Auch in diesem Winter nutzt das schwarze Schaf die besonderen Tage zwischen den Jahren für eine kleine Auszeit. Im Santuario nuragico di Santa Vittoria di Serri entdeckt es – einer aufkommenden Regenfront zum Trotz – ein nuraghisches Heiligtum. Und eine eher spirituelle Seite der Insel.

Genau genommen ist schon der Besuch ein rinnovo, eine Erneuerung. Vor gut zehn Jahren muss es gewesen sein, da war es nämlich schonmal da. Mit deutlich weniger Ahnung.

Heute weiß es ein kleines bisschen mehr, zumal es gerade in seiner „archäologischen Phase“ ist. Es wird wieder Dinge entdecken, die es so vorher noch nicht gekannt hat. Sardinien ist immer für eine Überraschung gut.

Falls auch du dich in die nuraghische Kultur einfuchsen magst, bitte hier entlang: https://pecora-nera.eu/eine-zeitreise-durch-7-000-jahre-nuraghische-kultur/

Santa Vittoria di Serri – die „nuraghische Akropolis“

Die erste Überraschung ist gleich die Namensgebung, die Santa Vittoria seit meinem letzten Besuch erfahren hat: Acropoli Nuragica / Nuraghische Akropolis (www.acropolinuragica.it).

Manchmal ist schon merkwürdig, welche vergleichende Namen man sich auf der Insel für die Kulturgüter ausdenkt. Die Bezeichnung „Nuraghische Akropolis“ verstehe ich tatsächlich nicht sofort. Erst nach dem Besuch passt der Begriff aus ein paar Gründen:

  1. Die exponierte Lage eines Heiligtums auf einem Berg, in einer Ausdehnung von vier Hektar
  2. Die Bedeutsamkeit der Stätte – sowohl für Sardinien, zusammen mit Stätten wie z. B. Romanzesu in Bitti oder für die Region Marmilla, mit Su Nuraxi in Barumini.
  3. Gewisse Fundstücke und Riten, die man aufgrund der Strahlkraft und Einflussnahme der griechischen Kultur auch mit dieser in Verbindung bringen könnte.

Geht man aber vom Akropolis-Bild aus, das Touristen im Kopf haben mögen (vor allem die, die schon mal in Griechenland waren), ist der Begriff aber schon recht weit hergeholt und lockt erstmal auf eine falsche Fährte.

Aus reinem Erwartungs-Management hätte ich daher einen anderen Begriff gewählt – wenn überhaupt. Ein Vergleich ist nämlich gar nicht notwendig. Santa Vittoria ist spannend genug. Aber das ist nur meine ungebetene, schwarzschafige Meinung. Alles gut 😉

Capanna del Custode: eine Art Wachposten vor dem heiligen Areal

Wir können festhalten: In Santa Vittoria gibt es sehr viel zu sehen (nur eben keine aufrechten Tempel oder gar ein Parthenon von 30 mal 60 Metern).

Die steinernen Zeitzeugen sind jedoch allesamt sehr bedeutsam für das Selbstverständnis der Insel.

Das schwarze Schaf hat nimmt euch nun mit nach Santa Vittoria und auf eine kleine Zeitreise, beginnend mit einer kurzen Einordnung:

Schwarzschafiger Besuch im Nuraghenheiligtum

Das Santuario Nuragico di Santa Vittoria liegt auf einer vulkanische Hochebene, der Giara di Serri. Genauer: An deren äußerem, westlichen Rand, in einer geografisch dominanten Lage zwischen den historischen Regionen Marmilla und Sarcidano.

Die Gesamtfläche macht etwa 22 Hektar aus, etwa vier davon sind erschlossen. Das bedeutet auch: Die Wege sind etwas weiter als in anderen archäologischen Stätten.

Gut befestigt: Der Hauptweg zur heiligen Stätte Santa Vittoria

Du läufst nicht zuviel (dem Schaf tut das gut), doch an heißen, stark sonnigen oder regnerischen Tagen würde ich einen Hut bzw. einen Schirm mitnehmen.

Was ist eigentlich ein Santuario Nuragico?

Kurz: ein Nuraghenheiligtum, eine heilige Stätte der Nuraghenkultur. Die gibt es auch andernorts auf Sardinien, und je nach Lage, Entstehungszeit, Größe und Elementen kann man es als eine Art Kloster, Tempelanlage oder Wallfahrts- und Pilgerort beschreiben (insofern schon auch vergleichbar mit anderen religiösen Stätten der Welt).

Nuraghenheiligtümer sind Orte der Verehrung von Gottheiten und können der Fürsprache, Reinigung, Heilung oder gar der Rechtsprechung dienen.

