Die Reihe der bekannten und weniger bekannten Filme, die auf Sardinien gedreht wurden, ist erstaunlich lang. Da haben die Location Scouts ganze Arbeit geleistet. Unter den auf Sardinien gedrehten Filmen sind ein paar echte Klassiker, aber auch eher zweitklassige Filme. Manche aber wiederum mit bekannten Schauspielern. Und ein paar sardische Highlights gibt es auch. Einige habe ich hier zusammengetragen.

Auf die Idee zu diesem Artikel kam ich auf unserer Exkursion zum Monte Corrasi im Supramonte di Oliena. Unser Guide nahm uns mit auf einen Abzweig vom Trek auf einen kleineren Gipfel namens Pradu.

Und wir staunten nicht schlecht, denn der Film, der hier gedreht wurde:

Die Bibel » Supramonte di Oliena

Hier wurde eine Szene des Monumentalfilms “Die Bibel” (1966, Regie John Huston) gedreht. Nämlich die, in der Abraham auf Gottes Geheiß seinen Sohn Isaak opfern sollte. Vom Set stehen noch einige Steinsäulen und der »Altar« aus Wacholderästen. Der Ort wird von den Einheimischen seitdem nach dem biblischen Vorbild in Israel »Monte Sinai« genannt. Eine wirklich beeindruckende Landschaft, gut gewählt.

Die hinaufführende Schotterstraße, die heute Teil des Trekkingpfades ist, wurde nur für den Film gebaut. Fast der ganze Film wurde übrigens in Italien gedreht (hier die anderen Drehorte).

Die Überreste aus dem Film »Die Bibel«

Der nächste Klassiker, der auf Sardinien gedreht wurde:

007 – The spy who loved me / Der Spion der mich liebte » Palau, Porto Cervo, San Pantaleo

Roger Moore war ja nicht mein Lieblings-Bond, aber den Film musste ich mir letztens nun doch noch einmal ansehen. Der Film wurde 1977 an mehreren Orten im Nordosten Sardiniens gedreht:

In Palau an der Fähre nach La Maddalena wird Bond das Auto übergeben – die Hafenanlage ist heute quasi immer noch wie damals – nur auf den alten Eselskarren, der im Film vorbei zockelt, kann man heute lange warten. Bond residiert natürlich im Hotel Cala di Volpe, nach wie vor ein Schmuckstück des famosen Architekten Jacques Couëlle. Die Verfolgungsjagd im Lotus Esprit auf der Küstenstraße hinter Porto Cervo / Abbiadori und wie der Wagen inmitten von Badenden an einem Strand der Costa Smeralda (ich tippe auf Liscia Ruja) aus dem Meer auftaucht, sind ist Filmgeschichte. Auch das Hinterland bekommt mit dem hübschen Dörfchen San Pantaleo in den galluresischen Bergen – inklusive eines Stazzu, in dem das Auto des Verfolgers landet – eine kurze Würdigung.

Dann ein Film – oder vielmehr zwei – die ich nie gesehen habe, aber am Drehort war ich schon mehrere Male:

Travolti da un insolito destino nell’azzurro mare d’Agosto » Cala Luna, Cala Cartoe (Golfo di Orosei)

Der deutsche Titel ist genauso umständlich wie der italienische: »Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August«. Das Original ist von der italienischen Regisseurin Lina Wertmüller aus dem Jahr 1974. Das Remake von Guy Ritchie mit Madonna aus dem Jahr 2002 trägt den Namen:

»Stürmische Liebe / Swept Away«

Beide Filme wurden in der Cala Luna, einer der schönsten Buchten am Golfo di Orosei gedreht, Swept Away auch in der Cala Cartoe. Die Handlung ist schlicht: Segelyacht, verwöhnt-vernachlässigte Industriellengattin, sizilianischer Mitsegler, Schiffbruch, man rettet sich auf eine einsame Insel, was dann passiert kann man sich denken. Mal abgesehen davon, dass Sardinien keine einsame Insel ist: die Cala Luna ist eine traumhaft schöne Location.

Eine der Höhlen der Cala Luna. Da ist das mit dem Schiffbruch nur halb so schlimm.

Ein Film, den ich als junges Lämmchen gesehen habe:

Black Stallion / Der schwarze Hengst » Costa Paradiso, Dune di Piscinas (Arbus)

Viele der Außenszenen wurden 1977 im Norden am Strand von Li Cossi (Costa Paradiso, Film 01) und im Südwesten an den Dünen von Piscinas (bei Arbus, Film 02) gedreht. Die Handlung kennen wir glaub ich alle – der Junge Alec und der wilde, urschöne schwarze Araberhengst erleiden gemeinsam Schiffbruch, sie bauen eine innige Beziehung auf, kehren nach New York zurück, wo der Schwarze als Rennpferd trainiert wird.

