Immer, wenn ich durch Sardinien fahre und durch die Naturschutzgebiete der Insel wandere, staune ich über die Vielfalt auf so engem Raum. Die Insel sieht nicht nur nach jedem Tal und jedem Hügel anders aus: Schon bei einem einzigen mehrstündigen Trekking lassen sich unterschiedliche Pflanzen, Tiere und Gesteinsarten entdecken.
Das liegt hauptsächlich an den geologischen Gegebenheiten: Sardinien ist eine uralte Landmasse (viel älter auch als das italienische Festland). Und auf unterschiedlichen Böden und in unterschiedlichen Höhen gedeihen Flora und Fauna eben auf verschiedene Weise.
Die Biodiversität Sardiniens ist für uns Laien nicht immer offensichtlich zu erkennen – eine Großwildtour in Kenia ist da um einiges evidenter. Alles spielt sich eher kleinteilig ab. Und auf einer Insel ist naturgemäß alles irgendwie kleiner.
Aber die Artenvielfalt ist da und hält sich tapfer – trotz Abholzung, landwirtschaftlicher Monokulturen und nicht zuletzt der touristischen Nutzung.

Umso wichtiger, sie zu erhalten. Das ist allerdings nicht ganz einfach – wie nirgendwo auf der Welt.
Zur Förderung der Artenvielfalt und zum Erhalt der wilden Landschaften gibt es auf Sardinien darum verschiedene Naturschutzgebiete: Naturparks, Schutzgebiete und geschützte Naturmonumente. Sie sind wichtig, damit die einzigartigen Lebensräume für Tiere und Pflanzen zumindest in dem Stadium bleiben, in dem wir sie heute vorfinden.
Denn sie erzählen auch vom oft ambivalenten Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Ein Naturschutzgebiet folgt der Notwendigkeit, die biologische Vielfalt zu schützen – auch oder vor allem vor dem Menschen.
Denn unsere Spezies entwickelt schon immer je nach der Umgebung, in der sie lebt, verschiedene Gewohnheiten, Lebensweisen und Traditionen. Mehr oder weniger im Einklang mit der Natur. Wir sind (heute) leider allzu oft eher „nutzende“ als komplett nützliche Tiere.
Im vergangenen Jahrhundert und Jahrzehnten ist auf der ganzen Welt sehr viel natürlicher Raum verloren gegangen. Auch, weil wir Menschen uns längere Zeit oder in größeren Menschenansammlungen dort aufhalten.
Wir meinen, die „Nutzbarmachung“ der Natur sei wichtig für unser persönliches und wirtschaftliches Wohlbefinden. Obwohl wir die „verstehenden Menschen“ (homo sapiens) sein wollen, scheinen wir uns – wider besseren Wissens oder fasziniert von der eigenen Kreativität – von der Natur losgelöst zu betrachten. Und wir haben verlernt, Ökologie und Ökonomie als einander bedingende Realitäten zu verstehen.

Das ist natürlich viel zu kurz gedacht: Der Verlust von wildem Lebensraum und Biodiversität hat enorme Risiken – auch für die Wirtschaft (hier eine Studie des World Economic Forum). Und für unser aller Überleben.
Umso wichtiger ist, die Natur, die noch da ist, vor unserem Eingriff zu schützen.
Naturschutzgebiete definieren darum Raum für Tiere und Pflanzen und ermöglichen ihnen ein weitgehend artgerechtes und ungestörtes Leben.
Dieses Leben ist interessanterweise gerade dort, wo Meer und Land aufeinander treffen, also an den von uns Urlaubern so heiß geliebten Küsten und Stränden, viel Leben anzufinden. Und auch hier bringen wir es regelmäßig, alle Jahre wieder, in Ungleichgewicht. Wir verhalten uns durch unser massenhaftes Dasein einfach nicht natürlich.

Sei es durch die Rückstände unserer Sonnenmilch, die wir ins Meer eintragen, die Verdichtung des Bodens, wenn wir uns mit unserem Gewicht dort bewegen, oder das, was wir vergessen, wieder mitzunehmen.
Das schwarze Schaf sagt nicht, dass ihr nicht da sein sollt. Im Gegenteil. Wenn wir uns unseres Einflusses bewusst sind, unseren Impact klein halten und uns als Teil der Natur verstehen, ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden.
Nicht mehr, nicht weniger.
Wenn wir der Natur im Urlaub nah sein wollen, ist natürlich komplett richtig, sich direkt in die Natur zu begeben, statt vor dem Hotel-Animateur zu stehen oder aufs Handy zu starren. Es ist immer gute Idee, das Draußensein zu genießen, zu entspannen und sich wieder mit dem Natürlichen zu verbinden.
Gleichzeitig müssen, wenn wir Naturschutzgebiete betreten, ein paar Dinge klar sein:
Da viele das „natürliche Sein“ verlernt haben – vielleicht entwöhnt durch Zivilisation oder Zeitmangel – ist sicher nicht einfach, sich während drei Urlaubswochen hineinzufühlen.
Ich hab das Vorbild gewisser buddhistischer Mönche, die den Weg vor sich fegen, um keine Ameise zu zertreten, immer sehr einleuchtend gefunden. Auch jede Pflanze, auf die wir treten könnten, als wertvolles Lebewesen zu betrachten, hilft aufmerksamer und bedachter zu werden. Jedes Leben zählt.
Man kann das auch Kindern als Aufgabe geben. So wie wir früher gespielt haben, dass man irgendwo nicht drauf treten darf, weil es Lava ist und man sonst verglüht, wär doch eigentlich viel hübscher, das positiv zu drehen – und zu sagen: „Nicht drauf treten weil es lebt und man sonst Karmapunkte verliert.“ 🙂


