Monte Limbara im Herbst

Monte Limbara im Herbst

Hin und her gerissen sind wir zwischen den Anblicken der Gallura. Der Blick geht Richtung Nordosten und weit in die Ferne, auf das azurblaue, weite Meer hinaus, nur aufgehalten von den vorgelagerten Inseln von La Maddalena.

Eine Drehung um 180 Grad und sanft erhebt sich das hügelige Hinterland in der Morgensonne, leise Geräusche der Eidechsen, Käfer, Schlangen, Schildkröten … Die Grillen zirpen und lassen erahnen, was den Besucher in der grünen Natur erwartet.

Wilde Natur in der Gallura

Auch das ist die Gallura: Sie beherbergt eines der schönsten, wenn nicht das schönste maritime Naturschutzgebiet des Mittelmeers, das Arcipelago di La Maddalena.

Der ursprünglich von Korsen besiedelte Landstrich – das ist heute noch an der eigenen Sprache Gallurese spürbar, die dem Korsischen sehr ähnlich ist – profitiert von den Touristenattraktionen an der Costa Smeralda.

Sie ist am ursprünglichsten jedoch dort, wo man bei klarer Luft den gesamten Norden der Insel überblicken kann: auf dem Monte Limbara.

Das Granitmassiv Limbara mit seinen beiden Gipfeln “Punta Balistreri” und “Punta Sa Berritta” – beide gut über 1.300 Meter über dem Meeresspiegel – wacht über die Region wie ein guter Geist.

Cala Spinosa bei Santa Teresa di Gallura

Die Gallura ist ursprünglich und attraktiv.

Das Dilemma der Gallura

Manche Stimmen behaupten, die Gallura habe sich angebiedert und sich durch den Strand- und Luxustourismus von dem Authentischen entfernt. Sie schätze und schütze ihre Natur nicht genug.

Manche entgegnen, aus dieser Kritik spräche der Neid.

Recht hat jeder irgendwie und doch niemand. Wer will es dem sardischen Volk verdenken, sich eine lukrative Einnahmequelle zu erschließen? Schade nur, dass bei der galluresischen Bevölkerung wenig davon ankommt und nur einige wenige – vorwiegend Nicht-Sarden – profitieren.

Wer will bestreiten, dass die Touristen nur auf die Insel kommen, weil es am Meer so wunderbar ist? Und dass Sardinien erst durch den Aga Khan eine weitere Bestimmung, die des Gastgebers, gefunden hat.

Nein, das ist nicht die ganze Wahrheit: Seit Jahrhunderten sind die Sarden gastfreundlich, und nett sogar zu denen, die sie hassen. Das ist keine fremde Erfindung.

Schnee auf dem Pass des Limbara

Schnee auf dem Pass des Limbara

Gerade im Norden ist keine Sünde, dem anstrengenden Schicksal, sich von dem wenigen, was das felsige Land hergibt, zu ernähren, zumindest teilweise zu entfliehen. Und auch das ist wieder nur die halbe Wahrheit – viele sind durchaus zufrieden mit dem, was sie haben. Etwas, was den Kontinentalgästen oft fremd geworden ist.

Doch wirklich zu bedauern ist, dass von den vielen angelockten Touristen so wenige bereit sind, die Küstenregion zu verlassen und auch das Hinterland der Gallura zu erkunden. Oder gar den großen, überwältigenden Rest der Insel kennenzulernen.

Oft besteht nicht einmal die Bereitschaft, nur fünf Kilometer im Hinterland zu wohnen und an seinen Strand zu fahren oder abends in einem Agriturismo zu essen.

Damit kämpft die Gallura: Nur wenige finden den Weg aus ihrer feinen kleinen Badebucht oder von ihrem Kite- und Partystrand in das Hinterland, das mit Ursprünglichkeit, Ruhe und Naturschönheit lockt.

Gigantengrab Li Lolghi bei Arzachena

Gigantengrab Li Lolghi bei Arzachena

Ausflugsziele und Ideen für die Gallura

  • Wer macht Halt in Arzachena und genießt ein Glas Vermentino auf der Piazza? Wer geht dann die Straße zu der Kirche im historischen Zentrum hinauf und bestaunt die bemalten Treppenstufen?
  • Wer besucht das Gigantengrab Coddu ‘Ecchiu?
  • Wer kennt die engen Gassen in San Antonio di Gallura und die Bar gegenüber der Kirche?
  • Wer hat versucht, den Lago di Liscia zu umrunden und festgestellt, dass die Straße nicht – wie auf offiziellen Straßenkarten verzeichnet – durchgängig um den See führt, sondern den Reisenden zum Umkehren zwingt?
  • Und wer weiß, dass am anderen Ende bei Luras tausend Jahre alte Olivenbäume stehen?
  • Wer folgt dem versteckten Schild “strada medievale” auf dem Weg nach Tempio?
  • Wer lässt das Auto stehen und wandert zu der kleinen Kirche, die ein paar Kilometer weiter ausgeschildert ist?
  • Wer findet das Weingut Siddura mitten in der galluresischen Campagna?
  • Wer streift durch die Korkeichenwälder und wem sind die Schrammen egal, die er vom dornigen, wild wuchernden Gestrüpp sicher abbekommt?
  • Wer kennt die beiden Burgen bei Luogosanto?
  • Wer fährt im März, wenn alle anderen den ersten warmen Sonnenstrahlen an der Küste nachjagen, hoch zum Pass des Monte Limbara und steht verzückt im Schnee?
  • Wer erklettert das Capo Figari bei Golfo Aranci?
  • Wer erkundet die Weinberge und Steineichenwälder in der “Bassa Gallura” bei Monti und Alà dei Sardi?

Ein paar schwarze Schafe mag es geben …

Wir wünschen viel Spaß!

 

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