In der Nebensaison extra wild: Plag'e Mesu bei Gonnesa

In der Nebensaison ist Sardinien extra wild: Wavespot Fontanamare bei Gonnesa im Januar

Wie immer habe ich auch bei dieser Sardinienreise mein Kitematerial im Gepäck. Und wie immer habe ich auch dieses Mal bei Ankunft noch keine Idee, wo mich meine Reise dieses Mal hinführen wird.

Mich interessiert Sardiniens Westen (über den Norden, Osten und Süden Sardiniens berichteten wir bereits auf unserer Kite-Safari).

Auf dem Weg nach Stintino

Auf dem Weg nach Stintino: Spielt der Wind mit?

Aber wird der Wind mitspielen? Meistens funktioniert Mistral an der Westküste gut. Ich hoffe, nicht so bekannten Orte zu entdecken und neue und bekannte Kitespots an der Westküste zu erkunden.

Wie nie zuvor bin ich in einer Stimmung, in der ich jeden Moment dieser Reise aufsaugen mag, irgendwo im Niemandsland zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Sardinien ist genau der richtige Ort dazu. Mehr Gegenwart geht nicht. In der ersten Nacht fühle ich mich gar nicht danach, in vier Wänden zu übernachten. Und wähle den Balkon. Eine Nacht unter den Sternen.

Morgens weckt mich eine Brise um die Nase und die Geräusche der sardischen Nachbarschaft. Das Schnuppern des aufkommenden Windes weckt die Vorfreude. Und siehe da: Der Wind spielt mit.

Der Nordwesten

Platamona

Platamona: Wellenspot, nur bei Mistral (NW) und nur in der Nebensaison

Die erste Etappe führt mich durch die für den sardischen Frühling typische Blumenlandschaft. Einer der rund um die sardische Küste vorzufindenden, spanischen Küstenwehrtürme zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Mein Leih-Panda wird spontan mit einem Schlenker nach rechts durch dichtes Gebüsch auf seine Offroad-Tauglichkeit geprüft.

Der Turm hat keinen Namen und ist das Zentrum einer Traum-Kulisse inmitten eines Blütenmeers am Meeresrand. Man findet diese Türme in regelmäßigen Abständen entlang der sardischen Küste. Sie wurden im 16. Jahrhundert als Schutzgürtel gegen die in der afrikanischen Blütezeit in der Piraterie aktiven Berbervölker erbaut, da der Aufbau eines Schutzheeres zu kostspielig war.

Mitten in der Stille und Abgeschiedenheit, in der ich mich glaube, zieht auf einmal ein Kajak an dem Turm vorbei. Einfach mal treiben lassen. Im Wasser unter mir erkundet ein Taucher die Unterwasserwelt. Einfach mal abtauchen.

Platamona

Tatsächlich liegt der Turm neben dem Wellen-Spot Platamona: Kitesurfen funktioniert hier nur mit Wind aus Nordwest (Mistral) und ist nur in der Nebensaison erlaubt. In der Hauptsaison ist Platamona das Zenrum von Party- und Strand-Touristen und wird „das Rimini Sardiniens“ genannt.

Um Porto Torres herum hat so manche Hauptstraße auch ihre Nebenstraße mit besonderem Ausblick. Einfach mal einen Schritt zur Seite machen. In Porto Torres einfach mal umgekehrt in eine Einbahnstraße fahren. Ups, Gegenverkehr. Okokok…

Stintino

Stintino - L'Approdo: Wind aus O/NO mit Welle, starke Strömung bei W/NW

Stintino – L’Approdo: Wind aus O/NO mit Welle, starke Strömung bei W/NW

Ich erreiche Stintino, ein Strandort am nordwestlichen Zipfel Sardiniens und Ausgangsort für Ausflüge nach Asinira, der Insel der weißen Esel.

