Verdammt, ist das warm. Ach was, warm. Heiß ist es! Sommer! Das schwarze Schaf ächzt in seiner Wolle und sucht Schatten. An die 38 Grad. Also, was geht da?

Na klar: ‘ne Grotte!

Aber natürlich nicht irgendeine Grotte. Auf die Liste geschaut. Die Klassiker (Ispinigoli, Nettuno, Bue Marino) hat es schon besucht. Such, such, such … im Iglesiente ist eine frei begehbare Grotte, durch die eine Straße führt!

Die Grotta di San Giovanni ist nicht einfach eine Grotte zum Reingehen, Angucken, wieder Rausgehen. Neinnein, sie ist eine zum Durchgehen und eine der wenigen befahrbaren Grotten weltweit

Grotte Domusnovas - frei zugänglich auf einer Straße

Die Grotte bei Domusnovas – frei zugänglich auf einer Straße

Auf genau sowas, Grotte auf eigene Faust hat das Schaf jetzt Lust.

Die Anfahrt aus der Gallura ist reichlich lang, aber die Klimaanlage des Wagens funktioniert und in etwas mehr als zwei Stunden fährt es bei Sanluri auf die Landstraße. Ein paar in Arbeit befindliche Kreisverkehre, holprige Landstraßen und einen Supermarkt zum Wasserbunkern später ist es am Ortseingang von Domusnovas.

Die Grotte ist ungewohnt gut ausgeschildert. Im Sinne von: ständig. Das Schaf folgt dem erstbesten Schild, dem gefühlt etwa zwanzig andere folgen. Immer wieder irgendwo abbiegen … dann noch eine lange Straße auf einen Berg zu. Bestimmt gab es noch ‘nen kürzeren Weg …

Drei Kilometer hinter Domusnovas: angekommen! Ein Parkplatz etwa zehn Meter vom Eingang der Grotte entfernt – sehr komfortabel.

Eine Grotte zum Durchlaufen

Im schattigen Eingang sitzt ein Haufen Teenies und ihr Lachen hallt von der Grotte zurück. Das Schaf geht an ihnen vorbei, hinein in die frei zugängliche Grotte.

Wunderbar kühl! Mit jedem Schritt vorwärts kommt das Hirn ein Stück mehr aus dem Matschmodus heraus.

Grotte San Giovanni: hinter jeder Kurve ein neuer Anblick

Grotte San Giovanni: hinter jeder Kurve ein neuer Anblick

In den Wänden auf den ersten hundert Metern nisten und leben Tauben und Schwalben. Entsprechend viel Geflatter und Vogeldreck ist da, aber das verliert sich bald und die Straße gehört dir ganz allein.

Moment noch mal, echt jetzt – eine Straße? Aber ja. Sie hat einen Eingang im Süden und einen Ausgang im Norden an einer Bergflanke unterhalb der Punta San Michele.

Dazwischen liegt fast ein Kilometer Strecke innerhalb der Grotte, auf einer komfortablen Straße. Na gut, nicht übertreiben, etwa 850 Meter schlängelt sich die Straße durch die von ca. 9 bis 21 Uhr beleuchtete Grotte.

Bis vor ein paar Jahren konnte man tatsächlich noch mit dem Auto hindurch – die Straße wurde angelegt, um die Mine im Norden zu erreichen.

Heute ist sie für den Autoverkehr gesperrt, nur noch Radfahrer und Fußgänger sind erlaubt; ab und zu rattert ein Mopedfahrer hindurch.

Wirkt ein bisschen wie ein Stein gewordener Wasserfall

Wirkt ein bisschen wie ein Stein gewordener Wasserfall

Tatsächlich ist es trotzdem sehr dunkel, oder anders gesagt: Die reinen Gesteinsabschnitte sind nicht extra beleuchtet, nur die Stalagmiten und Stalagtiten, ansonsten ein paar tiefe Straßenleuchten, dass du merkst, wo du hingehst.

Mit dem Schaf dackeln noch zwei, drei Familien hindurch, viele Leute verirren sich nicht hierher, man kann sich herrlich viel Zeit lassen. Das erste Mulmgefühl, das manchen befallen mag, gibt sich nach einem Weilchen. Nimm einfach eine Kurve nach der anderen und zack! bist du am anderen Ende.

Ein Wald und ein Fluss

An der Nordseite der Grotte kannst du dich wieder in der Sommerluft aufwärmen (wenn denn Sommer ist), aber auch das in moderatem Maße. Denn ein kleiner Wald und ein Flusslauf führen direkt von der Grotte weiter in ein wunderschönes Wandergebiet in einem kleinen Tal. Auch ein kleines Picknick ist auf dieser Seite richtig schön ruhig.

Im Inneren der Grotte ist es auf Dauer recht kühl, vor allem, wenn du den Rückweg gleich wieder antrittst. Aber deswegen ist das Schaf ja da. Das langärmelige Hemd, das es heute wegen des Sonnenbrandes von gestern gewählt hat, ist aber nicht sooo unangenehm.

Weht hier Wind, vor allem in der Nebensaison, kann es hier sehr kalt werden – dann ist die dicke Jacke angesagt.

Dann aber legt die Grotte noch einen drauf: Wenn der Fluss im Frühling die Wasser von den Bergen Monte Acqua (540m) und der 908 Meter hohen Punta San Michele einsammelt, fließt er (je nach Intensität der Regenfälle) neben der Straße durch die Grotte.

Und noch mehr Grotte …

Das, was du von der Grotte auf Straßenniveau siehst, ist längst nicht alles.

Auf zwei weiteren Ebenen befinden sich auf insgesamt 2.000 Metern weitere Grottensysteme: die eigentliche Hauptgrotte “Ramo Bobore” mit traumhaften, hohen Stalagtiten; sowie die aktive Grotte “Su stampu de Pireddu”,mit einem Tunnel- und Höhlensystem, kleinen Seen und siphonartig verbundenen Wasserläufen.

Nordeingang der Grotte

Nordeingang der Grotte

Leider sind diese beiden nur Experten und Höhlenforschern zugänglich.

Für dich heißt es: zurück zum Ausgangspunkt. Noch einmal 850 Meter zurück – und wie immer ergeben sich dann aus dem umgekehrten Blickwinkel ganz neue Einsichten in die Grotte.

Schon der Sardinienforscher Alberto Lamarmora kannte 1860 die Grotte und die kleine Kirche in ihrer Nähe: «Seguendo ancora il ruscello fino ai piedi del monte che si presenta come un grande muro tagliato a picco, a sinistra del torrente si vede la cappella detta “di San Giovanni di Acquarutta” e a destra l’ingresso della famosa grotta naturale omonima.» (Alberto La Marmora, Itinéraire de l’île de Sardaigne, Torino, 1860).

Also: Topp, um im Sommer die “tote Zeit” in der Siesta zu verbringen oder bei zuviel Hitze Schatten zu suchen. In der Nebensaison ein kleines Naturschauspiel.

Tolle Grotte! findet auch das Schaf.

Weitere Informationen

In der Nähe findest du noch andere spannende Ziele:

  • die Grotte Abisso Paradiso, für die du allerdings einen Guide brauchst
  • im Tal von Oridda die Mine di Arenas und ein Mineralenmuseum
  • für Sportkletterer: mehrere anspruchsvolle Bergwände, ebenfalls im Valle di Oridda, die Super Marina 9a+/9b, gehört zu den schweirigsten Wänden weltweit
  • der Nuraghenkomplex Sa Domu ‘e s’Orcu
  • diverse Minen in Carbonia und Iglesias