Jetzt, Mitte März, ist in den höheren Lagen auf Sardinien noch Winter – ideal für ein ganz besonderes Erlebnis: eine Schneewanderung im Gennargentu. Doch echt: Gerade auf den höchsten Bergen Sardiniens liegt häufig Schnee. Von einem Spaziergang durch das tolle Weiß bis zu einem Trekking ist da oben alles machbar.

Im Winter finden wir im Gennargentu eine Landschaft der ganz besonderen Art – wundervoll für eine Schneewanderung

Tatsächlich ist der März der schneesicherste Monat auf der Insel. Mir ist er herzlich Willkommen und macht einen Sardinienurlaub off season wirklich erst komplett.

Für mich hat es sogar etwas sehr Anziehendes. Ich ziehe einen Spaziergang im Schnee jedem Strandspaziergang vor, weil es so einmalig ist.

Schwarzschaf-Tipp – Hier noch mehr Infos zum Reisemonat März:

Das Schmelzwasser der Berge wichtig, um die Stauseen zu füllen und damit die Wasserversorgung der Insel sicherzustellen. In diesem Jahr ist zudem jede Flocke herzlich Willkommen, denn es regnete schon das gesamte letzte Jahr sehr wenig und auch im Januar / Februar fiel fast nichts (von regionalen / lokalen Phänomenen mal abgesehen).

Aber woher weiß ich, ob da oben wirklich Schnee liegt?

1 – Wetter beobachten oder einfach hinfahren

Das Gute am Urlaub: Man hat ja jeden Tag frei und ist nicht zwingend aufs Wochenende festgelegt. Ich beobachte das Wetter meist über mehrere Tage im Voraus. Wenn an der Location Fonni Schnee fällt, dann sicher auch oben.

Die Windy-App zeigt dann am gleichen Tag an, ob / wann da oben Bewölkung ist. Auch die App Il Meteo ist für kurze Vorhersagen und Wolken- / Regenradar ganz brauchbar.

Bei Wolken entscheidest du einfach spontan ob es sich für dich lohnt.

Die Straße hinauf ab Passo Tascusi – nass aber gut befahrbar. Das ist nicht immer so.

Am schlausten ist, ein paar Tage nach dem Schneefall in einem länger sonnigen Zeitfenster hinaufzufahren. Dann sind oft auch die kleineren Straßen hinauf einigermaßen frei, selbst wenn es dann wieder zuzieht.

Oft merkt man tatsächlich aber erst vor Ort, ob man IN oder ÜBER den Wolken ist. Tipp: Man kann auch bis zum Passo Correboi fahren von der Schnellstraße 389 von unten hinauf gucken – die ersten höheren Gipfel sind gut einsehbar und der Schnee gut erkennbar.

2 – Anfahrt auf die höchsten Gipfel

Die Anfahrt ist denkbar einfach: Von Nuoro oder Tortolì kommend über die schnelle SS 389, nach Fonni abfahren (beide Ausfahrten sind gleich gut), in Fonni die SP 7 nach Desulo nehmen, bis zum Passo Tascusi und schon bist du auf der hinaufführenden Nebenstraße.

Von Osten und Süden nähert man sich eher selten – es sei denn, man ist auf einer Rundreise. Dann am ehesten via Tonara oder Gadoni. Die Wege sind relativ lang, aber durch die kleinen Dörfer durchaus interessant.

In den höheren Lagen (Region Nuoro, Oristano, Cagliari) sowie in Abschnitten ist vom 15. November bis 15. April Winterreifenpflicht (Ganzjahresreifen sind erlaubt) oder Schneeketten an Bord.

Die sind sogar sinnvoll, denn bei Schnee wird nicht immer geräumt / gestreut. Es kann also passieren, dass Schnee auf den Straßen liegen bleibt, der dann auch bald festgefahren wird.

Auch bei wenig Schnee ist es auf den Straßen oft rutschig und man findet sich extrem schnell in einer Schlittersituation wieder. Gerade wenn man auf engen Straßen oder schmoddrigem Untergrund drehen muss, kommen sie an ihre Grenzen. Bei gleichzeitig kaum gesicherten Abhängen sind dann auch die besten Fahrkünste am Ende.

Die niegelnagelneuen Ganzjahresreifen an meinem Panda reichten diesmal aus. Ein paar Tage früher mit meer Schnee wäre es aber spannend geworden.

Auch bei wenig Schnee ist es auf den Straßen oft rutschig – Ganzjahresreifen mit ausreichend Profil sind Minimum

Rechne auch immer mit Schlaglöchern und Geröll unter der Schneedecke. Also, einfach auch nicht zu schnell fahren.