Dazu muss man wissen, dass Sardinien keine klassische Religion zu Ehren eines Gottes hatte, sondern im Höchstfall Naturgötter, am ehesten aber noch die Natur selbst verehrte. In Santa Vittoria ging es um die Verehrung des Wassers – belegt durch die Präsenz eines Brunnenheiligtums.

Für viele Sarden haben Stätten wie diese einen großen immateriellen Wert: Es geht um ihre Ahnen, ihre Vergangenheit. Und sie sind eben heilig. Du darfst also ruhig ein wenig ergriffen, außerdem gern respektvoll und ruhig sein.

Auf dem Weg zur Erleuchtung: Blick von Santa Vittoria auf der Hochebene in Richtung Gergei
Auf dem Weg zur Erleuchtung: Blick von Santa Vittoria auf der Hochebene in Richtung Gergei

Die wesentlichen Elemente von Santa Vittoria

In den Jahren 1907-1909 legte der Archäologe Antonio Taramelli (1868-1939) bei Ausgrabungen eine Reihe antiker Strukturen frei. Weitere Ausgrabungen folgten 1919-1921. Danach machten andere Archäologenteams in den 1960er/70er-Jahren weiter. Auch heute wird noch geforscht.

Kleiner Hinweis vorab: In der Archäologie sind es immer Puzzleteile, die zusammengefügt werden, wie Blitzlichter in eine andere Zeit. Manche Archäologen und Anthropologen sind mutiger und verwegener bei der Ausdeutung, andere halten sich streng an das, was schon bekannt ist. Insofern sind alle Deutungen mit latenter Vorsicht zu genießen, sind aber – auch mit Blick auf die mittlerweile bereits sehr umfangreichen Ausgrabungen inselweit – mögliche, plausible Erklärungen.

Jedenfalls war sich auch Taramelli sicher, dass nicht nur die nuraghischen Sarden, sondern auch viele andere Völker den Ort im Laufe der Jahrhunderte frequentiert haben.

Zuvorderst belegen Fundstücke die intensive Nutzung während der Bronzezeit durch die nuraghische Kultur, und darum soll des in diesem Artikel auch primär gehen.

Eine fortgesetzte Nutzung in der punischen, römischen, byzantinischen und letztlich in christlicher Zeit ist ebenfalls anzunehmen – zunächst mehr, später weniger intensiv.

1 – Das Brunnenheiligtum – der pozzo sacro

Das wichtigste Bauwerk und Hauptanziehungspunkt des nuraghischen Heiligtums ist der heilige Brunnen / pozzo sacro, der dem Wasserkult gewidmet war.

Wasser war extrem wichtig, damit das Land gedeihe und es alle zu ernähren vermochte. Zudem sollte es vom Übel reinigen, es ging auch darum „rein“ zu sein, damit es einem gut ginge, wie auch der Familie oder dem Vieh.

Das Brunnenheiligtum besteht aus Basaltblöcken, die in regelmäßigen Reihen angeordnet sind, im Inneren sehr akkurat gehauen. Eine steinerne Treppe führt hinab zur Quelle, das Wasser in der Rundkammer wurde geweiht und galt als heilig.

Der heilige Brunnen / pozzo sacro von Santa Vittoria mit der Treppe zur Quelle

Von einer Mauer umgeben, war der Brunnentempel – sowohl der mit Steinbänken ausgestattete Vorraum, ein kleiner Korridor, eine Treppe und die Rundkammer – vor 3.000 Jahren noch mit einem Tholos überdacht.

Tholos und Treppe rund um den Brunnen

Die Wände des Brunnens sind heute noch drei Meter hoch erhalten geblieben; aufgrund der Proportionen geht man davon aus, dass der Tholos mindestens fünf Meter hoch war.

Das Brunnenheiligtum von Santa Vittoria

Im Zusammenhang mit Erkenntnissen aus Ausgrabungen in anderen heiligen Stätten auf Sardinien und dem, was man über die nuraghische Kultur weiß, gilt als sicher, dass die rituellen Handlungen am Brunnenheiligtum von einer Sacerdotessa / Priesterin ausgeführt wurden.

Zunächst Frauen galten als Quell des Lebens und standen in näherer Verbindung zur Natur. Auch im Alltag lagen (und liegen teilweise bis heute) spirituelle Aktivitäten eher bei den Frauen der Dörfer.

Möglicherweise hatte die Priesterin daher auch bei Stammesentscheidungen oder Rechtsprechungen ein gewichtiges Wort. Möglicherweise wurden in Santa Vittoria (derlei Theorien gibt es in Romanzesu / Bitti) auch Urteile gefällt und Reinigungszeremonien durchgeführt.

