Wenn dich die kleinen Dinge im Leben beeehgeistern, sind die Dörfer im Medio Campidano perfekt für dich. Abseits der  Touristenpfade ist Wollfühlalarm angesagt.

Von der Schnellstraße SS 131 sieht das Medio Campidano nur so mittelprächtig aus. Das täuscht aber gewaltig. Nimm die Abfahrt »Sardara« und tauche ein in die Sub-Region »Marmilla«, ein lieblich-hügeliges, fruchtbares und seit antiken Zeiten bewohntes Land.

Das schwarze Schaf stellt acht Perlen vor, in die es sich ein bisschen verliebt hat.

Sardara: ein warmes Willkommen

Die Römer haben ja auf Sardinien relativ wenige Spuren hinterlassen, da waren andere Kulturen deutlich prägender. Aber in Sardara findest du eine davon: die römischen Thermen.

Römische Thermen und eine hübsche kleine Steinkirche in Sardara

Römische Thermen und eine hübsche kleine Steinkirche in Sardara

Die alten Gebäude sind ziemlich heruntergekommen, da braucht es schon etwas Fantasie, um sich das Ganze in römischem Pomp vorzustellen. In dem neu angelegten Park mit Eukalyptusbäumen ist es schon schöner.

Die angesiedelten Hotels mit Thermalbädern sind ganz schick, das eine mehr, das andere weniger. Aber in ihrem Inneren wird dem Wellness-Gott gehuldigt: Sardegna Termale – Hotel e Spa und das Antiche Terme di Sardara.

Das schwarze Schaf ist in der Nebensaison da, an einem etwas öddeligen Tag und freut sich über die Wärme im SPA. Eine finnische Sauna, ein türkisches Dampfbad und eine Salzgrotte. Dann noch eine Massage mit dem schönen Namen Coccola Mediterranea mit Arnika und Orangenöl – und der Tag ist gelungen.

Wichtig zu wissen: Italien und damit auch Sardinien sind katholisch geprägt und du musst Badekleidung tragen.

Collinas: klein und fein

Der nächste Tag ist herrlich sonnig. Das Schaf gondelt über Hügel / colline, die lieblichen Landschaften des Medio Campidano. Über die Wiesen, von denen es weiß, dass sie im Frühling ein wahres Blütenmeer sind.

Aber auch im Herbst ist das Medio Campidano sehr viel gefälliger als andere, von der Sommersonne ausgetrocknete Landschaften Sardiniens.

Dafür sorgen die immergrünen Olivenhaine, auch die Weinhänge sind lang grün und etwas später im Jahr präsentieren sie ihre Herbstfarben und tolle Farbspiele.

Weinhänge im Medio Campidano

Weinhänge im Medio Campidano

Die Einfahrt nach Collinas ist eng, die Straßen sind noch wie damals und ich bin schon auf der hindurchführenden Hauptstraße begeistert. Das historische Zentrum hat den Namen wirklich verdient. Leicht unterhalb liegt ein sympathisches Gewusel aus Gassen und Sträßchen, die sich am besten zu Fuß erkunden lassen.

Schlicht entzückend: Collinas

Schlicht entzückend: Collinas

Definitiv ein sehr hübsches Dorf, in dem man einen Sinn dafür hat, das Alte zu erhalten und zu pflegen. Der Ort gehört zu den »Borghi Authentici d’Italia«. Und womit? Mit Recht!

Die Zeit scheint im positivsten Sinne stehen geblieben, ein innerer Frieden durchströmt Collinas. Besonders spürt man den in der Weihnachtszeit: Das »Dorf der Krippen« hat quasi an jedem verfügbaren Platz eine zu bestaunen – sogar eine lebensechte mit Darstellern aus dem Ort gibt es jedes Jahr an der Kirche.

Impressionen der Dorfkultur findest du auf www.collinascomunitaospitale.it. Anfang September lockt das Kunstfestival CollInArte; über weitere Events informiert die Facebook-Seite des Pro Loco Collinas.

Übernachtungstipp: Wir mochten das B&B Sa Dom’e Forru im historischen Zentrum.

Lunamatrona: Hüter der Kultur

Sardische Kultur, Natur der Region und die antike Geschichte sind die drei Themen des gut gemachten und ganzjährig geöffneten Museums Sa Corona Arrubia. Dort kannst du auch ein Modell des Nuraghen von Barumini sehen. Dazu noch einige Sonderausstellungen.

Hier startet auch jährlich das MyLand Bikefestival, zu dem sich Mountanbier aus ganz Sardinien, Italien und vielen anderen Ländern treffen und messen.

Für Archäologieinteressierte ist das Umland perfekt: Der Nuraghenkomplex Genna Maria ist wunderschön auf einer Anhöhe gelegen – und deutlich weniger besucht als Su Nuraxi in Barumini (siehe unten) an schönen Tagen hast du hier einen tollen Weitblick über die Marmilla.

