Weinanbau ist Männersache? Von wegen! Die Cantina EMINAS (www.eminas.it) in Mamoiada zeigt den männlichen Winzern, wer die Hosen an hat. Und dass eine weibliche, natürliche Herangehensweise in diesem Metier durchaus unternehmerischen Erfolg haben kann.

Der Name »Eminas« stammt vom sardischen »feminas« – was sinnigerweise »Frauen« bedeutet. So heißt die Cantina, so heißt auch der kräftige Cannonau, den sie anbauen.

Der Weinanbau in Mamoiada hat jetzt eine weibliche Seite

Der Weinanbau in Mamoiada hat jetzt eine weibliche Seite

Der Cannonau ist dabei nicht weniger als das enologische Markenzeichen der Region Barbagia und auch ganz Sardiniens.

Die Familie Melis hat in Mamoiada schon immer Cannonau angebaut, und es gab immer Männer und Frauen, die ihren Teil der Arbeit getan haben.

Doch erst in der gegenwärtigen Generation haben die drei jungen Schwestern Mariantonietta, Emanuela und Roberta geschafft, ihren Cannonau auf ein respektables, professionelles Niveau zu heben.

Der Cannonau »Eminas« – der Wein ist weiblich

Der Cannonau in weiblichen Händen: Eminas

Der Cannonau in weiblichen Händen: Eminas

In hingebungsvoller Landarbeit mit biologischen und natürlichen, aus antiken Zeiten überlieferten Methoden entsteht Eminas. Ein Cannonau di purezza, der ausschließlich aus dieser Rebsorte gewonnen wird.

Eminas hat Persönlichkeit. Der Wein ist kräftig, ausdauernd, sehr körperreich. Er spiegelt die starke Frau, die sich ihrer selbst bewusst ist und von innen heraus strahlt.

Ohne Stereotypen bemühen zu wollen: Sardinnen gelten als stolz. Sie wissen um ihre Fähigkeiten und um ihren wichtigen Beitrag in der Gesellschaft. An ihnen beißt sich mancher Mann die Zähne aus.

Sein Geschmack ist fruchtig und vollmundig. Wie das zufriedene Lächeln in den Gesichtern der drei Unternehmerinnen, wenn die herbstliche Vendemmia vorüber ist. Landwirtschaftliche Arbeit sei hart, aber gebe allen Beteiligten eine tiefe Befriedigung. Und auch das merkt man dem Wein an.

Er ist in seiner Natürlichkeit auch ein wenig holzig und herb. Wie der Weg, den die drei Schwestern gingen, um in einer vermeintlichen Männerdomäne ihren Platz zu finden – was nicht ganz einfach war.

Der Cannonau Eminas spiegelt die Geschichte der Familie im Ort Mamoiada wider.

Oder sollten wir nun “die Cannonau” sagen? Ach nein, die Grammatik lassen wir mal so, wie sie ist.

Der traditionelle Weinanbau bei »Eminas«

Traditioneller Weinbau unter schwierigen, klimatischen Bedingungen

Traditioneller Weinbau unter schwierigen, klimatischen Bedingungen

Die konsequent natürlich-traditionelle Anbauweise bei Eminas ist einer der Schlüssel zum Erfolg.

Die coltivazione ad alberello (»Baumerziehung«) ist eine uralte Methode des Weinbaus und ist im Mittelmeerraum weit verbreitet. »Alberello« bedeutet quasi »kleines Bäumchen«. Die Rebpflanzen stehen in Reihe und haben einen Stamm mit zwei, drei, vier Zweigen und werden relativ klein gehalten.

Der Name stammt aber ursprünglich aus der Antike, wo speziell in wasserarmen und klimatisch schwierigen Lagen im Mittelmeer die Reben auf oder zwischen Bäumen wachsend kultiviert wurden.

Auf Sardinien gibt es immer noch naturbelassene Landschaften, in denen du diesen wild wachsenden Wein findest, z. B. in der Barbagia Mandrolisai.

In der Antike wuchs der Wein sogar auf Bäumen ...

In der Antike wuchs der Wein sogar auf Bäumen …

Weil in Mamoiada die Pflanzen starken klimatischen Schwankungen und extrem wasserarmen Perioden ausgesetzt sind, haben sie also einiges zu tun.

Und so greift der Weinbauer – bzw. in diesem Fall die Weinbäuerinnen – möglichst wenig ein, damit die Rebe sich darauf konzentrieren kann, die notwendigen Nährstoffe für den Wein aus dem Boden zu ziehen.

Auch die Hänge sind relativ klein. Eminas hat einen Hang, der so klein ist, dass er nur von Hand bewirtschaftet werden kann. Diese Reben sind Jahrhunderte alt und geben dem Cannonau Eminas Tiefe. Sie binden ihn an die Vergangenheit, an die uralte Weinbau-Kultur auf Sardinien.

Die Trauben auf allen Hängen werden sorgfältig und von Hand geerntet und verarbeitet, wie es die Familie seit Jahrhunderten macht.