Ein guter Kontakt für Kitesurfer ist Lorenzo vom Windsurfing Center, das gleichzeitig am mittleren der drei kitebaren Strände rund um Stintino liegt: l’Approdo.

Genau wie der Haupt-Touristenstrand La Pelosa ein paar Meter weiter nördlich funktioniert l’Approdo am besten mit Winden von Ost und Nordost. Ostwind (Levante) bedeutet Welle. Nordwind wird aufgrund der vorgelagerten Insel Asinara zu Nordwest oder Nordost. Bei West gibt es ein Windloch in unmittelbarer Nähe zum Strand. Eine starke Strömung kommt mit Winden aus Nordwest und West.

Weiter südlich liegt Le Saline, ein blütenweißer Kiesstrand, der kitebar ist bei Südwest- und Nordwestwind. Wind aus Südost kommt nicht an. Im Sommer steht am Windsurfcenter ein Schlauchboot zur Verfügung, um Wind- und Kitesurfen auch in der touristenreichen Saison zu ermöglichen.

Eine empfehlenswerte Unterkunft in unmittelbarer Nähe zum Windsurfcenter ist das B&B Mr Caruba. Mr. Caruba alias Claudio, ist selbst Segler und organisiert Touren zu Schiff, zu Fuß und zu Mountainbike. Der etwas andere Restaurant-Tipp der Einheimischen direkt in Stintino: das Opera Viva, Piazza di 45.

Der Südwesten

Porto Pino: einziger kitebarer Strand, nur bei Scirocco (SO)

Porto Pino: einziger kitebarer Strand, nur bei Scirocco (SO)

Der Wind ruft mich in den Südwesten Sardiniens – eine Ecke Sardiniens, die mich als Kiter und Insel-Liebhaber begeistert. Denn es gibt gleich zwei vorgelagerte Inseln, Sant‘Antioco und San Pietro. Ich wähle die Strecke über Cagliari und durch die Berge – ein Traum für kitesurfende Bergliebhaber – und durch das malerische Bergdorf Teulada.

Porto Pino 

In gewohnter Manier fahre ich die Küste ab. Die Straße führt zwischen zwei Lagunen, vorbei an Heeren von Flamingos, nach Porto Pino – ein Hafenörtchen, das seinen Namen verdient, denn es ist mitten in einen Pinienwald gebettet.

Der einzige kitebare Strand liegt an dem karibisch anmutenden Hauptstrand für Sonnenanbeter direkt hinter dem Hafen und funktioniert nur (!) bei Südost-Wind (Scirocco).

Alle sonstigen Pinien-Waldwege enden an einer steilen Küste. Alle Wege durch die Lagunen in Richtung der großen Dünen von Porto Pino (wo auch bei Westwinden gekitet wird) enden vor Wassersträßchen im Nirgendwo – oder vor einem Militärzaun. In der Sommersaison wird der Weg durch das Sperrgebiet zwar geöffnet, doch dann ist selten passender Wind.

Is Solinas – Porto Botte – Punta Trettu 

Is Solinas

Is Solinas: Flachwasser hinter Seen und Dünen, gut bei Mistral (NW)

Weiter nördlich finde ich eine Traumregion für Kite-Anfänger und Freestyler.

Is Solinas bietet bei Mistral Flachwasser, ist in der Hauptsaison aber von Strand-Touristen belagert: Dem Schild nach Is Solinas und dann in Richtung „Le Dune“ folgen. Am Ende des Pflaster-Weges gibt es einen Parkplatz, von dem aus man den Strand über die Dünen erreichen kann.

Die geeigneteren Spots liegen in Porto Botte. Am Straßenende, da wo die Fischerboote ankern, hat man die Wahl zwischen zwei Kite-Spots: links erreiche ich den Strand, der die Verlängerung von Is Solinas darstellt, rechts über einen Weg durch die Dünen einen guten Freestyle-Spot, der mir auf dieser Reise am besten gefällt.