Allein der Gedanke lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie sehr wir der Welt schon geschadet haben und wieviel Anstrengung es kostet, sie zu heilen. Ganz vorsichtig nehmen wir auch intensiver wahr, welche Lebewesen sich um uns herum, in der fremden Urlaubswelt befinden.
Exkurs: Das geht natürlich schon zuhause: Ein Freund von mir gibt auf seiner Seite https://www.yourewild.net viele Tipps und zeigt euch die Schönheit der Natur vor unserer Haustür.

Jetzt aber ins Eingemachte!
Auf Sardinien gibt es verschiedene Arten von Schutzgebieten. Beginnen wir mit den staatlichen Naturschutzgebieten, also known as Nationalparks / Parchi nazionali.
Es gibt drei Nationalparks mit einer Gesamtfläche von rund 25.000 Hektar:
Der Nationalpark Asinara umfasst die gleichnamige Insel im Nordwesten. Hier wird Naturschutz richtig ernst genommen. Aufgepasst wurde hier schon immer: Zuerst wurden hier Schwerverbrecher
und Mafiosi im Gefängnis und in Cala Reale ansteckend Kranke bewacht.
Heute wird die Insel selbst wie der Augapfel gehütet. An die neuen Regeln muss sich jeder halten, die Schutzzonen sind sehr ernst gemeint. Die Natur gehört ausschließlich sich selbst. Alle müssen auf den Wegen bleiben und mit dem Boot fahren ist nur an ganz bestimmten Stellen erlaubt. Müll muss wieder mitgenommen werden und es gibt nur wenige, autorisierte Anbieter und Infrastruktur.
Es ist aber vielleicht genau deswegen einfach traumhaft. Ideal für Radtouren oder zum Trekking, auch informative Jeeptouren, z. B. mit Wild Asinara Park sind möglich.

Der Park befindet sich im touristisch stark frequentierten Nordosten – Parco Nazionale dell’Arcipelago di La Maddalena » www.lamaddalenapark.it (Seite auf italienisch) … und der Inbegriff der sardischen Traumbuchten.
Aber: Alle Welt segelt und motort hier herum und es ist in der Saison wirklich mittlerweile zuviel (für mich quasi unerträglich). Täglich starten Bootstouren, z. B. ab Palau, Santa Teresa, Cannigione oder La Maddalena, manche sogar halbtäglich.
Wer mich jetzt nach Tipps fragen will: Schon die Auswahl des Ausflugsbootes ist schwierig.
Was ich gar nicht machen würde: Mit den „Mindestens-100-Leute-Touristenbooten“ fahren, die zwar einigermaßen erschwinglich sind, aber oft alt, viel zu laut, und die für meinen Geschmack gar nicht mehr im Archipel fahren dürfen sollten. Kleinere, private Touren gibt es, sind natürlich zu bevorzugen – aber kosten ein kleines Vermögen. Das müsst ihr, wenn es euch wichtig ist, im Urlaubsbudget einplanen. Augen zu (bzw. auf) und durch.
Nachhaltigkeit auf dem Wasser kommt selbst mit einem kleinen, privaten Segelboot nicht von selbst, sondern ist eine bewusste Entscheidung – und die sehe ich nicht oft. Ich selbst meide das Gebiet in der Hauptsaison vollständig, und fahre eher in der Nebensaison, ganz vorsichtig.

Tipps für Bootstouren möchte ich daher an dieser Stelle nicht geben – einfach um das Problem nicht noch zu verstärken, weil im Prinzip alle Anbieter Teil des Problems sind.
Mit einem kleineren Boot zu starten, ist insofern für das Maddalena-Archipel auch keine kurzfristige Lösung (mehr). Wohl kann es aber für Entspannung sorgen und in anderen Revieren dafür sorgen, dass Bootstouren keine Massenveranstaltung werden.
Oft stellt sich die Frage: „Warum soll ausgerechnet ich verzichten, wenn alle anderen hinfahren? Es macht doch gar keinen Unterschied.“
Doch, macht es. Ein Wandel kann auch durch die Summe vieler einzelner Handlungen – sprich: Signal an Anbieter und Parkverwaltung – herbeigeführt werden. Durch unseren Boykott drücken wir aus, dass das Gebiet unattraktiver wird, weil zu viele Menschen da sind. Wir können mindestens nachhaltige Angebote mit weniger Impact bevorzugen und dafür sorgen, dass sich das Angebot wandelt.
So wie ein Wandel in die eine, negative Richtung über viele Jahre stattgefunden hat, kann er auch in die andere Richtung funktionieren.
Über nachhaltiges Segeln rund um Sardinien informiere ich auf meinem Segelrevierführer www.segelrevier-sardinien.de
Zurück zu den Naturschutzgebieten: Sowohl das Arcipelago di La Maddalena als auch das mit Korsika etablierte Naturschutzgebiet Bocche di Bonifacio gehören gleichzeitig zu den Meeresschutzgebieten Sardiniens und zum internationalen Schutzgebiet für Wale und andere große Meeressäuger, Pelagos Sanctuary.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt:
Dieser ist gegründet, aber nicht aktiv in Betrieb genommen worden. Das Gebiet steht trotzdem unter Schutz – nur wird es nicht zentral verwaltet und koordiniert.
Der Schutz bestimmter Gebiete im Gennargentu ist daher eher kleinteilig und ähnlich wie bei archäologischen Stätten oder kulturellen Schätzen über lokale Vereine oder Initiativen und ganz oft über die zuständige Gemeinde geregelt (mit allem Auf und Ab, den es in der Politik gibt).

