Als sich an diesem Februartag die Sonne die ganze Zeit hinter Wolken versteckt hatte, und es auf Sardinien definitiv kalt geworden war, sehnte sich das schwarze Schaf nach Wärme und Entspannung … 

Wie schön wäre jetzt ein Saunagang im Wellnesstempel! Einmal ordentlich durchkneten lassen, schwitzen und dann bei indischen Klängen in den Superrelaxhimmel abdriften …

Aber Wellness auf Sardinien – gibt’s das überhaupt?! Und wenn ja, was?

Wer die Insel aus dem Sommerurlaub kennt, denkt vielleicht grad noch an die halb-legalen Massagen, die am Strand von weiß gekleideten Asiatinnen angeboten werden. Doch wie so oft ist auf Sardinien so viel määähr als das, was der Tourist vorgesetzt bekommt.

Relax geht auf Sardinien an sonnigen Wintertagen auch  wunderbar draussen.
Relaxen geht auf Sardinien auch ganzjährig wunderbar draussen. Saunen muss man kulturbedingt eher suchen.

Gleich vorab: Eine Saunakultur wie in Deutschland oder gar Finnland kennt man auf der Insel nicht.

Das ist einerseits eine Kulturfrage: In dauerhafter Kälte lebende Finnen sind der Sauna naturgemäss eher zugetan als Sarden, die einen im Vergleich dazu relativ warmen Winter haben.

Hauptsächlich aber ist es der fehlenden Nachfrage geschuldet: Im Sommer- und Strandtourismus braucht man keine extra Hitze und ölige Massagen sind auch nur so mittel angenehm.

Und im Winter? Eine Wellness-Landschaft mit allem Pipapo zu bauen und zu betreiben ist eine rasend teure Angelegenheit. Nur für ein paar Einheimische und einige wenige verirrte Touristen im Winter rechnet sich der Betrieb nicht. Also ist wenn überhaupt, alles etwas kleiner und sparsamer.

Und tatsächlich gilt auf Sardinien: Sobald die Sonne scheint und kein Wind weht, ist es draußen so angenehm, dass man nicht unbedingt eine Sauna braucht. Alles andere – von Teetrinken in einem netten Café, über Meditation auf Granitfelsen bis zum entspannten Strandspaziergang mit frei fliegenden Aerosolen – ist problemlos machbar.

Aber: Die Nachfrage wächst. Und Benessere / Wellness auf Sardinien ist durchaus möglich. Wenn auch kulturell bedingt etwas anders.

Das Grundverständnis für Wellness-Angebote sind Massagen, Beauty und Heilbehandlungen.

Wer sich nach Strich und Faden verwöhnen lassen will, findet durchaus viele Angebote. Auch in kleinen Orten, abseits der touristischen Hotspots und oft in der natürlichen Ruhe des Hinterlandes gibt es schöne Möglichkeiten und versierte Hände, um sich verwöhnen zu lassen.

Wellness meint auf Sardinien auch oft Schönheitsbehandlung. Das schwarze Schaf empfiehlt Monica Centro Estetico in Nuoro, um sich verwöhnen zu lassen. www.monicacentroestetico.com

Aber Sardinien wäre nicht Sardinien, wenn es nicht noch eine kleine Wellness-Überraschung in petto hätte: natürliche, warme Thermen, deren Wasser oft heilende Wirkung hat. Dort haben sich dann auch einige Wellness-Hotels angesiedelt. Dazu gleich mehr.

Beginnen wir aber in einem dem nordeuropäischen Urlauber vertrauten Umfeld: in Sauna & Spa.

Sauna und Spa: ab ins Hotel

Fast alle Saunen und Spas auf Sardinien sind Teil eines Hotels. Mehr oder weniger umfangreiche percorso benessere / Wellness-Pfade sollen den Urlauber ins Entspannungsparadies bringen.

Da die meisten Touristen-Hotels aber im Winter schließen, ist die Auswahl in der kalten Jahreszeit nicht wirklich riesig (am Ende des Artikels findest du eine kleine, unvollständige Liste, in denen das schwarze Schaf fündig wurde).

