Editorial Februar 2011 ~ Liebe Schaffreunde! Der Februar ist da und mit ihm einer der ungemütlichsten Monate auf der Insel. Eigentlich. Denn in diesem Jahr strahlt die Sonne seit Tagen vom azurblauen Himmel und gleich drei Hochs sorgen für stabiles Wetter. Die Nächte sind kalt, aber sternenklar. Die Frage eines Lesers “Wie ist das Wetter zurzeit auf der Insel? Lohnt es sich, die Insel im Februar anzusehen?” ist daher für das schwarze Schaf eindeutig zu beantworten: “Wetter heute: großartig.” und “Insel im Februar? Ja!”.

Reiter und Regenschirme

Reiter und Regenschirme

Doch ich erinnere mich auch an einen sehr verregneten Urlaub auf Sardinien. Im Februar 2006 könnte es gewesen sein. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, endlich den Karneval in Oristano* zu sehen und danach den Süden der Insel zu erkunden. Ich landete in der absoluten Nebensaison. Oristano machte es mir nicht leicht: Kein B&B, kein Agriturismo hatte geöffnet, nur wenige Hotels in der Stadt waren offen – dann aber ausgebucht. Ein gruseliger 3-Sterne-Schuppen bot mir noch ein Zimmer an und da ich nicht im Schlafsack im Auto nächtigen wollte, nahm ich das. Die Sartiglia ist ein tolles Fest und eine Reise wert. Zwar regnete es fast die ganze Zeit, die Reiter galoppierten auf der Matschpiste, doch damit bekam die Attraktion einen ganz eigenen Charme. Am übernächsten Tag die Weiterfahrt nach Mamoiada, wo am Karnevalsdienstag die Mamuthones durchs Dorf tanzen (siehe Artikel auf pecora-nera). Dort durfte ich noch großartigere Eindrücke mitbekommen und habe trotz der feuchten Kälte gefeiert bis spät in die Nacht. Wein und Lebensfreude wärmen eben doch und dann ist das Wetter auch egal.

Cala di Volpe im Februar

Cala di Volpe im Februar

Egal war es zunächst nicht bei der Weiterreise. Ich wollte auf die Isola San Pietro an der Südwestküste. Von Oristano die Landstraßen hinunter im Regen zu fahren, ist nicht halb so schön wie bei Sonne, denn durch die tief hängenden Wolken in den Bergen und die dicke graue Wolkendecke entgehen einem die grandiosen Ausblicke, die die Panorama- und Serpentinenstraßen eigentlich zu bieten haben. Ausnahmslos alle Agriturismi, die ich auf blauen Dunst ansteuerte, hatten geschlossen.

Aber mitten auf der Fahrt, als ich den Tempel von Antas besichtigen wollte und auch hier vor verschlossenen Türen stand, beschloss ich, den Februar zu meinem Freund zu machen – wissend, dass diese Eindrücke kaum ein anderer Reisender bekommen wird. Und in dieser Minute wurde auch das schwarze Schaf geboren. Tempel geschlossen? Na, dann wird halt über den Zaun und durch Buschwerk geklettert und die Hose schmutzig gemacht. Ich bin hier, ich will den sehen. Kein Panorama-Ausblick bis zum Meer? Pah, dann such ich mir halt andere Schönheiten und finde sie in einem riesengroßen Kleefeld, denn als die Sonne für ein paar Stunden rauskommt, öffnen sich die gelben Blüten und recken sich Richtung Himmel. Und das aufgewühlte Meer hat mir doch auch an der Nordsee schon immer so gut gefallen – warum also nicht hier?! Und siehe da: Wer sich vom Postkartenimage löst, sieht die Schönheit der Insel auch im Grau.

Costa Smeralda im Regen

Costa Smeralda im Regen

Bevor das Bild zu düster wird, sei gesagt, dass sich auch die Farbe “Grün” im Februar ihren Platz erkämpft: Sardinien ist um diese Jahreszeit ein bisschen wie Irland. Fette Wiesen, Schafherden, grüne Hügelketten… Überhaupt erinnert mich die Route im Süden an den Ring of Kerry, den ich kurz zuvor gefahren war. Die traditionellen sardischen Klänge und Feiergesänge brauchen sich vor ihren gälischen oder keltischen Verwandten auch nicht zu verstecken. Wein statt Bier, damit kann ich gut umgehen.