Diese agieren je nach Möglichkeit mit Tickets (z. B. für die Gola Su Gorropu), teils mit der Pflicht, sich einem Guide anzuschließen (z. B. auf dem Trek zum Wasserfall Niala in Ussassai) und teils mit Zugangsbeschränkungen (z. B. für die Buchten im Golfo di Orosei).
Das ist zwar unübersichtlich für Touristen, die denken, sich in frei bewegen zu können. Das geht schon – man muss nur darauf gefasst sein, auf dem letzten Meter vielleicht doch noch ein paar Taler zahlen zu müssen.
Und warum auch nicht: Intakte Natur hat einen Wert. Und Sardinien hat sie zum Glück noch. Wenn ich 7 Euro für ein überteuertes Ichnusa in der Strandbar ausgeben kann, kann ich auch 6 Euro für den Zutritt zur Gola Su Gorropu ausgeben. Soll mir recht sein.
Die nicht zentral geregelten Vorgaben haben natürlich auch Nachteile. Denn nicht alle verstehen den Umweltschutzaspekt – und setzen die einzelnen Tickets dann mit „Abzocke“ und „Gemeindekasse füllen“ gleich. Auch werden viele aus Unwissenheit „bestraft“ – und die Sanktionierung von echtem, schädlichen Fehlverhalten bleibt weiterhin schwierig.
Kleiner Tipp für die Praxis: Am besten vorher mal die KI fragen – nicht nur nach den schönsten Stränden, sondern eben auch, ob an meinem Ausflugsziel irgendwelche Einschränkungen gelten. Und ansonsten überall so vorsichtig verhalten, wie im eigenen Vorgarten. Wenn es Einschränkungen gibt, geh einfach davon aus, dass sie irgendeinen Sinn haben.
Kommen wir zu den von der Region Sardinien verwalteten Naturschutzgebieten.
Die Regionalparks se überschneiden sich zum Teil mit anderen Schutzgebieten. Und d sind ganz wunderbare Ausflugsziele zur Natur, darum seien sie hier kurz vorgestellt:
Rund um die Bucht von Porto Conte erstreckt sich ein außergewöhnlich vielfältiger Park, der Küsten- und Binnenökosystemen verbindet: von Steilklippen über Sandstrände bis hin zu Lagunen und Wäldern.
Während der Parco Porto Conte die Natur an Land schützt, ist für das Meer die Area Marina Protetta Capo Caccia e Isola Piana eingerichtet – und man arbeitet zusammen (eine relative Seltenheit in Italien).