Nuraghe Genna Maria hat den vielleicht schönsten Weitblick unter den Nuraghen

Nuraghe Genna Maria hat den vielleicht schönsten Weitblick über das Medio Campidano

Genna Maria soll ganzjährig zu besichtigen sein. Im schwarzschafigen Selbstversuch allerdings war er verschlossen, so dass das schwarze Schaf … psssst … ein Loch im Zaun nutzte. Aber mehr Glück als Verstand hatte, dass der Hund, der übers Gelände streifte, ein halbwegs freundlicher Geselle war.

Baressa: Mandeln satt

Der Ort ist berühmt für seine Mandelplantagen. Die beste Reisezeit ist darum Herbst und Winter.

Denn der Mandelbaum hat einen ganz eigenen Rhythmus: Er blüht bereits zu Jahresbeginn bis in den sehr frühen Frühling. Dann dauert es aber: Die reifen Früchte können erst im Herbst geerntet werden. Nach einer kurzen Ruhephase setzt schon wieder die nächste Blüte ein.

Im Herbst kommt das verschlafene Baressa aus sich heraus. An einem Wochenende Anfang September ist die Sagra delle Mandorle / Mandelfest. Das ist auch die beste Gelegenheit, um die handgemachten Süßigkeiten / Dolci, die Marzipan sehr ähnlich sind, zu probieren.

Ansonsten hat Baressa vielleicht den schönsten Parkplatz Sardiniens: in dem renovierten Innenhof eines alten, campidanesischen Gebäudes (neben der Bar Alchimist). Ein Gemälde des sardischen Künstlers Pinuccio Sciola aus San Sperate dominiert die Wand.

Gemälde von Pinuccio Sciola in Baressa

Gemälde von Pinuccio Sciola in Baressa

Barumini: Antike und Weltkultur

Das Unesco-Weltkulturerbe Su Nuraxi kann man gesehen haben, muss man aber nicht. Doch, doch, der Bau ist beeindruckend, aber eigentlich ständig überfüllt. Seit in Cagliari reuzfahrtschiffe anlegen, werden hier ganze Busladungen Touris über die Schnellstraße heran gekarrt. In der Nebensaison kann man es hingegen wagen.

Falls du im Sommer oder an Feiertagen wie Ostern unterwegs bist, ist vor lauter Mensch von dem Bauwerk leider nicht viel zu sehen. Weiche dann lieber auf andere Stätten aus – zum Beispiel zum Nuraghen Genna Maria bei Lunamatrona (siehe oben). Sardinien ist voll von Nuraghen, du wirst sicher fündig.

So soll Su Nuraxi mal ausgesehen haben (Modell im Museum Sa Corona Arrubia)

So soll Su Nuraxi mal ausgesehen haben (Modell im Museum Sa Corona Arrubia)

Lohnend ist in jedem Fall ein Besuch im Casa Zapata in BaruminiDas Haus ist über einem Nuraghen errichtet, bzw. man hat ihn bei Bauarbeiten gefunden. Ein tolles Museum gibt Einblicke in die sardische Kultur.

Wen zu viel Archäologie allerdings schnell langweilt (davon kennt das schwarze Schaf einige, unter anderem sich selbst), und sich z. B. lieber mit Kunst beschäftigt, der fährt einfach ein Dorf weiter.

In Gesturi findest du bereits auf den Straßen Kunstwere modernerer Zeit, ebenso in Tuili. Dort wird ab 2018 in der Hauptkirche Chiesa di San Pietro ein gerade erst restauriertes Stück Kirchenkunst zu bewundern sein: ein farbenfroher Wandaltar eines ünstlers aus Castelsardo aus dem Jahr 1500.

Skulptur am Straßenrand in Gesturi

Skulptur am Straßenrand in Gesturi

Natur- und Pferdefreunde fahren hinauf zur Giara di Gesturi, wo eine große Herde wilder Pferdchen lebt.

Hierfür wiederum empfiehlt das schwarze Schaf den Frühling als beste Reisezeit – weil die Giara dann blüht und die saisonalen Seen (hier »Pauli« genannt) Wasser tragen (zum Sommer hin bis zu den ersten Regenfällen im Herbst fallen sie trocken. Die Giara ist dann zwar auch schön, aber lang nicht das Paradies, das sie sein kann.

Nur im Frühling: der See Pauli Maiore in beginnender Blüte

Nur im Frühling: der See Pauli Maiore in beginnender Blüte

Turri: das rote Gold Sardiniens

Beste Reisezeit für Turri ist etwa Ende Oktober oder Anfang November. Dann blüht nämlich der Safran / Zafferano auf den Feldern und wird geerntet.Den besten Tag genau zu erwischen, ist allerdings etwas schwierig. Den bestimmen nämlich Wetter und Boden gemeinsam und die haben ja keinen festen Terminkalender.

