Das schwarze Schaf ist – oder vielmehr: war – passionierter Muschelsammler. Unendlich entspannend, ja fast schon meditativ ist, den Sand nach ihnen abzusuchen. Muscheln sammeln. Unendlich lang könnte das Schaf das machen. ADS hat es ganz sicher nicht.

Muschel, du darfst liegen bleiben
Muschel, du darfst liegen bleiben

Es bildet Häufchen aus großen und aus kleinen. Sortiert sie nach Art und Farbe. Mischt sie dann wieder durch und legt Figuren daraus. Blockiert für Ameisen den Weg aufs Handtuch.

Früher, im Urlaub an der Nordsee, egal an welchem Strand, hat es immer ein paar kleine Tüten mit nach Hause genommen. Die Familie hatte es bestärkt: Klar selber sammeln, die Muscheln, die man im Souvenirshop kaufen kann, sind ja nicht echt und viel zu teuer.

So ist es wohl zu erklären, dass auch viele Erwachsene nicht davor scheuen, Sand und Muscheln säcke- und flaschenweise mit in den Flieger zu nehmen.

Bitte nicht mitnehmen

An alle, die unwiderstehlich finden, Strandsand oder Muscheln mitzunehmen (und die müssen jetzt ganz tapfer sein): Sand und Muscheln sammeln und einsacken – das geht nicht und ist verboten!

Richtig gelesen: Es ist verboten und es kostet. Wer Strandsand, Algen, Sand oder anderes Material von den Stränden entfernt, wird mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt. Wenn einer nicht der Natur zuliebe auf Muscheln verzichtet: Vielleicht ist ihm der Geldbeutel ja näher.

Neiiiin, Finger weg! Nicht mitnehmen!
Neiiiin, Finger weg! Nicht mitnehmen!

Das Hobby des Muschelsammlers stirbt also zwangsläufig aus. Und das ist sogar gut so!

Der rosa Strand von Budelli

Die Geschichte der Insel Budelli ist da ziemlich eindrücklich. Da gab und gibt es den berühmten rosa Strand.

Damit ein Strand rosa wird, müssen Meeresflora, Wind und Strömung eine besondere Konstellation bilden. Außerdem darf der Strand in seinen natürlichen Abläufen nicht gestört werden.

Höchst selten im Mittelmeer.

Das schwarze Schaf hat noch einen kleinen Strand an der Punta Sabina auf der Isola Asinara gefunden, an dem es ebenfalls rosa glitzerte. Und es soll noch einen auf Kreta geben.

Ein einzelliges und schalenbildendes Lebewesen, die Miniacina miniacea sorgt dafür, dass der Strand seine Farbe bekommt. Sie hat sich die Posidonia, das Seegras, als Lebensraum ausgesucht und trägt gemeinsam mit dieser einen großen Teil zur Stabilität der Wasserqualität im Mittelmeer bei.

Wenn diese Lebensform stirbt, lagern sich die Schalen ab und werden wind- und strömungsbedingt am Strand angespült und – bei einer bestimmten Lage des Strandes – auch nicht wieder fortgetragen. Höchstens mal von Strandsand überdeckt. Im Laufe der Jahre wird das ganze schön rosa.

Miniacina bei Punta Sabina, Isola Asinara
Miniacina bei Punta Sabina, Isola Asinara

Es sei denn, Mensch kommt und nimmt den Sand mit.

So geschehen auf Budelli in den Siebzigern und Achtzigern, als gut 3.000 Menschen pro Tag im Sommer den Strand bevölkerten. Nicht wenige davon nahmen Sand mit.

Das, was in jahrzehntelanger Arbeit von Wind, Wellen, Posidonia und Miniacina rosa wurde, war irgendwann ein ganz normaler Strand.

Das Rosa muss heute mit Photoshop hinzugemogelt werden, so wenig ist davon noch mit bloßem Auge zu sehen.

Die Schale der Miniacina, eines einzelligen Meereslebewesens
Die Schale der Miniacina, eines einzelligen Meereslebewesens

Der berühmte spiaggia rosa / rosa Strand (er heißt übrigens eigentlich die »Cala di Roto«) gehört mittlerweile zur Zone A (tutela integrale – vollständiger Schutz) des Nationalparks Arcipelago di La Maddalena.

Verboten sind das Betreten, das Ankern, das Anfahren und der Aufenthalt im gesamten Jahr (mehr auf www.lamaddalenapark.it).

Der Schaden ist trotzdem bis heute nicht wieder gut gemacht. Kann auch gar nicht. Denn so ein Kilo rosa Sand braucht einige Jahrzehnte, um zu entstehen.

Die gute Nachricht des letzten Jahres: Jemand, der vor dreißig Jahren etwa ein Kilo Sand mitgenommen hatte, hat diesen jetzt zurückgebracht. Ein Lichtstreif am Horizont.

Auch im ersten Mittelmeer-Urlaub vor fünfzehn Jahren hat das schwarze Schaf aus lauter Unwissenheit ein Glas mit Muscheln gefüllt. Das stand (immerhin) noch in einem sardischen Ferienhaus. Erst war es nur Deko, und bald wurde es ein tägliches Mahnmal, das ans Gewissen appellierte, es wieder zurück zu bringen. Dort, wo es hingehört. Irgendwann war der Ruf so laut, da hat es die gesammelten Teilchen in einer Bucht wieder ausgekippt. Sorry, Insel.

Statt Muscheln sammeln: es wieder gut oder besser machen

Doch, es ist gut, dass das Hobby der Muschelsammler ausstirbt. Ja, auch das schwarze Schaf weint dem Muscheln sammeln eine kleine Träne hinterher. Ein weiteres Kindheitsglück – futsch. Dafür vielleicht das Glück, die Insel so zu bewahren, wie sie ist.

Also: Du kannst Muscheln sammeln, sortieren und damit am Strand spielen, deine Kinder dürfen damit Sandburgen garnieren. Alles gut. Nur, lass sie dann einfach liegen. So schwer es auch fallen mag.

Der Ausweg? Umschulen!

Müll (auch vergessene Sonnenbrillen) sammeln ist viel besser
Müll (auch vergessene Sonnenbrillen) sammeln ist viel besser

Auf Muschelzeichner, Muschelstatistiker oder Muschelfotograför!

Werde Architekt von Sandburgen und -nuraghen mit Muschelapplikationen!

Noch besser: Werde Plastik- statt Muschelsammler! Material ist da leider mehr als genug. Säckeweise kannst du es abtransportieren und tust noch etwas Gutes.

Überhaupt: Beschäftige dich mit dem Thema Müll- und Plastikvermeidung auch im Urlaub. Getreu dem schwarzschafigen Motto:

Nimm die Natur nur auf einem Foto mit, hinterlasse nichts, außer deinen Spuren im Sand. Und mach die Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser.

(Artikel zuerst veröffentlicht im Juni 2016).

1 Comment

  1. Ursula Gruemann Demagistri

    13. Juni 2017 at 14:53

    Im letzten September habe ich einen deutlich rosa Streifen in Santa Teresa, Rena bianca, vorgefynden – zauberhaft!

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