TADAAAA!!! Happy Geburtstag, schwarzes Schaf 🙂 Im Oktober 2010 entdeckte dieser wild-wollige Sardinien-Reiseblog das Licht der Welt! Zehn Jahre gibt das schwarze Schaf schon Insidertipps und Empfehlungen – direkt aus Sardinien für das Reisen nah an Land und Leuten im ganzen Jahr! Zehn Jahre Bloggen und Blöken für alle, die Sardinien wirklich kennenlernen wollen!

Mein schwarzschafiges Alter Ego und ich beeehdanken uns bei alle Leser*innen, Fans, Followern und natürlich bei allen Sarden, die mich so gastfreundlich und herzenswarm bei sich aufgenommen und ihr unfassbar tiefes Wissen mit mir geteilt haben! Danke an alle schwarzen und weißen Schafen 🙂 Das ist määähga!!!

Das Wolltier hat in zehn Jahren (eigentlich reist es schon seit über 15 Jahren, aber anfangs halt noch als profanes Touristenschaf) mindestens eine Fantastillion Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse auf Sardinien gesammelt. Ich gestehe – es ist noch längst nicht alles publiziert, da ist noch soooo viel in der Pipeline, es geht also weiter!

Gleichzeitig wird die “Bucket List” kurioserweise immer länger: Das, was es noch sehen will, wird mit jedem Ausflug und jeder Reise mehr! Das altbekannte Reiseparadoxon: Wer neugierig ist, dessen Reise ist nie zu Ende 🙂

Aber wenn es nur eine Wahrheit über die Insel gibt, die das schwarze Schaf gelernt hat und die jeder Sardinien-Urlauber wissen muss, dann ist es diese:

Sardinien ist so viel määähr als Meer!!!

(cit. das schwarze Schaf / pecora nera)

Zu seinem Geburtstag wünscht sich das schwarze Schaf, dass das noch mehr Leute lesen, verstehen und sich dafür entscheiden, den Strand auch mal Strand sein zu lassen (so schön er ist, als altes Küstenkind versteh ich das!) und die Insel wirklich kennenzulernen. Es wünscht sich noch viel mehr …

Wertschätzung für das echte Sardinien

Gerade durch die Pandemie ist mir bewusst geworden, wie wichtig nachhaltiges Reisen im ganzen Jahr für Sardinien ist. Hier meine Gedanken aus dem Lockdown im März, die auf die Aufwertung der vielen kleinen Perlen des authentischen Sardiniens abzielen.

Denn die Herausforderung für die Anbieter dieser Insel ist, dass sie eben wegen des wie in Stein gemeißelten Images “Sardinien = Sonne und Strand” nach wie vor versuchen müssen, in knapp zwei, drei Monaten des Jahres für ihr Leben und das ihrer Familien zu sorgen, das oft mit wenig lukrativen Aushilfs- und Saisonjobs. wenn diese Monate weg brechen, ist das für eine der ärmsten Regionen Italiens und leider auch Europas wirklich schlimm. Von Wohlstand oder Investitionen ganz zu schweigen. Nur wenige Sarden besitzen eines der gut laufenden Sternehotels an der Küste, die gewohnt sind, sich mit acht Wochen Vollbelegung zu Höchstpreisen die Taschen vollzuballern und den Rest des Jahres in Saint Martin oder der Karibik weiter zu machen.

Dieser Effekt strahlt auch auf die Betriebe der Einheimischen im Hinterland negativ aus, weil das Gros der Leute – selbst wenn sie denn an Kultur, Natur oder Traditionen interessiert sind – von Juni bis September kommt. Von ganzjährig ist die Insel so weit weg wie Giraffen von Sibirien.

