Es gibt 1.000 Gründe, sich auf den Herbst zu freuen. Speziell auf den Herbst in der Barbagia. Die Feste des Autunno in Barbagia sind nämlich eine Art Neujahrsfest. Denn im ländlichen Sardinien begann schon zu antiken Zeiten das neue Jahr traditionell im Herbst, weil Zeit und Leben sich nach dem Zyklus der Ernte richteten. Darum heißt der September als Haupt-Erntemonat in sardischer Sprache »Cabudanni« (von lat. caput annum). 

Bis heute pflegt und feiert man alte Traditionen, die auch uns Reisende ein Stück näher an das authentische Sardinien bringen. Vor allem was die lokalen Erzeugnisse, kulinarischen Spezialitäten und dörflich-ländlichen Traditionen betrifft.

28 Dörfer der Barbagia, jedes auf seine Weise einzigartig, laden Reisende zum Herbst im Herzen Sardiniens / nel cuore della Sardegna ein:

» Liste der teilnehmenden Dörfer und Termine auf cuoredellasardegna.it

Schwarzschafige Tipps zu einzelnen Dörfern findest du weiter unten in diesem Artikel.

Die Feste sind etwas für Neugierige, Umherstreifer und Liebhaber der kleinen, speziellen Dinge. Empfehlenswert vor allem für die, die sonst nur im Sommer an der Küste weilen und sich nun einmal trauen, im Herbst auf Sardinien Urlaub zu machen. Wenn du dich in ihr Herz wagst, wirst du eine Insel kennenlernen, von der du im Traum nicht dachtest, dass es sie gibt.

Herbst in der Barbagia 2018: Amore 'e Coro

Herbst in der Barbagia 2018: Amore ‘e Coro © Cuoredellasardegna.it

Nella Sardegna antica il mese di settember si chiamava Cabudanni / Capodanno. Nella tradizione contadina il computo del tempo era legato al ciclo dei lavori dei campi. Ci sono mille buone ragione di festeggiare l’autunno, soprattutto in Barbagia. Circa 30 paesi nel cuore dell’Isola, ciascuno unico, festeggiano il “Autunno in Barbagia”. – Per i nostri cari lettori sardi e italiani consigliamo questa pagina: http://www.cuoredellasardegna.it

Schwarzschafige Überlebenstipps beim »Herbst in Sardinien«

Die Dorfbewohner öffnen die Türen und Tore ihrer alten Häuser – daher werden viele dieser Feste auch “Cortes Apertas” genannt. Hier findest du ein paar Dinge, die ganz gut zu wissen sind:

  • Die Feste sind eher folkloristisch als feucht-fröhlich, obwohl: Ausnahmen bestätigen die Regel und nicht selten bekommst du schon morgens am Dorfeingang, noch bevor du geparkt hast, den ersten Rotwein in die Hand gedrückt. So geschehen in Orgosolo.
  • Mache als erstes die Touristeninformation, das “Pro Loco” oder den zentralen Infostand ausfindig. Dort wird man Euch oft in Englisch oder sogar Deutsch weiterhelfen, die Programmhefte gibt es mehrsprachig. Nicht selten gibt’s hier den nächsten Ridotto (ein kleiner Becher mit Rotwein).
  • Die Feste sind am Wochenende. Manche beginnen schon Freitags, allerdings sind viele dann noch am Aufbauen. In den größeren Orten ist es aber auch noch nicht so voll.
  • An manchen Wochenenden sind auch mal zwei Dörfer aktiv. Das kannst du optimal nutzen: Freitags spät ins erste Dorf fahren, Kontakte knüpfen und einen Überblick verschaffen. Vor Ort essen und übernachten und am Samstag in das Dorf eintauchen. Sonntag vormittags auf dem Weg zum nächsten Dorf die Sehenswürdigkeiten an der Strecke anschauen oder eine leichte Wanderung machen. Ab Mittag im zweiten Dorf verweilen. Abends zurück in die Ferienunterkunft.
  • Nicht alle Feste sind gleich und nicht jedes ist supergut durchorganisiert. Manches ist etwas hemdsärmelig, hier und da fehlt auf den ersten Blick die Gemütlichkeit und perfekt sind sie auch nicht. Das ist aber durchaus ein authentisches und sympathisches Prinzip auf Sardinien.
  • Manche Feste sind groß, vielseitig und sehr gut besucht (z. B. Orgosolo, Mamoiada, Oliena, Dorgali), andere klein und familiär, mit viel Hingabe gestaltet (z. B. Gadoni, Orotelli, Orani). Die Tagesprogramme reichen von “Was genau soll mir das sagen?” bis “Grandios”!
  • Sinnvoll kann sein, sich vorher etwas “Sprache” draufzuschaffen. Man spricht Sardisch (das lernt sich nicht so leicht) und Italienisch, selten eine Fremdsprache. Schon ein paar Brocken in der Landessprache öffnen Türen.
  • Ein ganz wichtiger Tipp für den Spätherbst: Warm und wasserdicht anziehen – in vielen Bergdörfern hängt im Herbst auch grauer Nebel und oft regnet es.
  • Speziell wenn es Richtung Winter geht, denkt darüber nach, eine Thermoskanne Tee (wahlweise Glühwein) oder eine Flasche Wein mitzunehmen. Klingt komisch, aber wir haben sie schon gebraucht. Besonders wenn man vorher noch in der Natur unterwegs ist, oder das ein oder andere Dorf nicht so ganz geübt ist, für Feierstimmung (z. B. mit Lagerfeuern oder Wein aus der Plastikflasche für alle) zu sorgen. Dann ist gut, sich selbst helfen zu können.