Ein ganz besonderer Ort, besonders beliebt für Spaghetti-Western ist ein kleines, eigentlich verlassenes Fischerdorf auf der Sinis-Halbinsel:

Giaretteria Colt / Das Colt-Strumpfband » San Salvatore di Sinis

Giaretteria Colt ist ein typischer Italowestern aus dem Jahr 1967. Wie viele eigentlich in Amerika spielende Filme (hier: Mexiko, an der Grenze zur USA) wurde er in Europa gedreht. Es ist sogar der ganze Film auf Youtube zu finden – wobei er so mittel spannend ist … 😉 Im gleichen Ort wurden auch Szenen aus »Don Chisciotte e Sancio Panza« aus 1968 gedreht (ganzer Film hier auf Youtube), sowie ein paar weitere Italowestern.

San Salvatore Sinis: ein Dorf wie im Film
San Salvatore di Sinis: ein Dorf wie im Film

Der kleine Ort San Salvatore di Sinis auf der Sinis-Halbinsel wirkt noch heute wie ein Filmset und ist absolut eine Reise wert: Allein das Ipogeo, ein antikes Heiligtum unterhalb der kleinen Kirche ist sehr sehenswert. Und speziell Anfang September, zum Barfußlauf Corsa degli Scalzi von Cabras nach San Salvatore kommt richtig Leben ins Dörfchen.

Außerdem gibt es noch einige Filme, die mit dem Banditismus auf Sardinien zu tun haben und in der Inselmitte gedreht wurden. Ein Klassiker ist dieser Film über zwei Hirten in der Barbagia:

Banditi di Orgosolo » Barbagia, Supramonte di Orgosolo

Der Schwarzweiß-Film aus dem Jahr 1961 ist der erste Spielfilm des sizilianischen Regisseurs und Produzenten Vittorio De Seta. Und er wurde direkt bei den 22. Internationalen Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb präsentiert und gewann den Preis für den besten Erstlingsfilm. Vorausgegangen waren zwei Dokumentarfilme, die De Seta in den 1950er Jahren gedreht hatte: Un giorno in Barbagia und Pastori ad Orgosolo.

Der Film spielt in der Barbagia und die beiden Haupt-Protagonisten werden von sardischen Hirten verkörpert – es sind keine professionellen Schauspieler. Der ältere Bruder wird zu Unrecht des Schweinediebstahls und des Mordes an einem Carabiniere beschuldigt, und so fliehen beide mit ihren Schafen in das karge Gebirge des Supramonte di Orgosolo.

Murales des Filmplakats »Banditi di Orgosolo«

Bei den Recherchen kam mir noch dieser Film mit überraschend prominenter Besetzung unter:

Der blauäugige Bandit / Barbagia La Società Del Malessere » Supramonte, Barbagia

Auch unter dem Titel “Verflucht in alle Ewigkeit” geführt, hat »Der blauäugige Bandit«, ein Film von Carlo Lizzani aus dem Jahr 1969, einen ganz berühmten Hauptdarsteller: Terence Hill. Doch, ehrlich, ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich mehr oder weniger zufällig hineinschaute:

(Copyright CINEMA SARDEGNA, ganzer Film)

Der Film erzählt die Geschichte des berühmten sardischen Banditen Graziano Mesina (im Film heißt er Graziano Cassitta) in der Zeit, als Entführungen auf Sardinien häufig waren. Der Originaltitel wird in etwa mit “Gesellschaft des Unbehagens” übersetzt.

Ähnliches Thema, der Banditismus und die Blutrache in diesem sardischen Klassiker:

Disamistade » Provincia di Nuoro

Disamistade wurde 1988 vom sardischen Regisseur Gianfranco Cabiddu aus Cagliari gedreht. Er ist im Sardinien der 50er Jahre angesiedelt und dreht sich um das Prinzip der sardischen Blutrache. Die Handlung: Sebastiano ist der Sohn eines Schafhirten, der außerhalb der Insel studierte und in sein Heimatdorf zurückkehrt, weil sein Vater getötet wurde. Es liegt nun an ihm, Rache zu nehmen. Aber er ist ein neuer Mensch, mit neuer Gesinnung – wie seine Liebe Domenicangela. Er wird dennoch unschuldig verhaftet und verurteilt wegen eines anderen Verbrechens und im Prozess erklärt er seine Haltung zur Blutrache.

