„Welches ist der schönste Strand auf Sardinien?“ – eine der gängigsten Fragen von Touristen kann seit kurzem zweifelsfrei beantwortet werden: die Cala Goloritzè.

Man könnte sogar die Frage erweitern: „Welches ist der schönste Strand auf Sardinien UND der Welt?“ Denn genau das meinen die Juroren von „The World’s 50 Best Beaches“ – und das schwarze Schaf ist sehr geneigt, ihnen Recht zu geben.

Die Cala Goloritzè ist eine der schönsten Buchten, die ich je gesehen habe. Für mich tatsächlich die schönste auf Sardinien – und das aus mehreren Blickwinkeln. Und nun eben die Nummer eins der Welt. Kann gut sein!

Nun hat ja aber – gerade in Bezug auf Schönheit – jeder Mensch eine andere, höchst subjektive Wahrnehmung.

Und so wie das Schaf die Goloritzè wunderschönst findet, gibt es durchaus Leute, die den Hype gar nicht verstehen und die Bucht als Badestrand gar nicht so toll finden, da sie sehr felsig und steinig ist.

Steinig? Wenig Sand? Stört uns nicht. Die Szenerie wird durch sie erst perfekt.
(PS. Hunde sind eigentlich auch nicht erlaubt … die beiden Nebensaison-Wanderer haben das sicher übersehen)

Recht haben auch diese Menschen, vermutlich ist die Cala Goloritzè nicht der perfekte Badestrand (für mich persönlich ist das okay, ich find steinig super). Und das ist prima so.

Denn die schöne Cala Goloritzè ist vor allem eins: ein Naturschutzgebiet.

Dieser Schutzstatus droht in der allgemeinen Verzückung unterzugehen und der neue Super-Duper-Superlativ führt vielleicht dazu, dass die Bucht (habe ich schon erwähnt, wie schön sie ist?) auf noch mehr Sardinien-Bucket-Listen als eh schon stehen wird.

Und alle ein spektakuläres Selfie wollen. Ja, das geht hier besonders gut, keine Frage. Ob das unbedingt sein muss, ist eine andere.

Selfie ja, nur bitte nicht vom Felsbogen Arco di Goloritzè. Das Türkiswasser sieht man auch von jedem anderen Felsen 🙂

Also – nützt ja nix – muss das Schaf ran und ein paar sachdienliche Infos mitsenden.

Auf geht’s!

Cala Goloritzè – ein schönes Naturmonument

Ich gebe zu – die Goloritzè war eine der ersten Buchten, die auch ich auf meiner Bucket List hatte, als ich begann, Sardinien zu bereisen. Sie hat mich seither nicht losgelassen.

Also, ich kann alle gut verstehen, die dort hin möchten. Wie oft war ich da? Ein paar Mal im Winter, ein paar Mal im Frühling oder Herbst, ein paar Mal im Sommer … und ich werd‘ nicht müde, hinzuwandern.

Und ich verstehe voll, warum die Bucht unter Naturschutz steht und es eine Höchstzahl an Besuchern geben muss (dazu mehr in diesem Artikel zu den Zugangsbeschränkungen zu einigen sardischen Stränden).

Erstmal widmen wir uns ganz sesamstraßenhaft dem „Wieso Weshalb Warum“ steht die Cala Goloritzè unter besonderem Schutz?

Die Antwort ist leicht.

Darum:

Auch sehr schön: Cala Goloritzè
Der schönste Strand der Welt: Ansicht vom Meer

Oder darum:

Cala Goloritzè von der Punta Salinas aus gesehen

Sie ist einfach wunderschön – und das ökologische Gleichgewicht gleichzeitig fragil. Der Schutzbedarf ist ohne Frage gegeben. Und eigentlich gilt das ja für jede Natur.

Die reine Natur wird überall so sehr zurückgedrängt, dass sie kaum noch Luft hat, sich zu entwickeln.

Das bisschen, was uns an Natur und Schönheit (und da ist egal, ob das unseren persönlichen Geschmack trifft, oder nicht) geblieben ist, müssen wir unter allen Umständen bewahren. Bescheidene Schaf-Meinung.

Wenn man begreift, dass alles zusammenhängt, gilt eigentlich sogar der Grundsatz, alle Natur als Schutzgebiet zu verstehen.

Die hat für die Gemeinde Baunei, in deren Gebiet die Cala liegt, den Vorteil, dass sie im Falle eines Falles nicht tatenlos zusehen muss, sondern die rechtliche Grundlage hat, um einzugreifen und individuelle Bestimmungen zu erlassen, die Umweltsünden bestraft.

Cala Goloritzè – ein wildes Stück Supramonte

Den steinigen Strand gibt es noch gar nicht so lang. Die Bucht entstand 1962 durch einen Erdrutsch, der einige der riesigen Felsen, die in der Bucht liegen, nach unten befördert hat.