Die teilnehmenden Orte

Nachfolgend die teilnehmenden Orte – in ungefährer chronologischer Reihenfolge. Die genauen Daten findest du auf: www.cuoredellasardegna.it

SARULE

Sarule ist umgeben von drei um die 1.000 Meter hohen Bergen, dem Gonare, Gonareddu und der Punta Lotzori. An den Hängen sind Eichenwälder, in denen eine reiche Fauna aus Hasen, Wildschweinen, Ziegen und anderem Getier lebt – und damit zu ihrem Pech und unserem Glück auch die Speisekarten Sarules dominiert. Wir aßen in einem privaten “Corte” ein Brötchen mit gebratener Wildschwein-Salsiccia – ein Hit! Ausflugstipp: die Wallfahrtskapelle La Nostra Signora de Gonare, zu bzw. von der ein grandioser Trekkingpfad, zum Teil in Stein gehauen, führt. Eine h andwerkliche Besonderheit Sarules sind bunt gemusterte, fast künstlerische Teppiche aus Schaf- und Baumwolle gewebt. Wer also für Daheim etwas abseits des Üblichen sucht, könnte hier fündig werden. Übernachten z. B. im B&B La Collina dei Cigliegi (übersetzt “Kirschhügel”).

Eine Sardin in Sarule

Eine Sardin in Sarule

BITTI

Bekannt ist Bitti vor allem für seine Tenöre. Ihre polyphone Sangeskunst ist mittlerweile sogar Kulturerbe der Unesco geworden. Bei einem Besuch wird man um diese eindrucksvollen Darbietungen also kaum herum kommen – und warum auch? Man kann’s nicht ewig hören, aber für ein Weilchen ist das durchaus stimmungsvoll. Die Klänge führen durch das sonst relativ schmucklose Dorf (es wirkt fast schon wie ein kleines Städtchen). Sehenswert: Der “Complesso di Romanzesu”, ein Komplex aus Überresten von Nuraghen, Tempeln und Plätzen, die immer noch nicht ganz erforscht sind. Wer gern landestypisch wohnt, und nicht auf Komfort verzichten mag, findet etwas außerhalb das Hotel Su Lithu, mit richtig schönen Zimmern, einem guten Restaurant und einem traumhaften Blick über das sardische Hinterland. Zentral wohnst du im B&B Notte Al Museo in der Nachbarschaft eines T-Rex (ernsthaft, ist so!) und des multimedialen Tenor-Museums.

Nicht typisch sardisch, aber hat durchaus was mit Bitti zu tun: der T-Rex

Nicht typisch sardisch, aber hat durchaus was mit Bitti zu tun: der T-Rex

OLIENA

Dieser vom beeindruckenden Monte Corrasi dominierte Ort ist für uns von Norden und der Schnellstraße 131 kommend gefühlt der erste “echte” Ort des inneren Sardinien. Das ist ein bisschen unfair gegenüber den anderen Nachbardörfern, aber soll ein Gefühl vermitteln, das die Menschen hier umtreibt. Sie haben ein tief verankertes Traditionsbewusstsein, der Tourismus ist ihnen demgegenüber nicht egal, aber doch irgendwie nebensächlich. So präsentieren sie sich auch: offen und ungekünstelt. Oliena feiert ein sehr schönes, beliebtes und gut besuchtes Fest. Als Aktivtipp in der Region sei eine Kanutour auf dem Fluss Cedrino wärmstens empfohlen, oder natürlich ein Ausflug in den Supramonte. Wohnen? Essen? Wir können nicht anders, als das Experience Hotel Su Gologone zu empfehlen – und wundern uns überhaupt nicht, dass ausgerechnet bei Oliena etwas so Hochwertiges und Feinsinniges entstanden ist. Nein, nicht billig, aber ein Cocktail in der Bar mit Supramonteblick ist doch auf alle Fälle im Budget. Auch die landestypische Küche des Restaurants ist fein (unbedingt vorher reservieren). Nicht weniger gute und etwas günstigere Alternativen gibt es direkt in Oliena: das Ristorantino und B&B Masiloghi oder das GiCappa. Prima für eine Übernachtung ist auch der Agriturismo Guthiddai oder die neu eröffnete Villa Corrasi. Wer es zentral und familiär mag, der ist im B&B San Francesco gut aufgehoben.

Die Cortes Apertas in Oliena sind beliebt und gut besucht – ist aber auch echt ein schönes Dorf und Fest

DORGALI

Im September ist ja für Nordeuropäer noch Hauptsaison – das merkt man hier in Dorgali sofort, da es sehr nah am Reise-Hotspot Cala Gonone liegt. Der Ort ist nur mit einiger Mühe zur Barbagia zu zählen. Sagen wir eher: es ist ein Mittler zwischen den Welten. Man stellt daher jedes Jahr, ein sehr buntes, abwechslungsreiches Programm auf die Beine und bietet sehr viel Kunsthandwerk, auch aus den tiefer gelegenen und später feiernden Dörfern zum Verkauf. Auch viele traditionelle Gruppen kommen hierher um sich zu präsentieren. Alles schon etwas “touristentauglich” – aber die Echtheit der Inselmitte ist spürbar. Dorgali ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Supramonte – das naturbelassene Valle di Lanaittu und die Gola di Su Gorropu sind quasi in Laufentfernung (naja, fast…), die Quelle Su Gologone ist nebenan, die Grotte di Ispinigoli und der Golfo di Orosei mit seinen Tauchzielen und Traumbuchten via Cala Gonone tatsächlich nur einen Delfinsprung entfernt – und in der beginnenden Nebensaison werden Ausflüge erst richtig schön. In Dorgali wohnten wir landestypisch, zentral und trotzdem ruhig im B&B Sa Corte Antica, und sehr schön im Kianna B&B und im Albergo Diffuso Ghivine.

