Die Anfahrt nach Masua hat mich schon beim ersten Mal begeistert. Sobald hinter einer Kurve zwischen Bergwänden endlich das Meer mit dem charakteristischen Felsen / scoglio “Pan di Zucchero” in Sicht kommt, ist das schon echt nah an der Sardinien-Perfektion!

Ich kann nur jedem empfehlen, die schier endlose, kurvige Landstraße 126 und die Provinzstraße 83 nach Masua zu gondeln. Der Weg entschleunigt und lohnt sich.

Masua und der Pan di Zucchero - ein Sardinien-Highlight
Masua und der Pan di Zucchero – ein Sardinien-Highlight

Pan di Zucchero: Zuckerhut, Zuckerbrot oder Eselskopf?

Der Pan di Zucchero ist ein steilwandiger, 133 Meter hoher, im Meer liegender Fels. Sein Name wird gern mit “Zuckerhut” übersetzt, wörtlich bedeutet er “Zuckerbrot”. Man sagt, seinen heutigen Namen hätte der Fels, weil er dem “Zuckerhut” in Brasilien, dem Pao di Azucar in einer Bucht vor Rio de Janeiro, so ähnlich sähe. Allerdings findet man diese Bezeichnung schon auf den ersten Karten des Forstamtes Sardegna Foreste – und die sind bereits aus dem 18. Jahrhundert. Ob die sardischen Forstbeamten jemals in Brasilien waren?

Pan di Zucchero - Concali su Terràinu
Pan di Zucchero – Concali su Terràinu

Wahrscheinlicher ist, dass er einfach wegen seines weißen Kalksteins “Zuckerhut” genannt wurde.

Die meisten Sarden aus der Region nennen den Fels hingegen “Concali su Terràinu” (manchmal auch Perrainu oder Terranu). Das heißt wörtlich übersetzt “Kopf des halben Esels” und bedeutet “halber Eselskopf”: Ihm fehlen die Ohren, man erkennt aber mit Fantasie die lange Schnauze.

Der Pan di Zucchero ist der erste von fünf Felsen oder Klippen / faraglioni, die im Meer vor Masua in Richtung Süden liegen. Eine echt schöne uund auch relativ einfache Wanderung führt mit spektakulären Ausblicken am Meer entlang. Nebida: ein Schaf, fünf Felsen und eine Waschanlage

Genial: die felsdurchsetzte Küste von Masua mit dem Kayak erkunden!
Genial: die felsdurchsetzte Küste von Masua mit dem Kayak erkunden!

Auch die Entstehung des Pan di Zucchero ist spannend: Regenwasser hatte die mineralhaltigen Böden im Südwesten über lange, lange Zeit zersetzt. Manchmal bildeten sich Grotten und ganz selten lösten sich auch mal große, um nicht zu sagen, riesige Teile des Berges: Der Pan di Zucchero stammt aus der Wand der Punta Is Cicalas – hier hatte auch noch die durch das Meer verursachte Erosion nachgeholfen.

Schwarzschaf-Tipp: Bei gutem Wetter ist das Meer um den Pan di Zucchero und an der Küste von Masua sehr spannend für Kayakfahrer, Schnorchler und Taucher.

Perfektes Schnorchelgelände!
Perfektes Schnorchelgelände!

Unterwasserklippen gehen auf dem sandigen Meeresboden weiter und sorgen für ein geniales Farbspektrum.

Vom Meer aus erreicht man am “Festland” auch noch einige Grotten oder “Grottentunnel” und auch den Zucker-Esel-Felsen kannst du mit dem Kayak oder Schlauchboot sozusagen unterqueren. Das Highlight ist sicher die “Grotta Sardegna” (Video auf Youtube von Sergio Diez), an der Küste nördlich von Masua – die so heißt, weil ihr Ausgang mehr oder weniger die Form von Sardinien hat.

Porto Flavia: ein Seehafen für die Minen

Ich erinnere mich noch an einen der ersten Reiseführer über Sardinien, das ich je in den Händen hielt: Das Titelbild zierte das über dem Meer befindliche Eingang von Porto Flavia. Wirklich außergewöhnlich und ein Sehnsuchtsort. Ich wollte unbedingt hin und genau dieses Foto selbst machen.

Gesagt, getan – schon vor ein paar Jahren, auf einem Segeltörn rund Sardinien (Tipps für Segler gibt’s übrigens auf meiner neuen Seite www.segelrevier-sardinien.de).