Der landläufige Tourist hingegen (und von dem gibt’s in “normalen Jahren” so etwa 10 bis 12 Millionen) ist und bleibt aber eben im Sommer an den Küsten. Das bringt einen Großteil der einheimischen Betriebe direkt an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Denn die meisten Sarden haben ihr kleines Geschäft oder Museum oder B&B oder Weingut oder Schafzucht aber nunmal im Inselinneren, dort wo sie leben – oft historisch bedingt. Exkursionen und kulturelle Events (wie Karneval oder Weinernten) finden eher in der Randsaison statt.

Will sagen: Das ist authentisch und echt, genau das macht Sardinien aus. Zeit, dass das noch mehr wertgeschätzt wird!

Zwar ist der Tourismus nicht alles (tatsächlich macht er nur knapp 19 % des PIL (Bruttoinlandsproduktes Sardiniens aus), aber ich glaube, es würde sehr, sehr viel Sinn haben, den Tourismus zu wandeln und das, was Sardinien im Wesen ausmacht, aufzuwerten.

Das schwarze Schaf wünscht sich für Sardinien …

  • weniger konsumorientierten Sommertourismus (der kommt von ganz allein, da muss man wenig nachhelfen)
  • Küstentourismus, der aber alle Regionen Sardiniens und bewusst das Hinterland und die einheimischen Anbieter einbezieht und bevorzugt
  • mehr Qualitätstourismus
  • mehr nachhaltig denkende, aufgeschlossene und bewusst ökologisch reisende Menschen im ganzen Jahr
  • mehr Wertschätzung für das echte und authentische Sardinien
  • mehr schwarzschafig Reisende 🙂

Wenn ihr also Ende September fünf Kilometer Richtung Landesinneres fahrt und in einem “Agrotourismus” (der eigentlich ein Agriturismo ist) Malloreddus und gegrilltes Ferkel esst und bei den netten Leuten viel Hauswein trinkt, ist das ohne Frage eine gute Idee – aber erst der Anfang. Ihr kratzt allerhöchstens an der Oberfläche Sardiniens.

Aber, ist schon richtig: Irgendwo muss man ja anfangen. Dann sag halt erstmal A wie Agriturismo. Und dann schadet es nicht, irgendwann B wie Barbagia zu sagen und C wie Carnevale und D wie Desulo und E wie Escalaplano und F wie Fonni und G wie Gavoi und H wie Hirtenkultur und I wie Italienisch lernen und J wie Januar und … irgendwann halt auch S wie »schwarzschafig«.

Das schwarze Schaf auf Tour: Näher ran an Land und Leute geht fast nicht ;)
Das schwarze Schaf auf Tour zum Carnevale in Lula: Näher ran an Land und Leute geht fast nicht 😉

Damit das kein leeres Wort ist, dröseln wir das am besten mal anhand des Schafes selbst auf 🙂

Reisen wie ein schwarzes Schaf

Schwarzschafig reisen meint …

… natur- und kulturnahes, individuelles und bewusstes Reisen im ganzen Jahr, in allen Regionen Sardiniens, abseits touristischer Trampelpfade, nah an Land und Leuten.

Die fünf wichtigen Merkmale des schwarzen Schafs:

1 – Trittsichere Hufe

»Abseits der ausgetretenen Touristenpfade« heißt es so schön. Steht da oben ja auch. Blök Bla. Viele meinen damit bloß, dass sie was wollen, was noch kein anderer auf Instagram gepostet hat. Wie man das am Strand liegend hinkriegen will, ist mir allerdings schleierhaft – türkises Wasser kann auf Sardinien doch echt jeder!

Über Stock und Stein - auch wenn es übermannshohe Felsen sind! (hier in der Gola Su Gorropu)
Über Stock und Stein – auch wenn es übermannshohe Felsen sind! (hier in der Gola Su Gorropu)

Aber soll mir egal sein, ich trappel über Fels und Stein, durch Bäche und über Mauern, überwinde Hügel und Täler, wie zur Transhumanz. Ich klettere auf alten Köhlerpfaden durch Felslandschaften. Na klar ganz vorsichtig und langsam, um kein Pflänzchen zu zertreten, keine Eidechse zu stören und nichts zu hinterlassen, außer meinen Hufspuren. 

