Juni ist der Glücklichmachmonat, meint das schwarze Schaf. Es liegt auf einer Wiese am Lago Lerno bei Pattada und kaut auf einem Grashalm. Sardinien im Juni ist ein Träumchen. Augen zu, Nickerchen. Die Welt ist schön.

Der sardische Name für den Juni, Lampadas, bedeutet Lichter. Und Licht, vor allem das der Sonne, macht glücklich. 

Die wolligen Kollegen auf dem Nachbarhügel (sie sind scheu, diese Tierchen, und hatten bei Ankunft des Fremdlings das andere Ende der Wiese aufgesucht) finden das auch. Sie kommen zur Ruhe, denn es ist Mittag, man hat den ganzen Morgen gemäht. Die Landschaft wird langsam trockener, aber noch gibt es viel zu fressen … äh, arbeiten!

Nun legt sich ein Schaf nach dem anderen hin. Der Hund ist entspannt mittendrin.

Übrigens: Wenn du einen Hütehund triffst, der dich anbellt, respektiere ihn. Selbst Welpen haben schon einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Das erste Anbellen heißt: aufpassen! Das zweite: keinen Schritt weiter! Das Beste ist, wenn du dir diesen Abstand merkst, selbstsicher die Richtung änderst (wenn möglich, nicht zurückweichen) und dann Schritt für Schritt den Abstand zu ihm und der Herde vergrößerst.

Eine ganz schlechte Idee wäre, zu denken »Hunde, die bellen, beißen nicht« und durch die Herde gehen zu wollen. Bei Schweinen ginge das. Sardische Hütehunde werden ungemütlich. 

Mittsommer auf Sardinien

Zurück zum Juni. Frühsommer also, oder vielmehr: Mittsommer! Das wird auf Sardinien zwar nicht explizit gefeiert, aber die längsten Tage des Jahres sind auch hier, wenn du willst, spektakulär.

Gehe im Juni unter die Sonnenanbeter: Rund um die Sommersonnenwende locken Lichtspiele in Nuraghen, Brunnenheiligtümern oder Grotten.

Spannende Lichtspiele im Voragine di Tiscali

Das Schaf hatte einmal unheimliches Glück: Mit einem Guide fand es den Weg in den Voragine di Tiscali und bewunderte ein tolles Schauspiel der Sonne mitten im Inneren des Berges. Bis heute eines der beeindruckendsten Erlebnisse auf der Insel.

Lichtspiele locken zur auch zu diversen Nuraghen, z. B. Ruju bei Torralba, Aiga bei Abbasanta oder Santa Barbara bei Villagrande Truschedu.

Und es gibt so viel määähr davon … Verrückt alle, die bloß am Strand liegen!

Sardinien im Juni: Outdoorparadies

Natürlich ist Badeurlaub fein, aber die Strände an den üblichen Urlaubsorten beginnen sich unweigerlich zu füllen. Und es ist eben längst nicht alles, was Sardinien zu bieten hat. Trotzdem – ich kann alle verstehen, die sich nach dem langen, kalten nordeuropäischen Winter in den Sand legen und nichts tun mögen!

Wer aktiv sein will, findet auf dem Wasser dazu einige Gelegenheiten – ob SUP, Kayak, Surfen, Kiten oder Segeln – für Wassersport ist es jetzt geradezu perfekt.

Die Chartersaison ist bereits in vollem Gang – wer segeln kann, wird im Segelrevier Sardinien bestimmt sehr glücklich und hat auch das Problem der vollen Strände nicht – einsame Buchten findet man zur Genüge. Mein Tipp: Segle im Süden Sardiniens – dort ist es um einiges entspannter als im Nordosten (wo jetzt alle hinwollen).

Der Felsen Pan di Zucchero vom Meer aus gesehen.
Der berühmte Felsen Pan di Zucchero an der südlichen Westküste – vom Meer aus gesehen.

An Land ist für Outdoorfreunde immer noch eine gute Zeit zum Biken, Klettern oder fürs Trekking. Speziell für Mehrtagestouren durch die sardische Bergwelt wie Gennargentu oder Supramonte ist es jetzt vor allem eins: wettersicher. Anstrengende Touren (wie z. B. der Selvaggio Blu) wollen gut geplant sein.

Manchmal ist es tagsüber tatsächlich schon zu warm für Exkursionen – die direkte Sonneneinstrahlung über mehrere Stunden ist nicht ohne. Aber dann pausiert man eben in den heißen Stunden und setzt die Wanderung am Abend fort – Dank der langen Tage kein Problem.

In einigen alten Hirtenhütten, wie hier Sa Cungiadura im Supramonte, kann man übernachten

Und ein ganz besonderes Erlebnis ist die Übernachtung im Freien oder in einer der vielen Hirtenhütten / Cuiles / Pinnettas, mitten in weiter, wilder Landschaft.

