Sobald ein Reiseführer über Sardinien erscheint, muss ich den haben. Nützt nix. Umso mehr freue ich mich, wenn manche Neuerscheinung mit einer persönlichen Note im Briefkasten landet. Diesmal war es der neue Reiseführer 360° Sardinien50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade von meiner Kollegin Andrea Behrmann und ihrem Mann Paolo Succu.

360° Sardinien - 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade von Andrea Behrmann und Paolo Succu
Erschienen November 2021: 360° Sardinien – 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade
  • 360° Sardinien50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade // von Andrea Behrmann und Paolo Succu / 360° Medien / ISBN 978-3968552774 / EUR 14,95 / erhältlich beim Buchhändler deines Vertrauens, oder online z. B. bei amazon (*) / genialokal.de

Ich hatte Andrea und Paolo kurz vor der Pandemie nach Mamoiada zu den Feuern von Sant’Antonio gelockt. Ob sie der Besuch so begeistert hatte, dass sie darüber in ihrem neuen Buch schreiben mochten? Gespannt wartete ich also mit meinen mamoiadinischen Freunden auf die Erscheinung. Die ließ auf sich warten – Corona lässt grüßen. Mir ist mit meinem Buch aber ja selbst passiert, dass die Pandemie Pläne durcheinander würfelt – und so geduldete ich mich sehr gern auch mit diesem. Im November 2021 erschien er dann endlich und im neuen Jahr lag er in meinem Briefkasten.

Ich wühle immer sofort durch neue Bücher, um etwas zu entdecken, was ich noch nicht weiß. Andreas Widmung forderte mich noch extra heraus:

Danke Andrea, ich bin tatsächlich fündig geworden :)
Danke Andrea, ich bin tatsächlich fündig geworden 🙂

Rezension: 360° Sardinien – 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Die beiden Autoren kann man wirklich als Insider bezeichnen. Sie wissen, wie der Hase auf der Insel läuft. Andrea lebt schon sehr lang auf Sardinien und arbeitet als Journalistin (www.sardinienreporter.de). Paolo ist gebürtiger und auf der Insel lebender Sarde und Fotograf (www.paolosuccu.com).

Was für zwei Qualitätsmerkmale des Buches sorgt: 1. Der Inhalt ist sorgfältig recherchiert. 2. Die Bilder sind nicht nur schön, sondern auch professionell fotografiert.

Mir gefallen drei Dinge:

  1. Der Titel – genau meine Kragenweite und vielversprechend.
  2. Das Buch hält sich nicht mit Allgemeinem auf und steigt nach dem Vorwort direkt in die 50 Tipps ein.
  3. Das Buch beginnt in Cagliari und Umgebung. Das ist erfrischend anders als erstmal die St(r)andardregionen im Nordosten zu bedienen.

„Abseits der ausgetretenen Pfade“ ist aber ein Anspruch, den es erstmal einzuhalten gilt. Das schwarze Schaf – quasi Experte für derlei Dinge – übt sich spontan in Statistik:

  • 50 Tipps insgesamt, davon 15 Strand- und Küstentipps. Keine schlechte Quote. Zumal da so Perlen wie die Costa Verde, die Inseln Sant’Antioco und San Pietro oder der Monte Moro, der die Costa Smeralda überblickt, oder das Bergbaudorf Buggeru vorgestellt werden.
  • Null Nieten oder Tipps, die nicht unter den Titel passen würden.

Das Vorwort fasst die besten Tipps zusammen und erklärt, was das Buch will: Alternativen bieten, da leider auch Sardinien in den Sommermonaten aus allen Nähten platzt. Und das wurde durch die Pandemie kurioserweise nicht unbedingt besser.

Ob Murtas, Foxi Manna und Punta Fenu Struvu nun die Cala Goloritzè, Cala Luna oder Is Arutas zu ersetzen vermögen, sei dahingestellt. Dazwischen liegt doch die ein oder andere Welt.

Aber im Grundsatz ist das richtig: Wenn ich die Schönheit vor lauter Besucherandrang gar nicht sehe oder genießen kann, ist die Alternative oft das Highlight. Und definitiv haben alle ihren Reiz und müssen sich nicht verstecken.

Fühlen wir dem Reiseführer nun direkt auf den Zahn.

Wie weit „abseits der ausgetretenen Pfade“ ist das Buch?

Ziemlich! Das Buch hält in jedem Kapitel, was es verspricht.