In Dorgali feiert man bis spät in die Nacht

In Dorgali lohnt es sich zu bleiben, die Einheimischen feiern bis spät in die Nacht

OLLOLAI

Im nördlichen Gennargentu liegt dieser Ort, der Legende nach Heimat von Ospitone, einem vom Papst zum “König der Barbagia” ernannten lokalen Stammesfürsten. Als einer der ersten soll dieser im 6. Jahrhundert das Christentum in der Barbagia etabliert haben, als die Menschen hier noch nach Empfinden der Besatzer “wie die Tiere lebten”. Recht urtümlich mutet auch noch der in diesem Dorf gepflegte, jahrhundertealte Volkssport an: S’Istrumpa (oder Su Strumpu) – eine Art Ringkampf zwischen Männern – sehr kurzweilig und mit Sicherheit auch anlässlich des Herbstfestes zu bestaunen.  Sollte es klar und sonnig sein, plant einen Ausflug zum “Finestra della Sardegna” (das Fenster Sardiniens) ein: Von der ca. 1100 Meter hohen Punta Manna und der Punta de S’Aschisorju sieht man an ganz klaren Tagen bis zu beiden Meeren – im Westen und im Osten.

Farbenfroh: die Tracht aus Ollolai

Farbenfroh: die Tracht aus Ollolai

AUSTIS

Viel tiefer in die Inselmitte geht’s fast nicht. Die Anfahrt zu diesem wunderschönen kleinen Ort ist langwierig, aber lohnend – hier gelten die Bezeichnungen “landestypisch” und “authentisch” allemal, wenn nicht sogar in ihrer besten Form. Schon am Ortseingang begrüßte uns fröhliche Musik, Theatergruppen spielten auf den Straßen. Hier lassen wir mal unsere Impressionen aus Austis sprechen. Essen und Wein waren gut und sensationell günstig. Die Leute freuen sich unheimlich über Besuch und Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben. Zwar ist man manchmal etwas zurückhaltend, das ist bei den Völkern in den sardischen Bergen halt so. Aber wenn du lächelst und auf sie zugehst, öffnen sich neben den Toren auch die Gesichter. Sehenswert in der Nähe: der 50 Meter hohe Felsen Sa Crabarissa, der aussieht wie eine Frau in sardischer Tracht (Figuren davon werden Euch beim Autunno auch begegnen) über Schotterpisten und einfache Pfade zu erreichen.

Aufrichtiges, liebevolles Interesse

Aufrichtiges, liebevolles Interesse hilft immer 🙂

ORANI

Leicht zu erreichen ist dieses Dorf: fix über die Schnellstraße 131 bis hinter Nuoro, 8 Kilometer Landstraße – schon bist du da. Hier kannst du direkt in die Kunstszene der Insel einsteigen und gar zum Kulturförderer auf Sardinien werden: Dem richtig gut gemachten Kunstmuseum Museo Nivola (mit zeitgenössischen Werken des aus Orani stammenden Künstlers Costantino Nivola) drohte mangels finanzieller Mittel die Schließung. Heute ist es wieder eine international anerkannte Institution. Zu den Herbstfesten gibt es Sonderausstellungen und das Museum ist ein guter Startpunkt – du hast einen tollen Blick über das Dorf und die Landschaft der Barbagia. Auch, aber nicht nur der Kunst wegen ist Orani einen Besuch wert. Der Ort ist bekannt für sein Kunsthandwerk aus Eisen, Holz und Keramiken, die häufig kunstvoll und bunt sind. In der Umgebung findest du außerdem viele kleine Landkirchen und die ein oder andere heilige Quelle.

Graffitti des Künstlers Costantino Nivola an der Front der Kirche Sa Itria

TONARA

Im ewigen Dunkelgrün der Wälder an den Nordwesthängen des Gennargentu liegt Tonara – DIE Hochburg des Torrone. Diesen weißen, klebrigen, zähneziehtauglichen Nougat mit Mandeln, Nüssen und Honig findet ihr nirgends so gut gemacht wie hier. Die Dorfbewohner übertreffen sich gegenseitig mit ihren uralten überlieferten Rezepten, und wer nicht aufpasst, geht kugelrund wieder raus aus dem Dorf. Kleiner Tipp für Trekkingfreunde: die Dinger sind echtes “Carburante”, also Treibstoff für lange Wanderungen. Selbige kann man hier natürlich auch machen – zum Beispiel zur Grotte “Bucca de drò” (it.: bocca del drago, dt.: Maul des Drachen), wo der Legende nach die “Gianeddas” leben – kleine Geister mit langem blonden Haar, aus dem Goldmünzen herab fallen, wenn es gekämmt wird.

