100 Kilometer Weitsicht. Es ist wirklich wahr: An klaren Tagen siehst du vom Monte Limbara Korsika und die Isola Asinara. Die ruppigen und wilden Granitfelsen der Gallura sehen von hier oben aus wie sanfte Hügel.

Das schwarze Schaf steht auf dem höchsten Gipfel der Gallura, dem Monte Limbara, am Nordwesthang und blickt umher.
Zunächst stellt es fest: DEN Monte Limbara gibt es gar nicht. Zumindest nicht als Gipfel.
Die offizielle Bezeichnung ist „I Monti del Limbara“, also Mehrzahl: die Berge des Limbara. „Limbara“ stammt wahrscheinlich von „Limen Balares“ aus der Römerzeit und markiert die Grenze zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, den „Balari“ zwischen Monteacuto und Logudoro und den eingewanderten Korsen im Norden.
Apropos Korsen: Die Geschichte des zweithöchsten Limbara-Gipfels mit 1.359 Metern hängt mit einem von ihnen zusammen. Er ist benannt nach einem eingewanderten Korsen namens Balistreri, der sich mit seiner Familie dort oben versteckte, nachdem ein Sarde die Tochter des Korsen zur Heirat zwingen wollte. Irgendwann brachte Balistreri den unliebsamen Herrn in einer Kirche nahe Nuchis um – Korsen sind da scheinbar recht pragmatisch. Er kam hinunter vom Berg und lebte mit seiner Familie in Tempio – was wieder für den Pragmatismus der Sarden spricht.
Die ähnliche Mentalität ist vielleicht ein Grund, warum sich die beiden Inselvölker besser untereinander verstehen, als mit ihren Landsleuten vom Festland.

Und noch was fällt auf: An den Hängen des Limbara-Massivs fehlen die für die Gallura typischen Korkeichen. Ein großes Feuer hat in den 1930er-Jahren die Urwälder aus Kork-und Steineichen am Limbara zerstört. Zur Wiederaufforstung pflanzte man Pinien und Kiefern, da diese schneller wuchsen.

Dazu ein Extratipp in Vallicciola: Besuche das Arboretum (Boschetto di Sequoie). Hier startete man gleichzeitig mit dem „Boschetto di Sequoie“ ein wissenschaftliches Projekt mit der Anpflanzung hoher, nicht zur örtlichen Flora gehörenden Mammutbäumen (Sequoiadendron giganteum), Zypressen und Douglasien. Der höchste von ihnen misst gut 35 Meter und wurde 1934 gepflanzt. Im mediterranen Kontext Sardiniens eher unerwartete Eindrücke.
Einen massiven Schönheitsfehler hat das Bergmassiv allerdings: Aus vielen Blickwinkeln stechen die Telekommunikationsmasten der RAI und die seit gut 20 Jahren verlassene Funkstation der United Air Force ins Auge (Bilder und Informationen dazu auf: www.sardegnaabbandonata.it/base-usaf-del-monte-limbara/ in ital. Sprache).
Sie sind auf jeden Fall eine gute Orientierungshilfe für alle, die sich auf den Trekkingpfaden zwischen den Gipfeln bewegen. Wer sich z. B. den einzelnen Mast auf dem Gipfel „Sa Berritta“ als Wegmarke nimmt, weiß meistens, wo sein Ziel ist.

Und je weiter man in die Wälder und Felslandschaften vordringt, desto mehr Möglichkeiten gibt es, den Limbara in seiner ganzen Natürlichkeit zu entdecken. Ist man erst einmal oben, überblickt man in vollkommener Ruhe die sanfte Schönheit Nordsardiniens.
Sechs gut markierte Trekkingpfade (gekennzeichnet von A – F, teils gemütlich, teils anstrengend) versprechen tolle Stunden auf den Hängen des Massivs.
Hier ein paar Eindrücke:
Die Kirche „Madonna della Neve“, gebaut aus Granitfelsen in einem Waldstück auf 1.250 Metern und gut für eine kleine Pause. Ein kleines Picknick aus Wasser, Pane Carasau und einer Tüte Goldbären. Gut gestärkt gehen wir weiter.
Die Felslandschaften wechseln sich mit Waldstücken ab – einige niedriger gelegene Treks führen auch fast nur durch Wald = prima auch im Sommer zu machen.

Oben auf der Punta Sa Berritta kommt man am besten im Abendlicht an, das ist einfach zauberhaft.
Ein Stück weiter, auf der anderen Seite des Gipfels blickt man auf das im Süden liegende weite Tal mit Berchidda und Oschiri. Noch ein wenig weiter, Olbia im Osten ist zu sehen.
Wer lang bleibt, geht von der Punta Sa Berritta einfach die Provinzstraße bergab – der einfachste und sicherste Weg zurück zum Ausgangspunkt in Valliciola. In knapp einer halben Stunde sind wir wieder unten.
Übersicht der Pfade auf den Monti del Limbara:
Noch mehr Bilder von diesem schönen Januartag auf dem Monte Limbara findet Ihr in unserem öffentlichen Fotoalbum auf facebook.
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Susanne Beck
6. Mai 2018 at 22:07Danke für viele gute Tipps, Dein Buch und Dein Blog sind echte highlights! Bin momentan wieder auf Sardinien, Buch habe ich dabei und soeben habe ich im Netz nach Wandertips am Monte Limbara gesucht und Pecora nera ist mir über den Weg gelaufen… das werde ich morgen ausprobieren!
pecora nera
7. Mai 2018 at 09:31Viel Spaß dabei 🙂