Mein Top-Tipp: Zuvorderst freue ich mich, weil die oben erwähnten Feuer von Sant’Antonio in Mamoiada Anfang Januar wirklich einen Platz in dem Buch gefunden haben. Das ist nicht nur abseits der ausgetretenen Pfade, sondern auch der üblichen Reisezeiten. Für mich natürlich das Nonplusultra unter den Tipps, vielen Dank!

Für mich der Top-Tipp abseits ausgetretener Pfade: die Feuer von Sant'Antonio
Für mich der Top-Tipp abseits ausgetretener Pfade: die Feuer von Sant’Antonio

Das Buch ordnet Sardinien grob in fünf Regionen und sucht darin nach Perlen:

Cagliari und der mittlere Süden: Das Kapitel hat 10 Tipps – und 10 Volltreffer in Sachen „abseits ausgetretener Pfade“. Liegt vermutlich daran, dass Andrea und Paolo in Cagliari leben und von dort aus starten. Und vielleicht selbst nicht unbedingt da sein wollen, wo sie hundert Touristen begegnen. Man versteht trotzdem, dass da noch sehr viel mehr ist. Und vor der Idee, Cagliari ohne die üblichen Verdächtigen wie Piazza Yenne, Via Roma, Bastione di St. Rémy und den Poetto zu portraitieren, ziehe ich meinen Wollhut. Das Schöne: Es funktioniert!

Sulcis-Archipel und der Südwesten: Abseits stimmt auch hier – das ist allein durch die weiten Wege gegeben. Die Region im Südwesten war schon immer ein Garant, dass es ruhiger zugeht und ist definitiv eine Alternative – zum Beispiel zum Nordosten. Wer den Tipps nach Carloforte oder Sant’Antioco folgt, wird zwar in den Sommermonaten mittlerweile auch einen ausgeprägten Tourismus vorfinden, auch die Mine Serbariu oder das Bergbaudorf Buggerru sind gut besucht, ebenso zieht das Fest Matrimonio Mauretani im August reichlich Besucher aus der ganzen Insel an. Für das kulturelle Verständnis der Insel sind sie mehr als wichtig und richtig.

Die Provinz von Oristano: In diesem Kapitel fand ich eines meiner persönlichen Highlights aus dem Buch. Das Dorf Busachi ist glaube ich noch in gar keinem Reiseführer (auch nicht in meinem) so intensiv vorgestellt worden wie hier, insbesondere die Beschreibung der Leinenproduktion. Danke dafür! Ein Beweis, wie viele Schätze auf Sardinien sich im Hinterland befinden.

Alghero und der Norden: Es ist schon ein bisschen schräg, das Kapitel so zu nennen und dann die Stadt Alghero komplett auszulassen. Aber im Grunde macht das nichts – nach Alghero schafft es jeder Sardinienbesucher quasi automatisch. Nach Osilo hingegen nicht: Das Dorf mit den Wassermühlen ist wirklich unbekannt und wenig bis gar nicht von Touristen frequentiert. Auch die Wanderung am Monte Mesu dürften nur wenige schwarze Schafe gemacht haben.

Gallura, Montacuto, Goceano und Baronie: Geografisch befinden wir uns mit der Gallura und Baronie im absoluten Touristen-Hotspot. Das Buch versucht gar nicht erst, uns das Standardprogramm aufzuzwingen, sondern lässt uns das Treiben an der Costa Smeralda nur fix von oben, vom Monte Moro betrachten und schickt uns dann direkt nach Luras und Luogosanto. Schlau, das Goceano dazu zu nehmen: die Tipps sind wirklich gut. Zwar wird beim Felsenaltar in Oschiri ausnahmsweise viel geraten – das liegt aber in der Natur der Sache: Das Monument war nie Gegenstand von Ausgrabungen und ist in seiner Art einzigartig auf Sardinien.

Historische und kulturelle Besonderheiten werden hier nicht in extra Kapiteln abgehandelt, sondern quasi innerhalb der Tipps erklärt und erzählt. Am Ende jedes vorgestellten Ortes gibt es sachdienliche Hinweise, Tipps für Unterkünfte und/oder Restaurants. Das macht diesen Reiseführer auch gleich praktisch, zum Sofort-Losreisen. Ob generell als Rundreise durch Sardinien oder für Tage, an denen Ausflüge geplant sind.