Torrone - mühevolle Herstellung, die man schmeckt

Torrone aus Tonara – mühevolle Herstellung, die man schmeckt

LULA

An Lula fahren üblicherweise alle vorbei – oder finden die Provinzstraße dahin erst gar nicht. Das Dorf am Monte Albo hat sich so denn auch seine Echtheit bewahrt (und eine der schrägsten Karnevalstraditionen der Insel, mehr dazu in unserem Artikel Su Battileddu – nichts für zarte Gemüter). Der Bergbau hat hier Tradition, und falls es regnet (was im Herbst passieren kann), schließt Euch einer Führung durch die Mine “Sos Enattos” und ihre eindrucksvollen unterirdischen Stollen aus dem 18. Jahrhundert an. Am Mont’Albo gibt es zudem Grotten und Domus de Janas – und eine Reihe von Trekkingpfaden, falls ihr euch noch bewegen mögt. Eine mittlerweile weltberühmte Pasta-Spezialität stammt aus Lula: Su Filindeu. Wenn Ihr in irgendeinem Corte seht, wie sie hergestellt wird: zugucken und staunen. Probiert auch die Suppe “Minestra con su Filindeu” (auf Basis einer Brühe aus ausgekochten Schafknochen, daher dummerweise nichts für Vegetarier; man is(s)t hier insgesamt recht “rustikal”) mit hausgemachter Pasta-Einlage in Fäden oder Nestern, abgeschmeckt mit Pecorino. Sauschwer herzustellen, aber als Gericht sehr einfach und genial gut.

Einfaches Gericht, wahnsinnig schwer herzustellen: Su Filindeu

Einfaches Gericht, schwer herzustellen: Su Filindeu

ONANÌ

Im Dorf selbst leben nur knapp 500 Menschen, aber die verstehen es, sich und ihre Kultur zu präsentieren. Die farbenfrohen Wandmalereien stammen von einem Künstler aus dem Nachbardorf Bitti, Diego Asproni und zeigen, was es hier gibt: alles rund ums Landleben – vom Käse bis zu dem typischen flachen, dünnen, knusprigen Brot “pane carasau”. Wer sehen mag, wie es von den Frauen von Hand hergestellt wird, ist hier goldrichtig. Aber Vorsicht, wenn ihr es esst: Ihr werdet so manches pane aus dem Supermarkt dann nicht mehr anrühren wollen …

In Onani dreht sich sehr viel um die alte Hirtenkultur

In Onani dreht sich sehr viel um die alte Hirtenkultur

GAVOI

Die alten Granithäuser des Dorfes sind sehr gut gepflegt und erhalten und der Streifzug macht hier doppelt so viel Spaß. Lasst Euch einfach treiben! Die Gegend um Gavoi ist hügelig und mit vielen Quellen und Flüsschen gesegnet – ein Traum für Hirten und Bauern. Schaf- und Kuhherden sind also keine Seltenheit; und die Umgebung reich an Steinzeitzeug: Nuraghen, Gigantengräber, Menhire … Richtig gut essen, auch mal abseits der üblichen Speisekarten, und schlafen werdet ihr im Santa Rughe (zu den Festen schnell ausgebucht, auch das Restaurant unbedingt reservieren). Wenn ihr Euch nicht schon in den Cortes mit hausgemachtem Futter den Bauch vollgeschlagen habt. Architektonisch interessant (für manche fragwürdig) ist das B&B Mariposas. Dem schwarzen Schaf hat’s gefallen 🙂

Zentral und landestypisch, im ortstypischen Granithaus: das Santa Ruhe

Zentral und landestypisch, im ortstypischen Granithaus: das Santa Ruhe

MEANA SARDO

Noch so ein Dorf, von dem viele sich erstmal fragen: Was gibt’s denn da? Lohnt sich der weite Weg? Das auf jeden Fall, denn du fährst durch eine der schönsten Landschaften Sardiniens, die Weinregion Barbagia Mandrolisai, an einem schönen Herbsttag ist sie ein kleines Farbwunder. Meana Sardo selbst ist sehr klein und besticht erst beim zweiten Hinsehen durch seine Liebe zum Detail. Da sind seine speziellen Häuser aus Schiefergestein mit verzierten Eingängen und den “Picapedreris”, Bögen aus Sandstein und Trachyt im gotisch-katalanischen Stil (wenn auch nicht immer supergut erhalten). Mehr Sorgfalt legt man hier auf die kleinen Dinge: die typischen Dolci, die Süßigkeiten des Dorfes sind kleine Kunstwerke. Da ist auch das kunstvoll verzierte Brot, das zu Ostern gebacken wird. Hier hat und nimmt man sich noch Zeit für Kleinigkeiten. Macht ihr das doch einfach auch so, fragt nach, seid neugierig und verweilt ein bisschen. Riesengroße Feierstimmung ist in Meana Sardo nicht zu erwarten, es ist eher beschaulich und familiär. Vielleicht der Ort, an dem du am ehesten mit den Einheimischen in Kontakt kommst.

Kleiner Weinhang in der Barbagia Mandrolisai nach der Ernte

Kleiner Weinhang in der Barbagia Mandrolisai im Herbst

ORGOSOLO

Steht als Pflichtprogramm in jedem Reiseführer und das ist auch richtig so. Aber dennoch ist Orgosolo aus kulturgeschichtlichem Interesse auch ein schwarzschafiges Must-See. Die Wandgemälde oder Murales sind weltberühmt. Auch das Herbstfest in Orgosolo ist längst kein Geheimtipp mehr und auf den Hauptstraßen hat das Fest eine Tendenz zur Massenveranstaltung.  Da der Ort also viele Besucher anzieht, tut Euch den Gefallen und kommt früh (vor allem um einen Parkplatz zu finden und nicht im Stau zu stehen), oder bleibt bis in die Abendstunden. Oder noch besser: Bleibt am besten bis zum nächsten Tag oder noch länger (das Schaf empfiehlt zum Beispiel das B&B Pedrales). Wenn es dir zu voll wird, sind in der Umgebung über 30 Nuraghen zu finden. An einem schönen Herbsttag empfehlen wir unbedingt eine Wanderung in den Supramonte di Orgosolo, zum Beispiel zur Doline Su Suercone. Einen ortskundigen Guide können wir Euch gern vermitteln.

