Kissenlava. Nie gehört. Ernsthaft. Da ist voll was am schwarzen Schaf vorbei gegangen. Es staunte also nicht schlecht, als ein Geologe, mit dem es zufällig ins Gespräch kam, erzählte, dass ein grandioses Naturmonument aus erkalteter Lava abseits aller Touristenpfade mitten im Medio Campidano liege.

Und zwar nicht weniger als das größte Lavakissen der Welt.

Nun ist das mit den Superlativen auf Sardinien ja so eine Sache. Die Einheimischen bemühen sie sehr gern, aber nicht immer stimmt es. Wie zum Beispiel im Fall des tiefsten Canyons Europas, der eben nicht die Gola Su Gorropu ist, sondern eher die Gorges du Verdon in Südfrankreich ist. Aber das nur am Rande.

Eine gewisse Skepsis begleitet das Schaf also, als es nach Masullas fährt. Übrigens ein hübscher kleiner Ort, wie sie es zu Hauf im Medio Campidano gibt.

Das Naturmonument gehört zum Parco Naturale Regionale del Monte Arci und liegt nur wenige Kilometer außerhalb des Dorfes an der Provinzstraße Richtung Gonnostramatza. Nach wenigen Metern Fußweg ist es da: »Su Carongiu de Fanari«:

Su Carongiu de Fanari soll das größte bekannte Lavakissen der Welt sein

Su Carongiu de Fanari soll das größte bekannte Lavakissen der Welt sein

Die größte Kissenlava der Welt – auf Sardinien?!

Das schwarze Schaf kann sich nicht entscheiden: Ist Su Carongiu nun groß oder nicht? Es soll zwölf Meter lang und acht Meter hoch sein. Hat das Schaf nicht nachgemessen, aber kommt vermutlich hin.

Auf den ersten Blick wirkt das Naturmonument gefühlt eher so mittelgroß – zumindest im Vergleich mit den anderen der Insel: Man denke an die Pedra Longa bei Santa Maria Navarrese oder den Pan di Zucchero bei Masua.

Nun ist Größe ja aber bekanntlich relativ. Und daher kann man das Monument erst richtig einordnen, wenn man weiß, dass Kissenlava üblicherweise bloß rund einen Meter groß ist. Die größeren Lavakissen bringen es auf zwei bis drei Meter. Dann ist eigentlich Schluss.

Insofern hat man dieser Kissenlava das Attribut »mega« beigestellt – mega pillow ist der internationale Fachterminus. Und davon gibt es nicht viele. Auf Hawaii hast du noch eine gute Chance, sie zu finden. Und auf jüngeren Vulaninseln. Tja, und eben hier. Auf Sardinien.

Insofern ist das Schaf geneigt, diesem Superlativ zu trauen. Und wundert sich einmal mehr, dass dieses von der Natur gezauberte Monument – wie so viele einzigartige Sachen auf Sardinien – nicht bekannter und frequentierter ist.

Eine Skulptur der Natur

Näher betrachtet, ist Su Carongiu de Fanari wirklich eine hübsche Skulptur. Und das reicht ja oft aus, um ein Ausflugsziel zu sein.

Su Carongiu de Fanari im Detail

Su Carongiu de Fanari im Detail

Vor 20 Millionen Jahren

Nun zum geologischen Teil. Kissenlava entsteht durch vulkanische Aktivität. Man stelle sich einen Unterwasservulan vor, der ausbricht und zum Beispiel eine neue Insel formt. Wird Lava aus Ritzen gedrückt und trifft sie auf Wasser, erkaltet sie schlagartig und hat rundliche Formen, ähnlich wie ein Kissen. Beziehungsweise ganz viele kleine Kissen.

Auf der Oberfläche von Su Carongiu ist die charakteristische Kissenstruktur gut erkennbar, auch eine leichte glasartige Kruste ist wahrzunehmen.

Wenn Lava nur aus kleinen Spalten und über einen längeren Zeitraum austritt, legen sie sich übereinander und bilden die Formen, die Su Carongiu an der Front ausmachen. Die Öffnung des Vulkans wird immer kleiner und schließt sich irgendwann. In diesem Fall für immer.

Das war vor 20, manche sagen sogar 23 Millionen Jahren. Das übersteigt natürlich jeden Horizont. Das Schaf weiß ja kaum mehr, was gestern war!

Alles soll hier unter Wasser gewesen sein. Kaum vorstellbar, bei der in diesem Jahr herrschenden Dürre. Aber ein großes Schaubild am Parkplatz zeigt die Landschaft des Medio Campidano, wie sie mal ausgesehen haben soll. Haie? Ernsthaft? Na, warum nicht. Wir waren ja alle nicht dabei.

Hier war also vor 20 Millionen Jahren ein Meer ...

Hier war also vor 20 Millionen Jahren ein tropisches Meer …

Das schwarze Schaf ist ganz allein hier und dackelt ein wenig um den Giganten herum. Eine friedliche, liebliche Landschaft, diese Marmilla.

In und um Masullas gibt es übrigens noch mehr zu sehen – garantiert abseits der Touristenpfade. Das Hinweisschild empfiehlt:

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