Reisen! Endlich wieder reisen! Die Urlaubsplanung 2022 fällt geradezu euphorisch aus und viele, die Sardinien schon lang auf dem Zettel haben, wollen sich in diesem Jahr den Traum erfüllen. Wer sich dabei nicht allzu viele Gedanken machen, sondern einfach losreisen möchte, dem empfehle ich „Glücksmomente auf Sardinien“.

Von den Autoren Nana Nenzel und Gottfried Aigner erhielt ich vor einiger Zeit ihren kleinen Reiseführer, den ich euch heute näher vorstelle. Er erschien mitten in der Pandemie. Allein dafür hat es Beachtung verdient – umso mehr in einer Zeit, in der wir wieder halbwegs verlässliche Reisepläne schmieden können.

  • Glücksmomente auf Sardinien // von Nana Nenzel und Gottfried Aigner / Bruckmann Verlag / ISBN 978-3734314438 / EUR 14,99 / erhältlich beim Buchhändler deines Vertrauens, oder online z. B. bei amazon (*) oder genialokal.de

Glücksmomente auf Sardinien – Rezension

Das Buch will uns die Leichtigkeit des Reisens zurückgeben. Es ist diesem Konzept folgend, darum praktisch klein und kompakt. Es passt bequem in die Hand, eine Jacken- oder Handtasche und wiegt auch im Reisegepäck nicht viel.

Das Buch ist generell leichte Kost, das sieht man auf den ersten Blick, schon bei der Titelgestaltung.

Glücksmomente auf Sardinien - Titel
Glücksmomente auf Sardinien – Titel

Sicher ist das Bild auf Sardinien, vermutlich beim Elefantenturm in Cagliari, entstanden. Ansonsten lässt es wenig auf die Insel schließen – das macht die gesamte Reihe Glücksmomente seit einer Weile so, und zeigt eher den zufriedenen Reisenden als das schöne Reiseziel. Ich nehme an, weil man in erster Linie Lust auf einen individuellen, glücklichen Urlaub machen will.

Und der ist auf Sardinien ohne weiteres möglich 🙂

Mit Leichtigkeit quer durch die Insel

Auch der Innenteil sucht das Glück in der Leichtigkeit. Die lockere, fast spielerische Gestaltung erleichtert auch wirklich den Einstieg in die doch sehr komplexe Insel. Die rigorose Orientierung an jeweils einer oder zwei Seiten für ein Thema sowie die reiche Bebilderung machen das Buch sehr übersichtlich und schnell anwendbar.

Vor allem für diejenigen, die Sardinien ohne große Planung erkunden wollen: Seite aufschlagen – lesen – hinfahren. Ideen gibt es im Buch genug, um auch mal was zu überspringen.

Das führt dazu, dass man vielleicht etwas entdeckt, was nicht direkt vor der Tür des Ferienhauses liegt. Gut so! Ich glaube, dieser Reiseführer animiert zum Rundreisen und Entdecken.

Schnelle Tipps, auch abseits der Küsten
Gefällt mir: schnelle Tipps, auch abseits der Küsten wie hier am Stausee des Flumendosa

Viele verschiedene Tipps, für verschiedene Arten des Glücks

Das Glück als Leitthema ist zeitgemäß und macht das Buch für einen Reiseführer sehr kurzweilig. Wie viele wünschen sich gerade in diesem Jahr, es im Urlaub einfach nur leicht zu haben und sich nicht dumm und dusslig organisieren. Das Dolce Vita hat jedenfalls noch niemandem geschadet.

Wie genau man glücklich wird, das gibt das Buch nicht vor, sondern bietet 122 verschiedene Möglichkeiten an. Und für alle ist etwas dabei: Kulturreisende verzücken vielleicht beim Anblick des kunstvollen Altars in der Kirche in Ardara, während Pärchen sich über die Burgstädtchen Bosa, Castelsardo und Posada zum Flanieren freuen oder über den Tipp zu den Wellness-Thermen in Fordongianus.