2 – Scha(r)fe Augen

Reisen ist Erleben. Und Erlebnisse schaffen Erinnerungen. Statt eine Liste mit Sehenswürdigkeiten abzurocken guck ich also lieber nach Erlebenswürdigkeiten.

So halte ich unheimlich gern nach der Kleinen Hufeisennase Ausschau – eine vom Aussterben bedrohte Fledermausart, die unheimlich gern in Nuraghen (z. B. Nuraghe Maiore bei Tempio) und Grotten wohnt. Oder schau hinauf zum Himmel, wo die Flamingos über Cagliari ziehen. Oder gucke genau, wo ich meine Füße hinsetze, wenn ich eine Felswand hinaufklettere.   

Fledermäuse in einer Grotte
Fledermäuse in einer Grotte … kurz gucken, ob keiner guckt und dann schnell wieder Licht aus!

3 – Aufmääährksame Ohren

Ich horche unheimlich gern auf Schafglocken im Gennargentu. Zu wissen, dass sie da sind, während ich auf das Dach der Insel steige, entspannt mich unheimlich. Ich horche auf das Heulen des stürmischen Maestrale am Capo Testa genauso wie auf das Getrappel von Eidechsen und von Hufen kleiner Pferdchen in der Giara di Gesturì.

Aber vor allem auf das, was die Einheimischen erzählen. Überhaupt, die besten Geschichten erfahre ich bei einem Glas Wein am Feuer, nach dem Fest, wenn alle Touristen weg und die Handys aus sind. Das ist glaub ich der größte Fehler, den viele Touristen auf Sardinien machen. Sie sind nicht da, wo die Menschen sind und bleiben nicht bei ihnen.

Heimelig trotz Kälte: ein offener Corte wartet auf Gäste
Und vielleicht gibt’s in diesem Hinterhof in Fonni die beste Geschichte des Tages …

Das wirklich wahre Sardinien fängt da an, wo der Tourismus aufhört. Darum muss ich auch nicht alles erzählen. Manches ist einfach nur ein schönes Erlebnis und braucht weder Blog noch Instagram.

4 – Neugierige Schnüffelnase 

Da ich quasi alles auf Sardinien schon mal gesehen habe, muss ich mittlerweile etwas tiefer bohren (mit allem Respekt natürlich), um die Perlen zu finden. Ich werde auch nicht müde, auf diesem Blök, äh, Blog davon zu erzählen. Wobei ich durchaus auch die Klappe halten kann, wenn Einheimische mich darum bitten. Denn manche Geheimnisse wollen unbedingt bewahrt werden.

Manche schönen Plätze, wie diesen Wasserfall, muss man einfach selber finden ...
Manche schönen Plätze, wie diesen Wasserfall, muss man einfach selber finden …

Auch verrate ich nicht jeden meiner Lieblingsplätze inklusive Wegbeschreibung. Die Frage “Wo ist das?” beantworte ich manchmal auch nicht. Denn was wäre ein Geheimtipp, wenn ihn jeder kennen würde? Was wäre ein Lieblingsplatz, den man nicht ganz allein gefunden und als solchen erkoren hat?  

5 – Zerzauste Wolle

Egal, ob die Frisur sitzt oder nicht: Wetter ist Inspiration! Bei Schnee locken die Berge, bei Wind bin ich am und auf dem Meer und bei Regen in Feenhäusern und Museen. Auf Sardinien ist auch nicht immer alles schick herausgeputzt. Das macht mir nichts. Das äußerlich Unordentliche birgt manch wertvolle Schätze im Inneren und erzählt charmante Geschichten über die Insel und ihre Bewohner. 

