Es ist wieder so weit! Das Festival IT.A.CÀ für verantwortungsvollen Tourismus kehrt in die Ogliastra zurück – vom 12.–20. September 2026. In diesem Jahr unter dem Motto „geografie di pace“, direkt übersetzt mit „Geografien des Friedens“.

Das lässt natürlich sehr viel Interpretationsspielraum und das ist auch gut so.

IT.A.CÀ 2026 – Geografie des Friedens – Visuelles Konzept & Artwork: Paola Selene Fiorino
Visuelles Konzept & Kl-generiertes Artwork: Paola Selene Fiorino

Wie in jedem Jahr ist das Motto bewusst weit gefasst. Ein wenig erhellt der Untertitel den Gedanken dahinter: Mobilità/rsi attraverso confini e culture.

Das italienische Wortspiel aus Beweglichkeit und Sich-Bewegen meint wohl ein „beweglich sein und bleiben“, und den zweiten Teil würde ich mit „grenz- und kulturüberschreitend“ übersetzen. Also nähere ich mich vorsichtig der Idee mit:

IT.A.CÀ – Motto 2026: Geografien des Friedens: grenz- und kulturüberschreitend beweglich sein und bleiben

Das gefällt dem schwarzen Schaf schonmal gut – und passt wieder einmal genau in die Zeit.

Daher – bevor es unten das Programm vorstellt – noch ein paar Gedanken zum Motto.

Sardinien – Woanders-Sein

Wenn man das Motto beginnt, aus dem Blickwinkel eines Reisenden zu untersuchen (denn das Festival hat ja einen touristischen Zusammenhang) kann man sich dem ganz gut nähern.

Wir sind alle in Bewegung. Wir bewegen uns von Zuhause weg – und sind woanders.

Wir kommen für einen schönen Urlaub nach Sardinien – wir bewegen uns zu ihr hin. Manche wollen bleiben – ob aus temporärer Begeisterung, für den Ruhestand oder mit dem Wunsch nach einem „besseren Leben“.

Speziell auf Sardinien lässt das Motto auch Raum für ein ernstes Phänomen: die Land- und Inselflucht. Denn auch die Sarden bewegen sich – und das, obwohl wir es auf ihrer Insel so großartig finden.

Such Dir ein echtes sardisches Dorf, mit echten Einwohnern; hier: Talana
Talana von oben – ein kleines, sardisches Dorf, weit abseits des touristischen Trubels, aber mit enormen Schätzen

Auch sie suchen ein „besseres Leben“. Vielleicht aus anderen Gründen als wir. Und vielleicht haben wir beide andere Gründe als Menschen, die in dieser Hoffnung halbe Kontinente überwinden.

Vor allem junge, gut ausgebildete Sarden verlassen ihre geliebte Insel – in aller Regel für den Job. Viele kommen (und kamen) auch nach Deutschland. Manche auch nur für ein Studium – was ich gut, richtig und wichtig finde. Lasst sie gehen. Allein zur Horizonterweiterung und für die Persönlichkeitsentwicklung. Viele kommen zurück. Und viele bleiben.

Allein die Zukunftsperspektiven müssen stimmen.

Wenn wir uns also in das jeweils andere Land bewegen und uns gegenseitig um unser Herkunftsland beneiden – liegt dann im Umkehrschluss nicht nah, dass beide das Potenzial für ein gutes wie schlechtes Leben haben?

Umgebung von Villagrande Strisaili
Träumchen: die Umgebung von Villagrande Strisaili

Um diese Diskrepanz aufzulösen, hilft es glaube ich, nicht nur örtlich, sondern auch geistig beweglich zu bleiben.

Wenn wir lernen, Veränderungen und andere Realitäten anzuerkennen, können wir damit arbeiten.

Als Reisende oder Touristen haben wir auf Sardinien aber auch noch ein anderes Thema: Wir müssten uns konsequent von den Küsten und aus den Feriendörfern wegbewegen, damit das Inselinnere irgendetwas von der Wertschöpfung des Tourismus hat. Gefühlt wird es immer schlimmer: Die Küsten platzen aus allen Nähten und das Inselinnere stirbt aus.

Dabei ist – und das schwarze Schaf wird seit Jahren nicht müde, das zu sagen – das wirklich wahre Sardinien im Inselinneren und in den kleinen, unbekannten Dörfern, in kleinen passionierten Landwirtschafts- und Handwerksbetrieben, im Hirtentum und bei einheimischen Gastgebern, Künstlern, Kulturvereinen und überhaupt bei den Menschen zu suchen!

Was können wir also tun?

Seui – ein weit, weit abgelegenes, aber spannendes kleines Dorf!

Die Schätze der kleinen Orte kennen- und schätzen lernen! Die Leute hier kennenlernen. Sich eben offen und ohne kulturelle oder echte Grenzen zu scheuen, aufeinander zu zu bewegen. (Wenn ihr mögt, lest meine persönlichen, aktuellen Gedanken dazu am Ende des Artikels.)

Das IT.A.CÀ-Festival ein Angebot für bewusst Reisende, abseits des üblichen Strandangebots.

Die Ogliastra-Etappe 2025

Wir bringen Menschen nach Seui, Talana, Lotzorai, Lanusei und Villagrande Strisaili! Aus organisatorischen Gründen auch nach Tortolì. Und da sind ja bekanntlich um diese Jahreszeit viele Menschen – vielleicht auch auf der Suche nach Abwechslung vom Strandurlaub.

Wenn ihr es nicht zum Festival schaffen solltet, besucht die Orte doch trotzdem – eben dann, wenn du da bist. Oder virtuell, zusammen mit dem schwarzen Schaf. Das „Woanders-Sein“ lohnt sich immer auf Sardinien!

