Quallen leben seit rund 400 Millionen Jahren in den Meeren dieser Welt und sind somit echte Überlebenskünstler. Im Gegensatz zu Menschen, die aufgrund ihrer Komplexität gegenüber Veränderungen eher empfindlich sind, sind die Nesseltiere in ihrer Schlichtheit sehr resistent.

Eine Ohrenqualle im Hafen von Olbia

Sie leben schwebend, bewegen sich durch das Rückstoßprinzip, also das Zusammenziehen und Wiederöffnen ihres Schirms, wobei Wasser und damit die Qualle bewegt wird.

Sie werden zudem von Wind, Wellen und Strömungen getragen, insbesondere Schwärme landen mit Meeresströmungen auch mal da, wo sie eigentlich gar nicht hin wollten. Damit sind sie auch dort anzutreffen, wo sie nicht direkt hingehören – nämlich am Strand.

Eine Vorhersage, an welchen Stränden genau Quallen in diesem Sommer zu erwarten sind, ist schlicht unmöglich. Zwar kann man ein bisschen auf Wellengang und Windrichtung achten. Das kann, muss aber nicht hinhauen.

Grundsätzlich ist es ganz normal, Quallen am Mittelmeer vorzufinden – und auch speziell in Küstennähe. Denn in dem flacheren, wärmeren Wasser schweben sie gern: Sie finden viel Plankton als Futter und ideale Lebensbedingungen vor. Normalerweise kommt man auch gut an ihnen vorbei.

Nun kommen stärkere Quallenblüten in Europa aber immer häufiger vor. Und es ist kein isoliertes Phänomen.

Schauen wir uns aber erstmal an, was im westlichen Mittelmeer rund um unsere Lieblingsinsel so Qualliges herumschwebt.

Welche Quallenarten gibt es rund um Sardinien?

Einige sind wirklich Schönheiten. Die italienische Bezeichnung „Medusa“ hat schon einen entsprechenden Klang.

Das Online-Magazin „Il giornale dei marinai“ hat zu den im Mittelmeer (Mediterraneo) vorkommenden Quallenarten mal eine gute Übersicht veröffentlicht:

urticante = brennend, non urticante = nicht brennend (gefunden auf https://www.ilgiornaledeimarinai.it/meduse-mediterraneo/ – Danke!)

Picken wir uns mal einige heraus.

Die Feuerqualle (brennend)

Die Feuerqualle oder Leuchtqualle (pelagia noctiluca) ist mit am häufigsten in Strandnähe zu sehen. Wenn du eine dieser etwa zehn Zentimeter großen Quallen siehst – geh einfach fix raus aus dem Wasser, sie brennt nämlich wirklich und meist tritt sie in mehreren Exemplaren auf. Aber, kein Grund zur Panik: Das Gift ist nicht lebensgefährlich, nur unangenehm, ähnlich wie eine Brennessel und empfindliche Haut hat mit ihr durchaus Mühe. Zeig deinen Kindern am besten vor dem Urlaub, wie die Qualle aussieht und dass sie – selbst, wenn sie sie berühren – keine Angst haben müssen (Was zu tun ist: Tipps gibt’s weiter unten). Ihr Beiname noctiluca rührt daher, dass sie nachts bei Erschütterung (z. B. Wellengang) leuchtet (Biolumineszenz). Tagsüber hat sie eine rosa Färbung (manchmal auch grünlich) und ist relativ häufig vorzufinden.

Hier ein paar Feuerquallen in der Bucht Cala Dragunara (Capo Caccia):

Die Ohrenqualle (nicht brennend)

Beim Segeln und in Häfen begegnet mir häufig die Ohrenqualle (Aurelia aurita). Die kenne ich schon aus der Ostsee und bei ihr sind Berührungsängste fehl am Platz. Sie ist wirklich harmlos, relativ groß und gut erkennbar. Mit ihr kann man sogar baden – und Kindern vielleicht etwas über das Leben im Meer beibringen. Vermutlich bringen die Kids aber eher uns was bei.