Der Park selbst ist zum Schutz der Wildtiere vor Verkehr und Tourismus eingezäunt und verschlossen. Es gibt aber verschiedene Dauertickets für kleines Geld, sodass Alghero-Urlauber auch mehrere spannende Touren machen können
Als Guide empfehle ich euch wärmstens Erica von Alghero Hiking Tours, sie spricht auch deutsch: https://www.instagram.com/alghero__hikingtours/) Infos zum Park: https://www.algheroparks.it
In Tramariglio findet sich ein Freilicht- und Naturkundemuseum an der ehemaligen Strafkolonie, das auch die landwirtschaftliche Nutzung thematisiert. Das Ecomuseo „Casa Gioiosa“ widmet sich verschiedenen Naturschutzthemen, ist wirklich informativ und gut gemacht.
Bedeutend ist bei Fertilia die Laguna del Calich als wichtiger Lebensraum für Wasservögel und als ökologisches Übergangssystem zwischen Süß- und Meerwasser.
Hier findet sich eine hohe Biodiversität auf engem Raum, durch die Verbindung mariner und terrestrischer Lebensräume. Ideal für einen Birdwatching-Spaziergang: Fernglas / Teleobjektiv nicht vergessen!
Der Parco Naturale Regionale del Gutturu Mannu beherbergt eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Mittelmeerraums mit dominanter Hartlaubvegetation (v. a. Steineichenwälder). Herausragend ist die Flora: Mit über 600 Pflanzenarten und zahlreichen Endemiten stellt er ein Biodiversitätszentrum von europäischer Bedeutung dar.
Aber auch die Fauna ist beeindruckend: Hier lebt die größte Population des Sardischen Hirsches sowie Wildkatzen, Wildschweine und seltene Greifvögel. Die Landschaft ist geprägt von tief eingeschnittenen Tälern und weitgehend intakten Ökosystemen.
Mehrere Wanderpfade führen hindurch – eine Wanderung ist auch auf eigene Faust möglich. Mehr Infos in diesem Artikel: Wo Mond und Hirsch sich treffen: Parco Gutturu Mannu und WWF-Oase Monte Arcosu
Um nach dem Meeresrauschen die Stimmen der Berge und des Waldes zu hören, muss man auf Sardinien nie weit fahren.
Selbst im touristischen Nordosten der Insel gibt es ein Naturschutzgebiet, das dir vollständige Erholung und Ruhe schenkt, während nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt der Strandtrubel in vollem Gange ist: Der
Der Regionalpark Tepilora in den Gemeinden Bitti, Lodè, Posada und Torpè erstreckt sich über fast 8000 Hektar. Berge, Täler, Wälder, Felslandschaften, Quellen und Wasserläufe: Viele naturbelassene Wanderwege führen hindurch und sind das ideale Ziel für einen Urlaub im Einklang mit der Natur.
Die Ziele scheinen nicht so spektakulär wie die berühmten – und doch sind sie es. Ich war jedenfalls schwer beeindruckt von dem Wasserfall S’Illiorai (zugänglich von Bitti aus).
Die Wanderungen sind mal einfach, mal anspruchsvoll. Nicht immer gut beschildert, insofern ist ein GPS und ein Sich-Vertrautmachen vor der Tour wichtig. Vor Ort ist vieles naturbelassen und zu Beginn empfiehlt sich, sich einer Tour der lokalen Guides anzuschließen (tendenziell an Wochenenden).
Infopoints gibt es in Posada und Torpé.
Es ist wirklich eine Besonderheit, ein so großes Naturschutzgebiet direkt in der Stadt. Der Regionalpark gleich hinter dem langen Stadtstrand Poetto grenzt direkt an Wohngebiete und ist mit 1600 Hektar ein wahrer Luxus und Garant für Entspannung.

Ob zu Fuß, per Bike oder Kanu, oder mit einer vogelkundlichen Tour ist man in Nullkommanichts mitten in der Natur: Hier lebt eine der größten Flamingokolonien des Mittelmeers. Zur Nistzeit im Frühling sind es gern mal 10/ 20.000 Exemplare, aber auch im Herbst und Winter sind die Rosaflamingos ständige Bewohner. Hier gibt es wirklich Flamingo-Garantie, obwohl es Wildtiere sind.
Die Biodiversität in diesem Park ist einfach fantastisch – in den alten, verlassenen Salinen lebt eine Vielzahl von Wasser- und Landvögeln. Ich könnte auch merhere Tage dort verbringen. Und warum auch nicht: Der Parco ist generell offen, Eintritt frei.
Wer Lust hat, wandert erst ein bisschen hindurch und legt sich dann an den Strand oder lässt den Tag bei einem Aperitivo mit Meerblick ausklingen.
Mehr Infos zu Cagliari findest du in diesem Artikel: Cagliari, die schönste Inselhauptstadt der Welt
Der weitaus größte Teil der Schutzgebiete auf Sardinien sind kleinere Flächen, die im Rahmen von EU-Naturschutzprogrammen etabliert wurden – und die wirklich auch total schöne Ausflugsziele sind. Einige stelle ich euch gleich vor.
Erstmal die offiziellen Bezeichnungen:
Die kann ich hier jetzt nicht alle auflisten, denn es sind (Stand 2024) 89 ZSC, 31 ZPS, 60 SIC, 6 AMP. Aber ein paar Highlights sind drin.
Fangen wir hinten an – da sie einigermaßen übersichtlich sind:
Diese sechs Gebiete gehören mit zu dem Schönsten, das Sardiniens Küste zu bieten hat.

Einen Einstieg in die einzelnen Schutzgebiete findet ihr in diesem Artikel https://pecora-nera.eu/aree-marine-protette-meeresschutz-auf-sardinien/
Oder auf meiner separaten Infoseite für Segler:
Im Deutschen sind dies „GGB Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung“. Sardinien hat aktuell 96 dieser SIC. Diese alle aufzuzählen führt hier ebenfalls zu weit, aber ein paar kann ich euch wärmstens ans Herz legen:
SIC Oasi di Seu (Westküste) – Hier findet sich eine artenreiche Flora – von der mediterranen Dünenvegetation über wilde Oliven, Ginster-, Myrten- und Rosmarinsträucher bis zu endemischen Zwergstechpalmen und Orchideen. Hohe oder gar schattenspendende Bäume gibt es kaum, bis auf ein paar Eukalyptus- und Nadelbäume. Aber darunter finden sich zum Beispiel über hundert Jahre alte Aleppo-Kiefern.