Massage- und Saunatermine gibt es nur nach Reservierung (Foto: Geovillage, Olbia)

Massagen sind ist in den meisten Spas das Hauptthema. Einige verfügen dank natürlicher Quellen sogar über Heilwasser. Der Wellness-Pfad / percorso benessere umfasst üblicherweise Schwimmbad, Dampfbad, Thermalduschen, vielleicht einen Kneipp-Pfad, und wenn du Glück hast, auch eine finnische Sauna – in der Regel aber ohne Aufguss.

Tipp (von einem schlauen Sarden abgeguckt): Mische zuhause eine kleine Flasche Wasser mit einigen Tropfen ätherischen Öls (z. B. Olio 31, in jeder Erboristeria erhältlich). In der Sauna kurz schütteln, aufgießen, Handtuch schwingen – fertig ist der Selfmade-Aufguss.

Und sie haben auch zeitliche Limits: zwischen 30 Minuten und zwei Stunden für einen percorso benessere – je nach Art, Größe und Konzept.

Nehmen wir an, du weißt, wo du wellnessen möchtest. Dann ist das Vorgehen:

  1. Anrufen, reservieren. Die Reservierung von Sauna- und Massageterminen ist obligatorisch und die Zahl derjenigen, die eingelassen werden, ist immer begrenzt. Und weil man auch selten Englisch oder Deutsch spricht, musst du dir vermutlich ein paar passende italienische Sätze draufschaffen.
  2. Vor allem an italienischen Feiertagen empfiehlt sich als Tagesausflügler schon ein paar Tage vorher anzurufen, da der Hotelgast Vorrang hat und die wenigen Plätze schnell ausgebucht sind. Spontan in die Sauna gehen zu wollen, kann auf Sardinien durchaus in einer Enttäuschung enden.
  3. Das Prozedere vor Ort ist einen Tick bürokratischer. Als Nicht-Hotelgast registrierst du dich vor Ort mit Namen, Geburtsdatum, Adresse. Du unterschreibst einen (italienischen) Text, in dem mehr oder weniger steht, dass du in guter körperlicher Verfassung bist, du krankenversichert bist, du keine ansteckenden Krankheiten mit dir schleppst und dich an die Gepflogenheiten des Hauses hältst – welche auch immer das sein mögen. Und nein, von dem Wisch gibt es KEINE verständliche Übersetzung. Unterschreib einfach.
  4. Massagetermine gibt es im Winter nicht an allen Tagen, nicht in der ganzen Bandbreite, und manchmal auch gar nicht – das hängt einfach vom Hotel ab. Frage einfach nach einem Massagetermin, dann wird man dir das verfügbare Angebot ausbreiten. Plane die Massage dann am besten vor oder nach dem percorso benessere, da dieser zeitlich limitiert ist (nicht alle Spa-Mitarbeiter denken mit). So geht dir keine Zeit flöten und das Ganze bleibt entspannt.

Tipp: Wer sich für ein Wochenende in einem Wellness-Hotel einnistet, sollte schon bei der Buchung oder spätestens beim Check-in nach einem Termin in der Sauna oder für eine Massage fragen. Frage auch nach Relax-Paketen oder Wochenend-Arrangements.

Sauna: andere Länder, andere Sitten

Bis vor ein paar Jahren „saunten“ Damen und Herren in Italien getrennt und in ein paar erzkatholischen Regionen auf dem Festland ist das auch heute noch so. Die gute Nachricht: Sardinien ist durchweg entspannt – Männlein und Weiblein sind gemeinsam unterwegs.

Wesentlicher – und wichtiger – Unterschied zu Nordeuropa: Badekleidung ist Pflicht. In der Sauna ist niemand nackt. Du musst also auch im Winter Bikini oder Badehose einpacken (… und Badelatschen und große Handtücher bzw. Bademantel. Das kann man auch mieten, kostet aber).

Und wenn du dich gerade über die Bekleidungsfrage aufregen möchtest: Nein, Nacktsein ist kein Menschenrecht.

