Der Südwesten Sardiniens ist perfekt für alle Aktivurlauber, vom Kitesurfer bis zum Kletterer, vom Mountainbiker bis zum Wanderer. Die folgenden Touren im Sulcis-Iglesiente sind insgesamt etwa 100 Kilometer lang. Das klingt für manche erstmal nicht viel, aber sie haben es “in sich” – ob nun aus sportlicher oder kultureller Sicht.

Du kannst sie also einzeln bewältigen oder sie zu einer (oder mehreren) Mehrtagestouren (Übernachtung im Freien oder in B&B, wobei die Dichte in dieser Region sehr gering ist) verbinden.

So war Start und Ziel des schwarzen Schafs z. B. einmal Gonnesa (Übernachtung und Start etwas außerhalb im Agriturismo Le Riad), in einem anderen machte es eine Biketour ab San Gavino (Übernachtung / Start in Collinas, B&B Sa Domu ’e Forru, Collinas) bis Piscinas und zurück nach Arbus (eine sichere Bank im ganzen Jahr, das superfreundliche Hotel Meridiana). Je nach Gusto, Zeit und Umständen kannst du dir deine Touren zusammenstellen.

Grüne Hügellandschaft hinter Guspini

Grüne Hügellandschaft hinter Guspini

Das schwarze Schaf empfiehlt in jedem Fall ein Schönwetterfenster im März/April/Mai oder im September/Oktober, wenn die Temperaturen einigermaßen angenehm sind.

Thema Wetter: Durchziehende Schlechtwetterfronten sind möglich, aber mit guter Wetterschau ein, zwei Tage vorher lässt sich die Tour prima planen. Zudem lohnt es sich, der Region etwas Zeit zu gönnen. Vier, fünf Tage sind hier quasi nichts (Hier noch ein paar Ideen fürs Sulcis, vom Schafskap “Capo Pecora” bis zur Insel Sant’Antioco und Carloforte auf der Isola San Pietro).

Die Landschaft täuscht und sieht beim Durchfahren manchmal so aus, als gäbe es nicht viel – aber au contraire! Da gibt es eine Menge!

Die Touren im Sulcis-Iglesiente sind quasi unendlich, ein Paradies für Outdoor-Freunde.

Die alte Ferrovia: San Gavino » Guspini » Montevecchio

Quasi-Pflichtstopp: die sehenswerte Miniera Montevecchio

Quasi-Pflichtstopp: die sehenswerte Miniera Montevecchio

Die zwischen 1876 und 1932 benutzte Schmalspurstrecke beginnt im Westen des Ortes San Gavino, hinter Guspini hat sie eine beachtliche Steigung bis zur Mine von Montevecchio. Mit drei Lokomotiven und 33 Waggons wurden das geförderte Material und Arbeiter von und bis Cagliari gebracht. Das Schienenmaterial übrigens wurde größtenteils entfernt. Quasi-Pflichtbesuch am Ziel: die riesige Mine von Montevecchio. Dort bekommst du auch weitere Informationen für die Umgebung, die Leute sind sehr engagiert und vermitteln dir auch gern einen ortskundigen Guide. Hier meistens jemand vor Ort (die Mine selbst öffnet in der tiefen Nebensaison nur zu Feiertagen und besonderen Anlässen, hier der Kalender mit den Öffnungszeiten), im Zweifel die Forstarbeiter des umliegenden Waldgebietes. Am besten ist die Tour mit dem Mountainbike zu bewältigen.

Über Stock und Stein: Montevecchio » Ingurtosu

Das Haus der Minendirektion in Ingurtosu

Das Haus der Minendirektion in Ingurtosu

Nachdem du Montevecchio angeschaut hast, führt dich eine lange Schotterstraße nach Ingurtosu. Sie wurde vor ein paar Jahren durch einen Erdrutsch zerstört und nach jedem Regenfall ist ihr Zustand fragwürdig. Obwohl manch Einheimischer seinen uralten Panda oder Pickup ohne zu zögern hindurchscheucht, ist das für Mietwagen keine gute Idee. Also, per Bike oder zu Fuß. Übrigens: In den Tälern zwischen Guspini und Piscinas kannst du viele schwarze Schafe treffen, dort lebt eine genetisch bedingt schwarze Variante des sardischen Schafs!

Streifzug durch Ingurtosu

Die vielleicht am besten erhaltene der verlassenen Bergbausiedlungen. Hier ist noch etwas von dem Zauber und Charme der Zeit, als in den Minen noch gearbeitet wurde, zu spüren. Ein paar Leute leben hier noch, leider können sie den Verfall nicht aufhalten und so findest du direkt im Ort auch keine Übernachtungsmöglichkeit. Die elegante Architektur mancher Häuser aber lässt auf den ehemaligen Reichtum schließen: allen voran das Haus der Minendirektion, mit einem hübschen Fachwerk. Durch den Torbogen klemmt sich heute die Autostraße.