SIC Valle del Riu Sicaderba (Gennargentu Arzanese, Inselmitte)
Das Tal Rio Sicaderba kennen ganz viele vom Vorbeifahren – von der Landstraße 389 auf dem Weg nach Lanusei, wenn es rechts ab zum Stausee Lago Alto del Flumendosa geht, wenige Kilometer vor der Bahnstation Stazione di Arzana.
Zum Vorbeifahren ist der Ort aber viel zu schade. Denn obwohl klein, ist es von großer naturalistischer und kultureller Bedeutung für diese Region und man kann dort, am Rand des Gennargentu, in kurzer Zeit eine Menge über die sardische Kultur und Natur mitnehmen.

Er ist sowohl Lebensraum für Mensch und Tier und hier kann man die traditionelle Land- und Viehwirtschaft in den Bergen beobachten. Und hier ist noch an einem der wenigen Orte in Europa die Transhumanz, der (halb-)jährliche Weidewechsel, lebendig. Es geht also sowohl um Natur- als auch Kulturschutz.
Als Treffpunkt wichtiger Verkehrswege verbindet es heute wie damals Menschen aus nahen und entfernten Orten. Hier war der wichtigste Zugang zum hohen Gebirge, dem Gennargentu von Arzana.
Für jeden Hirten war der Fluss frei zugänglich als Futter- und Wasserstelle und Rastort während der Transhumanz, wenn die Schaf- und Kuhherden im Winter von den Bergweiden ins Tal und im Frühling wieder hinaufgebracht wurden.

Zu diesen beiden SIC und darüber hinaus habe ich übrigens schöne Wandertouren entworfen, die ihr in meinem Wanderführer Sardinien findet: https://www.dumontreise.de/reiseziele/werk/dumont-wanderzeit-auf-sardinien-9926
Das SIC Sa Rocca Ulari im mittleren Nordwesten bei Terralba ist ein eher unbekanntes Gebiet und traumhaft für entspannte, auf Wunsch auch ausdauernde Wanderungen.

Einen leichten Einstieg gibt es beim Nuraghen Santu Antine. Hier lässt sich im Frühling, wenn alles grünt und blüht ein toller Natur- und Kulturausflug organisieren.
Santu Antine ist einer der schönsten Nuraghen der Insel und wird nicht umsonst „Haus des Königs“ (domu de su re) genannt. Wirklich sehenswert!
Und falls es regnet (kann im Frühling immer passieren), hat man hier immer einen Rückzugsort. Nach der Wanderung dann eine kleine Belohnung und Erfrischung in der Bar beim Tickethäuschen.
Im Sommer sind die Pfade etwas mühselig, da sie kaum Schatten bieten und auch eher durch steppenartiges Gebiet und trockene Wiesen führen.
Auch „Sa Rocca Ulari“ selbst ist nicht ständig zugänglich. Der Name stammt von einer riesigen Höhle, in der seltene Fledermausarten leben. Gemäß dem aktuellen Schutzplan darf keine touristische Infrastruktur eingerichtet werden und es dürfen nur autorisierte, speleologische Touren durchgeführt werden (außerhalb der Winterschlaf- und Reproduktionszeiten der Tiere).
Es gibt noch viele viele weitere SIC. Diese gehören auch teilweise zu der nachfolgenden Kategorie an Schutzgebieten.
Hier werden diese ZSC Zone Speciali di Conservazione (besondere Erhaltungsgebiete) und ZPS Zone di Protezione Speciale (besondere Schutzgebiete) genannt – eingebettet in das EU-Programm zum Schutz wildlebender Vogelarten / avifauna Netzwerk Natura 2000 / Rete Natura 2000.
Auch dies sind viel zu viele, um sie alle vorzustellen – es sind 89 ZSC und 31 ZPS (Stand 2024). Daher möchte ich ein Gebiet besonders hervorheben: die Sinis-Halbinsel (auf der sich gleich mehrere dieser Schutzgebiete befinden).
Überhaupt – Ihr merkt es schon – ist die Westküste Sardiniens wirklich reichhaltig an Schutzgebieten. In der mittleren Westküste, so grob rund um den Golfo di Oristano, treffen sich im Winterhalbjahr viele Zugvogelschwärme, darunter Flamingos, der Schwarzstorch und viele viele andere Vogelarten.
Besonders angetan hat es mir der Stagno di Sal ‚e Porcus zwischen Cabras und Putzu Idu.
Der See (bzw. „stagno“ heißt eigentlich „Teich“) hat keinen Zugang zum Meer und zur Straße nur im Norden (Artikel auf pecora-nera: https://pecora-nera.eu/die-seenlandschaft-auf-der-sinis-halbinsel/).