Während die Nordeuropäer ihre Freizügigkeit oben und unten rum als große „kulturelle Errungenschaft“ verstehen, ist das im Rest der Welt eher schwierig. Und das hat nicht immer mit Prüderie oder gar Unterdrückung zu tun. Grundsätzlich geht es um Dinge wie Privatsphäre, Gefühle, Würde, Gewohnheiten, Landeskultur. Jedenfalls ist nicht angebracht, als Gäste im Land den Einheimischen unser Nacktsein aufzwingen zu wollen. Sei respektvoll und passe dich an.

Sich einfach nackt hinzusetzen, wird eh nicht klappen: Du wirst direkt in hohem Bogen aus der Sauna fliegen, wenn du dich darin nackt bewegst. Und vielleicht sogar, je nach Vehemenz oder anwesenden Personen, die sich belästigt fühlen, die örtliche Polizei kennenlernen. Alles schon vorgekommen.

In die sardische Sauna geht es nur mit Badekleidung.

Sehr lustig ist aber die Neugier der Italiener, wenn du ihnen erzählst, dass in Deutschland oder Finnland gemeinsam nackt gesaunt wird. 

Großes Staunen, großes Hallo. Man regt sich natürlich auf. Die Sardin kriegt große Augen und wähnt Sodom und Gomorrha von Helsinki bis München. Der Sarde hat die üblichen Fantasien, was das mit dem Mann an sich wohl anstellt. Wie er das denn wohl macht, wenn da lauter Brüste vor ihm auf und ab wackeln.

Also erklärst du, dass das kein Thema und eine andere Grundhaltung ist. Dass man durchaus auch als Single (-Frau!) zur eigenen Entspannung in die Sauna gehen kann. Nicht etwa um primäre Geschlechtsmerkmale zu studieren (höchstens weil etwas so klein oder so groß ist, dass man unmöglich wegsehen kann) oder gar um einen Partner zu finden (wobei das nicht ausgeschlossen ist). Aber natürlich lässt man sich gegenseitig in Ruhe. Und es gibt auch nicht alle zehn Minuten irgendwo einen Spontan-Orgasmus.

Du sagst noch, dass ja wer schüchtern ist oder nichts zeigen möchte, sich einfach ein Handtuch umlegt. Das wird zur Kenntnis genommen.

Auffällig in den sardischen Saunen: Man sieht fast ausschließlich Paare zwischen 30 und 50. Das scheint erst Zufall, aber es ist tatsächlich so, dass man üblicherweise nicht alleine in die Sauna geht.

Abends nach der Arbeit und vor dem Abendessen einfach allein zur Entspannung ins Spa und noch ein paar Runden schwimmen? Dafür ist in einer Kultur, die sich um Geselligkeit, Freunde und Familie dreht, wenig Platz.

Alleine im Spa entspannen? Macht auf Sardinien kaum jemand.

Und: Das italienische Paar ist in Sauna & Spa tendenziell auf Tuchfühlung.

Während Berührungen und Küsse in der deutschen Sauna vom Sitznachbarn ein elegantes „Entschuldigen Sie bitte, wir sind hier nicht in ihrem Schlafzimmer“ oder ein drängenderes „Macht das doch bitte zuhause!“ zu hören bekommt, ist in der sardischen Sauna relative Freiheit.

Paare, die sich in der Öffentlichkeit zurückhalten und über Nackte schimpfen, empfinden den Wellness-Bereich tendenziell als ihren Privatraum. Die Hand des Herrn liegt mindestens auf dem Bein der Fidanzata. Es wird Händchen gehalten, im schummrigen Dampfbad oder im Pool / piscina hängt man aufeinander.

Daran stört sich niemand. Auch nicht der Bademeister. Nur an Nacktheit. Ach so. Den Unterschied kann mir auch die Sardin, die sich eben noch furchtbar aufregte, nicht erklären. 

Letztlich ist auch das einfach eine Kulturfrage: Der Nordeuropäer ist nackt – bleibt aber auf Distanz. Der Italiener zieht sich was an – ist aber „touchy“.

Was uns eint: Am Ende bleiben doch alle brav, trinken Tee und schnarchen im Relaxraum / area relax.

Das vielleicht als weitere, kulturelle Randnotiz: Das (isotonische!) Sauna-Bier und den Prosecco suchte das schwarze Schaf überall vergebens. Tee (Tisana) und Wasser – basta.

