Unser liebstes Anliegen ist ja das neugierige und respektvolle Reisen. Das Schaf steht dafür, nicht als Tourist in ein Land einzufallen, sondern es als Reisender zu entdecken. Herauszufinden, welche Menschen hier leben, welche Kultur sie haben und was den Gast erwartet. Und so zum “Liebhaber” und nicht zum “Benutzer” der Insel zu werden.

Dafür ist Verständnis für Land und Leute ganz wichtig. Wir haben hier ein paar ganz einfache Dinge zusammengetragen. Unvollständig natürlich, und insbesondere solche, die dem reisenden Teutonen helfen, zu verstehen warum hier manches anders ist als zuhause – oder als erwartet.

Ja, vielleicht geht es einfach um Erwartungen. Die hängen ja auch mit den eigenen Art, Urlaub zu machen und sich vorzubereiten, zusammen. Wie sehr will ich in das Land eintauchen? Will ich mich überraschen lassen und die Insel vorurteilsfrei entdecken? Wie flexibel bin ich, wenn es anders ist, als ich es gewohnt bin?

... für viele Straßen brauchst du Zeit

… für viele Straßen brauchst du Zeit

Das schwarze Schaf mag ja alles, was anders ist. Das ist ja nicht schlechter oder besser, sondern einfach so wie es ist. Beginnen wir mal ganz einfach, mit eher “technischen” Besonderheiten der Insel.

Denn es sind ja manchmal die ganz normalen Dinge und Kleinigkeiten, die einen zum Nachdenken bringen.

Respekt und Verstehen

Reisen erfordert Respekt vor der Landeskultur und ein gewisses Verständnis der Gegebenheiten vor Ort. Und die Bereitschaft, sich auf die Besonderheiten einzulassen.

  1. Sardinien ist wirklich groß. Wer das nicht glaubt, kann ja mal unsere Reisetipps für Rundreisen ausprobieren … Für unsere letzte serpentinenhaltige Strada Provinciale im Landesinneren mit 70 Kilometern brauchten wir knapp zwei Stunden. Selbst, um über die Schnellstraße von Nord nach Süd zu gelangen (Olbia > Cagliari sind rund 275 km), sind in etwa vier Stunden einzuplanen. Die Straße ist hier und da sehr kurvig, phasenweise im schlechten Zustand, und wird ständig ausgebessert. Übrigens, auch wenn sie aussieht wie eine Autobahn: sie ist eine Strada Statale di seconda categoria, erlaubt sind auf dem Großteil der Strecke daher nur 90 km/h – eine durchaus adäquate Geschwindigkeit. Nicht zuletzt, weil Sardinien so groß ist, bleiben viele Sarden auch in ihren Dörfern. Auch, weil sie tief verwurzelt sind, aber eine Reise auf der Insel nimmt schlicht sehr viel Zeit in Anspruch. Aber wir meinen: Alles gut so! Entschleunigung heißt das Zauberwort. Entfernungen überwinden ist eine wunderbare Methode, um all den Alltagsstress loszuwerden. Also, auf geht’s!
  2. Gennargentu - das Dach der Insel

    Gennargentu – das Dach der Insel

    Sardinien ist bergig. Die Insel ist in ihrem Inneren so gebirgig, dass man manchmal vergisst oder gar nicht mehr glaubt, dass da ein Meer ist. Der höchste Berg der Insel ist mit 1.834 Metern der Punta La Marmora, gehörend zum “Dach der Insel”, dem Gennargentu. Entlang der bergigen Ostküste wartet auch der Supramonte mit mehreren bis zu 1.400 Meter hohen Gipfeln auf. Sogar im eigentlich relativ flachen Norden erhebt sich der Punta Balistreri des Monte Limbara auf 1363 Meter.

  3. Auf Sardinien kann man Skifahren. Als logische Konsequenz von 2. – denn wo Berge sind, fällt Schnee. Manchmal sogar bis in die Niederungen (hier ein paar Beweisfotos). Nicht ganzjährig, im Sommer sind die Berge schneefrei. Die höchste Schneechance ist im Februar. Auf dem Bruncu Spina gibt es eine Skistation auf 1820 Metern und einige kleine Skipisten. Die Infrastruktur ist für ein paar Wochen im Jahr nicht gerade üppig, aber der Spaß am Sport mit Freunden ist hier alles. Und hier lernt man richtig nette Leute kennen, auch ohne Hüttengaudi. Anschluss findet man spätestens in den nahegelegenen Orten, Desulo, Belvi, Aritzo, Fonni … Hier geht es zur Webseite bruncuspina.com und zur Schneevorhersage.
  4. Was? ... wir sind nicht in Italien?!

    Was? … wir sind nicht in Italien?!

