Nicole Raukamp / Fotos: Cornelius Kalk

Neugeborene, die in diesem Jahrtausend zur Welt kommen, haben eine fünfzigprozentige Chance 100 Jahre alt zu werden.

Einhundert Jahre. Wie ist das, wenn man so alt wird? Und welche Rolle spielt all das, was landläufig wichtig erscheint, wirklich?

Ein Geheimnis des Alters beheimatet Sardinien. Die zentrale Gebirgsregion der Insel birgt ein kleines Wunder des Altwerdens, auf dessen Spur sich zahlreiche Wissenschaftler in aller Welt begeben haben.

Auf Sardinien leben – geburtsurkundlich belegt – weltweit die meisten Menschen gemessen an der Gesamtbevölkerung, die ein vollständiges Jahrhundert erlebten. Grund genug, die Lebensweise dieser Menschen näher zu betrachten.

»A kent’annos« ist ein alter sardischer Gruß, mit dem man ein hundertjähriges Leben wünscht: “Auf einhundert Jahre!” – oft zum Geburtstag, aber auch zu anderen Gelegenheiten.

Allein das Vorhandensein eines solchen Ausspruches beweist, dass es auf Sardinien völlig normal ist, so alt zu werden.

Im Mai 2005 besuchten wir mit unserem Freund und Fotografen Cornelius Kalk die Dörfer Barumini, Isili und Orroli, um Hundertjährige kennenzulernen und zu porträtieren.

Zum Beispiel Giuseppina. Ihr Alter kann kein damenhaftes Geheimnis mehr sein: Sie wurde am 29.11.1903 geboren.

Sie hat die Insel nie verlassen, ist Zeit ihres Arbeitslebens an jedem Morgen und jedem Abend zehn Kilometer zu ihrer Pflicht gewandert. Holz schleppen, Weinreben pflegen, Oliven ernten, Tiere versorgen, Felder bestellen. Nicht zuletzt kümmerte sie sich um sechs Kinder und einen Ehemann.

Wir trafen auch einen Schäfer namens Giuseppe. Schon als kleines Kind liebte er Schafe. Sie waren sein Leben, sie begleiteten seinen Weg, insgesamt 69 Jahre lang übte er den ehrbaren Beruf aus.

Wir können uns vorstellen, wie er mit den Tieren über die schmalen Wege und die kargen Hügel zog und können gleichzeitig nur ahnen, wie genügsam ein Mensch sein kann und wie befriedigend und erfüllend gleichzeitig sein Lebensinhalt war.

Er sieht glücklich aus, wie er da vor dem Haus sitzt und seine Familie um sich weiß. Wir mögen uns kaum verabschieden.

Der vollständige Artikel ist im Blog des Fotografen Cornelius Kalk zu lesen, und auch die schönsten Motive der Fotoreportage stehen in seiner Online-Galerie zur Ansicht bereit.

Das pecora nera bedankt sich für diese gemeinsame, unvergessliche Reise. A kent’annos! Auf noch einmal einhundert Jahre!

 

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