Kommen wir nun zu dem, was Sardinien in Sachen Wellness besonders macht:

Natürliche Thermen auf Sardinien

Auf der Insel gibt es mehrere natürliche, warme Thermen.

Das liegt an der vulkanischen Vergangenheit. Zwar speit auf Sardinien kein einziger Krater mehr Feuer und Geysire gibt’s auch keine. Aber um Wasser zu wärmen, dafür reicht die Energie des Erdinneren aus.

Die bekanntesten natürlichen Thermen findest du in

  • Benetutti
  • Fordongianus
  • Sardara
  • Casteldoria

Die guckt sich das schwarze Schaf im Folgenden genauer an.

Der Vollständigkeit halber: Im sardischen Sprachgebrauch werden auch Quellen mit kaltem oder lauwarmen Mineralwasser als Thermen bezeichnet, zum Beispiel:

  • Rinagghju in Tempio Pausania – ganz hübsch in einem kleinen Park angelegt, das Wasser ist eigentlich den Einheimischen vorbehalten, aber es sagt keiner was, wenn du dir dort deine Flasche wieder auffüllst.
  • Die sieben Quellen von Leonardo di Siete Fuentes: das Wasser ist abgefüllt auch in einigen Supermärkten zu haben
  • Das Wasser der Quelle in Villasor kommt mit rund 25 Grad aus ca. 60 Metern Tiefe. S’Acqua Cotta / das gekochte Wasser (was ein etwas irreführender Name ist) wird gekühlt, in Flaschen abgefüllt und verkauft.
Es gibt viele Quellen auf Sardinien - in einige kannst du auch deine Füße halten und so entspannen
Es gibt viele Quellen auf Sardinien – in einige kannst du auch deine Füße halten und so entspannen

Tipp: Sardinien hat viele natürliche Quellen, und an quasi jeder kannst du dich mit optimalem Trinkwasser versorgen und so dem Plastikflaschenwahn etwas entgegensetzen. Der Mineralgehalt ist sehr unterschiedlich, probiere einfach, ob es dir schmeckt.

Die warmen Thermen sind unterschiedlich gut erschlossen, aber alle auf ihre Weise toll und einen Besuch wert.

Und bevor wieder einer fragt: Die Thermen sind ohne Ausnahme im Inselinneren. An der gesamten Küste Sardiniens gibt es keine warme Quelle. Schon gar nicht mit Strandzugang.

Schon wieder ein Argument für das Hinterland, verdammte Axt … 😉

Fordongianus: römische Thermen, Mini-Bäder und Wellness-Hotel

In dem gewachsenen, hübschen und gänzlich untouristischen Ort südlich des Stausees Lago Omodeo findest du ein paar der wenigen römischen Spuren auf Sardinien. Sie liegen am Fluss Tirso, quasi direkt im Ort.

Wer schonmal in Rom war, findet Fordongianus auf den ersten Blick vielleicht etwas … mickrig. Tatsächlich ist die Stätte weder groß noch in besonders gutem Zustand – und für Spontan-Besucher mit hässlichen Zäunen abgesperrt.

Römische Thermen an der Quelle "Sorgente de Caddas"
Römische Thermen an der Quelle „Sorgente de Caddas“

Die antiken Ruinen sind aber auch ohne drauf rumzudackeln, nett anzusehen. Blendet man also den Vergleich mit Rom aus, dann ist es durchaus angenehm in Fordongianus.

In Sachen Wellness ist der Ort jedenfalls weit vorn. Du hast zwei Möglichkeiten. Nein, sogar eigentlich drei:

Möglichkeit 1: Fußbad. Du hältst deine Füße in das flache Becken direkt außerhalb der Ruinen, in dem das warme Wasser der Quelle Is Caddas strömt. Das ist zwar nichts für totale Schlechtwetter- oder Regentage. Aber an sonnigen Wintertagen mit einem mitgebrachten Tee aus der Thermoskanne hat das durchaus was Entspannendes, wenn der Dampf in die kalte Luft aufsteigt.