Ohrenquallen im Hafen von Olbia

Die Segelqualle (nicht brennend)

Die Segelqualle (Velella velella), ist ebenfalls harmlos bzw. nicht brennend. Eine superschöne Qualle ob ihrer tollen Farbe – irgendwo zwischen einem leuchtenden Enzianblau und einem profunden Nachtblau. Sie heißt so, weil sie sich an der Wasseroberfläche segelnd fortbewegt, indem sie einen Teil ihres Schirms ausklappt. Sie gehört zur Lieblingsnahrung von Walen. Manchmal stranden sie auch in ganzen Schwärmen und färben den Strand blau – wie hier einmal bei Argentiera:

Gemeinsam angespült: Meerball und Segelqualle
Angespült: ein Schwarm Segelquallen

Übrigens: Wen die Segelqualle ein bisschen an die (hochgiftige) Portugiesische Galeere erinnert, liegt nicht ganz falsch. Beide sind eigentlich keine Quallen, sondern bestehen aus einer Kolonie von Polypen. Nur ist die Galeere deutlich größer und für den Menschen gefährlich. Gern würde ich sagen, dass sie im Mittelmeer nicht vorkommt, aber leider wurde sie bereits vor den Balearen gesichtet. Es ist gut möglich, dass sie irgendwann heimisch wird – die klimatischen Veränderungen machen’s möglich. Also, achtsam sein. Ich selbst habe (zum Glück) noch keine angetroffen.

Die Wurzelmundqualle (nicht brennend)

Die gepunktete Wurzelmundqualle Phyllorhiza glaube ich tatsächlich auch schon in einem Jahr in Olbia gesehen zu haben. Sie ist zwar harmlos für uns, aber eine invasive Art, die sich, mit dem Schiffsverkehr aus dem Indischen Ozean kommend, nun auch in unseren Breiten befindet.

(Das Bild suche ich noch …)

Nun zurück zu der Frage, warum sich die Quallenblüte in den letzten Jahren verstärkt.

Warum gibt es so viele Quallen im Mittelmeer?

Ob es so viele sind, muss zunächst in jedem Jahr neu bewertet werden. Generell ist es wohl wahr, aber Quallenpopulationen unterliegen ja keiner Zählung.

Oft ist es eine punktuelle und gefühlte Wahrnehmung im eigenen Urlaub. Und manchmal hochgeschaukelt, z. B. in Social Media. Werden in der eigenen Urlaubs-Bubble in drei Tagen sieben Quallenfotos gepostet, ist das noch kein Beweis für eine Quallenplage. Insofern: erstmal den Ball flach halten.

Quallen bewegen sich zudem nicht sonderlich schnell. Sind sie erstmal da, wo sie sind und gibt es genug Futter, dann bleiben sie da auch.

Aber unter bestimmten Bedingungen vermehren sich Quallen tatsächlich stark. Dann werden sie – aus Sicht der Badegäste, aber auch von Fischern – zu einer Plage. Denn für die Natur muss es nicht unbedingt schlecht sein (Stichwort: Nahrungskreislauf).

Ist denn in diesem Jahr mit einer Quallenplage am Mittelmeer zu rechnen?

Möglich wär’s. Denn für eine Überpopulation mit Quallen sind folgende Gründe zu nennen:

  1. Überfischung, Überfischung und Überfischung. Speziell das industrielle, übermäßige Abfischen von Tunfischen und Schwertfischen in den Meeren, sowie ein gleichzeitiger Rückgang der Wal-Population (ja, es gibt Wale, auch vor Sardinien), die mit Vorliebe Quallen fressen, gilt als Hauptgrund für die extreme Quallenvermehrung. Der Mensch hat auch hier das natürliche Maß verloren und schädigt einmal mehr das ökologische Gleichgewicht. Das Ganze wird dann noch verstärkt durch …
  2. … durchschnittlich wärmere Wassertemperaturen und einen gestörten Plankton-Kreislauf: Das Mittelmeer ist eh warm, und jedes durchschnittliche Grad mehr, lässt es immer tropischer werden. Und im sich erwärmenden Mittelmeer (Auswertung von Langzeitdaten der vergangenen 30 Jahre) schlüpfen die Planktonlarven früher, das Futterangebot wird früher besser und größere Quallenschwärme treten nun bereits häufiger schon ab März / April auf. Zwar vermehrt sich Plankton bei zu warmen Temperaturen (also im Hochsommer) nicht mehr, dafür fühlen sich die Quallen nun auch im frühen Frühling und späten Herbst sehr wohl. Ist das Meer auch außerhalb des Sommers plötzlich wohlig warm, sind sogar (ähnlich wie bei Mücken) doppelte Reproduktionszyklen denkbar.