3 – Achte auf freilaufende Tiere

Auf der Provinzstraße SP7 Fonni – Desulo ist IMMER mit irgendeinem Tier auf der Fahrbahn zu rechnen. Meist sind es Schweine, oft Ziegen oder Kühe. Oder ein Hirtenhund auf Streife.

Diesmal waren sie direkt neben der Straße – aber sie laufen auch direkt auf der Straße.

4 – Was ziehe ich zur Schneewanderung auf Sardinien an?

Warm angezogen ist es oben im Gennargentu bei jedem Wetter super super schön. Das ist auch die Kernbotschaft: Zwiebeltechnik ist zwar immer ganz praktisch. Aber da du vermutlich eh alles anbehältst, ist wichtiger, warm zu bleiben.

Erst, wenn die Sonne sich eine Lücke durch die Wolken bahnt, lohnt sich, etwas auszuziehen. Da aber auch häufig ein kalter Wind weht, ist das eher selten.

Meine Klamotte (und Funktionskleidung hat hier wirklich Sinn – das bisschen, das man schwitzt ist dann wirklich kaum spürbar):

Gut eingepackt friert man hier oben wirklich nur, wenn man direkt in eine Windbahn gerät …
  • Funktions-Shirt
  • Funktionspulli mit langen Ärmeln
  • eine richtig gute Softshell-Jacke
  • wahlweise ein Wollpulli (echte Wolle, im Synthetikkram schwitzt man eher) > ich hab einen im Auto um hinterher zu wechseln
  • Weste aus (fake) Schaffell (von den Hirten gelernt: Auch die Alltagstracht der Männer in Desulo hat eine schwarze Weste aus schwarzem Schaffell)
  • lange Skiunterhose
  • Trekkinghose
  • Hohe Trekkingschuhe (Stiefel für Tiefschnee hätte ich im Auto gehabt, brauchte ich aber nicht)
  • warme Wollsocken
  • gut wärmende Mütze
  • Handschuhe
  • Wechselklamotten im Auto (es sei denn, das B&B ist gleich um die Ecke in Desulo oder Fonni)
  • Manchmal sind Schneeschuhe oder Spikes sinnvoll.

5 – Der Wanderpfad vom Rifugio zum Bruncu Spina / Punta Lamarmora

Der offizielle Wanderpfad, der am Rifugio S’Arena Erba Birdes beginnt, ist der T-721 (Beschreibung Karte und gpx-Pfad auf sardegnasentieri.it).

Zum Bruncu Spina brauchst du dann nicht lang: Es sind knapp drei Kilometer und 300 Höhenmeter auf Schotterpfaden bergauf. Zum Arcu Gennargentu ist es nochmal so lang.

Dort trifft sich der Trail mit Pfad 702 und geht dann weiter über die Punta Paulinu und Arcu Gennargentu bis auf den höchsten Gipfel, die Punta La Marmora (sardegnasentieri.it).

Der Trail auf Sand ist bei mäßigem Schneefall quasi immer erkennbar, da er relativ bald abtaut und das umliegende Buschwerk die grobe Richtung vorgibt. Nur wenn sehr viel Schnee liegt, ist man eher am Raten, da es keine Steckmarken gibt.

Auch unter dem Schnee sind solche Felsen …

An Streckenabschnitten ohne Bewuchs kommt man auch mal vom Weg ab. Dort rechne mit Steinen und Felsen, die sich unter der Schneedecke verstecken.

Achtung: Bei tief hängenden Wolken ist Vorsicht geboten. Je weiter du fortschreitest, desto unsicherer wird es, da alles gleich aussieht und in dem dichtem Wolkennebel die eigene Orientierung quasi unmöglich wird – da es keinerlei Anhaltspunkte gibt.

Die Orientierung bei dichtem Nebel ist schwierig

GPS ist für eine Schneewanderung im Gennargentu also sehr sinnvoll.

Wer mit Handy hantiert: Bei Kälte gibt der Akku relativ schnell nach. Schalte die Netzsuche aus – das konsumiert einiges. Und lade dir die Offline-Karte herunter. Eine zusätzliche Powerbank oder ein KfZ-Ladegerät um hinterher wieder aufzuladen, ist auch schlau.

Jetzt aber los – Zeit für meine erste Schneewanderung in diesem Jahr!

Schneewanderung mit tollen Eindrücken

Ob Trekking oder Schneespaziergang, ob in oder über den Wolken – das entscheidet sich oft erst oben. Und rechne damit, dass sich das schnell ändern kann.

Ich war heute IN den Wolken. Nix zu machen. Die Wetter-App meinte, erst gegen 16 Uhr würde sich das lichten. Jetzt war es knapp 11 Uhr. Also stapfte ich ein bisschen hinauf.

