Kurze Antwort: Ja, natürlich! Eine Rundreise oder Inselumrundung ist sogar eine der besten Arten, Sardinien kennenzulernen. Eine Reise zur Landeskultur, zu den schönsten Stränden oder um die kulinarische Vielfalt zu entdecken – die Möglichkeiten sind quasi unendlich!

Einmal rundherum sind es bummelig 1000 Kilometer. Das ist rein rechnerisch natürlich schaffbar. Ich selbst würde nicht nur an der Küste entlang fahren, sondern auch oft ab durch die Mitte fahren – dort ist es oft genauso schön!

Einige Küstenstraßen sind tatsächlich der Traum – wie hier an der Costa del Sud. Andere Küsten kann man zugunsten des Inselinneren auch verlassen.

Wichtig ist, das ganze Vorhaben nicht zwingend minutiös durchplanen zu wollen. Lässt du dich aber gern treiben und hast Mut zur Lücke – dann steht dir ein ganz wunderbarer Sardinienurlaub bevor!

Eigentlich könnte der Artikel nun (mit einem Verweis auf die Kategorie „Rundreisen„) hier auf dem Blog aufhören.

Da ja aber trotzdem manchmal Zweifel aufkommen, gehe ich hier ein bisschen mehr ins Detail, was Reisezeit, Unterkünfte etc. betrifft. Und zwar an einem lebenden, echten Beispiel!

Neues aus der Kommentarspalte … 😉

Zur Veranschaulichung des Themas sei mir gestattet, eine ganz normale Frage aus einer einschlägigen facebook-Gruppe zu zitieren.

„Wir planen im Juli / August nach Sardinien zu reisen. Flüge haben wir bereits gebucht. Es soll dann mit dem Mietwagen einmal um die Insel gehen. Welche Orte könnt ihr empfehlen, welche nicht ganz so stark überfüllt bzw. touristisch sind? Wir möchten gern immer 2-3 Nächte in einer Unterkunft sein und dann paar Stunden weiter fahren und den nächsten Ort erkunden 🙂

Die Frage finde ich super schön und gut gestellt.

Und trotzdem lassen die ersten Kommentare nicht lang auf sich warten, die das Ganze für unrealistisch halten.

Meistens wird ja beim Kommentieren etwas angenommen, was gar nicht so ist. Oder etwas beantwortet, das gar nicht gefragt wurde. Wir WISSEN ja bei einer Frage selten, warum sie gestellt wird, wir NEHMEN es nur AN. Und wir wissen auch nicht, inwieweit sich die Fragenden schon selbst eingefuchst haben, wie sie üblicherweise reisen, und und und …

Und sie müssen sich schon gar nicht rechtfertigen, warum sie so etwas fragen. Wenn ich in zwei Wochen Hauptsaison durch die Insel reisen will – warum auch immer – dann ist das mein Bier. Auch wenn du es vielleicht nicht tun würdest.

Meistens meinen es die Antwortgebenden natürlich gut und wollen die Neu-Sardinienreisenden vor Enttäuschungen bewahren. Manche sind oft schon öfter auf der Insel gewesen oder leben gar hier. So wie der Mensch, der auf die obige Frage dies geantwortet hat:

In 14 Tagen rund um die Insel, einen Tagesausflug nach Korsika, ein paar Tage im Landesinneren…das wird sich nicht ausgehen, auch wenn man das Fahren gewöhnt ist.

Hm. Meine Antwort auf diesen Kommentar:

Wieso nicht? Die sitzen ja nicht nur im Auto 😉 Zwei Wochen sind echt lang. Man nimmt sich einfach 5-6 Orte, an jeder Küste einen, ein oder zwei im Landesinneren, den Tagesausflug nach Korsika macht man, wenn man eh da oben ist und Lust hat, man bleibt wo es einem spontan gefällt, oder es etwas zu sehen gibt (an anderen fährt man vielleicht eh gleich am nächsten weiter) – und gondelt so in zwei Wochen Rundreise durch die Insel, sieht ne Menge mehr als in zwei Wochen an einem Ort, oder zweien. Ich find’s genau richtig!

Aber ich bin damit irgendwie allein auf weiter Flur. Auch die nächste Antwort rät ab:

Einmal um die Insel schafft ihr gar nicht. Dazu ist die Insel viel zu groß. Mallorca passt da 6 x rein.Ich würde mich auf den Nordosten konzentrieren, auch einen Abstecher an die Nordost Küste machen, oder auf die kleinen Inselchen des Maaddalena Archipels. Sonst seid ihr nur im Auto und fahrt euch nen Wolf.

