»Das hab ich ja gar nicht gewusst!« – das ist die Standardantwort des Touristen, wenn er erwischt wird. Jetzt, oder vielmehr: gleich weißt du’s. Nämlich was alles auf Sardinien nicht erlaubt oder gar verboten ist. Oder was du aus Rücksicht lassen solltest.

Das schwarze Schaf findet Verbote seit es klein ist, doof. Dummerweise haben viele von ihnen Sinn – zum Schutz der natürlichen und kulturellen Ressourcen, und manchmal auch des Lebens. Und den Geldbeutel freut’s vielleicht auch, wenn man sich dran hält …

Bevor es aber zu ernst wird, hier eines der lustigsten Verbote auf Sadinien: Im Nordwesten, in der Provinz Sassari ist von März bis Mai und von August bis Oktober verboten, Schnecken zu sammeln!

Hatte ich eh nicht vor, aber da sie dort und in einigen anderen Regionen als echte Delikatesse gelten (die sassaresische Küche hat noch mehr solcher Überraschungen auf Lager), hat das Verbot durchaus Sinn, damit nicht alles Schneckenvieh im Kochtopf landet, sondern in großen Teilen in der Natur bleibt, die Chance hat, sich zu vermehren und nächstes Jahr auch noch da ist.

Das ist auch der erste gute Tipp: Achte auf Schilder. Die sardischen Gemeinden sind einigermaßen geizig damit – aber wenn, dann meinen sie das, was drauf steht …

Letzte Vorbemerkung: Die neuen Regeln, Ge- und Verbote wegen Covid19 habe ich an anderer Stelle thematisiert – wer das sucht, bitte hier entlang.

Also, nix für ungut – los geht’s und aufgepasst! 😉

» Keinen Strandsand und Muscheln mitnehmen!

Du darfst keinen Strandsand, Muscheln oder Steine mitnehmen. Erst recht nicht kiloweise und auch nicht nur ein bisschen. Das kostet bis zu 3.000 Euro. Nee, kein Tippfehler. Wenn du am Flughafen erwischt wirst, dann gute Nacht. Da hilft keine Diskussion und »Das waren die Kinder, die hatten Sand in den Schuhen« ist auch keine Ausrede. 

Inselweit verboten: Strandsand klauen

Extra Vorsicht ist bei der Pinna Nobilis / Edle Steckmuschel (sardisch: Nacchera) angesagt: Sie ist sehr selten und streng geschützt. Sie darf unter gar keinen Umständen aus dem Meeresboden gezogen werden. Das wird noch teurer! Mal abgesehen davon, dass sie extrem zerbrechlich ist und vermutlich sowieso kaputt geht, sobald du versuchst, sie einzupacken, geschweige denn, zu transportieren. Lass die Schönheit einfach da, wo sie ist. Wenn du sie bewundern willst, fahre nach Sant’Antioco: Denn aus der geschützten Pinna nobilis wird die kostbare Muschelseide gewonnen und die letzte Lizenz hat Chiara Vigo auf der Insel Sant‘Antioco, die dort auch ein kleines Museum betreibt.

» Keine offenen Feuer im Sommer!

Ein wichtiges Thema auf Sardinien ist die Feuer-Prävention. Zwischen dem 1. Juni und dem 31. Oktober ist es in freier Natur streng verboten,

  • offene Feuer anzuzünden (Fackeln, Lagerfeuer, Grill- und Kochstellen, Kerzen etc),
  • über offenem Feuer zu grillen » Ausnahmen gelten in bewohnten Gebieten und Privatgrundstücken; auf Campingplätzen halte dich an die Hausregeln; Löschmittel bereit halten;
  • Glut oder Holzkohle in der Natur zu entsorgen,
  • brennende / brennbare Gegenstände wegzuwerfen (dazu gehören Streichhölzer, Zigaretten, Glasflaschen etc),
  • mit offenen Funken zu arbeiten (z. B. von Schleif- oder Schweißmaschinen)
  • Autos am Straßenrand und außerhalb befestigter Parkplätze abzustellen, speziell auf brennbarem Untergrund (Gräser, Buschwerk etc.).

Ruf die 1515 an, wenn du ein Feuer siehst (funktioniert im Roaming). 

» Detaillierte Infos in diesem Blogpost zur Feuer-Vermeidung und richtigem Verhalten.

» Maximal 90 bzw. 110 km/h auf den Schnellstraßen

Auf Landstraßen gilt 90 km/h – wobei es viele ebensolcher gibt, auf denen du im Gondeltempo besser unterwegs bist.

Kurvige Straße an der Costa del Sud
Kurvige Straße an der Costa del Sud: Bitte fahr vorsichtig …

Sardinien hat keine Autobahnen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf den Schnellstraßen ist 90 km/h, auch auf dem zentralen »Y«, der SS 131 (auch Carlo Felice genannt, die Straße wurde nach dem italienischen König Karl Felix von Savoyen benannt, der mit ihrem Bau begann). Hier sind einige Abschnitte bis zu 110 km/h freigegeben.