Save the dates… Programm der Etappe 2026 in der Ogliastra

Tage und Orte und Themen des Tages

  • Sa. 12.09.2026 – Seui – Auftakt, Eröffnungskonferenz Legenden und Magie auf Sardinien – „Schnitzeljagd“ im Zentrum; Villagrande Strisaili – Kanufahren* auf dem Stausee (auch am Sonntag)
  • So. 13.09.2026 – Tortolì – Vom Getreide zur Pasta – Verkostung lokaler Produkte
  • Mo. 14.09.2026 – Talana – Trekking, Lunch, Weinlese
  • Mi. 16.09.2026 – Lanusei – Sardische Küche, Culurgiones-Workshop
  • Fr. 18.09.2026 – Villagrande Strisaili – Kanufahren; Agriturismo: Ernährung in der Blue Zone
  • Sa. 19.09.2026 – Villagrande Strisaili – Besuch Domus de Janas und Gigantengräber
  • So. 20.09.2026 – Lotzorai – Domus de Janas; Olivenöl-Verkostung

(*) Kanufahrten auf dem Stausee werden an beiden Wochenenden angeboten.

Kurzprogramm (PDF in deutscher Sprache):

Detailprogramm (PDF in italienischer Sprache):

Für aktuelle Infos schaut gern auf den Social Media Kanälen von Ogliastra Green:

Meine persönlichen Gedanken zum Festival

Jeder Mensch bringt seine eigene Interpretation und Situation mit. Für mich hat das eingangs beschriebene Motto eine ganz aktuelle, gesellschaftspolitische Dimension, weit über die Inselgrenzen hinaus.

Während Nationen und Regionen sich abkapseln, sich auf nationale Grenzen zurückziehen, kulturelle Unterschiede nicht mehr begrüßen und schon gar nicht überwinden möchten, wünsche ich mir eine andere Welt, in der wir genau das schaffen: Einander eben nicht mehr die Köppe einzuschlagen (gilt für beide Seiten) und hinter unserem Gegenüber nicht mehr das Böse oder hiner allem Unbekannten sofort eine Verschwörung wittern.

Wir als Bewohner unseres Planeten sind letztlich alle „Migranten“ – von Zugvögeln bis zu Steppentieren. Von Hirten beim Weidewechsel über Klimaflüchtlinge bis zu Menschen, die einfach Lust auf ein anderes Leben haben.

Gleichzeitig geopolitische und wirtschaftliche Interessen über dem Wohl der Natur und der Menschen stehen und die gesunden Grenzen unserer selbst und unseres Planeten sprengen.

Mir gefällt sehr, dass das italienweit stattfindende Festival damit auch den nationalistischen und territorialen Tendenzen im eigenen Land etwas entgegensetzt. 

Auch wir in Deutschland haben gerade akut mit der Frage zu tun, ob sich Geschichte wiederholt. Und vielleicht kann dieses kleine Festival ein Gedankenanstoß sein.

Ich möchte in keiner Welt leben, in dem sich Grenzen wieder schließen und neu gezogen werden sollen. In der sich eigentlich schonmal geklärte Fortschritte in Bezug auf das menschliche Miteinander wieder verflüchtigen und gut zueinander sein plötzlich „woke“ ist – und das, wohlgemerkt, in einem christlichen Kulturkreis, der eigentlich das „lieb sein“ als unumstößlichen Wert vor sich her tragen sollte.

Last but not least: Stellen wir uns vor, die Wirtschaftskraft von frauengeführten Betrieben würde (zugunsten einer höheren Geburtenrate) wegen irgendwelcher antiquierter Frauenbilder unterbunden. Niedrige Geburtenraten und eine älter werdende Gesellschaft ist ein Problem, bei dem wir gefühlt seit Ewigkeiten zuschauen. Das lösen wir akut auch nicht, indem wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zurückdrehen und kategorisch Frauen zum Möglichst-viele-Kinder-gebären, Schule-ersetzen und zur unbezahlten Care-Arbeit einteilen.

Kleines Beispiel aus dem letzten Jahr: Bei der Etappe 2025 hatte ich das Vergnügen, Stefania von der Tenuta Maggese kennenzulernen.

Sie hat den Familienbetrieb quasi auf links gedreht, sich naturbezogene Urlaubsangebote überlegt, baut Hülsenfrüchte an, macht Pasta und pflanzt Bäume, um Bodenerosion, Denaturierung und Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Daneben kümmert sie sich um ihre Kinder und ihr persönliches Glück.

Stefania ist die junge Chefin der Tenute Maggese – einem nachhaltigen Prinzipien folgenden Betrieb.

Stefania (siehe oben) bewegt sich und andere, auf ganz vielen Ebenen, die die Probleme wirklich angehen. Ich hoffe, sie bekommt möglichst viel Unterstützung, Gäste und Kunden. Verdient hat sie den persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg auf jeden Fall!

Ich plane, mit ihr in einem anderen Projekt im nächsten Jahr zusammenzuarbeiten. Hoffe, das klappt so wie ich mir das vorstelle.

Viele Frauen auf Sardinien haben sehr viel Power und tragen erheblich dazu bei, gerade in den kleinen Orten die Wirtschaft und das Angebot lebendig zu erhalten.

Ich möchte jedenfalls nicht in unserem eigenen kulturellen Saft genesen – sondern das Reisen und das „Woanders-Sein“ weiter genießen können. Immer und weiter verantwortungsbewusst für andere Menschen, andere Realitäten und respektvoll gegenüber der Natur, so vorsichtig wie möglich.

Was meint ihr, geht das – ein gutes, friedliches und offenes Miteinander – ob hier oder „woanders“? 🤗

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