Das ist ganz gut von ganz oben, von der Punta Salinas aus, erkennbar:

Ein weiterer Erdrutsch im Herbst 2018 hat den Trekkingpfad, der genau in der „Einflugschneise“ liegt, zerlegt und einige Bäume sowie die hinabführende Treppe umgeworfen. Aus die Maus war’s mit dem Besuch für ein Weilchen.

So ganz ohne ist das schöne Schätzchen also nicht.

Muss immer mal wieder neu gebastelt werden: Die Treppe zur Cala Goloritzè

Der Supramonte ist in Bewegung – das denkt man gar nicht, wenn man mit einer Mini-Kreuzfahrt so von Traumbucht zu Traumbucht schwappt. Doch ist es lange Zeit sehr trocken und fallen dann starke Regenfälle, macht das auch ihm zu schaffen.

Das ist per se für den Supramonte zwar nur bedingt schlimm – er ist gewohnt, dass sich der Boden löst, erodiert, rutscht. Macht er gern mal, ist Erdgeschehen. Nur für Lebewesen, die dann zufällig im Weg stehen (aber das wollen wir nicht hoffen) ist es doof. Und für einige Menschen, die den Anspruch haben, den schönsten Strand der Welt im Sommerurlaub bitte sehen und betreten und erleben zu wollen. Weil steht ja auf der Bucket List.

Doch es zeigt, wie fragil das alles ist, was so stark aussieht.

Der Supramonte ist überall, auch an seinen Rändern am Meer, immer noch pure Wildnis, die macht, was sie will oder was Wetter oder Klima ihr sagen.

Und genau das ist der Grund, warum es richtig ist, den Supramonte und auch die Cala Goloritzè als Naturschutzgebiet zu verstehen.

Dabei helfen Naturschutzprogramme wie das für die Cala Goloritzè.

Das Schutzgebiet Cala Goloritzè im Nationalpark Gennargentu e Golfo di Orosei

Als Naturmonument geschützt ist die Cala Goloritzè schon seit 1993.

Naturmonument: die Felsnadel Aguglia di Goloritzè
Naturmonument: die Felsnadel Aguglia di Goloritzè

Gelegen innerhalb der Grenzen des „Nationalparks Golfo di Orosei und Gennargentu“ ist sie Teil eines Gebiets von gemeinschaftlicher Bedeutung (Sites of Community Importance – SCI) „Golfo di Orosei“ (Kennziffer ITB020014), das durch das EU-Schutzprogramm Natura 2000 geregelt wird.

Zum Schutzgebiet zählt nicht nur die kleine, traumhaft türkisfarbene Bucht selbst, sondern eine Fläche von insgesamt 13,24 Hektar, die die umliegenden Gebirgshänge im Supramonte einschließt und deren Geologie, Tiere und pflanzliche Lebewesen unter Schutz stellt.

Der besondere Schutzbedarf umfasst natürlich auch die beiden markantesten Elemente – den Arco di Goloritzè und die Punta Caroddi, auch genannt „Aguglia di Goloritzè“ (guglia – Nadel > Felsnadel), die sich hinter der Bucht auf 143 über dem Meer erhebt und bei Kletterern äußerst beliebt ist.

Der Arco di Goloritzè – ungestört an einem Wintertag am schönsten
Der Arco di Goloritzè – ungestört an einem Wintertag am schönsten

Nochmal kurz zurück zum „Wieso weshalb warum“: Da wir Menschen ja leider zum Stören der Natur neigen, statt uns harmonisch einzufügen, gelten für die Cala Goloritzè besondere Schutzbestimmungen.

Allen voran die Begrenzung der menschlichen Präsenz und unnatürlicher Einflüsse.

Zugang nur über Land: das Trekking zur Cala Goloritzé

Mit einer Ordinanza aus 2020 nahm die Gemeinde Baunei die Covid-Pandemie zum Anlass, eine Höchstzahl an Besuchern von 250 Personen pro Tag einzuführen.

Diese Ordinanza wurde aus Naturschutzgründen aufrecht erhalten und gilt bis heute.

Die Annäherung ist nur über einen recht anstrengenden Trek möglich, der im Sommer nicht wirklich angenehm zu gehen ist (zumindest der Rückweg). Im Winterhalbjahr ist das irgendwo zwischen traumhaft und perfekt – nachzulesen in diesem Artikel:

Ich spar mir das Trekking also gern für die Nebensaison oder alternativ einen wolkigen, windigen Tag auf. Dann ist die Cala Goloritzè – auch ganz ohne Badeerlebnis – noch genialer und die 250 Personen werden auch nicht annähernd erreicht.

Wer denkt: „Ach, da gibt’s doch Ausflugsboote – nehm ich einfach eins davon!“ kann das machen, wird aber auch tendenziell enttäuscht: Erlaubt ist nur die Vorbeifahrt in einigem Abstand. Niemand darf an der Bucht anlanden.

Absolutes Zufahrtsverbot auf dem Seeweg

Das Anlanden der vielen Touriboote ist tatsächlich irgendwann schwierig geworden.

