Was die Winde betrifft, spricht auf Sardinien (und in ganz Italien nicht) niemand von West oder Ost, und schon gar nicht von Beaufort. Hier ist alles personifiziert, hier hat alles einen Namen:
(Infos ohne Gewähr. Bitte achtet auf die Wettervorhersage. Für mehr Details zu den einzelnen Winden sind die Namen mit entsprechenden Artikeln auf meiner Segel-Webseite www.segelrevier-sardinien.de verlinkt).
Vor allem einer macht den Sardinien-Urlaubern zu schaffen – und auch auf Sardinien kennt ihn jeder, weil er absolut vorherrschend ist: der Maestrale.
Die Wortherkunft gibt eine Ahnung davon, wie er sich benimmt: Der Maestro dei Ali / Meister der Flügel ist ein stürmischer, bissiger, böiger Wind. Wie zum Beweis zeigen die Möwen, dass er ganz toll ist – wenn man wie sie Flügel hat:

Ein Burrasca di Maestrale bedeutet nichts anderes als mehrere Tage Starkwind aus Nordwest mit um die 9 Beaufort.
Das erklärt jedem Einheimischen ziemlich genau, was er draußen zu erwarten hat: nämlich nichts. Jeder Seemann / marinaio, der alle Sinne beisammen hat, bleibt im Hafen und wartet ab.
Und diejenigen, die ihn am Strand nicht mögen sei gesagt: Richtet euch darauf ein, dass er ein paar Tage bleibt und sorgt euch schonmal um ein Ersatzprogramm – zum Beispiel in den Museen der Insel oder bei einem netten Ausflug ins Hinterland. Dort ist er nämlich überhaupt nicht unangenehm.
Schauen wir uns den Wind im westlichen Mittelmeer, rund um Sardinien also mal genauer an.
In fast jedem Hafenort auf Sardinien findet man irgendwo eine sternförmige Zeichnung mit den Windrichtungen. Sie wird auch Windrose / Rosa dei Venti genannt.
Manchmal ist sie aus Steinen in den Boden eingearbeitet, mal an Hauswänden zu finden, und manchmal auch als Kunst in einer Bar:
Die Windrose (auch: Kompassrose) ist in Achtel zu je 45 Grad unterteilt, die die vier bekannten Himmelsrichtungen der Winde – North – Eeast – South – West – bezeichnen. Und noch einmal vier Nebenrichtungen, NW – NE – SE – SW.
Schnelle Beseitigung der Sprachverwirrung Deutsch-Italienisch vorab: Wenn ihr irgendwo in Italien auf einer Windrose „O“ lest, dann bedeutet das „Ovest“ – für Westen. Ist also kein Fehler, Schlaumeier 😉 „Osten“ hingegen ist mit „E“ für „Est“ bezeichnet. Oder „East“. Man denkt einfach in den englischen Abkürzungen, dann ist klar, wo Osten ist.
Was noch hilfreich ist, um die Namen der Winde nachvollziehen zu können: Der Dreh- und Angelpunkt ist Malta. Dass das kleine Malta der Nabel der Windwelt ist, hat historische Gründe: Die Seefahrernation der Phönizier wählte Malta als ihren strategischen Hafen (unter anderem auch, um Sardinien zu erobern).
Malta wurde lang als Mittelpunkt des Mittelmeeres angenommen.
Heute weiß man nach genauen Berechnungen und Messungen: Der exakte geografische Mittelpunkt liegt weiter nordöstlich, gut fünfzehn Kilometer vor der Küste Kalabriens. Aber erstens ist da keine Insel, auf der der gemeine Phönizier seinen Posten hätte errichten könnte. Und zweitens ist das ist auch egal.
Die Bezeichnung Wind-Rose stammt übrigens aus frühen Karten, und entwickelte sich aus der Lilie („fleur de lis„) – als Symbol des Kirchenstaates.
Sie war als Markierung für Norden gesetzt und hatte praktischerweise auch die Form eines T (für den aus Norden kommenden Tramontana); auf anderen Darstellungen aber auch als Kreuz. Kirche eben.
Auf ganz alten Karten weist die Lilie nach Osten – wo das gelobte Land mit Jerusalem liegt, aus der Zeit der „heiligen Kreuzzüge“.
Genaueres über die verschiedenen Winde erfährst du auf meiner Segelseite:

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