Damit ist nicht zu erwarten, dass sich – auch im Gesamtkontext des Klimawandels – das Problem von heute auf morgen verflüchtigen wird. Eher im Gegenteil. Die Menge an Quallen, die von den Fischen nicht mehr gefressen wird, kann sich auch noch besonders gut vermehren und länger leben.

Hinzu kommen – erneut durch menschliches Zutun – invasive, eingeschleppte Arten, die sonst aufgrund der Kälte verendet wären. Diese überleben und vermehren sich.

Gerade im Meer hängt alles zusammen. Wird das Mittelmeer immer tropischer, werden wir uns an eine größere Quallenpopulation vermutlich gewöhnen müssen.

Unterm Strich ist die Ursache für mehr Quallen der Mensch, auch wenn man es vielleicht nicht hören oder lesen mag. Insofern ist vielleicht nur eine logische Konsequenz (andere nennen es Karma) und irgendwie gerecht, dass der Mensch auch vom Problem betroffen wird.

Das nur so als Gedanke …

Was mache ich nun aber als Wasserratte, wenn mir die Tierchen zu nahe gekommen sind?

Praxistipps, wenn eine Qualle genesselt hat

Die Region Sizilien hat folgende Anleitung herausgegeben, die ich darunter kurz übersetzt bzw. kommentiert habe.

Was tun, wenn die Quallen „zugeschlagen“ haben – Danke an guidasicilia.it
  1. Nicht panisch reagieren, nicht schreien, normal atmen.
  2. Aus dem Wasser gehen.
  3. Die von der Qualle getroffene Stelle mit Salzwasser (Meerwasser) abspülen – nicht mit Süßwasser. Als Hausmittel gegen starken Juckreiz hilft das auch in konzentrierter Form als reines Salz oder Fleur de Sel. Sich einfach einen Salzstreuer ins Badegepäck zu packen, ist keine schlechte Idee.
  4. Verbliebene Quallen- oder Tentakelreste abschaben (zum Beispiel mit einer Plastikkarte) – nicht mit der Pinzette entfernen.
  5. Nicht kratzen, auch wenn’s schwer fällt, da dies das Gift schneller in den Körper dringen lässt.
  6. Nicht mit Sand wischen. Wird häufig von Mit-Badenden empfohlen, ist aber eher kontraproduktiv. Ein größerer heißer Stein ist besser.
  7. Aluminiumchlorid-Gel aus der Apotheke verwenden (auch Magnesiumsulfatlösungen helfen). Gut gehen auch Fenistil oder bei kleineren Stellen ein After-Bite-Stick, den man nach Mückenstichen nimmt. In Apotheken (sogar in großen Supermärkten in der farmacia / parafarmacia) findet man im Sommer auch spezielle „Jellyfish“-Salben.
  8. Gut beobachten und bei Anzeichen einer Verschlimmerung und/oder allergischen Reaktionen (starke Schmerzen, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Übergeben) zum Arzt fahren oder die 118 rufen.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt: Quallen zu töten, sie aus dem Meer zu holen oder gar zu werfen, ist keine gute Idee. Das fällt tatsächlich unters nationale Tierschutzgesetz.

Insofern wünsche ich allen eine quallenfreie Zeit auf Sardinien, bzw. dass sie euch nicht zu nahe kommen. Viel Spaß im Sardinienurlaub!

Quallen … äh, Quellen!

https://www.geopop.it/meduse-nel-mediterraneo-quali-specie-ci-sono-e-perche-le-loro-fioriture-sono-in-aumento/

https://www.watson.ch/international/spanien/193344661-mittelmeer-wird-studie-zufolge-immer-waermer-und-salziger

https://www.ilgiornaledeimarinai.it/meduse-mediterraneo/

https://www.guidasicilia.it/notizia/-meduse-come-difendersi-e-mitigare-i-danni-l-asp-di-catania-ha-presentato-la-seconda-edizione-del-progetto/40997

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