Er ist jahreszeitenabhängig, hier sammelt sich vorwiegend Regenwasser, und durchschnittlich nur 40 cm, maximal einen Meter tief.
Im Sommer fällt der See komplett trocken. Das ist ein völlig normaler Vorgang. Wer mit offenen Augen durch die Landschaft geht, kann über die letzten Jahre jedoch einige Klimawandel-Effekte beobachten:
Das sieht man natürlich „im touristischen Vorbeiflug“ nicht.
Nur wer längere Zeit in der Region lebt oder urlaubt, hat die Chance, das wahrzunehmen. Aber da auch das eher punktuelle Blitzlichter sind, gibt es eben die Schutzgebiete und die wissenschaftliche Beobachtung, um mögliche Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Wer nun meint, das sei eben Natur und die würde das schon regeln: Ja, das macht sie. Das bedeutet aber, dass sich die Natur wie wir sie sehen und kennen, in den nächsten Jahrzehnten verändert.
Dummerweise hört es ja beim Klimawandel nicht auf (selbst wenn man den unbedingt leugnen möchte). Die Menschen überschreiten die Grenzen des Planeten und verlassen ihren „sicheren Aktionsraum“. https://www.planetaryhealthcheck.org
Vereinfacht gesagt: Menschliche Aktivitäten – vom Eintrag fremder Substanzen über wirtschaftliche Nutzung bis CO2-Emissionen – bedeuten den Verlust von Biodiversität. Gerade in kleinen Schutzgebieten ist das fatal.
Leider führt das menschliche Sein mit seinen Systemen dazu, dass uns Arten verloren gehen.
Die Artenvielfalt auf unserem Planeten hat sich über Jahrmillionen entwickelt – und wir zerstören sie in einem Jahrhundert. Das mag für uns persönlich in Büdelsdorf egal sein – es rüttelt aber kräftig am natürlichen Gleichgewicht der bestehenden globalen Ökosysteme.
Wir überschreiten systematisch die Grenzen unseres Planeten. Damit nimmt die Unkalkulierbarkeit von Wetter- und Klimaphänomenen bedroht auch menschliche Konzepte und Existenzen in der Region.
Wir warten halt nicht auf den nächsten Meteoriten, sondern basteln ihn uns selbst. So weit, so unschlau.
Die gute Nachricht: Eine Umkehr der durchschnittlichen Erderwärmung ist physikalisch möglich – theoretisch (Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK e. V.). Praktisch sind wir vermutlich nicht so schlau.
Umso wichtiger sind die Naturschutzgebiete. Also schauen wir noch auf ein paar, die sich ebenfalls perfekt als natürliche Ausflugsziele eignen:
Oasi di Monte Arcosu: Ein weitläufiges Gebiet im Südwesten, zur Gemeinde Capoterra gehörend, Teil des Parco Gutturu Mannu – und gerade wegen seiner schieren Größe unbedenklich und ganz wundervoll zum Trekking.
Mehr in diesem Artikel: Wo Mond und Hirsch sich treffen: Parco Gutturu Mannu und WWF-Oase Monte Arcosu – Seite des WWF: https://www.wwf.it/dove-interveniamo/il-nostro-lavoro-in-italia/oasi/monte-arcosu/

Oasi di Scivu (an der Südwestküste, Gebiet mit Dünenlandschaften hinter den Stränden Scivu und Piscinas) – Artikel: Die Dünen von Scivu: Wüstenoase mit Relax-Garantie – Seite des WWF: https://www.wwf.it/dove-interveniamo/il-nostro-lavoro-in-italia/oasi/scivu/
Oasi Steppe Sarde (wichtiger Lebensraum im mittleren Nordwesten, Region Monte Acuto, bei Ozieri / Mores in der Provinz Sassari) – Seite des WWF: https://www.wwf.it/dove-interveniamo/il-nostro-lavoro-in-italia/oasi/steppe-sarde/
Während der Monte Arcosu ein tolles Wald- und Wandergebiet mit einem schönen Wegenetz ist, sind die beiden anderen weniger erschlossen (auch wegen eines erhöhten Schutzbedarfs).
Scivu ist in das Dünensystem Scivu-Piscinas eingebettet, das man zwar zu Fuß erkunden darf, aber es gibt so gut wie keine angelegten Wanderwege. Da musst du dich selbst gut orientieren können, auf Forstwegen bleiben und dir ggf. mit einem GPS-Gerät behelfen (Google ist keine taugliche Wanderkarte). Aber auch an seinen „Rändern“ oder entlang der Küste (zur klaren Orientierung) ist das Gebiet gut zu erkunden.
Speziell die sardische Steppe ist eines der am stärksten gefährdeten Lebensräume Westeuropas: Steppen und Trockenwiesen. Diese werden auch teils landwirtschaftlich genutzt und sind eingezäunt und/oder in Privatbesitz. Insofern ist das Betreten nicht immer einfach – aber auch von den verkehrsarmen Nebenstraßen und Feldwegen ist die Region sehr schön zu erkunden.
Beste Reisezeit: Frühling. Denn nach dem Winter und längeren Regenfällen blüht sie auf, um sich ein paar Wochen lang in fetter, üppiger Pracht zu zeigen. Im Sommer trocknet sie quasi vollständig aus und erholt sich auch im Herbst nur langsam. Hier zwei Bilder, zwischen denen nur wenige Monate liegen:


Rund um den Monte Acuto ist hier ein besonderes Artenschutzgebiet (ZPS ITB013048) entstanden, das sich innerhalb eines Gebiets von gemeinschaftlicher Bedeutung (SIC ITB011113) befindet – dazu gleich mehr.
Das Lebensraumgefüge aus Wiesen, Weiden, Ackerflächen und echten Steppen ist Heimat einer spannenden Vogelwelt wie Fasane, Reb- und Wiesenhühner, die vor allem im Winter gut zu beobachten sind. Auch der Blick zum Himmel wird manchmal belohnt – unter anderem sind hier nämlich Aas-Futterstellen für Geier angelegt und sie kommen regelmäßig auf der Durchreise vorbei.
Auch endemische Säugetierarten sind hier zuhause, wie der sardische Hase, das sardische Wiesel oder Amphibien wie der sardische Laubfrosch.
Darüber hinaus gibt es noch 30 Naturdenkmäler Gebiete oder Monumente, die aufgrund ihrer geologischen, pflanzlichen, paläontologischen oder aquatischen Beschaffenheit einzigartig und schützenswert sind – wie die Perda e Liana im Gennargentu oder die Doline Su Suercone im Supramonte.

Auf Sardinien erzählen die Schutzgebiete und Naturparks oft auch die Geschichten der Menschen, die hier ihr Leben lebten, Arbeit fanden, sich und ihre Familien durchbrachten und ihre Traditionen pflegten.
Aber auch von externen Einflüssen über die Jahrhunderte durch Besatzervölker und Unternehmen, wie dem Bergbau, der vom italienischen Festland kam oder von Strafarbeit.
Diese vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaften sind naturalistisch und historisch schützenswert. Daher werden sie zum Teil in Renaturierungs- und Regenerationsprojekten wieder aufgewertet und/oder in existierende Schutzgebiete integriert.
So sind die Geoparks auf Sardinien keine eigenen Schutzgebiete, aber je nach Größe grenzen sie oft an solche an oder beinhalten welche.
Im Geopark Parco Geominerario Storico e Ambientale della Sardegna, speziell in den Regionen Sulcis – Iglesiente – Guspinese sind es die architektonisch faszinierenden Minen und Bergbaueinrichtungen, die heute verlassen sind und von der Natur zurück erobert werden. Fantastisch für Liebhaber von Lost Places und somit eine Touristenattraktion.
Aber weil ganz lange Zeit auf Naturschutz überhaupt keinen Wert gelegt wurde, hinterließ die enorme Ausbeutung der Bodenschätze, die schmutzige und giftige Arbeit unter Tage immer noch sichtbare Spuren an Mensch und Landschaft.

Das wiederum müssen die Urlaubenden erst einmal verstehen – dass die Regeneration lang dauert. Bis heute ringt speziell das Iglesiente darum, sich wirtschaftlich, gesundheitlich und landschaftlich zu erholen – und alle bewusst Reisenden und Naturfreunde müssen sich darauf einstellen, auch solche Bilder zu sehen. Zwar wird viel gemacht, aber manchmal auch zu schnell erklärt, dass alles unbedenklich für die Natur ist. „Zuviel“ ist allerdings selten unbedenklich.
Insofern lohnt es, da zweimal hinzusehen und nachzufragen. Auch durch unsere Präsenz als Reisende bewegt sich etwas.
Heute hat der Schutz der Lebensräume und gefährdeter Arten im Vergleich zu früheren Zeiten glücklicherweise an Wichtigkeit gewonnen. Auch für den Tourismus ist eine intakte Natur und der sorgsame Umgang mit den Ressourcen ein entscheidender Faktor.
Nehmen wir die streng geschützte Cala Goloritzè im Golfo di Orosei. Sie wurde allerdings 2025 zum „schönsten Strand der Welt“ gekürt und steht seither auf der Bucket List vieler Urlauber weltweit.
Problematisch: Ihr Schutzstatus wurde weder von denen, die ihr diesen neuen Titel verliehen noch von den touristischen Anbietern und Reiseorganisatoren (sowohl auf als auch außerhalb der Insel) nicht mitkommuniziert.
Also denken alle, die Cala Goloritzè sei ein Strand wie jeder andere und man dürfe dort auch alles tun, was an anderen Stränden möglich ist. Die „ordinanza“ der Gemeinde Baunei, mit der der Zugang auf maximal 250 Menschen täglich beschränkt wird, ist wenig transparent und viele merken erst vor Ort, dass sie sich eigentlich falsch verhalten und z. B. hätten voraus buchen müssen.

Boote müssen eigentlich 200 Meter Abstand halten – aber einige Anbieter machen es trotzdem, fahren ins Flachwasser und durch den Arco di Goloritze (auch ein geschütztes Naturmonument) und lassen die Strandgänger hinaus, ziehen sich dann auf den Mindestabstand zurück. Definitiv nicht im Sinne des Erfinders.
Hier mehr Informationen dazu: https://pecora-nera.eu/cala-goloritze-naturschutz-am-schoensten-strand-der-welt/
Ich empfehle wärmstens, sie in der Hauptsaison ganz zu meiden und weit abseits der Saison hinzulaufen – ich finde sie dann tatsächlich noch schöner 🙂

Der Parco Tepilora in der Baronia zum Beispiel (siehe oben) ist ein sehr junges Schutzgebiet und zum Teil auch aufgeforstet (nach der inselweiten Entwaldung / „disboscamento“ – wieder durch Völker vom Festland, zur Kohleproduktion und für den Bau von Eisenbahnen.
Was zu einem sehr niedrigen Bewuchs führte und der steinigen, in der Sonne grün und orange schimmernden Landschaft einen ganz besonderen Zauber verleiht, wie hier auf dem Weg zum Wasserfall Cascata Illiorai – im rechten Bildteil ist aber so ein wiederaufgeforsteter Wald zu sehen.

