Route Guspini - Iglesias

Route Guspini – Iglesias

Der Versuch wurde unternommen und ist fast misslungen: eine Tagestour durchs Iglesiente.

Wir brauchen viel mehr Zeit! Diese erste Erkenntnis ereilt uns kurz, nachdem wir die Carlo Felice (gefälliger Name für die Schnellstraße SS 131) verlassen haben. Nur langsam geht es vorwärts und wir wissen: Hier jagt gleichzeitig ein beeindruckender Platz den nächsten.

Die ausgesuchte Route fahren wir natürlich trotzdem: Sie führt von Guspini über Arbus zu den verlassenen Bergbausiedlungen von Masua und Buggerru; sie endet (vorerst) in Iglesias und führt somit durch die Provinzen Medio Campidano und Carbonia-Iglesias.

Blick hinunter nach Guspini

Blick hinunter nach Guspini

Und sie ist eine der schönsten Routen, die man auf der Insel fahren kann. Dass der Weg das Ziel ist, bewahrheitet sich hinter jeder Kurve: Quasi minütlich ist eine neue Schönheit zu entdecken, jeder Ausblick wähnt großartiger als der vorherige.

Guspini und Monte Arcuentu

In dem schmucklosen, aber lebhaften Städtchen Guspini befinden sich bereits am Ortseingang mehrere Schilder, die zu traumhaften Wanderwegen auf dem Monte Arcuentu, ein Massiv vulkanischen Ursprungs, führen.

Alte Esels- und Hirtenpfade führen auf die knapp 800 Meter über dem Meeresspiegel – zum Teil sind unter den Tritten noch uralte Lavaströme erkennbar.

Die Berge des Iglesiente voraus...

Die Berge des Iglesiente voraus…

Vom Fuß des Berges sind etwa 500 Höhenmeter bis zum Gipfel zurückzulegen, dieser ist in ein paar Stunden erreichbar. Ein ortskundiger Führer bereichert die Wanderung.

Egal wie: Wer den Gipfel erreicht, wird bei gutem Wetter mit einem Blick über die halbe Insel belohnt: von Oristano bis Cagliari und von der Westküste bis zum Gennargentu. Hier ein lesenswerter Bericht (in englischer Sprache).

Arbus

Arbus fasziniert uns schon seit dem ersten Tag, an dem wir davon hörten. Denn hier lebt das »pecora nera di Arbus«.

Das sardische Schaf, das auf der gesamten Insel zu finden ist, trägt weiße Wolle. Hier, in Arbus, lebt eine Variante der Rasse mit schwarzem Fell. Die Tiere sind in ihrer Heimat dem natürlichen Ausleseprozess entkommen (oder ihm bewusst entzogen worden) – überall sonst auf der Insel entwickelte sich die weiße Rasse dominant fort.

Heute sehen wir in und um Arbus kein einziges Schaf, auch kein weißes – es ist viel zu heiß und die Tiere sind tagsüber im Stall.

Schwarze Schafe bei Arbus :)

Schwarze Schafe bei Arbus 🙂

Doch wir kamen wieder und siehe da – es gibt sie wirklich:)

Capo Pecora – das Schafskap

Keine Frage, für das schwarze Schaf ist ein Besuch des Capo Pecora – das Schafskap – eine natürliche Selbstverständlichkeit, bei dem Namen. Von Arbus kommend, Richtung Fluminimaggiore zeigt rechts ein Hinweisschild Richtung Portixeddu.

Daran fahren wir (im Gegensatz zu vielen anderen Strandtouristen) vorbei und nach einigen Kilometern eröffnet sich der Blick auf eine unspektakuläre Landspitze.

Und lass dich nicht täuschen: Sie sieht nur auf den ersten Blick langweilig aus. Denn erst wer bis an die äußerste Spitze wandert, sieht die wunderbaren Felsformationen, die ins Meer reichen.

Farbenpracht am Mar di Sardegna

Farbenpracht am Mar di Sardegna

Zauberhaftes Capo Pecora

Zauberhaftes Capo Pecora

Blick ins türkisblaue Meer

Blick ins türkisblaue Meer

Von den Granitfelsen erfasst das Auge eine kleine Wasserstraße im türkisblauen Wasser, an den Unterwasser-Felswänden hängen Seeigel, leicht erkennbar auch aus 10 Metern Höhe.

Und wir haben einen Glückstag erwischt: Es ist hier selten so ruhig und windstill ist wie heute.

Die Straßen bis Masua (und auch Buggerru) sind kurvenreich und nur langsam zu fahren, über Berge und durch Täler.

Jede Kurve lädt zu einem Foto ein – viele Parkplätze zum Stehenbleiben gibt es auf der SP 126 nicht. Also, ganz langsam weiter. Man ist ohnehin fast allein, selbst im Sommer ist die Straße wenig befahren.

Masua

Masua ist eine versteckte Perle an der Westküste, nur wenige nehmen die Fahrt hierher auf sich. So scheint es zumindest bei der Anfahrt – doch als wir ankommen, ist der Parkplatz direkt am Strand voll. Zum Glück eben nur am Strand, die Menschen verteilen sich großzügig in der Region.

Das schwarze Schaf fühlt sich etwas abseits davon wohler, findet die verlassene Mine mitten im Ort auf dem Weg zum Meer beeindruckend und sieht eine verfallene Schönheit, die erst durch die Stilllegung entstanden ist.

