Alle sagen, Sardinien sei ein kleiner Kontinent. Doch wer hätte gedacht, dass auch das All dazugehört? Zu überirdischen Erlebnissen kam ich per Zufall. Auf Entdeckungstour nach Trekkingpfaden an einem verlängerten Oktober-Wochenende außerhalb der Saison.

Mondgestein? Riesenfelsen im Valle della Luna ©

Erstes Ziel: Der Monte Limbara, dritthöchster Gipfel Sardiniens. Auf dem Weg dorthin bog ich zum ersten Mal ferngesteuert ab ins „Valle della Luna“, das Tal des Mondes. Hinter dem Granithäuser-Dörfchen Aggius fällt die Straße zwischen Kuh- und Schafsherden steil in die Ebene ab. Mächtige Windkrafträder zeigen dem Universum die natürliche Begrenzung des Tals durch den Punta Salici. Irgendjemand hat typisch sardische, glatt geschliffene Granitbrocken in allen Größen über eine weitläufige Grasdecke verteilt, die sonst allenfalls noch Büsche, Flechten und Hecken zieren. Von der anderen Seite nähert man sich der Mondlandschaft durch die für diese Gegend typischen Korkeichenwälder. Die Bäume offenbaren in dieser Jahreszeit, bis zur Baumkrone geschält, ihr rostrotes Inneres.

Aliens? ©

Auf der Suche nach Trekking-Pfaden fuhr ich den Monte Limbara durch viele Vegetationsschichten hinauf. Das mediterrane, dichte Dach der Pinien hinter mir lassend, kam ich durch deutschwaldartige, von Fahnen umringte Nadel- und Kastanienbaumbestände in die zunehmend buschreiche und vegetationsarme Zone. Links und rechts gehen einige Waldpfade ab. Die Pfade zu den Aussichtspunkten auf dem Weg nach oben sind eher kurz und nicht sehr kraxelverdächtig. Ich gab nicht auf. Immer näher kam ich den TV-Antennen der italienischen RAI-Station, die mächtiger und mächtiger wurden. Irgendwann endet der Weg gespenstisch im Berg, neben hohen Zäunen rund um die Antennen. Von hier aus scheinen Außerirdische unsere Erde zu beobachten und davon direkt Bilder ins All zu schicken.

Versteck für Mondkälber? ©

Die Erkundung in alle Himmelsrichtungen erfordert etwas Mut, wer weiß, welche marsroten Mondkälber aus den einsamen Gebäuden rund um die Antennen auf einmal auftauchen könnten? Als Belohnung wartet allerdings ein atemberaubender Blick, bei gutem Wetter bis nach Korsika. Klettern geht hier ganz oben sicher gut zwischen all den dichten Granitfelsen. Ansonsten habe ich eher gediegene Wanderwege entdeckt. Da das Trekking hier allerdings viel angepriesen wird, würde ich dazu raten, sich durch einen guten Führer in Papierform oder Person vorher über geeignete und für den Fitnessgrad angemessene Strecken zu informieren.

Sterbehilfe leicht gemacht ©

Richtung Arzachena ist das Museo Etnografico Galluras in Luras einen Halt wert, in dem in einem typischen Haus alte Werkzeuge und Utensilien gezeigt werden: sei es zur Wein-, Käse- oder Korkherstellung oder wie man in der Küche raffinierte verzierungsreiche Brotkränze für Hochzeiten hergestellt hat. Highlights sind ein Thermometer, mit dem anhand der Temperatur die Nähe zum Tod gemessen wird und eine Riesenzange zur Kastration von Eseln. Das eheliche Bett ziert der letzte Hammer, mit dem der im Sterben liegende Familienangehörige vorzeitig auf Anraten des Arztes von seinen Qualen erlöst wurde. Das Wissen über dessen zielgerichteten Einsatz wurde über Generationen weitergetragen (Webseite des Museums » www.galluras.it).

Wie überall auf Sardinien bietet sich auch in der Gallura der Besuch mehrerer Nuraghen an, durch die bereits Wesen weit vor unserer Zeit Sardinien besiedelten. Zum Beispiel der Nuraghe La Prisgiona kurz vor Arzachena. Durch ihre meist runde Baustruktur scheinen mir die frühgeschichtlichen Turmbauten der sardischen Ureinwohner hervorragend geeignet als Ufo-Landestationen. Aber auch in der irdischen Welt sind Nuraghen einfach faszinierend.

Caprera ©

Am nächsten Tag hatte ich sportlich gesehen etwas mehr Glück. Ich fuhr mit der Fähre zum benachbarten Mond, La Maddalena, und von dort aus unmittelbar über eine Brücke zum Zwillingsstern Isola Caprera. Der maritime Nationalpark „Parco Nazionale dell’Arcipelago di La Maddalena“ ist übersät mit Inseln verschiedener Größen. Sie sind als höchste Erhebungen das Relikt eines Tales, das früher Sardinien und Korsika verband. Caprera lässt sich hervorragend ohne Vorbereitung erkraxeln.

Trekkingpfad auf Caprera ©

Ins Inselinnere schlingen sich kleine Pfade bergauf durch Pinienwälder und Granitfelsen, um auf der anderen Seite durch einen Tunnel aus Hecken steil ins Meer abzufallen und irgendwann ganz unter den Granitfelsen zu verschwinden. Je weiter man von der Straße wegläuft, desto intensiver wird das Klettern und Kraxeln und damit das Trekking-Vergnügen. Man sollte, um die besten Wege zu finden, die Straße nehmen, die von La Maddalena kommend rechts und gleich wieder links ins Landesinnere führt. Die anderen Straßen schwingen sich malerisch um die Küste Capreras und führen zu schönen Stränden, jedoch nicht zu Trekkingdestinationen.

Sardinien ist offensichtlich nicht von dieser Welt. Begeistert hat mich die Insel schon beim ersten Besuch, durch ihre Anders- und Einzigartigkeit überraschen wird sie immer wieder.

(Alle Fotografien © silky-way)

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