Ich geb mir ja schon gar keine Mühe mehr, die Winter-Direktflüge nach Sardinien zu recherchieren. Anfangs hatte es noch Sinn, aber mittlerweile ist die Flugsituation so desolat (siehe auch meinen letztjährigen Artikel dazu), dass man sich besser aufs Sofa setzt und Cannonau trinkt. Davon hat man definitiv mehr.

Kein Direktflug Sardinien-Deutschland (im vierten Jahr in Folge). Selbst das Fliegen mit Umsteigen über Mailand oder Rom ist nicht mehr so ganz einfach, wie ich in den Vorjahren noch schrieb – auch hoffend, dass sich diese Option bei mehr Reisenden durchsetzt und insbesondere die privat geführten Gasthäuser, B&B, Agriturismi und Restaurants auch im Winter ein paar zusätzliche Gäste bekommen.

Mit dem diesjährigen Flugplan und Flügen zu sehr frühen oder späten Uhrzeiten ist nun aber meist eine Nacht am Umsteigeflughafen obligatorisch oder eine Anreise zum Flughafen mitten in der Nacht. Beides nur so mittelschön und nicht geeignet, Sardinien als Destination für einen entspannten Winterurlaub zu promoten – was es sonst absolut wäre.

Aber was soll’s. Ich werde mich in diesem Jahr nicht darüber aufregen, sondern einfach nehmen, was da ist. Und das ist die Direktverbindung Brüssel – Cagliari. Den brauchen vermutlich auch genügend Leute der Regionalregierung und sardische Angestellte beim Europaparlament.

Dies ist einer der ganz wenigen Direktflüge über die Alpen, von denen Deutschland noch halbwegs gut erreichbar ist. Die anderen Destinationen sind Barcelona und London (letzterer kann auch ein guter Umsteigeflughafen sein).

Um des lieben Friedens willen und weil man ja ein positiv denkendes Schaf ist, habe ich ein kleines Experiment gewagt, das ich gern mit euch teile:

Im November 2024 bin ich über Brüssel-Charleroi von/nach Cagliari geflogen.

Ich kann spoilern: Das ging echt ganz gut und war eine sehr hübsche Reise!

Los geht’s – nicht ohne fix einen Blick auf das Zwischenreiseland geworfen zu haben.

Belgien und Brüssel – eine Reise wert

Ich war noch nie in Brüssel und auch noch nie in Belgien. Nicht mal auf der Durchreise. Ein wenig Ignoranz umwehte also meine schwarzschafige Nase. Jetzt weiß ich, dass ich beim nächsten Mal eine Nacht länger dort bleiben möchte.

Zwar wusste ich, dass das Land klein ist, die Landesflagge Schwarz-Gold-Rot ist, dass sie gutes Bier und Schokolade haben und um Kevin de Bruyne eine ganz ordentliche Fußballnationalmannschaft. Und dass in Brüssel das EU-Parlament sitzt. Das war in meinem Hirn aber schon alles.

Dass auch die Schlümpfe und Lucky Luke belgischen Ursprungs sind und Belgien quasi das Land der Comics ist, lernte ich erst vor ein paar Jahren, von früheren belgischen Nachbarn.

Die lustigerweise aus Charleroi kommen – und jetzt quasi morgens um sieben in den Ryanair-Flieger steigen und nach Cagliari fliegen könnten. Was sie manchmal auch machen, wenn das Wetter (wie in Deutschland) mal wieder zu wünschen übrig lässt. Ach, welch Luxus im Jahr 2024 – eine Direktverbindung nach Sardinien direkt vor der Haustür!

Ganz hübsch, Belgien aus dem Zug!

Der Flughafen Brussels South Charleroi Airport (CLR) liegt aber auch für viele Reisende aus Deutschland gar nicht so schlecht. Sogar aus Schleswig-Holstein ging es für mich gut – umso mehr für alle, die im Westen und in der Mitte Deutschlands leben.

Hat man einen ICE-Bahnhof in der Nähe, kann auch der Rest des Landes ganz komfortabel sein. Denn die beste Anreise ist – finde ich – per Bahn.

Anreise aus Deutschland per Bahn

Kopfhörer im Zug sind auch keine schlechte Idee. Man muss nur aufpassen, die Durchsagen zu den Haltestellen nicht zu verpassen

Auf dem Hin- und Rückweg habe ich von/bis Hamburg (bzw. Kiel) je eine Variante ausprobiert:

  • Deutschlandticket bis Aachen (49 Euro, ab Januar 58), plus Zugticket in Belgien
  • (Super-) Europa-Sparpreis mit ICE (ab 24,99 Euro)

Beides geht einfach und gemütlich – und ist sogar günstig, wenn man voraus bucht, flexibel in den Reisedaten ist und/oder Zeit hat (oder sie sich nimmt).

Erstaunlich geschmeidig war die Fahrt mit den Regionalbahnen (in Belgien normale Züge oder ICE).

Auf meiner Tour von Brüssel musste ich fünfmal umsteigen: in Liège-Guillemins (Lüttich, futuristischer Bahnhof eines spanischen Architekten), in Aachen, in Köln, in Osnabrück und in Bremen (gibt auch Verbindungen mit weniger / mehr / anderen Umsteigebahnhöfen).

Mit der DB-Navigator App kam ich super durchs Bahnleben. Bei der ICE-Fahrt einchecken, dann wird man nicht mal mehr kontrolliert.