Weitere Hinweise und Fundstücke in Santa Vittoria untermauern diesen Gedanken.

Tipp: Eine Ahnung vom Aufbau von Bauwerken rund um heilige Quellen oder Brunnen geben die Brunnentempel Su Tempiesu in Orune, Santa Cristina in Paulilatino oder Romanzesu in Bitti.

„Bronzetti“: Fundstücke in Santa Vittoria belegen den spirituellen Charakter

In der direkten Nähe des Brunnens sind weitere Tempel, z. B. der Tempio Ipetrale mit rechteckigem Grundriss, von denen die Grundstrukturen erhalten sind.

Von besonderer Bedeutung sind die im pozzo sacro und den Tempeln gefundenen kleinen, etwa zehn bis zwölf Zentimeter großen Bronzefiguren – die sogenannten „bronzetti”.

In Santa Vittoria gefundene bronzetti

In Serri waren einige sehr interessante Fundstücke dabei, wie ein Capo tribù / Stammesführer, eine Sacerdotessa / Priesterin und eine Bronzefigur, die Mutter mit Kind darstellt. Daneben zahlreiche Exemplare, die Stiere, Tauben oder Füchse darstellen.

Als sicher gilt, dass an Brunnenheiligtümern verschiedene Rituale durchgeführt wurden, die mit Opfern und Gaben an die Naturgötter einhergingen – unter anderem ebenjene Bronzetti. Sie konnten Abbilder des oder der Fürbittenden sein, oder Symbole für etwas, z. B. im Falle der Tiere für eine erfolgreiche Jagdsaison oder die Gesundheit des Viehs.

Solche Statuetten wurden auch in anderen nuraghischen Heiligtümern ausgegraben. Sie stellen oft Menschen, Tiere oder Gegenstände dar. Daraus ließ sich im Rückschluss der religiöse, zeremonielle Charakter der Stätten, und eben auch von Santa Vittoria belegen.

Tipp: Die in Serri gefundenen Bronzestatuetten sind heute im Archäologischen Nationalmuseum in Cagliari zu bestaunen – ein Besuch der Museumszitadelle lohnt sich also nach dem Besuch in Santa Vittoria. Infos » museinazionalicagliari.cultura.gov.it

Der Tempio Ipetrale – auch hier wurden bronzetti gefunden

Nuraghe und Kirche

Nicht weit von den Tempeln entfernt befinden sich die Überreste eines Protonuraghen.

Als ältestes Bauwerk am Rand der Giara hat er mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens eine Schutzfunktion, wenn nicht gar eine militärische Bestimmung, dank der Höhenlage auf der Giara und die gute Sicht auf die umliegenden Gebiete.

Der Protonuraghe wurde mehrfach umgebaut, stand am äußersten Rand der Giara – links die Außenmauer – und überblickte die Region als Wach- und Wehrposten.

Um ihn herum entwickelte sich eine kleine Siedlung in der mittleren Bronzezeit (15. Jahrhundert v. Chr.), die wie auch der Nuraghe mehrfach umgebaut und von den nachfolgenden, liturgischen Bauten verdrängt wurde.

Zwischen den Mauern des Nuraghen

Wie so oft findet man dort, wo ein Nuraghe steht, auch eine Kirche: Als Zeichen der Christianisierung wurde die Landkirche Santa Maria della Vittoria neben den Protonuraghen gebaut, was den religiösen Charakter des Ortes unterstreicht.

Auf Sardinien verfolgten die römischen Bischöfe die Strategie, die alten Weltanschauungen der lokalen Bevölkerung mit dem neuen Glauben zu verbinden, da die Menschen zu renitent waren. Bevor der Gesamterfolg der Christianisierung auf der Insel in Gefahr stand, ließ man ihnen ihre heiligen Stätten.

Bis heute werden hier anlässlich der Feste zu Ehren der Heiligen Santa Vittoria gefeiert.

Der Bogen vor der Kirche – und dahinter eine anrückende Regenfront, die der Stätte eine ganz tolle Stimmung verlieh.

Der Festkreis – Recinto delle Feste

Im Zusammenhang mit anderen, ähnlichen Stätten ergibt sich mittlerweile ein gutes Gesamtbild der heiligen Kulte auf Sardinien.

Wie eingangs erwähnt, deutet vieles darauf hin, dass diese Stätten nicht nur von Sarden aus den unterschiedlichen Inselregionen frequentiert wurden, sondern dass die Insel in der Bronzezeit im Mittelmeer ein bekannter Anlaufpunkt für andere Völker war.