    Sardinien ist vielseitig. Wer schafft, aus seinem ausgesuchten Urlaubsort mal die Insel zu erkunden, wird schon nach zwanzig, dreißig Kilometern feststellen, dass sich die Landschaft verändert. Die nördliche Gallura an der Küste sieht anders aus als die im Hinterland, und ist erst recht nicht zu vergleichen mit der Ogliastra oder gar dem Iglesiente. Verwunschene Wälder, samtweiche Strände, steppenartige Landschaften, Felsenmeere, Kraxelberge – all das wechselt sich stets miteinander ab, so dass man kaum hinterher kommt, das alles zu erfassen. Aber nicht nur die Landschaft wechselt – auch die Menschen unterscheiden sich von Dorf zu Dorf.

  5. Sarden sind sehr gastfreundlich. Das heißt nicht, dass sie jedem alles schenken, und jeden zu einem Abendessen oder einer privaten Weinprobe in ihren Keller einladen (obwohl das durchaus nicht selten passiert). Übrigens, in der Nebensaison und im Landesinneren grüßt man durchaus Menschen, die einem auf der Straße begegnen. Das ist nicht nur nett, sondern öffnet auch Türen. Wir empfehlen dringend, nicht an den Sarden “vorbei zu urlauben”, sondern den Kontakt zu suchen. Einfach mal anhalten, einen Kaffee oder Vino in der örtlichen Bar trinken und dann werdet Ihr schon warm. Denn die Gastfreundschaft der Sarden ist sprichwörtlich, das stellt mehr oder weniger jeder fest, der sich aus den Urlaubszäunen heraus wagt und sich ihnen nähert.
  6. Sardinien ist nicht Italien. Also ja, doch. Es gehört politisch zu Italien und die Amtssprache ist Italienisch. Aber sonst hat das Selbstverständnis der meisten wenig vom Festland-Italien. Die Insel ist autonome Region, und in ihrer Selbstwahrnehmung mehr als das: Sardinien ist Heimatland, sie ist eigenständig und vor allem ideell unabhängig. Das ist den Menschen hier heute wichtig. Die sardische Aktionspartei forderte erst im Oktober 2012 wieder im sardischen Parlament die Unabhänigkeit von Italien – ob das schlau oder nicht so klug ist, sei hier nicht diskutiert. Aber 2013 ist das Thema Freihandelszone ganz weit vorn – ein weiterer Ausdruck des sardischen Selbsbewusstseins. Und tatsächlich hat es mit Rom & Co. nur so viel gemein, als dass es ein Beweis für die Vielfalt Italiens ist. Aber keine Sorge: Vino, Pizza, Caffè und Dolce Vita gibt’s hier auch!
  7. Schafe!

    Schafe!

    Sardisch ist eine Sprache. Nein, man tauscht nicht im Italienischen einfach alle O gegen U und schon hat man Sardisch. Sardisch (“sa limba sarda”) ist eine der ältesten neoromanischen Sprachen unseres Kontinents und kein Dialekt. Sie ist nah am Latein, und sie gibt es gleich in mehreren Varianten, mehr dazu in unserem Artikel. Sardisch lernen muss man nicht unbedingt, denn das ist echt schwer, allein wegen der Varianten. Aber ein paar Worte Sardisch, und Minimun einige grundlegende Sätze Italienisch – das wär schon ein netter Zug, allem voran, um sich gegenseitig anzunähern.

  8. Auf der Insel leben mehr Schafe als Menschen. Stimmt, auch wenn die Zahl der Schäfer und ihrer Herden leider rückläufig ist. Menschliche Einwohner hat die Insel 1.674.927 (Quelle: ISTAT, 31. Dez. 2011), die gezählten Schafe auf der Insel gibt die gleiche Quelle mit 3.414.194 an. Die ARA Sardegna (Zuchtverband auf Sardinien) schätzt hingegen 4,9 Millionen Wolltiere. Das heißt: Die begegnen einem auch mal auf den Straßen, bevorzugt morgens und nachmittags – also Fuß vom Gas – und beim Umherstreifen. Wir plädieren für Rücksicht auch auf die wolligen Bewohner.
  9. Costa Smeralda im Winter

    Costa Smeralda im Winter

    Sardinien hat nicht nur Sonne. Tatsächlich, es gibt Dauerregen und richtig kalte Tage – und zwar nicht zu knapp. Ostern regnet’s eigentlich immer. Sogar im bevorzugten Reisemonat Mai gibt es Wetterlagen, bei denen die Temperaturen tief fallen und starke nord-/nordwestliche Wind kalte Atlantik- und Polarluft heranschleppen. Weht der Scirocco aus Südost, lässt er oft die Feuchtigkeit, die er über dem Meer aufgenommen hat, als Niederschlag auf der Insel nieder. Von November bis Februar fällt im Flachland oft intensiver Regen, der Schotterstraßen ausschwemmt und unpassierbar macht.