2. Mini-Thermalbad: Du gehst ein Stück weiter in eine der römischen Thermen unten am Fluss, die Bagni Termali Is Bangius. In einem kleinen Gebäude sind drei Thermal-Bäder mit Kieselsteinen, das Wasser kommt direkt aus der Quelle. Du mietest für 5 Euro und 30 Minuten einen der Räume, die kalte Dusche kostet 1 Euro. Handtuch, Badekleidung, Badelatschen und Duschhaube sind obligatorisch und die bringst du dir am besten mit. Die Thermen sind generell ganzjährig geöffnet, nach Voranmeldung.

Preise und Öffnungszeiten der Bäder
Preise und Öffnungszeiten der Bäder

3. Wellness-Pfad: Du gehst als Wochenendgast in das Sardegna Grand Hotel Terme (Pakete gibt es auch im Winter, z. B. für San Valentino oder zum Karneval). Das Hotel-Ambiente ist eher schlicht-modern, aber, es ist renoviert, hat das Konzept ein bisschen auf Bio und Öko umgestellt – und es gibt quasi alles, was das Wellness-Herz begehrt: Finnische Sauna, Sauna „soft“, türkisches Bad, Schwimmbad, Kneipp-Becken – alles mit dem heilenden Thermalwasser – und ein schier endloses Angebot an Massagen, therapeutischen Anwendungen, sowie entspannenden und Beauty-Behandlungen. Man könnte sogar ein privates, exklusives Spa buchen. Das kostet natürlich ein bisschen mehr …

Über alles gibt auch die Seite www.forumtraiani.it Auskunft.

Sardara: Heilbad für die ältere Generation

Sardara ist ein schöner, gewachsener Ort. Das historische Zentrum hat den Namen wirklich verdient. Viele alte Häuser in antiker Bauweise, die größeren Höfe zeugen vom Reichtum des Medio Campidano, das schon immer das landwirtschaftliche Zentrum in Sardinien war. Entsprechend hoch waren auch die Erwartungen des schwarzen Schafs an die Thermen und Wellness-Einrichtungen.

Als es bei den Thermen ankommt, wirkt alles sehr aufgeräumt. Ein gepflegter Park mit Fitnesspfad und Spazierwegen, alte Steinmauern und eine hübsche Steinkirche empfangen den wolligen Besuch. Im Sommer finden hier auch Feste statt.

Kirche und Park an den Thermen sind ganz hübsch, Sardara selbst auch. Der Hotelbetrieb ist eher alt und zweckmässig.
Kirche und Park an den Thermen sind ganz hübsch, Sardara selbst auch.

Die antiken Thermen Santa Maria Acquas in Sardara sind als Heilwasser bekannt: Der Gehalt an Kalzium, Magnesium und Bikarbonat ist hoch, das Wasser ist frei von Bakterien, wirkt antiseptisch und hat eine Menge positiver Effekte auf die Gesundheit.

Leider sind die Thermen nicht öffentlich zugänglich. Mal schnell die Hufe ins warme Wasser halten, ist nicht. Das Schild, das dem schwarzen Schaf weismachen will, hier seien die römischen Thermen strahlt schon aus: »Ich bin alt. Nicht schön.«

Ja, wie jetzt?! Römische Thermen stellt man sich irgendwie anders vor ...
Ja, wie jetzt?! Römische Thermen stellt man sich irgendwie anders vor …

Das Hotel »Antiche Terme di Sardara« (Spa: www.anticheterme.it/de) versteht sich denn auch in erster Linie als Heilbad und schreibt „Wellness“ nur dazu, weil man das heute so macht.

Schon die Architektur ist nicht zeitgemäß, genau genommen ist es eine 60er-Jahre-Bausünde (zum Glück in dem Park und hinter Mauern so versteckt, dass man nicht direkt an der Auffahrt wieder umkehrt).

Das schwarze Schaf macht einen heimlichen Rundgang. Der Eingang ist ihm zu marmorlastig und barock. Das Mittagessen im Restaurant kommt über Mittelklasse-Hotelfutter-Niveau nicht hinaus und hat mit der guten Küche hier auf Sardinien nichts zu tun.