Insgesamt ist das Wetter kurz gesagt, gut. Üblicherweise warm (Luft manchmal schon heiß, Wasser angenehm und nicht zu warm), sonnig und alles prima! Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Ein Monat für Verliebte

Juni ist übrigens ein feiner Monat für Verliebte. Setze dich in den nächsten Flieger, am besten mit Ziel Cagliari. Frisch Verliebte haben in dieser wunderbaren Stadt eine reelle Chance, den ersten gemeinsamen Urlaub schadlos zu überstehen. Und alles, was man braucht – von Meer bis Berg – ist in greifbarer Nähe.

Wer schon lang zusammen ist, schafft es auf Sardinien sicher, Alltag und Routine abzuschütteln und sich neu zu verlieben (sofern das notwendig ist). Einige heiraten sogar auf Sardinien. Auch dafür ist der Juni perfekt.

Ein Herz im Meer - Sardinien im Juni ist nicht nur für Verliebte schön
Ein Herz im Meer – Sardinien im Juni ist nicht nur für Verliebte schön

So oder so: Bist du im Juni (vielleicht sogar zum ersten Mal) auf Sardinien, wirst du diese Zeit auf ewig mit etwas Wunderschönem verbinden.

Sardinien im Juni: Feste und Events

Im Juni ist insgesamt wahnsinnig viel los, die Urlaubssaison hat begonnen. Aber auch Dorf- und Kirchenfeste bereichern das Programm.

(Anmerkung der Schwarzschaf-Redaktion: Die nachstehende Liste ist unvollständig
und gibt erste Anhaltspunkte. Nachdem die Corona-Pandemie in den vergangenen Jahren einiges durcheinander gewürfelt hat, gelten oft neue Bedingungen – z. B. Voranmeldung und beschränkte Teilnehmerzahl. Gefordert ist oft auch ein GreenPass / CovPass (EU-Zertifikat). Bitte informiert euch vor Ort noch einmal.)

Bei der Sagra de Sa Tundidroxa in Sinnai werden die traditionelle Schafschur und die Herstellung von Pecorino und Ricotta gezeigt. Die Schur gibt es auch in vielen anderen Orten: Inselweit kriegen vier Millionen Schafe von Ende Mai bis Mitte Juni die Wolle ab. Frag einfach den nächsten Bauern.

Zur Sommersonnenwende (auf der Nordhalbkugel am 20., 21. oder 22. Juni) einer der besten Orte ist das Tempelheiligtum Su Tempiesu in Orune, dort und in der Nähe bei Romanzesu oder am Brunnenheiligtum Santa Cristina finden auch thematische Führungen statt.

MaMuMask Festival ist ein Fest in Mamoiada, zu dem Masken aus anderen europäischen Ländern eingeladen werden. Natürlich treten auch die Mamuthones und Issohadores, wichtige Figuren des traditionellen sardischen Maskenkarnevals auf. Infos: mamumask.org

Mamuthones in Mamoiada
Mamuthones in Mamoiada

Archeomusicando in Mamoiada: Hier wird an den archälogischen Stätten des Dorfes musiziert.

Vom 23. auf den 24. Juni wird San Giovanni oder Santu Juanne gefeiert – eines der wichtigsten religiösen Feste auf Sardinien. Sobald es dunkel ist, werden Feuer entzündet (fugaroni / fuochi di San Giovanni). Auch werden traditionell an diesem Tag Heilkräuter gesammelt. Sehenswert in kleineren Orten wie Pimentel, Bari Sardo, Sedini oder Chiaramonti (in letzterem singt der Männerchor Coro de Tzaramonte).

Als Pferdefreund interessiert dich vielleicht die Messe Fiera del cavallo in San Leonardo di Siete Fuentes, wo die sardische Pferderasse Anglo Arabo Sardo im Mittelpunkt steht. Ein weiterer Pferdemarkt ist in Laconi, bei Einheimischen beliebt.

Auf dem Kunstmarkt Mercantino degli Artisti in San Pantaleo in der Gallura kannst du das ein oder andere spezielle Stück für zu Hause jagen. Nicht ganz billig und immer voll, aber trotzdem schön. Donnerstags

Wichtigstes kulinarisches Event des Monats: die Sagra della Bottarga in Cabras. Am See Stagno di Cabras wird in der Cooperativa Mar ’e Pontis gezeigt, wie der Rogen der Meeräsche nach alter Fischer- und Handwerkskunst gewonnen und verarbeitet wird.

Bei der Fiera / Sagra delle Ciliegie in Lanusei am letzten Juniwochenende dreht sich alles um Kirschen.

Ebenfalls am letzten Juni-Wochenende findet ein Pilgerfest auf der Hochebene Golgo an dem Wallfahrtsort und Kirche San Pietro statt, das auch für Besucher offen ist und bei dem lokale Spezialitäten probiert werden können.

Olbia feiert zum traditionellen Ruderrennen Remata de Sos Carreras ein kleines Stadtfest mit frittiertem Fisch (von der Kirche des Quartiers gespendet) für alle eingangs der Via Redipuglia. Anmerkung: In den letzten Jahren fiel es organisations- und pandemiebedingt aus – aktuell daher auf Aushänge achten, ob es wieder stattfindet.

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