Ich bekomme den heißen Tipp eines einheimischen Kiters: Punta Trettu, genau gegenüber vom Städtchen Sant’Antioco, ist der Traum-Spot für Anfänger und Freestyler und Heim-Spot der Einheimischen, da ungeeignet für Strandtouristen.

Punta Trettu  ist vor allem an Starkwind-Tagen gut frequentiert, denn hier ist es etwas ruhiger als in Porto Botte, wo der Wind aufgrund der Meeresenge zwischen den Inseln rund zehn Knoten stärker ankommt.

PuntaTrettu

PuntaTrettu: spiegelglatter Flachwasser-Geheimtipp bei Winden von NW bis SO

Über die Brücke aus Sant’Antioco kommend biegt man links in Richtung Matzaccara ab, nach einigen Kilometern links in Richtung „Punta Trettu“  (auf manchen Schildern auch: „Punt’e Trettu“). Ab dem Parkplatz am Ende der Straße heißt es Laufen.

Punta Trettu funktioniert am besten bei Mistral, aber auch bei West, Südwest und Südost. Punta Trettu hat in Strandnähe weniger als knietiefes Wasser, ist spiegelglatt und der Zielort möglicher Downwinder aus Norden.

In Porto Botte hat man mehr Wasser unter dem Brett und etwas mehr Chop.

Der Wavespot der Region bei Mistral und Südwest-Wind (Libeccio) ist Fontanamare bei Gonnesa. Hier kitet man vor traumhafter Bergkulisse mit dem berühmten Felsen Pan di Zucchero bei Masua.

Aufgrund der tollen Bedingungen für Einsteiger in der Region haben sich hier einige weitere Kite-Schulen angesiedelt.

Die Region bietet auch die zurzeit einzige Wakeboarding-Anlage Sardiniens (mehr dazu auf pecora-nera).

Porto Botte

Porto Botte: 10 Knoten mehr Wind als bei Punta Trettu

Isola Sant’Antioco

Auf der größten der Sardinien vorgelagerten Inseln, Sant’Antioco, kann man in der Nebensaison am Spiaggia Grande bei Wind aus Südwest und Nord und am „Spiaggia di Coaquaddus“ (oder: Coa Cuaddus) bei Wind aus Südost und Ost kiten.

Die Stadt Sant’Antioco ist eine malerische und gleichzeitig alltagstaugliche Kleinstadt direkt am Eingang der gleichnamigen Insel und ein toller Ausgangspunkt für Kiter: Ein malerischer Platz im Zentrum, verwinkelte Sträßchen quer durch die Altstadt, und die dunkelste Allee, die ich je gesehen habe, da komplett von Bäumen überdacht.

Am zweiten Tag flüchte ich aufgrund von Regen vom Campingplatz direkt am Meer und lande per Zufall bei dem jungen Paar Simona und Francesco. Unglaublich, was die beiden in ihrem Leben schon so aufgebaut haben.

Kitepause bei glücklichen Schweinen im B&B Il Nido

Kitepause bei glücklichen Schweinen im B&B Il Nido

Mit Herz führen sie das Bed & Breakfast „Il Nido“, direkt an der Hauptstraße des Städtchens gelegen, und doch sind die Zimmer ruhig und heimelig. Außerdem haben sie zwei Kinder, vermieten die beiden Appartments und führen die unter dem B&B gelegene Metzgerei. Francesco hat sein eigenes Stück Land im unmittelbaren Hinterland, wo er Wein anbaut und Schweine, Hühner, Hunde und demnächst auch Pferde hat.

Cinzia vom Restaurant „Hostaria Caligola“ bekocht den hungrigen Kiter nach bester sardischer Küche – das Angebot ist nicht herkömmlich und bietet eher die besondere Auswahl. Besser könnte man auch direkt bei Großmutter nicht essen.