Das Thermalbad hat zwar einige nette Elemente, aber alles wirkt eher zweckmäßig. Und bei den Räumen für Massage, Schlammpackung & Co. hat das Schaf fast das Gefühl, es trabt durch eine Klinik. Da hilft auch eine wehrlos hingestellte Bambus-Pflanze nicht. Zu den Zimmern kann es nichts sagen, aber nach einschlägigen Bewertungsportalen kommen nur die Suiten gut weg: Mit Balkon zum hübschen Park und dem warmen Original-Quellwasser in den Duschen.

Kurz: Das schwarze Schaf ist nicht von den Socken.

Der Vorteil des Hotels: Das Antiche Terme ist in ganz Italien für seine medizinischen Behandlungen und Heilbäder bekannt. Wer gesund werden will, findet hier vielleicht seine ideale Anwendung. Zumindest von italienischen Ärzten werden die Behandlungen verschrieben.

Das ist gleichzeitig das Problem: Die Gäste sind hier durchweg krank und im Rentenalter.

Und leider haben italienische Rentner keinen Sinn für Ästhetik, Wellness oder Ruhe (und nebenbei gesagt, die Angestellten, die wirken wie Krankenhauspersonal auch nicht). Alle produzieren einen ziemlich beeindruckenden Geräuschpegel. Denn es sind vorwiegend alte Frauen, so ab 60, 65 aufwärts. Und die quatschen. Nirgendwo ist es still. Sogar aus einem Massageraum tönt es. Man redet immer. Gern mal über Familienprobleme und Politik. Am allerliebsten aber über Krankheiten.

Die Heilung sei ihnen gegönnt. Aber das ist nichts für das ästhetische, entspannungssuchende Wolltier. Von Ambiente über die Menschen bis zu den Themen ist das alles hier nicht wirklich schön … ich muss weg.

Auf Entspannungssuche in Sardara …

Die modernere Alternative am Platz ist das Sardegna Termale Hotel&SPA. Das SPA umfasst ein türkisches Bad, eine Saline / Stanza del Sale, eine finnische Sauna, einen Ruhebereich mit Teeküche / Tisaneria und freiem Zugang zum mit dem heilenden Thermalwasser gefüllten Schwimmbad / piscina.

Das Ambiente ist auf den ersten Blick in etwa wie im all-inclusive-Urlaub, aber immerhin nicht alt und wir sehen ein gut durchmischtes Publikum.

Eine Freundin schwört zudem auf die Schönheitsbehandlungen im Sardegna Termale. Und sie ist wirklich sehr hübsch, vielleicht bringt es also echt was. Von Anti Aging über Entwässerungs-Massagen bis zu orientalischen Watsu- oder Ayurveda-Massagen sei alles sehr professionell. Und auch das Ambiente sei schöner als in dem »Nonna (=Oma) Hotel« nebenan.

Das Schaf findet es eher »normal-hotellig«. Aber die Zimmer haben immerhin ein paar landestypische Elemente und man kann hier bestimmt ein paar nette Stunden oder ein Wochenende verbringen.

Und in Cagliari und Oristano ist man dank Schnellstraße in unter einer Stunde – also eigentlich auch ein guter Punkt für einen längeren Aufenthalt (wobei das Schaf in der Region viele schöne Alternativen für einen entspannten Urlaub kennt, zum Beispiel das Domu Antiga in Gergei).

Jetzt aber geht es wieder nach Norden, zum schwarzschafigen Highlight:

San Saturnino, Benetutti: Natur pur!

Tutto bene in Benetutti! 😉 Die Thermen von Benetutti sind ein kleiner Geheimtipp, denn sie sind frei zugänglich und wirklich etwas Besonderes.

Ein bisschen hat das schwarze Schaf Sorge, dass es gerade viel zu viel verrät. Andererseits sind die Bäder ziemlich weit ab vom Schuss, man braucht eine gute Schnüffelnase, um sie zu finden. Und so ganz ohne Infrastruktur sind sie sicher auch nicht jedermanns Sache.

