine Gesichter

Handgefertigte Masken gibt es auch für kleine Gesichter

“Su Porcu” trägt statt des Fells Kleidung aus Jute, auf dem Gesicht hat er ebenfalls eine Holzmaske und es bewegt sich schnell laufend zwischen den Menschen, trägt zum allgemeinen Wirrwarr bei und es ist nicht leicht, es zur Ruhe zu bringen.

Hinweise zum Maskenkauf

Die Maske des Boe ist eine der beliebtesten Mitbringsel aus dem Sardinien-Urlaub. Am besten, man kauft sie direkt in Ottana bei einem der ansässigen Künstler, der auch Masken für die aktiven Teilnehmer des Karnevals herstellt.

Die Maske ist immer per Hand aus einem Stück leichtem Holz (Olive, Steineiche, Birne) gefertigt, und oft sehr kunstvoll. Die Länge der Hörner bestimmt übrigens der Baum, den der Künstler aussucht. Bei besonders langen Hörnern ist meistens ein ganzer Baumstamm oder eine große Astgabel im Spiel.

An alle Schnäppchenjäger: Die echten Masken von Künstlern und Handwerkern aus Ottana werden sehr aufwändig und vorsichtig geschnitzt und kunstvoll gemalt. Sie werden für diejenigen, die beim Karneval aktiv mitmachen, für das eigene Gesicht gefertigt. Aber auch die Boe- oder Merdule-Masken, die frei zum Verkauf sind, passen immer auf einen menschlichen Kopf.

Eine Boe-Maske wird von Generation zu Generation weitergegeben und stellt einen echten Wert in der Familie dar. Daher ist dieses echte Kunsthandwerk auch nicht unbedingt billig. Und es sollte Euch immer skeptisch machen, wenn sie es doch sind. Dann sind häufig Kleber, billiges Pressholz, wenig Handwerkskunst oder gar China im Spiel.

Fortgeschrittene Karnevalisten erkennen übrigens den Unterschied zwischen der schwarzen Maske des Merdule und der des Mamuthone aus Mamoiada. Fragt ruhig in den Andenkenläden außerhalb der beiden Orte ruhig genau nach, wenn Ihr nur eine dunkle Maske angeboten bekommt.

Erst der Herkunftsnachweis und z. B. eine Prägung oder Signatur des Künstlers, macht den Kauf sicher.

Weitere Informationen: 

Impressionen aus Ottana

 

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I "Boes e merdules" rappresentano un bue ed il suo padrone. Riassumono quello che era anticamente la vita nel piccolo centro, quando avere un giogo di buoi era quasi tutto, se non tutto, quello che si possedeva e significava comunque essere benestanti. Questo fino agli inizi degli anni settanta, quando nelle vicinanze del paese, sorse un'industria petrolchimica che ne ha cambiato radicalmente sia gli usi che i costumi. Il radicale mutamento del modo di vivere non ha però intaccato la tradizione delle maschere lignee dei "Boes e merdules". Perciò durante tutto il periodo del carnevale, le vie del paese sono percorse da vari gruppi di merdules, sia organizzati che spontanei, che fanno risuonare il loro pesante carico di campanacci intrecciati su larghe tracolle di cuoio, scrollandoli ritmicamente per tutta la giornata fino a sera. La stella che viene scolpita sulla fronte del "BOE" era di buon auspicio mentre per la figura del pastore "SU MERDULE" detto anche "SU GOBBEDDU" (il gobbo) si tendeva a farla il più possibile brutta e deforme in modo da far paura anche al diavolo e cosi allontanare le sfortune della vita. Sempre presente nelle sfilate è la maschera della "ILONZANA". Raffigura una lugubre vecchietta, gobba anche lei, che va in giro per le vie del paese tutta vestita di nero. E' sempre intenta a filare la lana e minaccia di tagliare il filo che pende dalla conocchia, se non le si offre da bere. Il filo di lana rappresenta la vita di chi le sta di fronte. Se ci si trova per le vie di Ottana nel periodo del carnevale, si può venire trascinati da un gruppo di merdules ed essere rilasciati solo dopo avergli offerto da bere. Per ringraziare l'ospite, vengono allora mimate delle scene in cui il bue si sdraia per terra rifiutandosi di andare nei campi a lavorare, mentre il "gobbeddu" lo sprona vibrandogli poderosi colpi con un bastone nodoso. Nell'ultima domenica del carnevale, sono i "Merdules" ad offrire da bere e non ci si può rifiutare, pena l'ira dei "Boes" e "Merdules" che anche in questo caso inscenano proteste, mimando il gesto dell'incornata o della bastonata. Tutto finisce comunque sempre bene.
http://www.merdules.com/storia.htm