Copyright CINEMA SARDEGNA

Auch dieser Film ist vollständig auf Youtube zu sehen (in italienischer Sprache) und ein zeitgeschichtlich interessantes Dokument. Da er ziemlich wortkarg daherkommt, ist er auch für alle, die erst anfangen, Italienisch zu lernen, geeignet. Gedreht wurde er in der Region zwischen Nuoro und Ghilarza.

Meine Tochter – Figlia Mia (internationaler Titel: Daughter Of Mine)

Melodram von Laura Bispuri, das im Rahmen der 68. Berlinale am 18. Februar 2018 uraufgeführt wurde. Es basiert auf einem Originaldrehbuch der italienischen Regisseurin, das sie gemeinsam mit Francesca Manieri verfasste. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein kleines, sardisches Mädchen (gespielt von Sara Casu), das einer jungen Frau begegnet, die ein Geheimnis mit ihrer Mutter teilt. (Quelle: Wikipedia). Der Film lief im ZDF, ist aktuell nicht mehr in der Mediathek verfügbar, wird aber sicher irgendwann wieder gezeigt.

Der Mann, der den Mond kaufte / L’uomo che comprò la luna » Cagliari, Santu Lussurgiu u.a.

Ein sehr lustiger Film von Paolo Zucca aus 2018: “Die Mondlandung der US-Astronauten ist gerade einmal fünfzig Jahre her, als die italienischen Geheimagenten einen aufgeregten Anruf ihrer amerikanischen Kollegen erhalten: anscheinend hat jemand auf Sardinien den Mond gekauft! Dieser aus Sicht der Amerikaner schlicht inakzeptable Umstand muss mit allen Mitteln rückgängig gemacht werden, und so wird ein Mailänder Geheimagent mit sardischen Wurzeln auf die Mittelmeerinsel geschickt, um den Fall – natürlich undercover – zu untersuchen.” Drehorte: Cagliari, Santu Lussurgiu, S’Archittu und – wieder mal – San Salvatore di Sinis.

Ein Mond, zwei Eselohren … den Film muss ich unbedingt sehen!

Dann noch was mit Eseln, zumindest im Titel:

Zwei Esel auf Sardinien » Costa Smeralda, San Pantaleo

Komödie mit Jutta Speidel (Link zu TV-Spielfilm), nach dem gleichlautenden Buch. Ich hab nach kurzer Zeit ausgeschaltet, da nicht nur die Story ziemlich banal und dünn ist, sondern er auch ziemlich viele Klischees und Stereotypen bedient. Wenn man jedesmal bei Forza, Avanti, Spaghetti, Roma einen Filu e Ferru trinkt, wird er sicher erträglich – man könnte auch ein schönes Italienklischee-Bingo spielen … 😉 Landschaftlich soll er etwas entschädigen, gedreht an der Costa Smeralda und im Hinterland, z. B. auf dem Marktplatz von San Pantaleo. Vielleicht auch noch woanders, das konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden.

Ein nicht nur im Vergleich dazu mega interessantes Fantasy-Filmprojekt ist hingegen dieses:

Nuraghes – S’Arena, Nuraghes 2 – Shardana » Ogliastra, Barbagia, Seui

Nuraghes ist ein ambitioniertes Projekt des sardischen Regisseurs Mauro Aragoni – und das erste, das die nuraghische Zivilisation aus der Bronzezeit auf Sardinien verfilmt. Oder vielmehr, von ihr inspiriert ist, denn historisch authentisch will und kann der Film nicht sein. Der erste Kurzfilm, Nuraghes – S’Arena aus dem Jahr 2017 mit dem Rapper Salmo in der Hauptrolle ist Aragonis erstes kinematographisches Werk, mit einem denkbar geringen Budget: 7.000 Euro, da die meisten der beteiligten Künstler unentgeltlich mitgearbeitet haben. Der Film wurde in der Ogliastra und in der Barbagia im Gebiet von Seui gedreht.

Nuraghes 2 – Shardana ist die Vorgeschichte Prequel / Sequel von Nuraghes S’Arena und erzählt von den Ereignissen vor dem heiligen Turnier und den Shardana-Kriegern (blutrünstige Söldner der ägyptischen Pharaonen) auf dem Meer).

Nuraghes – S’Arena (altersbeschränkt)

Die Filme haben eine Altersbeschränkung, einige Szenen sind nicht für jedermann geeignet. Geht am besten direkt zum Youtube-Kanal und schaut dort in die Playlist.

Die Auswahl ist sicher nicht vollständig. Falls dir was fehlt, gern ab damit in die Kommentare – ich ergänze das dann 🙂

Viel Spaß beim sardischen Kinoabend!

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Instagram

Die Antwort von Instagram enthielt ungültige Daten.

Follow the sheep :)