Zwar konnte ich den Weg immer gut sehen, aber wegen tiefhängender Wolken nicht die Natur drumherum. Das nimmt einerseits ein bisschen den Reiz, andererseits mag ich solche spooky Sachen ja, die so bewusst anders als das „Ich-bin-am-genialsten-Strand-der-Welt“-Selfie sind.

Muss man aber natürlich wollen. Ich wollte!

Schmelzwasser bildet kleine Wasserfällchen

Sobald ein wenig Sonne scheint und der Schnee zu schmelzen beginnt, bilden sich kleine Wasserfällchen (cascatelle) auf den silbrigen Steinen. Sie verbreiten eine tief winterliche Stimmung und ich könnte ihrem Plätschern ewig zuhören. Relax-App in echt.

Ob mit dichtem Nebel, über den Wolken oder bei Sonnenschein – alles im Winter hat etwas sehr, sehr Friedliches.

Wasser brauchst du übrigens keins mitnehmen, eine leere Flasche reicht: Auch die Quellen sind alle aktiv und das Wasser ist zwar eiskalt (wie auch nicht), aber für einen Moment im Rucksack getragen oder (falls vorhanden) ein Stück durch die Sonne getragen, geht es gut.

Schwarzschaf-Tipp: Tatsächlich ist eine Thermoskanne mit warmem Tee oder einem selbstgemachten Glühwein (Alkohol ggf. auskochen) die bessere Vorbereitung.

Rund um das Rifugio S’Arena Erba Birdes war ich ganz allein. NIEMAND sonst war an so einem öddeligen Tag hier oben. Ein paar Locals, die zu tun hatten, traf ich in ihren Geländewagen. Touristen? Null, nada, zero. Sehr schön.

Das Rifugio aus Granit ist hübsch – aber geschlossen. Die Wiedereröffnung (ebenso wie die der Ski-Einrichtungen) steht in den Sternen.

Der Wind zog da oben, und die weitere Umgebung konnte ich nicht wirklich sehen, denn an den baumlosen Hängen kleben die Wolken dicht am Boden.

An diesem Vormittag lösten sie sich auch nicht auf. Daher entschloss ich mich nach einer halben Stunde, zum Auto zurückzukehren, erstmal Mittag zu essen und an einem anderen Tag wiederzukommen.

Da ich aber eh hauptsächlich den Schnee und die Einsamkeit hier oben erleben und mich ein bisschen bewegen wollte, war das völlig in Ordnung.

Und ein Mittagessen in einer der besten und bei Locals beliebten Trattorien der Region ist eine sehr verlockende Alternative!

Tipp: Bar und Trattoria Is Cubas

Das Is Cubas ist eine urgemütliche Trattoria mit richtig guter sardischer Küche. Sie liegt an der SP7, an der Tankstelle zwischen Fonni und Desulo, kurz vorm Passo Tascusi.

Is Cubas – eine urgemütliche Trattoria mit richtig guter sardischer Küche

Du bekommst landestypisches und selbst gekochtes Essen, die Produkte alle aus der Region. Mein Antipasto bestand aus Salami, Pecorino, frischen Artischocken, Pilzen, Auberginen mit Käsecreme, Zucchini-Bällchen und Oliven. Danach passte noch ein Teller Pasta al forno, es hätte bei großem Hunger auch noch Carne bollito oder Scaloppine gegeben.

Gegessen wird allerdings, was an dem jeweiligen Tag gekocht wird und auf den Tisch kommt. Wenn du magst, lass dich einfach drauf ein und überraschen. Es ist wirklich alles gut. Und vor allem sind die Leute sind richtig nett (und bewirten sogar schwarze Schafe!).

Der gute Hauswein wärmt nach der Wanderung von innen, das Feuer von außen!

Die Küche ist auch zum Mittagessen relativ lang geöffnet. Frage einfach nach, wenn du ausserhalb typischer Essenzeiten da bist. Ein Antipasto-Teller ist immer da und manchmal ist auch noch etwas warmes da.

Ein warmes Feuer im Kamin und eine rustikale Einrichtung machen diesen Ort sehr gemütlich.

Gerade werden auch schöne Zimmer fertiggestellt – und damit ist dies ein idealer Ausgangspunkt auch für weitere / mehrtägige Touren im Gennargentu. Folge ihnen am besten auf Instagram oder Facebook.

Alles in allem ist eine Schneewanderung im Gennargentu ist immer ein tolles Erlebnis!

Das schwarze Schaf kann nur allen Sardinenreisenden wärmstens empfehlen, im Winter auch in die höheren Regionen zu fahren .

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