Ein Feldweg führt zum Porto Flavio: Weit durch den Berg führt der Schacht einer Mine, in der Zink, Blei und anderes Gestein gefördert wurde. Am Ende des Schachts eine kleine Sensation: Er reicht direkt aufs Meer, noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die gewonnenen Bodenschätze auf Schiffe verladen und abtransportiert wurde. Der Anblick ist vom Meer aus großartig, doch mit einem eigenen Boot kommen die wenigen hier vorbei.

Berge bei Masua

Berge bei Masua

Pan di Zucchero

Pan di Zucchero

Verlassene Mine vor dem Pan di Zucchero

Verlassene Mine vor dem Pan di Zucchero

Bei einem Besuch der Mine tritt man fast direkt ans Blau und auch diesen wunderbaren Ausblick auf den Pan di Zucchero (Zuckerhut, ein monolithischer Felsen vor der Küste) werden die meisten Partyurlauber der Costa Smeralda verpassen.

Kleiner Termintipp: In der ersten Julihälfte findet eine Schiffsprozession statt, die sehr sehenswert sein soll.

Buggerru

Buggerru

Buggerru

Buggerru

Buggerru

Zwischen zwei Bergwänden liegt das Bergbaustädtchen Buggerru, das heute fast ausschließlich vom Tourismus lebt.

Die Hauptstrände dieser bergigen Region befinden sich hier: an Portixeddu sind wir schon von Norden aus vorbeigefahren, die Cala Domestica rühmt sich, einer der meist besuchtesten Strände der gesamten Insel zu sein. Ob das jetzt gute Werbung ist? Das schwarze Schaf liebt die Bucht in der Nebensaison oder abends zum Sonnenuntergang.

Dort beginnt auch ein wunderschöner Trek in den Gutturu Cardaxiu (Wegbeschreibung in ital. Sprache auf sardegnaambiente.it). Der Canyon ist auch ein Paradies für Kletterer, mehrere Wände in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden warten auf dich.

Schön wäre, wenn Buggerru ein sicherer Hafen für Segler wäre, denn der nächste ist etwa 30 Seemeilen entfernt. Doch er ist komplett versandet.

Das Highlight: Die ehemalige Mine Galleria Henry, mit langen Schächten, oberhalb des Ortes gelegen und ein richtiges Schmuckstück. Sie ist ganzjährig zu besichtigen, im Winter nach Voranmeldung und nur am Wochenende.

Leider fehlt dem Ort ein wenig der schwarzschafige Charme von Masua und wir fühlen uns kurzzeitig wieder wie Touristen, die eine Lücke füllen müssen. Nein, sind wir nicht. Wir reisen weiter.

Tempel von Antas

An der Stelle einer alten nuraghischen Nekropole befindet sich bereits seit punischer Zeit einer der wenigen Tempel der Insel. Er liegt in einem fruchtbaren grünen Tal bei Fluminimaggiore; das Bauwerk wird auch geführt unter den Namen “Sardus Pater” und “Sid Addir Babai”.

Der Name “Antas” ist der modernste und richtet sich nach dem nahegelegenen Fluss.

Der Tempel war “Babai”, einer sardischen Gottheit geweiht, von den Puniern ihrer eigenen Gottheit “Sid” angenähert – um eine Brücke zwischen Sarden und Puniern zu schlagen.

Die Römer rekonstruierten den halbverfallenen Tempel in ihrer Zeit und nannten ihn “Sardi Patris Babi” – und weihten ihn erneut dem gottgleichen Urvater der Sarden. Mehr in unserem Artikel über den Tempel von Antas.

Iglesias

Bergbau bei Iglesias

Bergbau bei Iglesias

Iglesias im historischen Zentrum

Iglesias im historischen Zentrum

Iglesias heißt »Stadt der Kirchen« und hat davon tatsächlich sehr viele. Sie ist zudem – wie soll es anders sein – geprägt vom Bergbau. Rund um die Stadt findest du Minen und Förderanlagen für Silber und andere Rohstoffe.

Das historische Zentrum empfängt uns zur Mittagszeit unendlich still – kein Mensch, kein Auto, nicht eine einzige Bar hat geöffnet. Hier weht ein feiner Hauch von Wüstenstadt durch die Gassen.

Wir kennen Iglesias auch im nasskalten Februar und an Festtagen und erkennen die schläfrige Stadt fast nicht wieder.

Unter der Herrschaft der Pisaner und Genuesen im 13. Jahrhundert gegründet (ursprünglicher Name Villa Ecclesiae), hat sich das historische Zentrum über die letzten sieben Jahrhunderte gut erhalten.

Monte Arcosu

Wenn man es schon einmal bis hierher geschafft hat und nach dem vielen Sightseeing noch einmal zur Ruhe kommen möchte, dann seien ein oder zwei Tage am Monte Arcosu empfohlen.

Das WWF-Naturschutzgebiet ist eines der letzten wirklich intakten Gebiete der Insel – und Rückzugsgebiet des fast ausgestorbenen sardischen Hirschen (“cervo sardo”) Seit 1995 kümmern sich WWF und die Cooperative Quadrifoglio (zur Homepage in italienischer Sprache) um das Reservat.

Für vorsichtige, respektvolle Wanderer sind Wege und Pfade bereitet, die es ihm erlauben, die Natur in aller Ruhe zu beobachten. Ein früher Start in den Tag ist empfehlenswert, eine Übersicht über das Gebiet findet sich hier.

Darüber hinaus lohnt sich, wie immer, auch einfach mal die Strecke zu verlassen und der eigenen Nase nach zu gehen: Einige Grotten, verlassene Burgen und einsame, wilde Natur erwarten den neugierigen Besucher.

 

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