Ingurtosu  » Piscinas

Aufziehendes Gewitter bei Ingurtosu

Aufziehendes Gewitter bei Ingurtosu

Hinunter in das Tal von Naracauli geht es auf einer wenig frequentierten Straße, zunächst auf Asphalt, an der Seite kannst du aber auf Ziegen- oder Versorgungspfade ausweichen, später auf Schotter. Pittoresk die Reste der Laveria Brassey – hier wurde das geförderte Gestein gewaschen und in kleine Loren verladen, die hinab bis zu dem Anleger bei Piscinas fuhren (von dem heute nur wenige Reste übrig sind und an dem kein Schiff mehr festmachen kann). Das in den Dünen liegende Hotel Le Dune war früher ein Lagerhaus (leider nur im Sommer geöffnet und dann zahlt man eher die Lage als die Leistung). Hier sieht es aber wirklich aus wie in einer Mischung aus Lummerland und Wildwest und wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, ist ein mitgebrachter Schlafsack irgendwo in den Dünen ein perfektes Bett für die Nacht.

Piscinas  » Scivu

Rostige Lore in den Dünen von Piscinas

Rostige Lore in den Dünen von Piscinas

Nur zu Fuß oder zu Pferd ist es erlaubt, durch die Dünenlandschaft zwischen Piscinas und Scivu zu streunen. Achte auf deine Tritte, denn die Pflanzen befestigen die Sandriesen, die sich über acht Kilometer Küstenlinie und mehrere hundert Meter weit ins Hinterland erstrecken. Die Dünen sind die einzige »Küstenwüste« Europas. Obwohl so nah dran, sind sie glücklicherweise vom Bergbau verschont geblieben. So erlebst du hier reine Natur, die es so auf Sardinien kein zweites Mal gibt. Hinter Scivu führt die Straße ins Landesinnere, dort sind nach wenigen Kilometern zwei, drei B&B zu finden, die allesamt sehr einladend sind, folge einfach den Schildern.

Scivu » Portixeddu

Cala Grande, Nachbarbucht der Cala Domestica

Cala Grande, Nachbarbucht der Cala Domestica

Eine tolle Tour, du gehst durch eine wilde, unberührte und unbewohnte Landschaft auf unmarkierten Wegen zwischen Scivu und Capo Pecora. Der Trek ist ziemlich anspruchsvoll, dauert mehrere Stunden und überwindet einige Höhenmeter, z. B. über den Monte Mummulonis und durch den Giardino delle Pietre / Steingarten aus skurrilen Felsen an der Küste. Vorsicht: Auf der Tour durch das hügelige, weitgehend unmarkierte  Gelände kannst du dich im Dunkeln durchaus verlaufen! Hier das Fotoalbum unserer ortskundigen Guides.

Galleria Henry, Buggerru » Porto Flavia, Masua

Ein recht langer, anstrengender Trek, ein Großteil führt an der Küste entlang, du gehst von der Galleria Henry bis nach Buggerru, durch die Cala Domestica / Cala Grande, den Berg hinauf vorbei an einem spanischen Wehrturm. Die Galleria Henry ist einen Stopp wert: Sie ist im Inneren ein wahres Labyrinth und gehört zu den interessantesten Minen der Insel, mit einem Tunnel oberhalb von Buggeru. Der Weg führt durch das Minendorf Pranu Sartu und dem offenen Steinbruch Calaminari. Den Weg ab Galleria Henry kannst du auch als Rundkurs über die Cala Domestica und zurück durch das Hinterland nach Buggerru gehen.

Abstecher: Gutturu Cardaxiu / Miniera San Luigi

Weg in den Canyon Gutturu Cardaxiu

Weg in den Canyon Gutturu Cardaxiu

Von der Cala Domestica führt dich ein toller Pfad ins Landesinnere, wenn du möchtest, bis zu fünf, sechs Stunden lang (einfach). Der “Kurztrek” ist etwa 1,5 Stunden lang und führt dich durch den Canyon Gutturu Cardaxius (ein Top-Ziel für Kletterer, mit schwierigen Wänden, Wegen und Sektoren, wie z. B. den Sektor Istentales, oder die Überhang-Wand Vox Populi im Sektor Banana Republic) und dann bis zur kleinen, aber pittoresken Miniera San Luigi. Von hier aus ginge es theoretisch noch mehrere Stunden weiter.

Sentiero dei Cinque Faraglioni, Nebida

Küstentrek: Sentiero dei Cinque Faraglioni

Küstentrek: Sentiero dei Cinque Faraglioni

Ein gut sechs- bis siebenstündiger Küstentrek mit fantastischen Ausblicken. Faraglioni bedeutet Klippen, gemeint sind die fünf Felsen, die sich an der Küste zwischen Masua und Funtanamare von Nord nach Süd aufreihen: beginnend mit dem größten und berühmtesten, dem Pan di Zucchero (wörtlich: Zuckerbrot; Einheimische kennen seinen früheren Namen Su Concali de su Terrainu), dann das »Felsenpärchen« Coppia di Portu BandaS’Agusteri (ital. Aragosta / Languste) und schließlich Il Morte (der Tote). Am Pfad befindet sich am Hang bei Nebida die Laveria Lamarmora (erbaut 1897, geschlossen bereits in den 30er-Jahren), 300 Stufen führen hinunter zur Mineralien-Wäscherei. Eindrücke vom Sentiero dei Cinque Faraglioni auf www.pecora-nera.eu.

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