Einerseits um Handel zu treiben (nachweislich bis von und nach Kreta), andererseits kann die Insel auch als eine Art spirituelles Zentrum betrachtet werden, mit den heiligen Stätten als Pilgerziele. Und Santa Vittoria war über die Ebene des heutigen Medio Campidano von Süden relativ leicht zu erreichen.

Recinto delle Feste: einer von zwei Eingängen zum Festkreis

So oder so: Bei vielen Pilgern, braucht es nicht nur religiöse Gebäude, sondern es geht auch um die Versorgung und temporäre Unterbringung. Es wurde auch viel gegessen und getrunken – hier im großen Festkreis, dem recinto delle feste.

Ein Schelm, wer dabei jetzt an Asterix denkt. Ein wenig wirkt der elliptische, ca. 70 × 50 Meter weite Festplatz / il recinto delle feste heute auch so.

Doch die kleine halbhohe Rundmauer war ursprünglich deutlich höher und die äußeren Wände bestanden aus Gebäuden, in denen gegessen und geschlafen wurde – sogenannte cumbessias, bzw. die nuraghische Variante, in denen die Pilger lebten und miteinander aßen.

Tipp: Um sich das besser vorzustellen, kann man z. B. nach San Pietro del Golgo oder Santu Antine bei Sedilo – dort ist die Struktur ähnlich. Überhaupt kann ein Vergleich mit heutigen sardischen Dorf- und Heiligenfesten gezogen werden.

Der Festkreis hatte zwei Zugänge, war neben den cumbessias umgeben von Säulengängen.

Im großen Innenhof wurden die Pilger empfangen, die zum Heiligtum kamen. In einem überdachten Säulenraum fanden sie einen ersten Unterschlupf und eine erste Mahlzeit – bei den Ausgrabungen fand man Behälter und Scherben sowie Reste von Mahlzeiten.

Einige Rundhütten sind zu erkennen.

Spannend: die Hütte der Doppelaxt

Besonders hervorzuheben ist noch die sogenannte Hütte der Doppelaxt / capanna dell’ascia bipenne.

Sie war scheinbar von besonderer Bedeutung, denn in ihrem Inneren wurde ein kleinen Altar aus übereinanderliegenden Steinen gefunden, mit einem darauf befestigten, zweiseitigen und rund 40 Zentimeter großen Bronzebeil ohne Stiel.

Hier kommen endlich die Griechen ins Spiel: Diese Doppelaxt wurde von Taramelli als Labrys identifiziert, bekannt aus der griechischen Mythologie, verbreitet auf dem minoischen Kreta, wo sie auch in der Hand von Priesterinnen abgebildet wird … was zur Oberpriesterin / Sacerdotessa in Santa Vittoria passen würde. Da es diese Symbolik aber auch in Persien, Nordeuropa, Afrika und dem gesamten Mittelmeerraum gab, ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich.

Strukturen für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch

Neben der Hütte der Doppelaxt und in den Säulengängen scheinen Steinkästen oder Platten für die Ausstellung und den Verkauf von Waren gedacht gewesen zu sein. Es gilt zu vermuten, dass auch von außerhalb kommende, fliegende Händler Teil des Ganzen waren – sowohl die Einheimischen selbst, als eben auch Phönizier, Etrusker und Griechen.

Denn auch hier wurden bei Ausgrabungen verschiedene Gegenstände zutage gefördert. Die Pilger, die zum Heiligtum kamen, um an den religiösen Zeremonien teilzunehmen, brachten selbst verschiedene Gegenstände mit – unter anderem wertvolle Materialien wie Bernsteinketten und Metallgegenstände – mit denen vermutlich Handel getrieben wurde, zum Beispiel um Bronzefiguren für die rituellen Handlungen zu erwerben.

Sowohl die Hütte der Doppelaxt als auch der etwas abseits vom Festkreis gelegenen Tempio in antis, in dem vermutlich der lokale Stammesfürst oder ein Aufseher während der Festlichkeiten residierte, legen nahe, dass in das Nuraghische Heiligtum auch wichtige Leute kamen.

Kamen große, wichtige Persönlichkeiten nach Santa Vittoria?

Genaueres ist nicht überliefert, doch der Blick auf die nun kommenden Gebäude legt das nahe.

Das Villaggio: ein Ort für besondere Gäste?

Kommt man vom Eingang, hat man ja zunächst den Drang, das Brunnenheiligtum zu sehen und lässt das „Villaggio“ (buchstäblich) links liegen. Auch weil man in Santa Vittoria insgesamt recht viel laufen muss, streben viele Besucher erstmal dorthin.