Nein, man sitzt nicht nur im Auto. Die Insel ist zwar groß – aber so groß dann doch wieder nicht. Wie oft habe ich mich morgens ins Auto gesetzt und bin spontan ans andere Ende der Insel gefahren? Das sind schlapp 300 Kilometer. Von Ost nach West 150.

Also die reine Strecke bedingt nicht, dass man 14 Tage im Auto sitzt.

Wahr ist, dass es auf diesen 300 x 150 Kilometern mega viel zu sehen gibt. Aber das ALLES sehen zu wollen – da reicht ein ganzes Leben nicht. Frag das Schaf, das ist nach fünfzehn Jahren noch nicht fertig …

Mal abgesehen davon, dass ich mich im Gegensatz zu dem obigen Tipp sicher NICHT auf den Nordosten NICHT konzentrieren würde, wenn sie es ruhiger und weniger touristisch haben wollen … Natürlich ist das Maddalena-Archipel super schön, aber platzt aus allen Nähten, wie so viele Orte zwischen Palau und Budoni.

Ich würde eher an die anderen Küsten fahren – da ist es auch schlagartig weniger frequentiert und die Hotel- und B&B-Suche artet nicht in Torschlusspanik aus.

Apropos, das ist vielleicht der allerwichtigste Tipp bei einer Rundreise:

Mach‘ dir keinen Stress!

Sardinien auch in einem ganz normalen 2-3-Wochen-Urlaub zu umrunden, geht super. Solang du keine „Muss-man-unbedingt-gesehen-haben“-Liste zum Abhaken hast, oder nur eine moderate „Nice-to-see-und-Sehnsuchtsorte“-Liste, dann geht das prima.

ALLES kannst du nicht sehen. Willst du aber vielleicht auch gar nicht.

Es gibt doch eh immer Orte, an denen es einem nicht gefällt oder die einem nichts sagen. Ich fahre dann relativ bald weiter – um woanders zu bleiben.

In Irgoli gefiel es mir spontan gut – also blieb ich. Danach fuhr ich 80 Kilometer (etwas über eine Stunde) weiter in die Barbagia, nach Villagrande Strisaili. Easy.

Ich hab meine erste längere Sardinien-Rundreise gemacht, weil ich den sardischen Karneval erleben wollte. Der Rest war mir (erstmal) egal. Das kam dann später und artete in diesem Blog aus … (die ganze Geschichte habe ich in meinem Reiseführer „Natürlich Sardinien“ beschrieben).

Ohne Zeitdruck schafft man es locker einmal rundherum und mittendurch … Haben andere auch schon gemacht – auch auf Irland, Korsika, Sizilien …

Manche erkunden die Insel sogar mit dem Fahrrad, mit dem man noch langsamer ist.

Oder gar zu Fuß. Das ist dann vielleicht wirklich nicht in zwei Wochen machbar. Andererseits wirft Google Maps von Nord nach Süd 56 Stunden aus … das sind 8-10 Tage durchmarschiert. Wem’s Spaß macht – warum nicht!?

Langsam durch Sardinien zu reisen, ist in jedem Fall eine wunderbare Art, neue Orte oder Orte neu zu entdecken.

Aber generell spielt die Größe bei Sardinien überhaupt keine Rolle. Es kann schon schwierig sein, den gesamten Norden zu erkunden, wenn man das Hinterland einbezieht und alles sehen will.

Kann aber auch genau so leicht sein – wenn man Mut zur Lücke hat.

Wenn’s nach hinten raus eng wird – so what?! dann fährt man halt die letzten Kilometer auf direktem Weg zur Fähre.

Speziell auf Sardinien bedeutet Rundreisen auch nicht automatisch Stress – im Gegenteil! Sobald man auf ner kurvigen Provinzstrasse ist oder sich Schafverkehr dazwischen drängelt, wird eh alles langsamer 😅

Wer stresst sich denn bei so einem Ausblick?! Ich jedenfalls nicht.

Ich mag diese Art zu urlauben jedenfalls lieber als zwei Wochen im gleichen Hotel zu hocken. Einfach drauf los und gucken 🤗

Man darf nur nicht den Fehler machen, das (ohne Ortskenntnis) planen zu wollen, das geht gern mal daneben … aber auch das merkt man relativ schnell … 😁

Ein bisschen Planung, zumindest punktuell ist aber vielleicht für den/die ein oder andere/-n gut, um mit einem ruhigen Gefühl anzureisen.

