Bis in die 50er-, 60er-Jahre nahm der Reisende das Postschiff nach Sardinien. Das fuhr selten und ziemlich langsam, im Gegensatz zu heute, wo Reisende in 8-12 Stunden Fahrtzeit auf See mit der Fähre nach Sardinien gelangen können. Ein Freund des schwarzen Schafs erzählte von seinen Großeltern, die eigentlich nach Sizilien wollten, aber versehentlich ins falsche Schiff stiegen und knapp zwei Tage später auf Sardinien landeten. Weil das nächste Schiff erst eine Woche später abfuhr und es ihnen in der Zwischenzeit auf der Insel so gut gefiel, erwarben sie sehr günstig (noch weit vor dem Tourismus-Boom) ein Grundstück. Findige Handwerker bauten ihnen in Nullkommanichts ein Haus und im Folgejahr blieben sie einfach für immer. Also, das vielleicht als ersten Tipp: Schön aufmerksam sein und am Fährhafen nicht (oder doch?!) am falschen Kai einsortieren.

Mit der Fähre von und nach Sardinien
Mit der Fähre von und nach Sardinien

Heutzutage fährt täglich irgendein Schiff nach Sardinien im gesamten Jahr, sogar schnelle Tagfähren gibt es im Sommer. Die Umweltbilanz der Pötte ist nicht wesentlich besser als die von Fliegern, rechnet sich aber doch halbwegs gut hin, wenn man mit der Familie anreist.

Die beiden ab Nordeuropa am ehesten zu erreichenden Fährhäfen sind:

  • Genua » Olbia oder Porto Torres. Genua (it. Genova) ist eine wuselige, tolle Stadt und das dortige Aquarium ein feiner Zwischenstopp. Die Fahrt durch Norditalien ist kurz. Leider ist die Fähre etwas teurer, dafür sparst du ein paar Mautgebühren und rund 150 Kilometer Autobahn. 
  • Livorno » Golfo Aranci bzw. Olbia. Liegt etwa 150 km weiter südlich, Ligurien und die Toskana bieten dir gerade im Hinterland wunderbare Orte für kleine Abstecher. Die Fähren sind tendenziell günstiger als ab Genua. Nicht weit vom Fährhafen ist übrigens die entspannte Altstadt von Livorno. 

Für mich unter ferner liefen sind die Routen nach Civitavecchia oder Piombino, noch weiter südlich, quasi kurz vor Rom. Ich bin sie ewig nicht gefahren. Werde das aber irgendwann wieder tun, denn Rom steht auf der Post-Pandemie-Reiseliste – ich war zuletzt mit 20 oder so zu einem Italienisch-Sprachkurs dort. Und von und nach Rom kann man wunderbar auf der Landstraße Via Aurelia durch Italien gondeln. Die Fähren fahren nach Olbia, Cagliari und Arbatax

Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch noch die Strecke Palermo – Cagliari. Wollte ich auch schon längst mal gemacht haben!

Welche Fährgesellschaften fahren?

Da sich das ja alle Jahr ändert und es diverse Varianten gibt, kann man sich erstmal einen Überblick verschaffen, zum Beispiel auf » www.bigliettitraghettisardegna.it … Wenn ihr andere Portale empfehlen könnt, dann gern ab damit in die Kommentare – ich hab schlicht zuviel Erfahrung im Fähre-Fahren, als dass ich wüsste, welches Portal hilfreich sein könnte. Also wird keines bevorzugt 😉

Anders bei den Fähren: Meine “Haus-und-Hof”-Strecke ist Livorno – Golfo Aranci mit Corsica / Sardinia Ferries (manchmal auch mit Grimaldi Lines). Ich fahre meist in der Nebensaison, dann werden die kleinen, auch leuchtend gelben Schiffe von Corsica Ferries eingesetzt. Mein Lieblingsschiff ist die Sardinia Regina, echt schön, wenngleich schon alt, von 1972 – eine der ältesten aktiven Fähren im Mittelmeer. Die neuen riesigen eckigen, hochhausähnlichen Pötte gefallen mir hingegen gar nicht. Da bin ich tatsächlich ein bisschen nostalgisch.

Die Kabinen sind sauber, Leute sind nett und in Golfo Aranci kennt man den Schwarzschaf-Panda mittlerweile schon. Und ich finde dort fast immer den günstigsten Preis, der sich auch noch rechnet, wenn man die höheren Mautgebühren und Benzin dazu nimmt.

Meine Außenkabine (Einzelnutzung) / cabina esterna (uso singolo) bei Corsica Ferries

Sogar das Essen (aber nur das im à la carte-Restaurant) ist erstaunlich gut. Hab ich keine Lust auf Restaurant, besorge ich mir vorher Verpflegung für die Kabine und mach es mir da gemütlich. Im Schnellrestaurant / Self Service finde ich maximal die Pommes Frites / patatine fritte essbar. Die Salate sind definitiv Wucher.

Ich würde gern ab Genua fahren, das wäre für mich echt deutlich schneller und als Berufsreisende sind 150 Kilometer und das Umgehen des Staus auf der Umgehung / tangenziale bei Mailand echte Argumente. Leider ist Moby Lines stets deutlich teurer – für eine Person mit Kabine und einen Panda zahlt man durchaus auch mal das Doppelte. Da fällt die Entscheidung leicht, dann plane ich halt anders.

In den letzten drei Jahren bin ich fast ausschließlich mit Corsica Ferries und Grimaldi gefahren und war mit beiden echt zufrieden.