Respektiere die Natur - ob das alle da unten machen?

Respektiere die Natur – ob das alle Besucher des Dorffestes machen?

BELVÌ

Wer Sardinien nur aus dem Sommer und an der Küste kennt, muss unbedingt hierher kommen – Tapetenwechsel garantiert: Die Barbagia di Belvì ist im Herbst farbenfroh und reich. Das Dorf ist nach langer Serpentinenfahrt erreicht und liegt zauberhaft in einer grünen Waldlandschaft. Ja, die Wälder erinnern fast ein wenig ans kontinentale Europa. Die Spezialitäten zum Autunno sind dann auch herbstlich geprägt: Kastanienhonig, Pilzcreme, Haselnusskekse, Marmelade aus Walderdbeeren … Aber nicht nur ans Essen denken: Belvì ist reich an Kunst. So einige Skulpturen stehen am Wegesrand und der “percorso d’arte”, ein Weg der Kunst, der durch die Gassen führt, ist sehr sehenswert. Außerhalb ist noch das Nachbardorf Aritzo interessant und der Texile, ein Monolith und das Wahrzeichen hast du einen tollen Blick auf das Dorf. Schön zur Übernachtung (top, wenn ihr mit mehreren Leuten reist) ist das Chalet Su Foxile. 

Blick auf Belvì vom Texile aus

Blick auf Belvì vom Texile aus

SORGONO

Man könnte den Ort auch das Stonehenge Sardiniens nennen: insgesamt etwa 200 Menhire (oder wie Obelix sagen würde:  Hinkelsteine) befinden sich westlich von Sorgono bei “Biru e’Concas”. So mancher davon mit Zeichen des Muttergöttinnenkultes, und als Darstellung schwangerer, gut genährter oder stillender Frauen. Die Insel ist seit jeher matriarchalisch geprägt, und kaum sonstwo wird das so deutlich wie hier. Bis zu 5.000 Jahre alt sind die sehr gut erhaltenen und teils in Reihen, teils in Kreisen angeordneten Steine. Sehenswert auch die Kirche San Mauro. Auf dem Fest in Sorgono probiert unbedingt den guten Wein der Region: Der preisverdächtige DOC Mandrolisai ist vorwiegend aus den Trauben Cannonau, Monica und der lokalen Muristellu gekeltert.

Der Herbst in der Barbagia Mandrolisai hat immer auch mit Wein zu tun

Der Herbst in der Barbagia Mandrolisai hat immer auch mit Wein zu tun

ARITZO

Auch die Bewohner Aritzos haben – ähnlich wie im Nachbarort Belvì – viel Sinn für Kunst, Handwerk und sind inspiriert vom Berg und Wald. Hier und da scheint alles etwas hemdsärmeliger und traditioneller. Zieht Euch warm an (und nehmt fürs Zimmer sicherheitshalber noch einen Schlafsack mit): In der Gegend ist es trotz Sonne im Winter empfindlich kalt. Sehr schön anzusehen und zu beklettern auch der etwa 24 Meter hohe “Texile” (sprich: Teschile) – ein von weitem sichtbarer Felsabsatz, von dem man einen tollen Blick auf Belvì und Aritzo hat. Als Wohnort empfehlen wir übrigens gern die Azienda Agrituristica “Aradonì” (www.aradoni.it), hier kann man in restaurierten Rundhütten wohnen, den “Pinnettos”. Gern organisiert man Ausflüge/Ausritte in die Berge, unter anderem auch zu einer wilden Pferdeherde.

Typisches kleines Bergdorf im südlichen Gennargentu: Aritzo

Typisches kleines Bergdorf im südlichen Gennargentu: Aritzo

DESULO

Das Dorf im Herzen des Gennargentu ist das Mekka des Holz-Handwerks. Die kunstvoll gefertigten Möbel und Alltagsgegenstände sind im Vergleich zu manchen Standard-Souvenirs nicht ganz billig, aber dafür echt, und sie überdauern wenn’s sein muss, die Jahrhunderte. Da Desulo für ein sardisches Dorf sehr groß und vor allem sehr langgezogen ist, feiert quasi jedes Viertel sein eigenes Fest mit einer Reihe von Darbietungen. Desulo hat die vielleicht schönste Tracht der Insel – in leuchtenden Farben blau – rot – gelb, die (teils auch sehr schönen) Frauen tragen zu Ostern geflochtene Palmzweige. Von hier aus sind übrigens schon die ersten Forscher des Jahrhunderts auf den höchsten Berg der Insel, die Punta Lamarmora gestiegen. Die man kaum so wahrnimmt – dem in der Ferne liegenden Hügel traut man nicht zu, 1.834 Meter hoch zu sein.

Willkommen in Desulo!

Willkommen in Desulo!