Seit 2016 gibt es ein „divieto assoluto di ingresso via mare alla cala di Cala Goloritzè“ (Quelle Ordinanza 17 vom 26.07.2016 der Comune di Baunei), also man darf nicht über den Seeweg in die Bucht fahren.

Auch wenn auf einigen Webseiten behauptet wird, dass ein Zugang mit dem Dinghy möglich ist, kann man klar sagen: möglich wohl, aber nicht erlaubt.

Cala Goloritze vom Meer aus gesehen
300 Meter Abstand zur Bucht sind das wohl nicht, aber eine vorsichtige, langsame Vorbeifahrt ist in Ordnung.

Eine vorsichtige Vorbeifahrt geht – aber im Abstand von 300 Metern.

Aber selbst die 100 und 200 Meter werden nicht immer von allen eingehalten. Das mag in der Nebensaison grad noch okay sein.

Naturschutz: Die Menge macht’s …

Es wird dann kritisch, wenn in der Hauptsaison täglich Sommerurlauber-Gummiboote mit full speed vorbeidüsen, durch den Felsbogen jagen und das eigentlich ruhige Meer aufwühlen.

Eigentlich zu nah. In der Nebensaison, ohne sonstige Besucher und ganz langsam grad noch vertretbar.

Plus diejenigen, die meinen, auf dem Arco könne man auch schön stehen, davon ins Meer springen und Selfies machen.

All das trägt vielleicht nicht in diesem Sommerurlaub, aber langfristig zur fortschreitenden Erosion bei und stört die Meeresflora und -fauna.

Macht das doch einfach in einer anderen Bucht, okay?

Es gibt so viele geniale Alternativen im Golfo di Orosei und rund um Sardinien, die nicht unter besonderem Schutz stehen. Es muss ja nicht unbedingt hier sein. Hier findest du Infos zu den weiteren Buchten im Supramonte marino:

Für die anderen Buchten im Supramonte ist das Anlanden direkt am Strand übrigens auch nur mit Sondergenehmigung für die kommerziellen Boote und in besonderen Korridoren erlaubt.

Alle anderen müssen bei 200 Metern vor den Buchten halten und können dort ankern und schwimmen. Es wird an den anderen Buchten (außer der Goloritzè) allgemein geduldet, dass man mit dem gemieteten Schlauchboot heranfährt und seine Mitfahrenden absetzt, dann draußen ankert. Seid einfach vorsichtig und dann ist schon alles gut.

Das gesamte Regelwerk in der Praxis durchzusetzen und klar zu kommunizieren, ist natürlich noch eine andere Herausforderung – gerade in den vielen Fremdsprachen für Touristen aus allen möglichen Ländern.

Wie bei allen Gesetzen heißt es: Wir wissen’s – und wir halten uns nach Möglichkeit dran. Und rechnen mit einer (in Italien gern mal saftigen) Strafe, wenn wir es nicht tun.

Gleich nochmal zusammengefasst die Eckdaten für den Besuch zu Fuß.

Wenn du aus Gründen der Immobilität keinen Trek auf dich nehmen kannst, hier ein kleiner Trost vom Sofa aus (für alle anderen gibt es einen guten Eindruck von dem, was euch erwartet (in italiensicher Sprache):

Copyright: Destination Sardinia

Infos für den Trek der Cala Goloritzè

  • Pfad beginnt ab Su Porteddu auf dem Altopiano del Golgo oberhalb von Baunei
  • Trek für den Abstieg zur Bucht öffnet um 7:30
  • Letzter Abstieg um 14 Uhr
  • Für Kletterer ist der letzte Zugang zur Punta Caroddi um 15 Uhr
  • Der Rückweg muss um 17 Uhr angetreten werden
  • 1,5 Std. Hinweg (bergab) – 2 Std. Rückweg (bergauf)
  • 3,5 km lang – 500 m Höhenunterschied
  • Reservierungspflichtig über die Seite Heart of Sardinia – www.heartofsardinia.com (auch als App verfügbar)
  • Maximal 250 Personen gleichzeitig
  • Kosten 7 Euro
  • feste Trekkingschuhe (keine Flip-flops)
  • Sonnenschutz

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Danke für eure Mithilfe!

Weitere Quellen:

2 Comments

  1. Detlef Meiers

    12. Juni 2025 at 11:42

    Wie auf dem Bild oben zu sehen dürfen keine Hunde an den Strand es gibt weiter oben einen Wartebereich für die Hunde

    Ansonsten eine der schönsten vielen Dank für den tollen Bericht
    Freundliche Grüße
    Detlef Meiers

    Reply
    • Nicole Raukamp

      12. Juni 2025 at 11:50

      Ja, das ist richtig, es ist kein expliziter Hundestrand (wie auch die meisten anderen Strände auf Sardinien nicht).
      Das Bild ist aus der tiefen Nebensaison und die beiden Wanderer (aus Norwegen) haben das sicher übersehen und sich ansonsten sehr ordentlich verhalten.
      Vielen Dank trotzdem für den Hinweis!

      Reply

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