Naturfreunde werden sicher glücklich, wenn sie die Wildpferde auf der Giara di Gesturì beobachten, während andere ihr Glück in der sardischen Gastfreundschaft und bei den Festen finden – wie bei den Feuern zu Sant’Antonio in Mamoiada, beim Herbst in der Barbagia … Und natürlich machen auch die Seadas und andere Köstlichkeiten der sardischen Küche glücklich.

Ich würde vermutlich am ehesten mit den Natur-Tipps glücklich werden – wie die Top 5 der Lagunen Sardiniens, die Grotten wie Su Mannau und Ispinigoli oder die Graslandschaft am Lago Alto del Flumendosa im Gennargentu. Sie führen die Reisenden dorthin, wo auf Sardinien echtes Glück zu finden ist: mitten in die Natur, und zu der unfassbaren Ruhe, die Sardinien schenkt – und der Seele wirklich gut tut.

Leichte Kost in gut konsumierbaren Häppchen
Leichte Kost in gut konsumierbaren Häppchen

Viele Tipps und Beschreibungen sind für Ersturlauber sehr praktisch, wie beim Besuch der Neptunsgrotte in Alghero, wo die etwas wilde Anfahrt per Boot beschrieben wird oder dass man oben auf dem Belvedere schwindelfrei sein sollte.

Die Kürze und Übersicht geht manchmal zu Lasten der Präzision. Cagliari in 15 Sätzen beschreiben zu wollen, ist unmöglich. Wer genau wissen will, muss vieles vor Ort ergründen.

Aber die Autoren geben sich redlich Mühe, auf kleinstem Platz so viel wie möglich zu erzählen. Das machen sie schon gut. Denn gleichzeitig ist da wieder Platz für schöne Details, wie beim Besuch bei einem Artischocken-Bauern. Oder die Liebesgeschichte zwischen einem englischen Ingenieur und einer Inderin, die für den Namen des Bahnhofs Chilivani gesorgt hat. Letzteres war sogar mir neu.

Glücksmomente auf Sardinien: zu leichte Kost für eine Insel mit schwerem Gepäck?

Der Stil ist mir persönlich manchmal etwas zu rosarot-glücklich und einseitig – für eine Insel, die mit sehr vielen Problemen und aktuellen Herausforderungen zu kämpfen hat und ein schweres, historisches Gepäck mit sich trägt.

Das ist wohl mein Nachteil – ich sehe hinter allzu idyllischen Formulierungen sofort die Unzulänglichkeiten Sardiniens. Die werden in diesem Reiseführer bewusst ausgelassen. Für mich gehören sie dazu. Und sie können im Einzelfall auch das Urlaubsglück trüben (Stichwort: Erwartungen).

Aber das Problem hat ja auch jedes Instagram-Bild aus Sardinien. Ein Problem unserer Zeit. Glück über alles? Mir als sehr positiv denkendem Menschen fällt schwer, das zuzugeben, doch die Welt ist heute alles andere als glücklich. Mal abgesehen davon, dass unser eigenes, ständiges Glück vielleicht gar nicht so ultrawichtig ist. Aber das ist eine philosophische Frage.

Was das Buch selbst betrifft, habe ich nur eine echte Kritik: Als Konsequenz aus dem Glückszwang in der Formulierung und der Verkürzung enthält das Buch auch Dinge, die ich so nicht schreiben würde.

Dieser „Glücksverstärker“ zum Beispiel ist aus Gründen des Küsten- und Naturschutzes nicht ganz unkritisch:

Dieser Glücksverstärker ist nicht ganz unkritisch: Die Posidonia gehört zum Küstenschutz und muss am Strand bleiben. Nichts darf entfernt werden - auch keine Muscheln oder Strandsand. Die Natur badet schon genug von unserem "Glück" aus.
Die Posidonia gehört zum Küstenschutz und muss am Strand bleiben.