LOLLOVE

Ein verlassenes Geisterdorf – das ist Lollove an 362 Tagen im Jahr. Fast alle Einwohner sind weggezogen. Einige wenige haben ihre Häuser, die keiner haben wollte, behalten und nutzen sie als Rückzugsort und Gemüsegarten. An den drei Tagen des Autunno in Barbagia kommt dann Leben in die Bude, und das charmante kleine Dorf wird wiederbelebt. Dass dieses “Freilichtmuseum” relativ künstlich ist, kann man sich vorstellen. Aber das macht dem liebenswerten kleinen “Borgo” nichts. Die verwinkelten Gassen, die alten Steinhäuser, die Kirche, die über allem thront, die schöne Lage am Berghang, und einige gut gepflegte Häuser – dann sollen doch die Spezialitäten aus anderen Dörfern heran gekarrt werden. Uns stört’s nicht: Der Bio-Wein, den wir da zufällig gefunden haben (von einem privaten Weingut bei Dorgali) ist einer unserer liebsten, und selten haben wir so guten Käse gegessen. Lollove ist übrigens Schauplatz eines Romans von Sardiniens (bzw. sogar Italiens) einziger Literatur-Nobelpreisträgerin Grazia Deledda: La Madre. Lollove hat keine Übernachtungsmöglichkeiten, höchstens privat. Wir empfehlen Nuoro als Ausgangspunkt für sternförmige Ausflüge.

Das liebenswerte Lollove

Das liebenswerte Lollove

OVODDA

Unter Schaffreunden ist Ovodda so eine Art Mekka – seit Menschengedenken führt hier der Weg der Transumanza entlang, als die Hirten ihre Tiere im Winter aus dem kargen Gennargentu in die fruchtbaren Ebenen brachten. Die Ähnlichkeit zum lateinische Wort für Schaf – ovis – ist daher naheliegend, aber vielleicht irreführend: Arabische Besatzer sollen den Ort nach einem ihrer Götter, Oboda, benannt haben. Uns (und auch den Einwohnern) gefällt das mit den Schafen besser. Ovodda ist ein schlichtes, von der Landwirtschaft und der Hirtenkultur geprägtes Dorf, mit bodenständigen, ehrlichen Menschen.  Spezialitäten des Dorfes sind hier auch rund ums Schaf zu finden: Wolle, Lederwaren, Pecorino, Ricotta … Und man nennt sich paese del pane / Dorf des Brotes. Hier kannst du zusehen, wie z. B. das pane carasau hergestellt wird. Gutes Essen spielt neben der gesunden Luft eine große Rolle bei der Langlebigkeit: in Ovodda wird man besonders alt – wenn man im Einklang mit der Welt hier lebt. Wie die tickt, erfahrt ihr bei Eurem Besuch.

Das pane carasau im mit Holz befeuerten Ofen

Das pane carasau im mit Holz befeuerten Ofen

MAMOIADA

Zu den Mamuthones e Issohadores haben wir ja schon fast alles geschrieben, was uns einfällt. Und auch dieses Dorf platzt anlässlich der Cortes Apertas mittlerweile aus allen Nähten. Wie also nähert man sich dem Spektakel am besten? Wieder: früh hinfahren (um nicht im Stau zu stehen) und über Nacht bleiben. Vermutlich schon ausgebucht ist die Locanda Sa Rosada, das schwarzschafige Lieblings-Gasthaus mit einem belebten Innenhof, auf dem mit Sicherheit bis in die Nacht Ridotto ausgeschenkt wird). In den Cortes gibt es allerhand zu sehen. Probiert auch den “caffè e’ mendula”, einen Espresso mit Mandelaroma, sozusagen Marzipan zum Wachwerden. Schaut auch in das Museo delle Maschere Mediterranee – es ist nicht besonders groß, aber mit Hingabe und Sachverstand gemacht. Echte Mamuthone-Masken bekommt ihr beim Künstler Franco Sale in der Via Marsala, an diesen Tagen könnt ihr ihm sogar bei der Arbeit zusehen. Manche sagen, der Ort sei mit der Zeit sehr touristisch geworden, und das stimmt über den Tag gesehen vielleicht sogar. Der Ausweg: Bleibt ein paar Tage, bis der Ort wieder zur Ruhe kommt. Sucht den Kontakt zu den Einheimischen – alles ohne Eile. Wir sind sicher, die von Herzen kommende, mamoiadinische Gastfreundschaft wird auch Euch umfangen. Einen Eindruck von Mamoiada aus der Sicht des schwarzen Schafs bekommt ihr in der Grenzenlos-Sardiniendoku (ab ca. Minute 18).

Schlicht schön: das Nuorese - hier an der Strasse nach Gavoi, mit Blick auf Mamoiada

Schlicht schön: das Nuorese – hier an der Strasse nach Gavoi, mit Blick auf Mamoiada

NUORO

Nuoro ist alles, aber kein Dorf. Die einzige Stadt, die an dem Autunno in Barbagia teilnimmt, ist deswegen nicht weniger authentisch. Sie ist das kulturelle Zentrum der Barbagia (vielleicht sogar auf ganz Sardinien) – fast kein Künstler der Insel ist ohne Stadt ausgekommen. Allen voran Grazia Deledda, die hier geboren wurde, und deren Geburtshaus tiefe Einblicke in ihr Werk und die Kultur der Barbagia gibt. Das MAN – Museo dell’Arte della Provincia di Nuoro (hier auf facebook) – unterstreicht den Anspruch als Kulturhauptstadt der Insel. Rund 150 Aussteller im historischen Zentrum – da ist für jeden etwas zu finden. Achtet besonders auf eines: In Nuoro macht man ganz ausgezeichnete Schokolade. Die Stadt ist das Tor zur Barbagia und pflegt die alten Traditionen genauso wie die Dörfer. Da kann auch passieren, dass man von außerhalb mit dem Pferd zum Fest reitet. Sie ist jedenfalls für die ein oder andere Überraschung gut. Unterkünfte in Nuoro: Sehr nette Gastgeber, viele gute Tipps und schöne Zimmer gab’s im B&B Nughe ‘e Oro. Das von außen eher schmucklose Hotel Sandalia am Stadtrand ist erstaunlich nett und eine solide Adresse, auch im gesamten Winter. Moderne Appartments hat die Residence Grande Magazzini.