Die Umsteigezeiten waren immer großzügig bemessen, sodass auch kleinere Verspätungen nicht ins Gewicht fielen. Und Regionalbahnen fahren ja immer, den ganzen Tag lang. Im schlimmsten Fall nimmt man halt die nächste.

Umsteigen in Liège-Guillemins, einem wichtigen Bahnhof/Knotenpunkt in Belgien
Eröffnet 1842 – und 2009 futuristisch umgestaltet vom Architekten Santiago Calatrava

Entspannter, weil ich auch noch arbeiten wollte auf der Fahrt, war die Fahrt mit dem ICE.

Ich hatte früh genug gebucht und einen genialen Europa-Super-Sparpreis erwischt: Hamburg-Brüssel mit einmal umsteigen in Köln für 25 Euro!

Da hat mich auch der Ausfall des ICE ab Köln nicht geschockt: In dem Fall ist die Zugbindung aufgehoben. Das hat mir beim zwanghaften Zwischenstopp noch einen Glühwein am Kölner Dom beschert – auch nicht verkehrt!

Zwischenstopp am Kölner Dom

Natürlich kann man auch einfach das flexible Normalticket der Bahn buchen. Wer eh viel mit dem Zug reist und ggf. eine BahnCard hat, fährt damit vermutlich noch entspannter.

Die wichtigen deutschen ICE-Bahnhöfe, die dich direkt mit Brüssel verbinden sind:

  • Aachen ca. 150 km
  • Düsseldorf / Köln ca. 215 km
  • Frankfurt ca. 400 km (oft via Köln)

In Brüssel gibt es zwei Bahnhöfe, die für deine Reise in Frage kommen:

  • Bruxelles-Midi (Brussel-Zuid) / Brussels South > wenn du direkt zum Flieger umsteigen willst
  • Bruxelles Central / Centraal > wenn du was von der Stadt sehen möchtest

Sowohl in Midi als auch in Central hält die Metro. Einfach am Ticketautomaten ein Tagesticket lösen (Benutzeroberfläche Französisch oder Flämisch).

Ich bin ab Midi (weil mein Zug dort endete) mit der M4 zum Grande Place (Grote Markt) gefahren (Haltestelle Bourse) und von dort aus zu Fuß weiter. Alles war weihnachtlich geschmückt und die Altstadt fand ich ganz zauberhaft – auch wenn es regnete!

Weihnachtsbaum auf dem Grande Place in Brüssel
Der Grande Place ist zu Weihnachten ein Lichterspektakel
Glühwein auf dem Weihnachsmarkt in Brüssel!
Einkaufsstraße in Brüssel

Der Weihnachtsmarkt war schon offen, ich hab mir eine Ausstellung angesehen und ein belgisches Klosterbier getrunken, bin in mehreren Schokoladenläden hängen geblieben und habe noch nett zu Abend gegessen.

Dann – weil der Ryanair-Flug leider um 7 Uhr morgens abhebt – hab ich mir ein Hotelzimmer in Brüssel genommen. Die Zeiten, in denen ich auf einer Bank im Flughafen durch die Nacht quälte, sind mittlerweile vorbei 🙂

Shuttlebus zum Flughafen Brüssel-Charleroi

Zum Flughafen kommt man am geschmeidigsten ab Bruxelles-Midi mit dem Shuttlebus von flibco (www.flibco.com). Ticket ratzfatz online per Handy kaufen, in Midi raus, in den nächsten flibco-Bus einsteigen und ab die Post.

Fahrkartenautomat am Flughafen für die Busse A1, A2, A3

Die Haltestelle ist in Midi etwas schlecht ausgeschildert, aber auf dem Ticket ist ein Lageplan verzeichnet (Bahnhof zur Seite bei den Gleisen 3 und 4 verlassen), nach links Richtung Eurostar gehen (Haltestelle ist an einem Wendeplatz). Die Busse / das Design der Firma ist leuchtend grün, man sieht sie ganz gut.

Am Flughafen Charleroi ist der flibco-BusStop nah am Terminalausgang in einem Nebengebäude, ebenfalls grün und leuchtend und leicht zu finden. Von dort aus geht es übrigens nicht nur nach Brüssel, sondern auch zu Zielen in Holland – falls jemand von dort anreist.

Tipp für alle Sparfüchse: Die Stadtbuslinien A1, A2 und A3 halten ebenfalls am Flughafen (hinter dem Flibco-Gebäude) und kosten nur etwa ein Drittel. Auch das ist gut machbar, die Fahrtzeit ähnlich und das Ticket kann direkt am Bussteig am Automaten gekauft werden.

Und dann einfach in Cagliari ankommen, mit dem Zug in etwa zehn Minuten in die Stadt fahren – und freuen, auf Sardinien zu sein 🙂

Landeanflug über das Meer

Insgesamt relativierte sich das mit dem „Billigflieger“ und dem wirklich sehr günstigen Flugpreis auf der Reise schnell. Die Kosten summieren sich mit Gepäck, Bus, Bahn, Hotelzimmer, Verpflegung und Souvenirs.

Aber es war für mich trotzdem wie ein kleiner Urlaub!

Und ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Mal ein bisschen länger in Belgien zu bleiben und Landschaft, Kunst und Kultur zu entdecken – ganz wie ich es auch auf Sardinien mache.

Schlenker über die Salinen und vorbei am Containerhafen zum Aeroporto Cagliari-Elmas – Hallo, Sardinien!

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