Ich mache mich und meine Trekkingklamotten auch gern mal schmutzig oder ruiniere mir die Wolle, nur um zu einem besonderen Ort zu gelangen oder einen tollen Ausblick zu erhaschen. Bei aller Vorsicht natürlich. Es geht gar nicht, einen Ort zu zertrampeln, nur um ein tolles Foto auf Instagram posten zu können.

Das bringt mich zu der einen, eindringlichen Bitte, an alle, die schwarzschafig reisen wollen – und die ich mir selbst als Reiseblogger immer wieder vor die Nase halte und unbedingt halten muss:

Lasst uns Sardinien nicht »ver-instagrammen«, lasst unseren Urlaub kein facebook-Event sein!

Mitten rein ins Blumenmeer, nur für ein Selfie in Pink? Muss nicht sein. So reicht es doch auch.

Der letzte Fall, der auf Sardinien Schlagzeilen machte, war ein junger Mann, der das Video einer Influencerin an der Cala Goloritzè nachstellen wollte. Sie war von dem berühmten Felsbogen an der Bucht ins Türkiswasser gesprungen. Mal abgesehen davon, dass der »Arco« ein Naturdenkmal und das Betreten verboten ist, und die Cala Goloritzè eh unter Naturschutz steht und man durchaus mit etwas Vorsicht da baden sollte – hat sich Mr Instagram bei seinem Sprung schwer verletzt und musste per Helikopter ins Krankenhaus gebracht werden.

Insofern ist vielleicht das schwarzschafigste: Nämlich nicht jeden Hotspot, nur weil andere in einschlägigen Sardinien-facebook-Gruppen für ihren türkisfarbenen Urlaub am Meer 200 Likes bekommen, zu besuchen.

Und wenn du doch unbedingt hin willst, hinterlasse auch diese Orte so, wie du ihn vorfindest oder vorfinden möchtest. Mache Sardinien und die Welt, wenn du kannst, noch ein Stückchen besser.

Noch ein paar Geburtstagswünsche des schwarzen Schafs

Ja, das Schaf hat Geburtstag! Es darf sich so viel wünschen, wie es will! Ich wünsche mir, dass sich alle Sardinien-Reisenden noch mehr mit den Einheimischen verbinden. Will sagen:

» Ich wünsche mir, dass du ein paar Tage bei sardischen Gastgebern in ihren wundervollen B&B und Gasthäusern wohnst.

» Ich wünsche mir, dass du Wein, Käse, Olivenöl etc nicht im Supermarkt, sondern direkt bei einheimischen Landwirten, in ihrem Heimatort oder vom Lieferwagen am Straßenrand kaufst, vielleicht auch in kleinen sardischen Geschäften, Weinhandlungen und auf Märkten.

» Ich wünsche mir, dass du deinen (vielleicht seit Jahren schon angestammten) Touristenort an der Küste zugunsten eines kleinen Bergdorfes auch mal links liegen lässt und dich drei, vier, fünf Tage mal irgendwo einnistest, wo echte sardische Gastfreundschaft auf dich wartet. Keine Sorge: das Meer ist immer da und nie weit weg.

Ich wünsche dir, dass du erlebst, wie es ist von Schafglocken geweckt und schon zum Frühstück mit hausgemachtem Ricotta und Gebäck verwöhnt zu werden.
Ich wünsche dir, dass du erlebst, wie es ist von Schafglocken geweckt und schon zum Frühstück mit hausgemachtem Ricotta und Gebäck verwöhnt zu werden.

» Ich wünsche allen, die schon beim Anblick des türkisfarbenen Meeres “Ich liiiiiebe Sardinien” sagen, das genau gleiche Gefühl beim Anblick des Monte Corrasi oder der Punta La Marmora, der Murales von Orgosolo, eines Weinhangs bei Mamoiada, eines alten Herrn auf einer Bank vor einer Kirche, einer Schafherde oder eines Wasserfalls im Landesinneren.

A kennt’annos – auf hundert Jahre schwarzschafiges Leben!

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

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