Der Verzicht auf den Einsatz großer Geräte auch in den anderen Lagen sorgt dafür, dass die Böden geschont werden und fest bleiben (und so zum Beispiel vor Erdrutschen geschützt werden).

Mamoiada: traditioneller und professioneller Weinbau

Mamoiada: traditioneller und professioneller Weinbau

Die weibliche Philosophie: Schönheit, Stolz und Kraft

Die Philosophie des Weingutes ist bis ins Detail eine explizit weibliche – ohne in traditionelle Klischees abzudriften. Blümchen und rosa Schleifchen spielen in der harten Landarbeit naturgemäß keine Rolle.

Die drei Frauen sind stolze Hüterinnen des Familienerbes. Ihnen geht es um das Bewahren der Traditionen, um Echtheit, um Leidenschaft.

Sie gehen mit der Zeit, und da geht es um Schönheit: Feinsinniges Design sorgt dafür, dass die Geschichte perfekt transportiert wird.

Eminas: Il vino è donna

Eminas: Il vino è donna

Jede einzelne Flasche ziert das Profil der Großmutter, die in Mamoiada eine der ersten arbeitenden Frauen war. Sie wusste sich zu behaupten und war eine resolute Frau, verlor aber nie den Sinn für das Schöne. Sie bewahrte viele alte Sachen auf und pflegte sie.

Das Flaschenetikett ist nicht aus Papier, sondern die Flaschen werden direkt bedruckt. Die Haptik ist angenehm und schärft die Sinne. Man darf den Wein auch fühlen und spüren.

Den Bogen zur Neuzeit spannt das Logo: Das “E” ist eine umgekehrte 3 und steht für die drei Schwestern.

Ein rotes Band, das die letzten Buchstaben durchläuft, ist nicht nur hübsch, sondern ein Zeichen der Solidarität: gegen den Femminicidio / Frauenmord und häusliche Gewalt in jeder Form.

Tatsächlich bis heute ein in Sardinien und ganz Italien erschreckend weit verbreitetes Problem. Frauen werden aus Eifersucht oder aus falsch verstandenen Rollenklischees missachtet, misshandelt und sogar von ihren eigenen Ehemännern und Lebensgefährten, die sie als Eigentum betrachten, umgebracht. Infos: Femminicidio auf repubblica.it

Letztlich geht es den drei Schwestern um Respekt und Achtung: vor dem was Frauen leisten, vor der Natur und der Heimat, vor den Traditionen.

Und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Eminas erleben

Wer Eminas erleben will, stiefelt am besten in Mamoiada in eine Enoteca (z. B. Il Rosso an der Piazza Europa) und greift dort zu. Mamoiada hat einige interessante Weine zu bieten – eine kleine Degustationsrunde ist eine gute Idee.

Beim jährlichen Herbstfest Autunno in Barbagia, in Mamoiada auch “Sas Tappas” genannt, sind die Schwestern mit einem Stand vertreten (Tappas Nr. 28). Du kannst den Wein dort kaufen und degustieren.

In diesem Jahr arbeiten sie mit unseren Freunden von Viaggio in Sardegna zusammen, die ein Buch mit den besten Rezepten des Events zusammengestellt haben und darin auch den Cannonau vorstellen, der quasi jedes Essen in Mamoiada begleitet.

Auch auf Events, bei denen es um Wein geht, findet man Eminas häufig. Über mögliche Veranstaltungen gibt ihre facebook-Seite Auskunft.

Besuch im Weingut

Was einen Besuch im Weingut betrifft, bedarf das einiger Vorbereitung.

Denn die Hänge sind um das Dorf verstreut und das Haus ein Wohnhaus – man kann da nicht einfach so hinein stiefeln.

Der Betrieb von Eminas ist klein – und darum auch eher mit der Arbeit beschäftigt. Wenn man sie also von ebenjener Arbeit abhalten will, sollte sich das für alle Beteiligten lohnen.

Für Gruppen arrangiert das schwarze Schaf gern in Absprache mit Eminas einen Tag, bei dem ihr etwas über die Anbaumethoden und die Arbeit erfahrt.

Auch im Rahmen einer landwirtschaftlichen Fachreise zur antiken Hirtenkultur Sardiniens können wir einen Stopp bei Eminas einlegen.

Für Spontanbesuche in Weingütern gibt es inselweit gute Alternativen, lest dazu gern unseren Artikel über das schwarzschafige Reisen auf den Weinstraßen Sardiniens oder stöbert in der Kategorie Anbieter > Weingüter auf unserem Blog.


Anmerkung der Redaktion:

Dieser Beitrag ist als Werbung gekennzeichnet, da er Links zu dem Weingut und zu Bezugsquellen des Weines enthält. Wir haben hierfür kein Honorar enthalten und unsere Reise nach Mamoiada selbst bezahlt. Die Empfehlung erfolgt aus freien Stücken und voller Überzeugung 🙂  

Die Fotos hat uns das Weingut zur Verwendung zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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