Also guckt man auch im Familienbetrieb Zafferano ITRIA in Turri täglich morgens aus dem Fenster. Sprießen die hellvioletten Blüten aus der Erde, geht’s mit allen verfügbaren Leuten raus aufs Feld und die intensiv duftenden orangenen Fäden werden von Hand gezupft und dann weiter verarbeitet.

Auch in zwei weiteren Nachbarorten wird der sardische Safran gewonnen: San Gavino Monreale und Villanovafranca. Safran ist bekanntlich ziemlich teuer. Wenn du in deiner Küche aber wirklich guten Safran haben möchtest, sind diese drei kleinen Dörfer im Medio Campidano eine sehr gute Adresse.

Safran aus Turri auf dem Feld von Zafferano Itria

Safran aus Turri auf dem Feld von Zafferano Itria

Feste rund um den Safran gibt es natürlich auch – zur Erntezeit Anfang November die Sagra dello Zafferano in Turri und die Sagra de su Pani Arrubiu / Fest des roten Brotes in Tuili. Letzteres ist ein mit Safran gewürztes und daher leicht rötliches Brot, das von den Frauen aus Tuili vorwiegend zu diesem Anlass mit frischem Safran gebacken wird.

Noch ein Tipp für Sommerreisende: Im Juli ist Erntezeit im Medio Campidano und man feiert das Festa Regionale della Mietitura e della Trebbiatura. Termine findest du auf der Seite des Pro Loco Turri.

Masullas: Lavakissen der Superlative

Das schwarze Schaf hört von einer ganz besonderen Sehenswürdigkeit. Eine, die kein Reiseführer kennt (tatsächlich nicht mal das Sardinien-Reisebuch vom schwarzen Schaf – aber jetzt könnte es das nachtragen!).

Der Geologe, den das pecora nera zufällig traf, erzählt davon in einer Mischung aus Stolz und Heimlichkeit. So, als wolle er es gern allen zeigen – aber es auch schützen wie einen geheimen Schatz.

Das Naturmonument »Su Corongiu de Fanari« liegt etwas außerhalb des kleinen, sehr netten Ortes Masullas – und ist eine kleine Weltsensation.

Mit zwölf Metern Breite und acht Metern Höhe soll es die größte bekannte Kissenlava der Welt sein. Üblicherweise ist Kissenlava nur etwa ein bis zwei Quadratmeter groß – da hat Su Corongiu definitiv die Nase vorn.

Su Carongiu de Fanari soll das größte bekannte Lavakissen der Welt sein

Su Corongiu de Fanari soll das größte bekannte Lavakissen der Welt sein

Siddi: sterneverdächtig

Auf der Hochebene Giara di Siddi (mehr über die drei Giaras der Marmilla erfährst du auch im schwarzschafigen Reisebuch ab Seite 98) steht eines der archäologisch wichtigsten Bauwerke Sardiniens – auch wenn es wenig bekannt ist und seine wahre Schönheit sich erst von oben erschließt: das Gigantengrab / Tomba dei Giganti Sa Domu ‘e S’Orcu.

Von oben hat der Bau die Form eines Stierkopfes – also war man sich sehr lange Zeit sicher, dass die Stätte dem Dio Toro / Stiergott, dem männlichen Symbol der Stärke und der Kraft gewidmet. Neuerdings streitet man wieder: Zwei Forscher wollen darin ein Symbol der Fruchtbarkeit sehen, nämlich den Unterleib einer Frau, die gebärt.

Mit dieser neuen Deutung könnte es aber auch eine Art sardisches Ying/Yang sein – ein Symbol das die männlichen und weiblichen Eigenschaften kombiniert. Und Sardinien hat tatsächlich in seinen antiken religiösen Anschauungen eine gewisse Ausgewogenheit zwischen Gott und Göttin.

Das persönliche Highlight des schwarzen Schafs in Siddi ist allerdings kulinarischer Natur: Im Restaurant S’Apposentu di Casa Puddu geht Roberto Petza, der bis vor kurzem noch einzige Sternekoch Sardiniens, kreativ mit traditionellen Rezepten um und wagt auch mal neue Wege. Nach dem fantastischen Essen nächtigst du prima in dem hübschen, angeschlossenen B&B.

Blick von der Hochebene Giara di Siddi hinab auf Olivenhaine

Blick von der Hochebene Giara di Siddi hinab auf Olivenhaine

Falls das ausgebucht ist – oder du es doch eher familiär und hemdsärmelig bevorzugst und für kleines Geld satt und glücklich werden willst – empfiehlt das Schaf von Herzen gern die Locanda La Rosa im Nachbardorf Pauli Arbarei. Für ihre Gäste organisieren die beiden auch Touren – ob zu Pferd, mit dem Jeep oder Mountainbike.

Das schwarze Schaf jedenfalls fällt hier nach einigen ereignisreichen Tagen in einen wunderbaren Schlaf und freut sich auf den nächsten Besuch im wunderschönen Medio Campidano.

 

 

 

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