In der Landschaft bei Benetutti und Bultei sollen sich bis zu 100 warme Quellen befinden. Viele davon auf Privatgrundstücken und Feldern. Die Glücklichen, die so ein Stück Land besitzen! Die meisten Quellen sind natürlich … privat und hinter Zäunen. Die Einheimischen wissen, wo Besucher willkommen sind und in welchen man auch ein Bad nehmen kann.

Die superschöne Landschaft bei Benetutti und Bultei, mit vielen warmen Quellen.

Wir sind also relativ sicher, dass es nicht zu einem Massenansturm kommen wird. Und wenn, dann wären ein paar Besucher im Ort sogar wünschenswert. Früher, als die Reisenden noch nicht an die Küsten drängten, war in Benetutti richtig was los.

Heute ist der Ort der Inbegriff des verschlafenen Nests, in dem man quasi alles suchen muss. Wir finden mit Mühe eine geöffnete Bar, die uns zum Mittag zwei Burger zaubert, bevor wir uns auf die Suche nach den Thermen machen.

Zuvor hält uns auch noch die Suche nach den domus de janas irgendwo auf einem Feld auf. Darin, gleich unterhalb der wunderschönen Gravuren liegt ein toter, angenagter, stinkender Fuchs. Besucher erwartet hier niemand.

Das ehemalige Bad von San Saturnino ist geschlossen. Und es sieht nicht so aus, als würde es demnächst mal wieder öffnen.

Das war früher mal eine Therme …

Auch das Hotel Terme Aurora sieht reichlich verlassen aus. Typisch Februar. Aber wann will man denn arbeiten, wenn nicht heute? Die Antwort ist einfach: In der ganz normalen Saison. Denn es geht hier nicht um Sauna oder Wellness im Kuschelbademantel.

Das Haus in klassischem Hotelschick ist definitiv kein Wellness-Hotel. Merkt man schon daran, dass es auch Tages-Krankenhausgäste aufnimmt. Heilanwendungen. Basta. Es sieht auch so aus, als hätten es die besten Zeiten schon weit, weit hinter sich gelassen.

Aber wir wollen ja eh zu den beiden natürlichen und freien Becken von San Saturnino. Sie befinden sich außerhalb des Ortes.

Das erste Thermalbecken liegt mitten in der schönen, aber wegen starker Regenfälle gerade etwas matschigen Landschaft Benetuttis. Die Autos am Straßenrand markieren den Feldweg, auf dem man zu ihnen gelangt. Sagen aber auch: Das Becken ist an diesem Sonntag bereits gut besucht.

Wir fahren zur zweiten Quelle, nahe einer kleinen Kirche – die übrigens auf den Resten eines Nuraghen gebaut wurde. Der wiederum wurde – wie viele Nuraghen – über einer Wasserquelle errichtet. Die hier ist aber warm. Leider können wir diese Besonderheit heute nicht ansehen – der Eingang ist verschlossen. Unfassbar, wie viele Schätze auf Sardinien hinter Zäunen versteckt sind …

Versteckt ist auch das zweite Thermalbecken. Das findet wirklich niemand, der es nicht kennt. Es befindet sich nämlich in einem alten Stall ohne Dach, auf einer Schafweide. Und ja, ein paar Schafe laufen da auch herum. Auch hier ist der Boden einigermaßen nass.

Das Becken ist noch besetzt. Erkennbar daran, dass schon die nächsten auf einem dicken Stein vorm Haus sitzen und warten.

Unter den Einheimischen hat sich eine Verweildauer in dem Becken von 20 Minuten etabliert. Das reicht dicke aus: Viel länger kann man eh nicht im Wasser liegen – die 34 Grad lassen sich gut aushalten, aber nicht auf Dauer.

Wir dackeln ein wenig durch die Landschaft und während wir warten, sehen wir auf der Wiese einige Jungs aus dem Ort, die Gitarre spielen. Klampfe statt indischer Klänge. Auch nett.

Früher, als die Römer die Thermen entdeckten, sollen es insgesamt 110 warme Quellen zwischen den Orten Bultei und Benetutti gewesen sein. Sie werden auch Aquae Laesitanae genannt, nach der mittlerweile verschwundenen Römersiedlung Lesa. Im lokalen, sardischen Dialekt nennt man sie: Su anzu / das Bad. 