Porto Flavia
Porto Flavia – mein Sehnsuchtsbild

In diesem Sommer kehrte ich zurück und verbrachte ein paar wundervolle Tage an der Küste im Südwesten.

Wir zelteten entspannt in einem Pinienwald ganz in der Nähe und na klar war das auch die Gelegenheit, Porto Flavia von innen anzusehen. Wegen Covid & Co. mit Maske, und wegen Steinschlaggefahr mit Helm und der hatte noch ein Hygienenetz – also, bei Hitze etwas ungemütlich … Aber wir nahmen’s mit Humor und fanden uns mit Sonnenbrille ein bisschen wie Puck, die Stubenfliege! Also, für uns war alles aushaltbar und easy 🙂

Puck und Pick, die Stubenfliegen @ Porto Flavia :)
Puck und Pick, die Stubenfliegen @ Porto Flavia 🙂

Besichtigung des Minenhafens Porto Flavia

Viele halten Porto Flavia für eine Mine. In Wirklichkeit ist es ist ein (ehemaliger) Seehafen und gehört zur Gemeinde Iglesias. Er wurde 1923–24 erbaut und war eine Art Verteilzentrum – das Gestein wurde aus den Bergen hinter Masua über Eisenbahnlinien an die Küste gebracht, in Porto Flavia vorsortiert und dann per Schiff zum nahe gelegenen Hafen in Carloforte gebracht.

Eingang Porto Flavia an Land
Eingang Porto Flavia an Land

Die Anlage ist nach Flavia Vecelli benannt, der Tochter des Architekten des Hafens, Cesare Vecelli, der mit dem Bau eine herausragende, technische Leistung vollbrachte. Porto Flavia ist in seiner Art und Ausstattung weltweit einzigartig.

Absolut sehenswert! Ich verrate nicht zu viel, nur für alle, die des Italienischen nicht mächtig sind (was schade ist, denn die Guides sind echt gut ausgebildet und erzählen ne Menge toller Sachen), ein paar grundlegende Erklärungen. In der Sommersaison gibt es aber auch mehrsprachige Führungen und Guides.

Im Covid-Jahr scheiterte es aber (wie auch sonst manchmal auf Sardinien) schon am Erstkontakt: Das “ticket office” hatte mehr mit sich selbst und der Organisation der Gruppen zu tun – man war verständlicherweise etwas aufgeregt – viele Besucher, aufgrund der Enge der Mine wenig Distanz – das braucht die ganze Aufmerksamkeit und Disziplin der Beteiligten.

Gar nicht so leicht, einen Haufen Urlauber in Covid-Zeiten zu managen ... am Ende hat's super geklappt!
Gar nicht so leicht, einen Haufen Urlauber in Covid-Zeiten zu managen … am Ende hat’s super geklappt!

Insofern war leider unmöglich aus den Damen herauszubekommen, wann wo wie 2020 (oder gar darüber hinaus) fremdsprachige Führungen stattfinden (ich glaube, das ist einfach gar nicht geplant). Insofern: Hingehen, nach “visita in tedesco” fragen und hoffen, dass man eine halbwegs verständliche Antwort bekommt 😉

Ihr könnt aber auch so mitlaufen. Die Führung ist toll, aber Porto Flavia ist relativ einfach zu verstehen. Außerdem ist innen, am Ende des ca. 600 Meter langen Tunnels (“galleria”), durch den man am Anfang läuft, eine Art Museum mit Bildern eingerichtet, die euch alles visuell erzählen.

Das Beste gibt’s sowieso zum Schluss und ist komplett sprachneutral: am Ende machen die Gleise einen Rundkurs und man befindet sich auf einer Terrasse über dem Meer – mit sagenhaftem Blick auf den Pan di Zucchero.

Vorher ist zu bemerken, dass der Tunnel eigentlich eine Art natürliche Grotte ist – oder vielmehr: mehrere kleine, die für die Zwecke des Hafens erweitert und verbunden wurden. An einigen Stellen hält man auch an, um das zu erklären. Außerdem sind Exponate integriert, die das Leben der Minenarbeiter erklären.

Porto Flavia ist eigentlich eine Grotte ...
Porto Flavia ist eigentlich auch eine Grotte …

Insgesamt ist die Anlage schlicht, besticht aber eben durch Lage und Einzigartigkeit. Eine Besonderheit wird auf dem Rückweg erklärt: die 18 Meter hohen Silos, in die das Gestein herabgelassen wurde (wo es auch den einzigen tödlichen Unfall in der Geschichte der Mine gab; dem Minenarbeiter wird am Eingang mit einer Tafel gedacht).