Im Sommer gibt es verstärkt mobile Kontrollen mit Radarpistole. Kontrollaktionen und mobile Blitzer werden üblicherweise über die lokalen Zeitungen oder Newsportale wie sardiniapost.it, olbia.it etc. angekündigt.

Manche Tempolimits wirken natürlich wie ein Scherz: Ist eine Baustelle im Niemandsland auf 10 km/h herunter geregelt, weil irgendjemand vergessen hat, das Schild einzupacken … und überholen dich sogar die Schafe, hat natürlich keiner was dagegen, wenn du etwas zügiger fährst. 

Apropos Schafe: Eine Schafherde zu überholen oder hindurch zu drängeln, ist kulturell ein “no go”. Es gilt als sehr unhöflich, sowohl dem Hirten als natürlich auch den Schafen gegenüber 😉 Es sei denn, er winkt dich vorbei, dann grüße freundlich und fahr langsam vorbei, alles ist gut.

Meistens gehen sie aber eh nicht weit auf dem Asphalt. Die paar Minuten hat man immer, und es ist ein »echt sardisches« Erlebnis.

Wo man Schafe auf der Straße trifft, ist das "echt sardische nicht weit
Wo man Schafe auf der Straße trifft, ist das “echt sardische nicht weit

Kleines Nebenthema: Bitte, bitte, bleib auf deiner Spur. Kurvenschneiden kann übel ausgehen. Es reicht, wenn die Locals wilde Sau fahren …

Tipp für Radfahrer: Besser nicht nebeneinander fahren. Das erhöht die Überlebenschancen …

Die Promillegrenze in Italien liegt bei 0,5 (wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz). Die Strafen beginnen bei rund 500 Euro. 

» Trenne deinen Müll, entsorge ihn nicht in der Landschaft

Müll ist auf Sardinien definitiv ein Thema. Nicht wegzudiskutieren und nicht schön, auch viele Sarden scheren sich nicht um das ambiente ihrer geliebten terra sarda. Klingt komisch, ist aber so.

Aber: Selbst, wenn an einigen Straßenrändern und -ecken Unrat rumliegt und überall Vollpfosten sind: Dein Müll ist deine Verantwortung – so einfach ist das.

Auf Sardinien gibt es eine Mülltrennung / raccolta differenziata. Diese kann von Gemeinde zu Gemeinde variieren, trennt aber grob nach dem Prinzip, das wir von Zuhause kennen. Alles, was nicht in die differenziata passt (z. B. kaputte Strandliegen oder Wäscheständer) bringst du kostenlos zum Ecocentro, das gibt es in jedem größeren Ort. 

In Feriensiedlungen und -orten gibt es wenige öffentliche Mülleimer (das ist in einigen Gemeinden tatsächlich so gewollt – damit möchte man den Leuten beibringen, Müll mitzunehmen oder noch besser, zu vermeiden). Tatsächlich gibt es Touristen, die ihren Müll dort abstellen, wo sie einen Mülleimer erwarten. Derartige “Erziehungsmaßnahmen” funktionieren nicht! Dein Müll landet beim nächsten Wind in der Natur, wo er nur Schaden anrichtet oder wird von Möwen und Krähen zerpflückt.

Keine Ahnung, was da im Kopf des »Müllabstellers« vorging ... seufz ...
Keine Ahnung, was da im Kopf des »Müllabstellers« vorging … seufz …

Quasi jede Siedlung / condominio hat eine Isola ecologica / Müllsammelstelle, jede Unterkunft entsorgt ihren eigenen Müll. Gerade im Urlaub sind wir für unseren Müll verantwortlich, wir sind ja nur zu Besuch.

» Ideen zum Thema Müllvermeidung im Urlaub findest du hier.

» Kaufe keine Fälschungen

Bei Strandverkäufern ein Handtuch, einen Bikini oder ein luftiges Kleidchen oder einen Strohhut gegen die Sonne zu kaufen, ist unproblematisch.

Aber Hände weg von Brillen, Uhren, Taschen und allem, was nur im Entferntesten aussieht wie eine Marke! Die meisten der Verkäufer sind richtig nett und akzeptieren spätestens das dritte »No, Grazie.« 

» Kein Wildcampen, nicht auf Stränden parken

Strände dürfen nicht befahren werden. Nicht mit dem Camper, nicht mit dem Auto, nicht mit dem Motorrad, gar nicht. Auch nicht zum Spaß. Du darfst auch nicht am Strand parken (außer auf speziell ausgewiesenen Parkplätzen). Kurz mal abstellen gilt auch nicht. 