Das ist für die „Story“ sogar gut – denn hier legt Santa Vittoria quasi noch einen drauf.

Die Bezeichnung „villaggio“ für das Areal scheint zunächst irreführend, da es sich nicht um eine nuraghische Siedlung handelt, wie man sie von anderen Stätten kennt.

Es wirkt wie die gesamte Anlage eher sakral, mit Steinkästen, Menhiren und anderen Elementen.

Eher sakrale Elemente: kleine Menhire vor einer Steinkiste oder Kammer

Tamarelli vermutete, dass sie den wichtigen Personen des Heiligtums, wie der Priesterin, vorbehalten war. Oder aber Stammesfürsten oder weit gereisten Gästen aus anderen Mittelmeerkulturen, um ihnen eine besondere Behandlung zukommen zu lassen.

Oder ihnen einen Raum für die „wichtigen Themen“ ihrer Zeit zu geben.

Reste eines rituellen Waschbeckens und eines steinernen Altars.

Bemerkenswert ist dazu die Curia, auch capanna delle riunioni / Versammlungshütte, mit 14 Metern Außendurchmesser.

Die große Hütte enthielt ein vermutlich rituelles Waschbecken und einen Altar, dessen Reste noch in der Hütte liegen und wohl das Abbild eines Nuraghen sind. Nuraghen wurden zu dieser Zeit nicht mehr gebaut, dienten aber als Identitätsmerkmal eines Stammes.

Eine Sitzreihe an der Wand entlang des gesamten Innenumfangs bot Platz für über 55 Personen (ähnlich wie in der Hütte der Doppelaxt).

Die Curia: Saß hier eine Art nuraghisches Parlament?

Einige Forschende sehen eine Nutzung als nuraghisches „Parlament” (in oligarchischen Strukturen) oder eine Ratshütte der sardischen Stammesfürsten daher als wahrscheinlich. Tauschte man sich zu Handelsfragen aus? Oder ging es gar um Kriegs- und Friedensverhandlungen? Vielleicht diskutierte man über Bündnisse und schmiedete Allianzen, so eine Art G7 Sardiniens?

Besiegelte man die Verhandlungen durch eine Zeremonie am heiligen Brunnen und Opfer in Form von Bronzestatuetten, damit das Wasser die Parteien segnete?

Eine andere Theorie sieht auch noch eine Art Rechtsprechung und Urteilsvollstreckung nach Entscheidungen der Sacerdotessa / Priesterin am heiligen Brunnen.

Für derlei besondere Nutzungsarten spricht in allen Fällen die abseits gelegene Position von dem heiligen Areal.

Natürlich ist vieles, was wir im Santuario nuragico Santa Vittoria di Serri sehen, wie eingangs formuliert, eine Deutungsfrage. Denn aus der damaligen Zeit ist nichts schriftlich dokumentiert.

Doch die Bedeutsamkeit der Stätte ist unumstritten, da sind sich Archäologen und Anthropologen einig.

Ein ganz besonderer Ort: das Nuraghenheiligtum Santa Vittoria di Serri
Ein ganz besonderer Ort: das Nuraghenheiligtum Santa Vittoria di Serri

Jetzt ist das schwarze Schaf aber wirklich geschafft. So eine „archäologische Phase“ ist anstrengend – aber sehr zu empfehlen. Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, Santa Vittoria zu besuchen. Oder mit diesen Informationen nochmal hinzugehen.

Zum Glück trocken geblieben, begibt sich das Schaf nun auf den Rückweg, aus der Ruhe des Heiligtums in die Stille des Dorfes.

Öffnungszeiten und weitere Informationen

Das Santuario nuragico di Santa Vittoria ist 365 Tage im Jahr geöffnet: November, Dezember, Januar von 9 bis 17 Uhr, in allen anderen Monaten von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. 

Wenn die Sonne untergeht, ist das die beste Zeit, um mit der Stätte warm zu werden und hineinzuspüren. Wann Sonnenuntergang ist, verrät die nächstgelegene Wetter-App, und dann etwa eine Stunde vorher da sein.

Ggf. spezielle Öffnungszeiten an Festtagen (z. B. Weihnachten, Silvester, Neujahr).

Ticket: 5 Euro, inklusive mehrsprachiger Audio-Guide (sofern verfügbar), reduziert für Kinder und Gruppen ab 25 Personen. Führung (italienisch) + 3 Euro

* Kombiticket mit Nuraghe Arrubiu bei Orroli und Pranu Muttedu bei Goni: 12 Euro

Schafe auf der Giara di Serri
Schafe auf der Giara di Serri








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