Blick in einen der Silos von Porto Flavia
Blick in einen der Silos von Porto Flavia

Unten gab es weitere Öffnungen, aus denen es entnommen und auf Schiffe verladen wurde – sowohl mit Frachtschiffen, aber auch mit alten Lateinseglern – wodurch sich die lokalen Fischer etwas dazu verdienten.

Konstruktionsplan Porto Flavia, Masua
Konstruktionsplan Porto Flavia, Masua

Also, oben rein, unten raus. Ganz einfach, aber zum Zeitpunkt des Baus eine geniale Idee des Erbauers Vecelli. Als wir da waren, konnte man leider wegen Bauarbeiten gerade nicht in die untere “Etage” oder zum Ausgang mit dem pittoresken Schriftzug, direkt über dem Meer.

Man steht quasi direkt oben drauf – ihr könnt ihn euch nur von der Seeseite ansehen (wie gesagt, Kayak mieten ist eine der besten Ideen an diesem Küstenabschnitt). Auch der auf alten Fotos sichtbare Transport- und Verladekran ist demontiert und nicht mehr vorhanden.

Porto Flavia "in action": der Verladehafen war zum Zeitpunkt des Baus einzigartig
Porto Flavia “in action”: der Verladehafen war zum Zeitpunkt des Baus einzigartig

Heute ankern Segelboote vor dem Felsen und die Küste wird ausschließlich touristisch genutzt. Eigentlich nicht sooooo verkehrt, auch wenn viele Einheimische noch dem Bergbau und der vielen Arbeit, die er brachte, nachtrauern. Aber die Geschichte ist nicht nur positiv, die Landschaft wurde ausgeblutet und die Natur nachhaltig geschädigt und nicht ordentlich zurückgebaute Anlagen sondern Schwermetalle in den Boden ab.

Die Küste von Masua ist echt ein Seglertraum - schöner geht es fast nicht
Die Küste von Masua ist echt ein Seglertraum – schöner geht es fast nicht

Gleichzeitig hat der Bergbau mega interessante Industriedenkmäler hinterlassen, die langsam neu genutzt werden und jeden Urlaub bereichern können.

Porto Flavia ist eine gut gepflegte Anlage, und eine echte Perle auf Sardinien. Das “Ichnusa danach” in der kleinen Bar kurz vor dem Eingang ist schon eine Wucht.

Trotz der Abgeschiedenheit im äußersten Südwesten (von den üblichen Touri-Orten im Nordosten brauchst du locker 3 Stunden, wenn nicht mehr) steht Masua zu Recht auf der Liste der Sardinien-Highlights. Jeder noch so weite Weg lohnt sich. Plane ruhig etwas Zeit in der Gegend ein. Ich würde – und hab’s gemacht – auch noch einen Besuch in Carloforte auf der vorgelagerten Insel San Pietro (Carloforte: Ligurisch-tunesisches Flair auf der Insel vor der Insel) empfehlen. Wir waren auch in Calasetta auf der Isola Sant’Antioco und die Tage waren mega entspannend und komplett untouristisch-wunderschön. Zusammen mit Masua der perfekte Sommerurlaub … den man natürlich auch im Frühling oder Herbst machen kann 😉

Zwar ist auf San Pietro von der Bergbauvergangenheit nur noch wenig sichtbar (man setzt touristisch eher auf die Thunfisch-Story). Aber die Insel ist wunderschön und Carloforte mit seiner entzückenden Altstadt, den Salinen (mit Flamingos), der zerklüfteten Küste und vor allem dem guten Essen ist ein echtes Juwel.

Übernachtungstipps Masua

Masua und der Pan di Zucchero  - ein Sardinien-Highlight
Masua und der Pan di Zucchero – ein Sardinien-Highlight

Masua selbst besteht nur noch aus einigen, niedlichen Häusern – von denen eins wie eine Zimmervermietung aussieht, vielleicht kann man da mal klopfen und fragen 😉 – und den verlassenen Minenanlagen. Ein Stück weiter, in Nebida war es mir persönlich zu “roh”, viele unverputzte Häuser und wenig Liebe zum Detail. Hier meine Highlights in der Region:

In jedem Fall ist der Südwesten Garant für einen schönen Urlaub, abseits der touristischen Hotspots und hinter jeder Kurve gibt es etwas Neues zu entdecken 🙂

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Instagram

Follow the sheep :)