Nuoro und seine Traditionen

Nuoro und seine Traditionen

TIANA

Tiana ist ein richtig niedliches kleines Dorf. Die lange Anfahrt lohnt sich schon deshalb. Wer die dunklen, traditionellen sardischen Herren-Anzüge mag, kann hier mit etwas Glück bei der Herstellung des Stoffes zusehen. Der nennt sich “Orbace”, und für ihn wird meist graue Schafwolle nach einer aufwändigen alten Tradition, mit Utensilien aus vorindustrieller Zeit (die es im Original nur hier in Tìana gibt) gefertigt. Das hat seinen Preis, aber wir sind sicher – bei einem Maßschneider des Dorfes (oder einem anderswo, der Euch hier empfohlen wird) bekommt ihr einen solchen Anzug absolut preis-wert. Günstigere Reproduktionen werden übrigens aus Kord gefertigt – der wiederum aus Baumwolle und Elasthan besteht und lang nicht die wetterfesten Eigenschaften hat wie Orbace. Ach so, auch in Tìana wird man sehr alt: Antonio Todde galt bis zu seinem Tod als ältester Mann der Welt und starb 2002 bei relativ guter Gesundheit mit 112 Jahren und 346 Tagen.

Tiana - eines der schönsten Dörfer in der Barbagia

Tiana – eines der schönsten Dörfer in der Barbagia

OLZAI

Als wir vor einigen Jahren hier waren, hing der ganze Ort hing im Nebel, später hat es quasi pausenlos geregnet. Soll heißen: Im November ist dann bereits die Anfahrt nichts für Ungeduldige und Frostbeutel. Die Anfahrt über die SP 36 ist genauso mühsam wie die über die SS 128 oder die SS 389 und die SP4. Es dauert einfach, und bei Schlechtwetter mindestens doppelt so lang wie gedacht. Ortzai (so nennen die Einheimischen ihr Dorf) weiß das scheinbar, legt sich ins Zeug – und hat Spaß. Zunächst macht ein großer Graben – der kanalisierte Wasserlauf des Riu Bisine – den Ort irgendwie besonders. Drumherum wird kostenlos Wein ausgeschenkt, tanzen die lustigen Karnevalsfiguren (eine davon eine Maske mit Ziegenhörnern und Schweinsnase). Für den Hunger gibt es hier viel Süßes, unter anderem “pane di sapa” – ein weihnachtlich schmeckendes Brot mit einer aus Kaktusfeigen hergestellten sirupartigen Marmelade (die ist übrigens auch toll zu Wildgerichten, die du mit Glück hier bekommst). Hier unsere Impressionen aus Olzai. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es wenige, das B&B von Barbara, “I Limoni” ist daher schnell gebucht.

Sos Murronarzos – halb Schwein, halb Ziege

ATZARA

Entschleunigung pur auf der Anreise über die kurvigen Straßen. Speziell, wenn die Sonne scheint, ist die herbstliche Landschaft bis Atzara der Hit. Im historischen Zentrum angekommen, findet Ihr ein Labyrinth kleiner Gässchen, und viele verwinkelte Höfe und Häuser, die Euch bereitwillig die Türen geöffnet haben. Unvermutet, aber dennoch da: ein erstaunlich gut sortiertes Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, die Pinacoteca comunale Antonio Ortiz Echagüe. Vor oder nach dem Fest heißt es dann: Fernglas mitnehmen, und dann  ab in die Wälder, rund um Atzara. Hier finden Tierfreunde den größten Reichtum seltener Arten auf Sardinien: wilde Enten, Graureiher, Wildschweine, Füchse, Wiesel, Kaninchen, Hasen, Wildkatzen, Reptilien, Damhirsche, Muflons, Wanderfalken und Königsadler. Oder ihr wendet Euch den Weinhängen der Barbagia Mandrolisai zu – hier werden besonders gute Rotweine angebaut und gekeltert, die durchaus anspruchsvoll zu nennen sind.

Eine Fahrt im Herbst nach Atzara ist wirklich schön

Eine Fahrt im Herbst nach Atzara ist wirklich schön – und entschleunigend

TETI

Die Wiege der sardischen Kultur und ein Mysterium. Nicht mehr und nicht weniger ist Teti, mitten in den sardischen Bergen gelegen. Kurioserweise fand man hier die meisten Spuren der “Shardana”, eines See- und Kriegervolkes. In der Geschichte der Insel das einzige Volk, das Sardinien nicht als Besatzer vereinnahmte, sondern als Heimat verstand. Forscher sind sich noch uneins, einige denken sogar, die Shardana waren Sarden, die von hier aus ihre Raubzüge vollzogen. Dafür spricht, dass sie nie gegen die Inselbewohner Krieg geführt haben (was ja eigentlich das Ansinnen eines Kriegervolkes ist). Aber der Hypothesen gibt’s noch mehr: Teti fand man unter anderem diese berühmte Bronzefigur mit dünnen Beinen, zwei Schutzschilden, einem Helm mit langen Hörnern. Aufgrund dieser Erscheinung sagen einige, die Shardana seien eigentlich Außerirdische. Oder die Bronze zumindest ein Beweis dafür, dass es sie gebe. Interessant auch die Verwandtschaft mit den Giganten von Mont ‘e Pramas bei Cabras. Wie dem auch sei: Ihr ahnt, dass es in Teti eine Menge Schätze zu entdecken gibt, und jeder noch so weite Weg dorthin lohnt.