Unterkunftssuche bei einer Rundreise

Die Unterkunftssuche ist auf einer spontanen Rundreise nicht ganz unwichtig.

Sich die ersten beiden Nächte fix irgendwo einzumieten, sozusagen als Startpunkt, um anzukommen, ist eine gute Idee. Vielleicht sogar direkt dort, wo du mit Fähre oder Flieger ankommst:

Zurück zur obigen Frage – (Wir planen im Juli / August nach Sardinien zu reisen.Wir möchten gern immer 2-3 Nächte in einer Unterkunft sein … und dann weiter fahren.)

Hier die nächste Antwort:

Im August ist es auch nicht unbedingt einfach, spontan eine Unterkunft für 2 oder 3 Tage zu finden.

Natürlich gibt es Momente / Orte, an denen es nicht „unbedingt einfach“ ist. Als Pauschalaussage kann ich die Antwort aber nicht stehen lassen.

Ich kann aus meiner eigenen Dauer-Reiseerfahrung auf Sardinien sagen: Es geht – und abseits der Hotspots sogar in der Hauptsaison. Und in der Nebensaison sowieso.

Ich habe bisher IMMER – wirklich immer, EGAL zu welcher Jahreszeit, in welchem Reisemonat, an welchem Ort – ein Zimmer gefunden.

Supergemütliches Charme-B&B in Gesturi – das Cortis Antigas ist wirklich eine feine Unterkunft, die sich nicht verstecken muss. Im Gegenteil – ich würde es jedem Strandhotel vorziehen.

Besonders gut geht das in der südlichen Inselmitte, im Westen oder Südwesten, in den größeren Orten oder in einem Agriturismo etwas abseits der Küsten.

Nicht immer beim ersten Versuch. Nicht immer das, was ich gern gehabt hätte. Und vielleicht kostete es auch mal den ein oder anderen Euro mehr. Aber manchmal gab’s auch kurz vor knapp ein Zimmer zum Sonderpreis (einmal sogar in Porto San Paolo, mitten im Juli). Und manchmal war es sogar ein echter Volltreffer, weil ich einem Schild am Straßenrand gefolgt bin.

Und da die ganze Welt ja unbedingt am Meer urlauben will, findet man abseits der Küsten (5-10 Kilometer reichen, mehr ist immer gut) oft ein wunderbares Domizil.

Vielleicht hilfreich: Ich brauch sicher nicht das Superhotel mit Strandzugang und/oder Pool, wohne sehr gern in privaten, sympathischen B&B bei Einheimischen und mir reicht auch mal eine schöne Zimmervermietung / affittacamere.

Kleiner Tipp am Rande: Die Booking-Umkreissuche per Karte ist sehr hilfreich, um zu gucken, wo noch was verfügbar ist und was es in etwa kostet – und dann einfach buchen oder direkt hinfahren.

 

Abseits der Hotspots – wo ist denn das genau?

Ein anderer Punkt aus der Frage:

Welche Orte könnt ihr empfehlen, welche nicht ganz so stark überfüllt bzw. touristisch sind?

Facebook-Kommentar: Im August gibt es keine Orte, die wenig gefüllt sind.

Schwarzschaf-Antwort: Generell schaut mehr abseits der Küsten. Speziell im Nordosten ist in der Hauptsaison ziemlich viel los. In den anderen Regionen geht es hingegen – im Westen und Südwesten ist es in ausgewählten Gegenden sogar sehr ruhig. Richtig entspannt und untouristisch wird’s im Hinterland und in der Inselmitte.

Wer die Rundreise eher abseits der Hotspots plant, ist auf der sicheren Seite. Wo das genau ist, merkt man tatsächlich relativ schnell selbst vor Ort.

Abseits der Hotspots – hier im Gennargentu in der Inselmitte – trifft man sehr sympathische Inselbewohner!

Hier auf dem Blog habe ich mehrere Artikel dazu geschrieben, schau einfach mal hier, ob dich da etwas inspiriert:

Tipps für Rundreisen auf der Insel

Als erstes schau am besten in die Blogkategorie „Rundreisen“. Da findest du von kulinarisch motivierten Touren bis zu Zielen rund um Kunst und Landeskultur so einige Ideen, wo es denn hingehen könnte.

Eine besonders schöne Route führt entlang der Ostküste:

Und im Zick-Zack-durch die Insel zu fahren, hat einen ganz besonderen Reiz:

Das mag so als erste Vorbereitung reichen. Denn der eigentliche Tipp ist ja: Der Weg ist das Ziel! Fahr einfach los und freu dich drauf 🤗

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