Nicht nur, weil die Posidonia Sinn und Zweck hat. Es darf seit einigen Jahren vom Strand nichts entfernt werden – keine Muscheln, kein Strandsand und auch nicht die Posidonia. Dass das einige trotzdem machen und denken „ein so’n Ball oder eine Muschel werden schon nicht so schlimm sein“ tut dabei nichts zur Sache. Und kann auch sehr teuer werden – und das macht dann eher unglücklich.

Durch den Stil kommt auch vor, dass da, wo eine schöne Fahrradstrecke ringsum den Lago Omodeo erwähnt ist, gleichzeitig verschwiegen wird, dass es knapp 60 Kilometer, mit beachtlichem Auf und Ab sind. Das dürfte nicht jeden Urlaubsradler glücklich machen. Und die, die sportlich Radfahren und das wagen, sich auf miserablen Straßen das Bike zerdengeln, würden die Strecke vielleicht auch nicht noch mal fahren.

Irrelevant für den Glücksuchenden auf Sardinien ist vermutlich, dass der Archäologe, der die Ausgrabungen von Su Tempiesu leitete, Godeval Davoli aus Orune war – aber bitte Ehre, wem Ehre gebührt. Die Ausgrabungen waren nur autorisiert von Professor Lilliu – der auch nicht Osvaldo sondern Giovanni heißt.

Damit hat das schwarze Sardinien-Schaf aber jetzt auch genug geneunmalklugt. Sonst entsteht noch ein falscher Eindruck. Denn die beiden Autoren sind über jeden Zweifel erhaben.

Die Autoren: Nana Nenzel und Gottfried Aigner

Der Autor Gottfried Aigner am Poetto gibt dem Buch eine persönliche Note 🙂

Sie gehören zu den Sardinien- und Italienkennern schlechthin. Beide schreiben seit vielen Jahren Reiseführer, oft im Doppelpack. Zum Beispiel auch über die Toskana, den Gardasee, Mallorca …

Gottfried Aigner schreibt speziell auch für Familien – zum Beispiel diesen Familien-Reiseführer Sardinien (erschienen 2017).

Mehr Infos über Nana Nenzel und Gottfried Aigner findest du auf: https://reisebuchautoren.com

Fazit: ein kurzweiliges, leichtes Buch für Sardinien-Einsteiger, Individual- und Kurzurlauber

Die Autoren wollen es ihren Lesern und Leserinnen nicht schwer machen. Vermutlich weil die Welt schon kompliziert genug ist, und das stimmt ja auch. Uns allen sei im Urlaub eine Verschnaufpause vom Wahnsinn der Welt gegönnt.

Also verpacken sie wichtige und historische Informationen in gut konsumierbare Häppchen.

Eine gute Auswahl der Feste, bei denen du die ganze Vielfalt Sardinien erleben kannst
Eine gute Auswahl der Feste, bei denen du die ganze Vielfalt und Tiefe Sardinien erleben kannst

Ich denke, das Buch kann auch praktisch für Kurzurlauber sein, die relativ schnell eine große Vielfalt erleben möchten, um erstmal zu gucken, ob es ihnen gefällt … oder weil sie Dauerreisende durch die ganze Welt sind. Jede/r ist ja anders.

Jedenfalls gibt „Glücksmomente auf Sardinien“ eine gute Vorstellung davon, was einen auf Sardinien erwartet. Und dass da viel mehr ist, als der nächste Strand.

Wo du dein Urlaubsglück letztlich findest, hängt ja an dir selbst. Vielleicht dort, wo Nana und Gottfried dich hinschicken. Einen Versuch ist es wert!

Fazit: Die Autoren machen es besonders Reisenden, die Sardinien noch nicht kennen, leicht, sich einzufinden. „Glücksmomente auf Sardinien“ ist ein gelungenes Buch und speziell für Ersturlauber und Individualreisende empfehlenswert.

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