Mindestens einen Tagesausflug wert ist die Isola San Pietro mit ihren nur drei Straßen in jede Richtung der Insel. Von Calasetta auf der Insel Sant’Antioco schippern regelmäßig Auto-Fähren zur Hauptstadt Carloforte, das mich nicht minder begeistert.

Mari Ermi

Mari Ermi: Mistral-Strand

Ein Platz neben dem anderen an der Meerespromenade entlang und in der dahintergelegenen Altstadt. Ein Traum.

Der mittlere Westen

Auf dem Weg zurück nach Norden möchte ich mir die Sinis-Halbinsel aus Kitersicht anschauen, auch wenn die Windvorhersage nicht vielversprechend ist.

Capo Mannu – Funtana Meiga – Mari Ermi – Putzu Idu

Funtana Meiga

Funtana Meiga: beste Flachwasserbedingungen

Die Region ist unter Kitesurfern vor allem durch den Wave-Spot Capo Mannu bei Winden aus West bis Nordwest bekannt. Ich steuere Funtana Meiga an, in der Nebensaison eine Geisterstadt. Und siehe da: Kiter!

Jedoch nicht im bekannten Funtana Meiga und damit der dem Meer zugewandten Seite. Die Lagunen vorm Stagno di Cabras und das davor gelegene Mare Morto bieten beste Flachwasserbedingungen.

Einfach auf dem Weg zur antiken Stadt „Tharros“, von der nur noch Reste erhalten sind, links abbiegen und nach Wegen in Richtung Lagunen und Mare Morto suchen. Schilder gibt es keine, aber die Kitesurfer sieht man von weitem. Dabei nicht von Durchfahrtsbeschränkungen wie Felsen bremsen lassen, Fahrspuren deuten an, dass es trotzdem weiter geht.

Putzu Idu

Putzu Idu: gut bei Ponente (W) und Mezzogiorno (S)

Eine Nachfrage bei den Einheimischen in einem der Restaurants vor Tharros kann auch helfen. So fand ich nebenbei auch meine Privatunterkunft.

Ein paar Kilometer weiter nördlich überraschen mich Traumstrände: der Mistral-Strand Mari Ermi / Portu Suedda, und Putzu Idu. Nach Putzu Idu kommen die Kiter bei West- und Südwind.

Was soll ich sagen – der Wilde Westen Sardiniens – nie hätte ich so viele Traumstrände und Flachwasserspots erwartet. Er ist nicht nur wild und unberechenbar. Aber doch auch, und das macht ihn so faszinierend.

In der Nacht in Funtana Meiga, in der das Meer laut, der Wind unentschieden und der Himmel rastlos waren, quatschte ich bis zum frühen Morgen mit einem Sarden, der mich spontan aufgenommen hatte. Er kannte die lokalen Bedingungen so gut wie ein lokaler Fischer und besser als jegliche Wettervorhersage.

Abenstimmung auf Sant'Antioco

Abendstimmung auf Sant’Antioco

Er schaute in den Himmel und sagte, das Wetter und die Windrichtung von morgen entscheiden sich gerade noch. Später, mitten im Gespräch hielt er inne und sagte: „Horch!“.

Wir gingen vor die Tür. Da war ich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Der Himmel war auf einmal sternenklar, der Wind hatte gedreht, das Meer flüsterte nun friedlich aus der anderen Richtung. Der Wilde Westen nun ganz friedlich, aber dennoch nicht ohne Wind.

Der Sarde sagte: „Das war wichtig, einer der Vorboten auf dem Weg zum Sommer.“

Weitere Informationen

1 Comment

  1. Hans Buchert

    2. September 2014 at 21:52

    Hallo liebe Kitefreunde,
    Auch wir waren auf fast allen Spots- Sardinien ist eifach erste Sahne
    Super zumKiten- super zum Biken -super zum krackseln
    Ich fahre nächsteWoche widerhin
    Bis bald. Nenner und Christa

    Reply

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