Die Isola San Pietro und ihre Hauptstadt Carloforte (www.carloforte.net) präsentieren sich von ihrer Schokoladenseite: Die Sonne ist wieder einmal für ein paar Stunden herausgekommen. Ich laufe durch das verschlafene bunte Städtchen, fahre an die Küsten, vorbei an Flamingos und finde alles großartig. Zwischen 17 und 19 Uhr der nächste Rückschlag: Die Suche nach einem offenen Hotel oder B&B bleibt erfolglos. Auf der gesamten Insel kein Zimmer – die beiden schönsten Hotels am Platz (die gibt es!) werden renoviert, das dritte hat geschlossen wegen Ferien. Ich finde ein 2-Sterne-Hotel (man wird sehr, sehr genügsam), dessen Tür zur Rezeption steht zwar offen, aber das ganze Hotel ist komplett dunkel und hereingewehtes Laub liegt auf dem Boden. Ich überlege kurz, “illegal” zu bleiben, entscheide mich aber um, denn es ist klamm und saukalt. Also kurzerhand zurück auf die Hauptinsel, auf die Autobahn und nach Cagliari – eine sichere Adresse für geöffnete Hotels.

In der Inselhauptstadt bleibe ich drei wundervolle Tage und eigentlich ist auch genau das meine Empfehlung für den Februar: Eine Woche Cagliari mit Mietwagen und täglichen Ausflügen ins Hinterland. Über die SS 131 Carlo Felice ist die Insel gut zu erkunden – da sind vielleicht ein, zwei Nächte in einem Hotel im Inselnorden (vorher recherchieren!) drin. Insgesamt bleibt nur, auf gutes Wetter zu hoffen und sich bei schlechtem genau darauf einzulassen! Warme Kleidung, Regenkleidung, feste Schuhe. Bloß nicht frieren!

Nuraghe im Regen

Nuraghe im Regen

Mit dem richtigen sonnigen Gemüt und/oder einem fröhlichen Begleiter werden Sie Sardinien im Februar von einer Seite kennenlernen, die kein Sommersonnestrandurlauber je sehen wird.

Wer also wegen ein paar “Hochs” auf der Wetterkarte spontan bucht und kurzfristig mit dem Flieger hier landet, sollte sich auf das genaue Gegenteil gefasst machen.

Das schwarze Schaf wünscht einen wundervollen Februar!

* Die Hauptfeiertage des Karnevals fallen in diesem Jahr auf den 6. bis 8. März 2011. Zu empfehlen: das Reiterfest in Oristano “Sa Sartiglia” (Tipp: Es gibt zwei Attraktionen in unterschiedlichen Straßenzügen der Stadt zu sehen und da sie zeitgleich stattfinden und die Menschenmengen die Wege voll machen, müssen Sie sich entscheiden. Gehen Sie z. B. Sonntags zu den Pariglie und am Karnevalsdienstag zum Sternenritt. Näheres folgt in einem Artikel hier auf pecora nera.). Weiters zu empfehlen: der traditionelle sardische Karneval mit urigen Masken, zum Beispiel in Ottana und in Mamoiada.

PS. Warm eingemummelt in einer Nuraghe zu sitzen, während es draußen regnet, ist eines der eindrücklichsten Sardinienerlebnisse überhaupt. Für Leute, die Steine mögen.

Nicole Raukamp ist Buchautorin, Beraterin und Bloggerin (aka "pecora nera"). Sie organisiert und begleitet fundierte Fachreisen und entwirft erlebnisreiche Events und höchst individuelle Reiserouten - authentisch, nachhaltig, an Land und zu Wasser auf Sardinien im ganzen Jahr. Außerdem unterstützt sie Unternehmen/r bei geschäftlichen Aktivitäten und Vorhaben auf Sardinien, hilft sardischen Unternehmen und Anbietern bei ihrem Eintritt in den deutschsprachigen Markt.

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