Sieht im ersten Moment komisch und unnatürlich aus – und ist auch keine natürliche Entwicklung, ist aber als primärer Bewuchs wichtig, um dem Boden bei starken Regenfällen Halt zu geben und nachfolgenden, einheimischen Pflanzen zu ermöglichen, sich auszubreiten.
Der wenige, alte Bewuchs ist umso wichtiger zu erhalten. Einzelne Wälder im Parco, wie z. B. der von Crastazza stehen bereits seit 1914 unter staatlichem Schutz.
Die Wege sind herrlich naturbelassen, führen aber auch durch bewirtschaftetes Gebiet. Denn hier leben seit vielen Jahrhunderten, sogar ein paar Jahrtausenden, von (einst halbnomadischen) Hirten belebt. Man lebte tagaus, tagein im Rhythmus der Natur und kannte wenig anderes.
Die Transhumanz, der saisonale Weidewechsel, ist hier bis heute lebendig. Nur externe Bestimmungen wie der editto delle chiudende (ein königlicher Erlass) im 19. Jahrhundert führten zu enormen gesellschaftlichen Problemen und zur Verarmung der sardischen Bevölkerung.
Heute versucht der Park, den Tourismus so behutsam wie möglich zu integrieren.
Nun höre ich direkt die zu Recht oft die Frage gestellt: Warum gibst du den Leuten denn auch noch Tipps zu den Naturschutzgebieten und forderst sie auf, hinzufahren? Sollte man solche Plätze nicht lieber für sich behalten?
Darauf hier gleich ein paar Antworten:
Natürlich bin ich bis zu einem gewissen Grad Teil des Problems. Wie alle Boote, die in Naturschutzgebieten fahren, wie alle touristischen Guides, die Trekkingtouren anbieten, und alle, die in Naturschutzgebieten irgendeine Form von Aktivität und Nutzung betreiben – und die wir es alle auch noch auf Social Media promoten.
Die Idee kann ja aber nicht sein, den nicht-nachhaltigen, unnatürlichen und im schlimmsten Fall zerstörerischen Angeboten das Feld zu überlassen.
Im Gegenteil: Die Feeds müssten eigentlich noch viel voller sein mit Natur – damit wir überhaupt erkennen, dass etwas Schützenswertes da ist!
Mit Geheimtipps und konkreten Plätzen bin ich trotzdem so sparsam wie möglich, bzw. gebe heute nur dort Indikationen, wie genau sie zu finden sind, wenn ich wirklich glaube, dass es dem Ort und dem Menschen gut tun würde, wenn sie ein bisschen mehr frequentiert würden (doch doch, das gibt es) – auch um zum Verständnis beizutragen.
Und viele Orte behalte ich einfach für mich. Ich schreibe längst nicht zu jeder Exkursion, die ich schon gemacht habe, einen Artikel.
Und ich höre sicher auch nicht auf, über das natürliche Sardinien zu schreiben. Wo ich kann, versuche ich diese Philosophie auch in Reiseführer und Artikel, die ich für Verlage schreibe, einfließen zu lassen.
Wenn jeder Mensch jede Aktivität einfach nachhaltig, bewusst und informativ wie irgend möglich gestalten würde, wäre die Welt sicher ein bisschen besser. Und mehr Menschen hätten einen so innigen Bezug zur Natur, dass sie sie von sich aus in Ruhe lassen.
Außerdem kommen die Leute auch ohne mich. Manch eine/r überschätzt da mindestens meine Reichweite 😉 Die Millionen Sommerurlauber auf Sardinien buchen sicher nicht wegen meiner Artikel eine Bootstour nach La Maddalena oder in den Golf von Orosei.
Und wenn doch, wissen sie vielleicht jetzt ein bisschen mehr und gehen bewusster durch die Insel. Menschen, die wissen, welche Regeln wo gelten und wie sie sich am besten in die Natur einfügen, verhalten sich vor Ort vielleicht auch besser als alle, die keine Ahnung haben oder denen es egal ist.
Und ja, sicher ist auch manchmal besser, die Gebiete wirklich sich selbst zu überlassen und nicht hinzufahren. Insofern: Wenn du kannst, lass es sein.
Sardinien ist voll von Alternativen – wir müssen nicht zwingend die Schutzgebiete bevölkern. Egal wie schön sie sind.
Mein Ziel ist, nachhaltige und gute Urlaubs-Entscheidungen zu erleichtern. Denn jede noch so kleine gute Entscheidung ist heute wichtig. Denn sie kann immer ein Anfang für etwas Größeres sein.
Wer mehr über nachhaltiges, natur- und kulturnahes Reisen erfahren möchte, ist eingeladen, in meinem Buch „Natürlich Sardinien“ weiterzulesen:
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