Herbst im Supramonte

Herbst im Supramonte

Die Gastfreundschaft ist in Sardiniens DNA. »Sa domu est minore su coru est mannu – Das Haus ist klein, das Herz ist groß.« sagt ein antikes sardisches Sprichwort. Das gilt inselweit, zumindest in den echten gewachsenen Orten und bei der einheimischen Bevölkerung.

Man sagt, in der Barbagia gäbe es die gastfreundlichsten Menschen der Insel. Die Menschen in den versteckten und in sich ruhenden Bergdörfer heißen dich warm willkommen. Sie sind tief verwurzelt in ihrem Land, sind stolz auf ihre Traditionen, ihre Kultur und die Natur – und lassen dich teilhaben.

Besonders, wenn um die 30 Dörfer zum »Autunno / Herbst in der Barbagia« von September bis Dezember einladen, sie auf kulturellen und gastronomischen Wegen kennenzulernen, bleibt für den Reisenden kein Wunsch offen.

Die Barbagia: eine beeindruckende, gastfreundliche Region

Das Landesinnere ist deutlich länger besiedelt als die Küste und tatsächlich ist hier das Gewicht der Jahrtausende buchstäblich spürbar. Die Leichtigkeit der Küstenorte und die Weite des Meeres weichen der schroffen und mächtigen Berglandschaft. Granitfelsen, Berge, wild wuchernde Macchia und Wälder zeigen dem Menschen, wie unbedeutend er eigentlich ist.

Hier ist wichtig, dass die Menschen eng zusammenrücken und sich aufeinander verlassen können.

Wer über die kleinen Landstraßen und Serpentinen anreist und sich durch gänzlich unbewohnte Regionen geschlagen hat, wird offenherzig begrüßt und willkommen geheißen.

Happy Menü im Agriturismo: Malloreddus, Ravioli und Culurgiones

Happy Menü im Agriturismo: Malloreddus, Ravioli und Culurgiones

Hier, wo du kein Meer siehst, ist das wie ein Trostpflaster. Und irgendwann merkst du, dass alles gar nicht schlimm ist. Die Inselmitte entschleunigt und schafft bei fast jedem einen tiefen Frieden.

Inmitten dieser gemütlichen Ruhe und Beschaulichkeit lassen es die Bewohner allerdings nicht gerade gemächlich angehen: Sie feiern gern und viel, manchen Nasen sieht man es durchaus an.

Und der Fremde feiert natürlich mit.

Sardische Gastfreundschaft

Cortes Apertas - die Türen sind offen...

Cortes Apertas – die Türen sind offen…

Wenn die Barbagia dann offiziell ihre Tore öffnet (daher wird das Programm mancherorts auch Cortes Apertas / offene Pforten genannt), ist das ein Ausdruck für eine lebendige alte Tradition.

Nicht nur professionelle Gastronomen, nein, alle, die etwas anbieten möchten, laden die Gäste in ihr Haus, manchmal auch in ihre Garage oder den Hinterhof ein.

Da kommt es durchaus vor, dass man sich im Keller eines Privathauses wiederfindet und auf einen Haufen Sarden trifft, die den Selbstgebrannten auch lieber selbst trinken. Und den Gast kurzerhand einladen.

Einmal verbrachte das schwarze Schaf eine geschlagene Stunde am Ofen bei einer alten Dame, die darauf bestand, dass es von den sieben verschiedenen selbstgebackenen Teilchen jeweils eins probierte. Dazu gab’s selbstgemachten Moscato.

Ablehnen oder gar Weggehen war kaum möglich. Ja, manchmal kann Gastfreundschaft auch anstrengend sein …

Schwein zu gewinnen!

Schwein zu gewinnen!

Wieder draußen und beschwingt vom Wein ist man versucht, bei ein wenig Unsinn mitzumachen – so geschehen in einem Jahr in Fonni, da hat das schwarze Schaf bei einem Gewinnspiel um ein ausgewachsenes Schwein mitgemacht. Wer das Gewicht genau schätzte, durfte es haben. Zum Glück gewann ein anderer …

Bei dem Fohlen, das in Ottana verlost wurde, stellte sich ein bisschen Bedauern ein: Auch sechs Lose brachten kein Glück, dabei hätte das Pferdchen so schön auf der Wiese hinterm Haus ausgesehen!

Dafür gab’s einen “Trost-Ridotto” am Losstand.

Der Ridotto

Ach ja … der Ridotto … Das meint eine reduzierte Menge hausgemachten Rotweins, meistens Cannonau.

Den gibt es hier aus dem Schnapsglas (bzw. aus kleinen Plastikbechern). Wer das für Geiz hält, liegt falsch. Die Parole “sedici a un litro” bedeutet, dass bei einem Liter Wein sechzehn Leute miteinander trinken können. Und es bleibt selten bei einem Liter.

Böse Zungen behaupten, Du vergisst bei den kleinen Bechern, wieviel Du getrunken hast – vermutlich mindestens sechzehn, also einen Liter…

Su Ziru / die Runde heißt die schöne Tradition, die hier besagt, dass in einer Gruppe (ob nun Freunde oder zufällig entstanden) jeder jedem einen ausgegeben haben muss. Kommt ein Fremder in der Runde, wird er eingeladen und darf nicht selbst zahlen. Su Ziru kann zu einer großen Herausforderung werden, wenn der Abend noch jung ist.

Übrigens: Der Versuch des Fremden, in einer Bar heimlich die Rechnung zu übernehmen, gilt als Affront und meistens hindert dich schon der/die Barista daran. Also: Wetten, es gelingt dir nicht?

Dahinter steckt einfach die Idee, mit möglichst vielen Leuten zusammensein zu können – das hat bei den Einwohnern Tradition und sie sehen es nur allzu gern, wenn die Gäste sich diese zu eigen machen.

Ridotto

Ridotto

Wenn das nicht klarmacht, wie hier der Hase läuft …!

Inselweit

Das schwarze Schaf hatte – außer in rein touristischen Küstenzentren – noch nie Probleme, nette Gastgeber zu finden.

Sicher, es gibt ohne Frage in den Touristen-Hochburgen nette Leute und gute Restaurants. Aber es ist eben doch was anderes, ob ich mein Küstenhotel zwei Wochen mit Halbpension durchbuche oder in den liebevoll geführten Hotels von Einheimischen wohne.

In jeder Region gibt es sie, die Leute, die sich für ihre Gäste überschlagen. Ob nun in Pauli Arbarei, Orroli, Escalaplano, Fluminimaggiore, Perdaxius, Nulvi, Aggius, Luogosanto und und und …

Die schöne Locanda La Rosa in Pauli Arbarei

Die schöne Locanda La Rosa in Pauli Arbarei

Der Trick ist: Wohne bei Einheimischen. Das kann privat sein, z. B. über Airbnb, oder in sardischen Gasthäusern, B&Bs oder einem Agriturismo, verbringe ein paar Tage in einem Ort, erlebe, wie du Teil einer Familie wirst und die wirklich guten Tipps für die Umgebung bekommst.

Fahre dann weiter, bleibe ein paar Tage in einem anderen Ort, folge sympathischen Schildern oder Empfehlungen und suche dir wieder eine landestypische Unterkunft.

Wenn die Nonna am Herd steht und dir abends mit einem Lächeln Hausmannskost serviert und du schon zur Begrüßung warm wie in einer Familie willkommen geheißen wirst, weißt du, wie sardische Gastfreundschaft wirklich geht.

 

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