Biwak, Campen und Übernachten direkt auf dem Strand ist nicht gestattet. Das gilt inselweit und im ganzen Jahr, wird nur an den Hotspots  deutlich mehr kontrolliert. Ich würd‘s mir aber eh überlegen: Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit am Meer ist es in der Regel ungemütlich. 

Abseits der Strände, z. B. am Rand von Parkplätzen oder auf festem Untergrund ist das freie Campen geduldet und manchmal sogar erlaubt. Achtung: In touristischen Gemeinden ist man empfindlicher und das Campen ist außer auf Campingplätzen verboten (dann sind Schilder aufgestellt, die ernst zu nehmen sind). Informiere dich vorher. 

In der Hauptsaison fährt die Polizei bis spät abends Streife und verteilt Strafzettel. In der tiefen Nebensaison wirst du geduldet – die meisten Campingplätze der Insel sind geschlossen; das weiß auch die Polizei. 

» Respektiere den Küstenschutz

Dünen dürfen nicht befahren und in vielen Fällen auch nicht betreten werden. Sie sind an Stränden häufig abgetrennt (aber nicht immer – das ist dann kein Freibrief).

Grund: Küstenschutz. Bitte achtet darauf, dass auch eure Hunde oder Kinder dort nicht rumtoben und geht vorsichtig und achtsam mit der Natur um. Müll, Zigarettenstummel – siehe oben.

Hunde dürfen nur auf spezielle Hundestrände. Die heißen dann z. B. Fido Beach, Bau Bau Beach, Spiaggia per cani. Ausnahme gilt natürlich für Blindenhunde.

Ein langer Strandspaziergang mit Hund an deinem Lieblingsstrand ist erlaubt, wenn Waldi (der hier Fido heisst) angeleint ist und ihr nach 20 Uhr abends oder vor 8 Uhr morgens unterwegs seid. Und natürlich seine Hinterlassenschaften einsammelt. Auch eine Galoppade mit dem Pferd ist nur in diesem Zeitfenster gestattet. In der tiefen Nebensaison gibt es Ausnahmen von dieser Regel. 

Le Dune di Piscinas: Befahren verboten. Zu Fuß oder mit dem Pferd ist es okay.
Le Dune di Piscinas: Befahren verboten. Zu Fuß oder mit dem Pferd ist es okay.

Zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang darfst du am Meer auch Angeln. Vom Boot aus in Küstennähe außerhalb Badezonen auch ohne zeitliche Beschränkung. In den Seen der Insel darfst du nur mit Lizenz angeln (wird bei der Region Sardinien in Cagliari beantragt und etwas umständlich, aber generell ohne Probleme vergeben). 

» Verhalte dich korrekt in Meeresschutzgebieten

Einschränkungen gelten für bestimmte Arten, z. B. dürfen in bestimmten Perioden keine Seeigel gesammelt werden; in manchen Jahren ist es ganz verboten. Informiere dich (z. B. im nächstgelegenen Hafen).

Respektiere und informiere dich über die besonderen Bestimmungen, Schutzzonen und Befahrensverbote in Naturschutz- und Meeresschutzgebieten.

Speziell als Segler: Ankere niemals in Posidoniafeldern! Die stehen nicht nur unter Naturschutz, sondern sind auch nützlich. Es sind nämlich keine Algen, sondern wertvolles Seegras und wichtiger Lebensraum und Futterquelle für die Meeresbewohner Sardiniens.

Falsch: Anker im Posidonia-Feld
Falsch: Anker im Posidonia-Feld

» Sei respektvoll als Aktivurlauber

Der Naturschutz ist gerade für Aktivurlauber ein wichtiges Argument, als Kletterer, Wanderer oder Mountainbiker ist man per se ja sehr naturverbunden. Trotzdem gibt es einige Dinge, die du beachten solltest. Viele (Müll, Übernachtungen etc.) habe ich schon oben erwähnt. Außerdem gibt es in einigen Trekkinggebieten (z. B. im Supramonte di Baunei) spezielle Regelwerke, über die du dich vorher informieren solltest.

Und ansonsten: Tu nichts, was das schwarze Schaf nicht auch tun würde! … Hm … ob das jetzt so ein guter Tipp war?! 😉

Nicole Raukamp ist »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera). Sie ist Bloggerin und Autorin und berichtet hier von ihren Reisen im ganzen Jahr. Im »richtigen Leben« berät sie bei geschäftlichen Aktivitäten und Vorhaben auf Sardinien, hilft sardischen Unternehmen und Anbietern bei ihrem Eintritt in den deutschsprachigen Markt, organisiert und begleitet fundierte Fachreisen und entwirft erlebnisreiche Events und höchst individuelle Reiserouten - authentisch, nachhaltig, an Land und zu Wasser auf Sardinien im ganzen Jahr.

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