Gefunden in Abini bei Teti: der göttliche Sardos

Gefunden in Abini bei Teti: der göttliche Sardos

GADONI

In Gadoni kommt Anfang Dezember tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Das, was man in den Cortes im November noch vermisst, wird hier auf einmal lebendig. Gut, der Glühwein fehlt immer noch, aber mit Mirto kann man sich genauso gut von innen wärmen. Und tut das auch. Vor der Kirche ist eine riesige begehbare Krippe aufgebaut, und ein Erntedankaltar. Der Ort zeigt eine erstaunlich bunte Vielfalt, wir finden viele Geschenke für unsere Lieben – selbstgemachte Ohrringe für Mami, ein Hirtenmesser für Papa (es bringt dem Mann übrigens Glück, wenn eine Frau, ob Tochter, Frau oder Mutter, ihm ein sardisches Messer schenkt), kratzige naturgefärbte Wolle für die Freundin (wollte sie haben!), hausgemachte Dolci (z. B. mit dunkler Mirto-Schokolade ummantelte Nüsse) für den nächsten Fernsehabend – und eine Schaffigur für die eigene Sammlung. Unsere heimeligen Eindrücke findet Ihr in diesem öffentlichen Fotoalbum auf unserer pecora-nera-facebook-Seite.

Natürlich gefärbte Wolle in Gadoni

Natürlich gefärbte Wolle in Gadoni

FONNI

Mit den “Fonnesen” sind wir erst spät warm geworden, und es war nicht bei den Cortes Apertas. Aber – das muss man fairerweise zugeben – es ist der Ort, in dem wir auf Sardinien nach Strich und Faden abgefüllt wurden. In einem Keller, in dem eine alte Frau hausgemachten Moscato, Grappa und Mirto verkaufte. Ja, wir haben alles probieren müssen. Aus jeder Flasche einen kleinen Becher, und da standen mehr als drei … Und wurden dann – weil die Dame neue Gäste bekam, die sie abfüllen musste, und der Keller mit denen wieder voll wurde – nach dem Kauf zweier Flaschen unsanft auf die Straße gesetzt. Volltrunken. Ja, ein verkaufsorientiertes Völkchen, diese Fonnesen. Und Alkohol spielt auch eine Rolle (in einem Hof gab es noch grandiosen Thymian-Likör, den wir nirgendwo sonst wieder gefunden haben). Wir wissen nicht wie, aber konnten uns noch das Museo della Cultura Pastorale angucken. Herzlich wenig Schafe gab’s dort zu sehen, aber das machte nichts. Fonni ist der höchst gelegene Ort der Insel und im Winter bedeutet das: Schnee. Auf den Gipfeln des Gennargentu, und nicht selten auch in liegt vermutlich Schnee und in Fonni baut mean eine Eisbahn auf 🙂 Das heißt: dicke Jacke und warme Stiefel anziehen und auf eine langsame An- und Abfahrt einstellen. Übernachten also auch besser in Fonni. Das Schaf mag das Hotel Sa Orte sehr gern. Da es zentral liegt und oft ausgebucht ist, ist das Cinghialetto eine gute Alternative. Wenn ihr es Euch zutraut, ganz langsam ein paar kurvige Kilometer zu fahren, mietet Euch im Agriturismo Parco Donnortei ein. Der ist echt schön, und ihr könnt in aller Ruhe am nächsten Tag bei einem Spaziergang durch frei laufendes zutrauliches Damwild den Restalkohol verdunsten lassen …

Wein, Likör - wichtig, damit dir in Fonni warm wird

Wein, Likör – wichtig, damit dir in Fonni warm wird

ORUNE

Last but not least stimmt hier auf jeden Fall. In Orune werden aus dem Kork der Eiche nicht nur Korken für Weinflaschen hergestellt, sondern auch allerlei Kunsthandwerk. Wenn Euch die Sachen gefallen, ihr Euch in den touristischen Orten und Geschäften nie wirklich sicher seid, ob es nicht doch aus China stammen, dann fahrt nach Orune und kauft hier die wirklich echten Sachen. Ansonsten können sie in Orune (und man pflegt da eine kleine Fehde mit Ovodda) noch Brot in allen Farben und Formen. Allen voran su limpidu (pane carasadu), dann gibt es noch sas paneddas, sos apostolos, su pane ‘e Santu Biasu, sos puzzoneddos de su Cossolu … und wenn wir die alle erklären könnten … aber fahrt hin und guckt Euch das an. Die erste Mädchenschule gab es in Orune – Bildung für Frauen war lang ein Fremdwort auf der Insel. In Orunes Umland ist zum Beispiel das Brunnenheiligtum Su Tempiesu sehenswert.

Korkeichenwald - Sugherete

Frisch geschälte Korkeichen / Sugherete

 

1 Comment

  1. sigrid

    30. Oktober 2014 at 12:27

    oh ja, liebes schaf, das ist eine wirklich gute empfehlung! ich war gerade in gavoi beim herbstfest und verbrachte einen wirklich wunderschönen tag in diesem kleinen, gepflegten dorf im herzen der Insel. nächstes jahr fahre ichganz sicher wieder zu einem dieser feste, man erlebt sardinien hautnah und ganz und gar authentisch und nebenbei kann man noch jede menge lernen über die produktion verschiedenster dinge. wir trafen z.b. einen maskenschnitzer und eine torrone-rüherin …
    liebe grüße
    sigrid von o-solemio

    Reply

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