Zum Thema Seegang und wo man am besten im Schiff schläft – da gibt es ja auch unterschiedliche Meinungen. Faustregel: Am Bug und am Heck nimmt man die Wellenbewegungen höher wahr. Wer also “wild” auf dem Boden schläft, sollte sich darum in der Mitte des Schiffes und auf einer möglichst tiefen Etage seine Ecke suchen. Ich reise fast immer mit Kabine, und auch immer in einer Außenkabine. Innenkabinen finde ich gruselig, auch weil dort die Motorengeräusche ziemlich laut sind.

Die längere Anfahrt nach Livorno stört mich nicht, im Gegenteil. Es ist superschön, mit einem Tag Puffer durch Norditalien oder gar entlang der ligurischen Küste zu fahren. Die Landstraße spart Maut, aber keine Zeit, und das ist gut so.

Denn das ist ja (neben der Flexibilität, das eigene Auto auf der Insel zu haben) das beste Argument für die Anreise per Schiff:

Slow Travel: langsam und genussvoll anreisen

Für das schwarze Schaf ist die Fähre aus Geschwindigkeitsgründen das Nonplusultra der Anreise: Es reist gern langsam, ist sozusagen ein Slow Traveler (Spontane Empfehlung für eine Urlaubslektüre: Slow Travel von Dan Kieran – als Buch oder als Kindle-Ausgabe bei amazon).

Die gezwungen langsame Annäherung über das Meer ist ideal, um nach der langen Fahrt innerlich zurückzuschalten und dich für den Aufenthalt auf der Insel zu akklimatisieren.

Eine Moby-Fähre passiert die Insel Tavolara

Wenn du nach deiner kleinen Seereise am nächsten Morgen an der Reling stehst, und vor Sardinien die Isola Tavolara in der aufgehenden Sonne siehst, kurz hinter Olbia das Fenster runterkurbelst und die rosmaringeschwängerte Luft einatmest, ist das der vielleicht größte Gewinn. 

Das schwarze Schaf ist darum auch ein Fan von alternativen An- und Abreisemodellen. So sind auch andere Abfahrthäfen an der Mittelmeerküste nicht zu verachten, wenn du einen »Zusatzurlaub« einbauen magst: 

  • Savona, Nizza oder Toulon, wenn du auch Sardiniens schöne Nachbarin Korsika kennenlernen magst (dortige Häfen: Bastia, Ajaccio, Porto Vecchio). Bei der Anreise über Korsika hast du bis zur Abfahrt der letzten Fähre von Bonifacio (sehenswert) nach Santa Teresa Gallura auf Sardinien fast einen Tag Zeit. Die Korsen verstehen was von Käse, Wein und allerlei anderen kulinarischen Finessen. Und schwarze Schafe haben sie auch!  
  • Oder sogar Barcelona, um ein paar Tage durch Nordspanien zu reisen (Zielhafen auf Sardinien: Porto Torres).
  • Määähr Ideen findest du im Artikel “Im Gondelmodus nach Sardinien”
Nizza, kurz hinterm Fährhafen
Nizza, kurz hinterm Fährhafen

Egal, für welchen Weg du dich entscheidest: Fährhäfen haben eine genetisch eingebaute Desorientierung. Sachdienliche Schilder zum “Imbarco” (ich finde die Übersetzung “Einschiffung” so lustig!) oder imbarco passeggeri ( finden sich manchmal auch direkt dort, wo du abfahren musst. Doof wenn man dann auf der linken Spur, zu schnell oder noch ein tiefes Schlagloch im Weg ist … dann wird man in das öddelige Ambiente der Industriehäfen gezwungen: Es riecht streng, oft kommst du im Dunkeln an und findest nichts auf Anhieb. Wenn man eh schon auf dem letzten Meter zum Pier fährt, kommt bei ungeübten Leuten leichte Panik auf. Informiere dich, wann du wo sein musst und bau Zeitpuffer ein.

Ich selbst komme übrigens echt gern auf dem letzten Meter – oder viel zu früh. Die Zeit, die du vor der Abfahrt da sein solltest, steht auf dem Ticket und manchmal (z. B. in der Hauptsaison oder bei extra Corona-Kontrollen) hat es durchaus Sinn, sich dran zu halten.

Wann soll ich buchen?

Im Sommer fahre ich gern tagsüber als Deckpassagier, da kann man auch relativ kurzfristig das Ticket buchen, für einen Panda war bisher noch immer Platz. Mit Wohnmobil würd ich vorausbuchen. Für Nachtfahrten mit Kabine empfiehlt sich, früh zu buchen, denn die Dinger werden kurz vor Abfahrt schweineteuer (auch im Winter übrigens). Reist du mit der Familie und bist zudem noch auf die Ferien festgelegt, ist die Anreise insgesamt schon etwas teurer. In dem Fall hilft grundsätzlich sehr früh im Jahr zu buchen.

In der Neben- und Nicht-Saison ist es deutlich entspannter und einfacher. Selbst das kurzfristige Ticket kostet relativ wenig – ich hab es auch schon ein, zweimal direkt an der Stazione Marittima des Abfahrthafens gekauft.

Bei Pandemien oder sonstigen weltbewegenden Ereignissen braucht es naturgemäß noch ein bisschen mehr Vorausplanung. Und da die Kabinenzahl auf so einem Schiff auch begrenzt ist, empfiehlt sich tatsächlich, deutlich im Voraus zu buchen, wenn man nicht in der ungesunden Luft und auf ungemütlichen Barsesseln schlafen möchte.

Noch Fragen? Dann gern die Kommentarfunktion nutzen, ich beantworte sie so bald wie möglich.

Gute Seereise und – Schiff Ahoi 🙂

Weiterlesen: Auf der Insel

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