  10. Sardinien ist gefährlich auf den Straßen. Früher waren es Banditen, heute sind es Straßenrowdies, die eine einfache Ausflugstour zuweilen gefährlich machen. Würde jeder auf seiner Spur bleiben, das Tempo auf den Serpentinen und Provinzstraßen drosseln und in Kurven nicht überholen, gäbe es sicher einige Unfälle weniger. Die Serpentinen lassen keine hohen Geschwindigkeiten zu, und die Straßenzustände  sind auch nicht immer die besten. Eigentlich könnt Ihr auf jeder Straße mit Schlaglöchern rechnen. Am besten: nicht drüber ärgern, sondern Fuß vom Gas und im Gondelmodus sicher ankommen. Dauert halt etwas länger, ist aber auch schöner!
  11. Müll an der SS 125

    Müll an der SS 125

    Auf Sardinien gibt es ausgesprochen hässliche Plätze. Sardinien hat ein Müllproblem, das nicht zu ignorieren und nicht wegzudiskutieren ist. Dabei nehmen sich Sarden und Touristen nicht viel – die einen produzieren Müllstreifen an den Landstraßen von Sachen, die aus den Autos geworfen werden, die anderen bauen Müllberge an Parkplätzen und Seitenstraßen. Manch abgestelltes Schrottauto kann ja sogar ein schönes Fotomotiv sein, aber die Mentalität von “Ich werf das mal da hin” und auch giftige Dinge in der freien Natur zu entsorgen, bringt das schwarze Schaf auf die Palme. Der Gipfel ist militärischer Uranmüll in der Quirra, siehe auch diesen Beitrag der ZDF-Mediathek.

  12. Auf Sardinien erzählt man sich alles. Während der Teutone einen angeborenen Drang besitzt, alles ordentlich zu beschildern und öffentlich in Plänen für Jedermann auszuhängen, verlässt sich der Sarde auf das, was man ihm erzählt. Die gesamte sardische Kultur der Nuraghenzeit ist weitgehend ohne Schrift ausgekommen und bis heute von Mund an Ohr, von Generation zu Generation übermittelt worden. Das drückt sich im Alltag aus: Man weiß, wann und wo welcher Bus fährt – das haben einem die Eltern gesagt. Man weiß, wo der Weg durch die Berge entlangführt – da ist ja der Großvater schon lang gegangen und hat davon erzählt. Man weiß, wo Quellen sind – da holte schon die Nonna früher das Wasser. Also muss man es auch nicht aufschreiben oder beschildern. Wenn ein Sarde etwas nicht weiß, wird es ihm irgendjemand schon erzählen. Oder es ist nicht wichtig. Sucht der Deutsche also ein Schild, das er zwar erwartet, aber das nicht da ist, hilft nur eins: Fragen! (Ja, auch die Herren) … Wenn da einer ist, dann fragt ihn bloß – denn Sardinien kann auch sehr einsam sein, und vielleicht ist es vorerst der letzte Mensch, den Ihr vor Eurem Ziel seht.
  13. Stolzer Sarde - schon als Bambino

    Stolzer Sarde – schon als Bambino

    Sarden sind stolz. L’orgoglio, der Stolz, ist ihnen in das Herz eingebrannt. Jedes sardische Gesicht strahlt diese innere aufrechte Haltung aus, selbst wenn sie hundertjährig gebeugt gehen. Der ein oder andere hat deswegen im Moment vielleicht ein leicht gespaltenes Verhältnis zu uns Deutschen. Unsere eigene “Wir-regulieren-Europa”-Politik ist nicht überall in Italien, und so auch nicht auf Sardinien, gut angesehen. Wir meinen: Flucht nach vorn und in diesem Urlaub besonders zuvorkommend und respektvoll sein. Dankbar sein, als Gast beherbergt zu werden (und nicht, weil man Geld dafür zahlt, alles als selbstverständlich nehmen). Freundlichkeit und aufrichtiges Interesse an den Sarden sind Garanten für einen schönen Urlaub.

In diesem Sinne wünscht das schwarze Schaf allen Reisenden einen wunderschönen Urlaub!

 

 

3 Comments

  1. sigrid

    8. April 2013 at 15:22

    complimenti!
    du hast mir aus der seele geschrieben, dies scharzes schaf- nur ich hätt es nicht so schön formulieren können. grazie für diesen ausführlichen bericht über “die sarden und “das sardinien” .
    werde ich gleich verlinken 🙂
    lieben gruß aus bremen,
    wo es, auch wenn man das mometan denken könnte, nicht für immer kalt und grau bleiben wird 😉
    sigrid

    Reply
  2. Annemarie Angerer

    13. März 2017 at 21:16

    Da geht mein Herz auf !!
    War schon 6 mal auf Sardinien. Bin immer wieder beehgeistert von Land und seinen stolzen Leuten!!!
    Deine Seite ist toll .Man spürt deine Liebe zur Insel.Ich glaube wir haben den gleichen Geschmack denn deine
    Hotel,Gastronomie und Plätzetips sind genau die welche auch meine Liebe zu Sardinien geweckt haben.
    Deshalb muß ich auch unbeehdingt dein Reisebuch Sa Sardigna haben. Natürlich schon beehstellt !
    A´ beehsonders herzlich`s SALVE aus Tirol !

    Reply
    • nicole

      17. März 2017 at 13:24

      Lieben Dank! Dann hoffe ich, dass im Buch auch noch ein paar neue Dinge für dich als erfahrene Reisende stehen … es ist jedenfalls schon unterwegs – mal sehen, wie schnell der reitende Bote ist 😉

      Reply

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