Und sagen wir mal so: Wer seinen Urlaub mit diesen Tipps beginnt, der/die kann auch ab und zu den Touristentrubel an den Hotspots ertragen.

Was ich noch nicht kannte …

Ja, das schwarze Schaf hat noch Lücken. Jetzt ist es raus.

Allen voran das Castello San Michele in Cagliari. Ich kenne das zwar, war aber noch nie selbst dort und hatte keinen Schimmer, was sich darin an Kunst und Kultur befindet.

Anders als in Busachi (siehe oben), das ich zwar dachte, zu kennen – aber die Spezialität Su Succu ist mir noch nicht untergekommen. Klingt aber fantastisch! Und das Fest, die Sagra de Su Succu, ist eine gute Anregung, dass ich mir einen Merker in den Kalender für Ende Juni mache.

Da muss ich wohl nochmal hin ... ;)
Da muss ich wohl nochmal hin … 😉

Dann das Apothekermuseum Sa Potecaria in Villacidro. Es ist mir gänzlich unbekannt und kommt auf die Liste für die nächsten Schwarzschaf-Ausflüge. Ich hoffe, da steht es nicht so lang wie das Obsidian-Museum / Museo dell’Ossidiana in Pau, das ich auch seit Ewigkeiten besuchen will – und das ebenfalls Tipp in diesem Reiseführer ist.

Und um eines beneide ich die beiden Autoren richtig: Sie haben scheinbar ihre Füße auf die Insel Isola Mal di Ventre an der mittleren Westküste gesetzt – an der ich bislang nur vorbeigesegelt bin.

Tipp mit Seltenheitswert: Isola Mal di Ventre (Malu Entu)
Tipp mit Seltenheitswert: Isola Mal di Ventre (Malu Entu)

Mir haben noch ein paar weitere Tipps sehr gut gefallen und ich fand interessante Details, die ich hier jetzt nicht aufzähle. Irgendwer muss das Buch ja auch noch kaufen 😉

Vielleicht ist dieser Reiseführer insgesamt mehr geeignet für langjährige Italienreisende, die schon mit der Kultur vertraut sind und / oder Sardinienurlauber, die sich an den Küsten schon ganz gut auskennen und jetzt das Besondere oder eben Abstand zum Tourismus suchen.

Fazit: Dieser Reiseführer hält, was der Titel verspricht und ist prima für alle, die abseits der Touristenpfade reisen wollen. Seine Qualität zeigt sich nicht zuletzt in dem enormen Informationsgehalt auf nur 250 kleinformatigen Seiten – für alle die es genau wissen wollen. Gut gelungen!

Ich hoffe, dass sich viele Leser ins „Abseits“ locken lassen, denn da wartet bekanntlich das wirklich wahre Sardinien.

So viele Sardinien-Reiseführer 🙂

Der geneigte Leser fragt sich vielleicht, warum ich auf diesem Blog ständig Werbung für andere mache, wenn ich doch selbst ein Sardinien-Reisebuch geschrieben habe.

Erstmal, weil ich uns Sardinien-Autoren nicht als geschäftliche Konkurrenten sehe, sondern als Kollegen, denen die Insel aus irgendeinem Grund am Herzen liegt. Ich finde, dass Platz für alle ist. Vielfalt schadet ja auch in den seltensten Fällen.

Zweitens: Das schwarze Schaf will über Sardinien informieren – und Reiseführer und Bücher gehören dazu. Der Blog kann ja nichts dafür, dass ich selbst Bücher schreibe.

Drittens mache ich das, weil weder Reisende noch Autoren und ihre Verlage gleich sind. Was ich wichtig und interessant finde, genügt anderen als Anspruch an einen Reiseführer oder für ihre Urlaubsplanung vielleicht nicht. Auch wie ich ein Buch gestalte – da gibt es hundert Varianten und es hängt von vielen Faktoren ab (unter anderem den Kosten). Die einen Leser brauchen und wollen Bilder, weil sie nicht so gern. Andere vertiefen sich gern in Themen und lesen bei einem Glas Wein. Die einen lassen sich durch Worte inspirieren, die anderen durch Bilder. Alles hat sein Warum.

Last but not least: Ich sehe die Insel mit meinen Augen und habe als schwarzes Schaf eine andere Erzählweise. Und ich habe eine Mission, nämlich das Reisen im ganzen Jahr auf der Insel zu fördern. Mit dieser Rezension mache ich genau das und freue mich, wenn dieses kleine Büchlein noch mehr Leser findet.

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