Nach einer halben Stunde sind wir dran. Für den kontinentalen Saunagänger ist das, was jetzt kommt, gewöhnungsbedürftig.

Klein und naturbelassen: zu zweit, mit einem Prosecco in der Hand, ein Träumchen

Du stehst auf nacktem Sandboden, da sind drei an die Wand gepinnte Hufeisen, um die Klamotten aufzuhängen, eine kleine Treppe aus Granitsteinen führt hinunter in das Becken – fertig.

Infrastruktur? Keine. Alles was du brauchst, musst du mitbringen. Mein Begleiter ist ein alter Hase und kommt jährlich hierher. Also hat er alles dabei: Große Kuschelhandtücher, eine kleine Plastikmatte, damit wir nicht auf dem Sandboden stehen müssen, ein Schmuddelhandtuch für die Füße, weil die trotzdem immer dreckig werden, und einen Piccolo aus dem Supermarkt – die 20 Minuten reichen genau, damit jeder ein Glas schlürft. Die vor uns kamen mit zwei Ichnusa-Flaschen raus. Das scheint auch zu passen.

Das Becken wird übrigens weder gereinigt oder desinfiziert (in der Sauna hingegen dackeln die Sarden alle Nas lang zum Fußdesinfizierhahn).

Ich lasse mir das erklären: Das Wasser ist in ständigem Austausch – es fliesst stetig nach, du sitzt ja auf der Quelle – und fliesst auch recht schnell ab. Die Mischung aus Schwefel, Brom und noch irgendwas soll auch desinfizierend sein. Ach ja, wegen des Schwefelgehalts müffelt es auch ein klein wenig. Der Preis der Natürlichkeit.

Apropos Natürlichkeit: In Benetutti ist plötzlich kein Problem, sich im Adamskostüm in das Becken zu legen. Man ist ja unter sich. Aha.

Wir sind bald durchgeweicht und -gewärmt und huschen schnell aus dem Wasser.

Casteldoria

Dann war da noch die Idee für ein Wellness-Wochenende in Casteldoria, Santa Maria Coghinas, in Nordsardinien.

Tolle Lage am Fluss mit warmen Heilquellen: Terme di Casteldoria

Das Hotel Terme di Casteldoria liegt in wunderschöner Landschaft – hatte vor der Renovierung aber leider keinen guten Ruf. Danach hat das Schaf kein Glück: entweder geschlossen oder keine freien Plätze für Tagesgäste mehr. Der Wellness-Bereich wird in diesem Jahr (Anfang 2019) grundlegend renoviert und öffnet erst wieder im Frühling.

Mal sehen, ob sich dann auch am Konzept was ändert, denn bisher ist man auf Heilanwendungen ausgerichtet, dazu gibt es Sauna, Dampfbad und Dusche mit dem heilenden Thermalwasser.

Immerhin, unten am Fluss Coghinas, aber auf dem Hotelgelände gibt es eine Bademöglichkeit an einer frei zugänglichen, warmen Quelle – allerdings ist der Zugang nicht offensichtlich. Das Schaf hat ihn leider nicht gefunden. Wer ihn kennt, kann ihn ja in den Kommentaren verraten 🙂

Wellness auf Sardinien: schaferprobte Adressen

1 Comment

  1. Hannes & Sonja Mühleisen

    6. Februar 2019 at 10:31

    Hallo Pecora-Nera,
    also wir waren im Oktober auf der Suche nach den von Dir so hochgelobten „Thermen“ bei San Saturnino, Benetutti und haben sie einfach nicht gefunden…
    Alles was Du beschreibst haben wir auch genauso gesehen und erfahren – da ist absolut nichts los. WIr konnten nichtmal jemanden fragen, selbst die beiden „Kurhotels“ waren wie ausgestorben.
    Vielleicht magst Du uns ja die genauen Koordinaten von dem zweiten Becken zumailen, damit wir es bei unserem nächsten Besuch auf Sardinien finden können 🙂
    Wie auch immer: wir sind seit Jahren große Fans des schwarzen Schafs – mach weiter so!

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.