Kürzlich erschien ein klasse Artikel in der Süddeutschen: »Das wird ein super Urlaub, haben sie gesagt«.

Darin ging es um Typologien von Reisepartnern. Leute, die alles durchorganisieren müssen, kleine Kolonialisten und meinungslose Mitläufer. Was hat das Schaf gelacht!

Was unterm Strich aber hängen blieb, ist der Optimierungswahn unserer (deutschen) Gesellschaft.

Der macht ausgerechnet vor dem Urlaub nicht halt, sondern nimmt nochmal so richtig Fahrt auf: Zwei Wochen Jahresurlaub – die MÜSSEN PERFEKT sein! Da muss das Reiseziel so intensiv wie möglich abgearbeitet werden.

Passend dazu gab’s in einem einschlägigen Forum das obligatorische „Organisationsweibchen“ (sehr gut meinend und bemüht), das mit Hängen und Würgen versucht, die Sportbesessenheit ihres Angetrauten und die Bedürfnisse der kindlichen Zwerge unter einen Hut zu bringen – und sich fragt, ob Sardinien denn das geeignete Reiseziel sei, wann wie wo und überhaupt. Oder ob Fehmarn nicht besser wäre.

Spoileralarm: Sardinien ist fein für euch.

Vielseitigkeit: Vertrau drauf, Sardinien kann määähr als du denkst.

Vielseitigkeit: Vertrau drauf, Sardinien kann määähr als du denkst.

Wenn du dich auf die Insel einlässt. Wenn du sie hingegen zerfaserst und zer-organisierst, vielleicht eher nicht.

Das passt nämlich gar nicht zu ihr, die sie im Hier und Jetzt lebt, die ihre eigenen Vorstellungen davon hat, womit Mensch zufrieden sein kann*.

Zurück zu Allgemeinplätzen: Der (deutsche) Urlauber plant und tut und macht, so, als sei die Zeit im fremden Land ein Projekt, ein Job – obwohl man sich davon doch eigentlich grad erholen wollte.

Die Routen für An- und Abreise und von Sehenswürdigkeit A zu Ausflugsziel B über Empfehlung C werden optimal gewählt, so dass man auch ja keinen Kilometer zu viel fährt. Wir wollen auf dem schnellsten Weg von A nach B kommen, maximal über C – egal, ob Y links ab vielleicht ganz wunderbar wäre!

Wenn die Landschaft dich im Urlaub ausbremst: Entspann dich ...

Wenn die Landschaft dich im Urlaub ausbremst: Entspann dich …

Der dicke Sardinien-Reiseführer wird in einer akribischen Vorbereitungszeit auf die Must-Sees zusammengedampft.

Das Hotel oder B&B muss optimal zu Strand und Schnellstraße liegen, aber dabei bitte schön ruhig und natürlich ganz individuell und authentisch sein!

Auch wenn das auf Sardinien gar nicht zu den Landesgegebenheiten passt, denn der geneigte Sarde wohnt irgendwo ganz lieblich und ruhig in den Bergen und zwischen Olivenhainen. Oder im Grau eines verlassenen Dorfes – dessen Verfall einen ganz eigenen Charme hat.

Störfaktoren müssen minimiert und nach Möglichkeit vermieden werden (allen voran: kein Regen!).

Bei der Buchung und spätestens vor Ort wird dann gespart und gehandelt was das Zeug hält. Nur keinen Euro zuviel ausgeben, aber wertvolle Lebenszeit verschwenden.

„Preis-Leistungs-Verhältnis“ – aka Optimierungswahn – steht als Credo unserer Zeit über dem ganzen Urlaub.

Das schwarze Schaf meint: Humbug!

Einen Gang runterschalten ... Marina di Cea

Einen Gang runterschalten … Marina di Cea

Was für ein Quatsch!

Entspann dich!

Du kannst jeden hundertjährigen Sarden fragen: Die besten Dinge im Leben kosten dich nullkommagarnichts.

Und die jungen sagen dir: Das richtig geile Leben fängt erst da an, wo die Komfortzone aufhört.

Es liegt an dir. Und an mir.

Sardinien jedenfalls macht alles richtig.

Die Insel ist da – und lässt dich sein.


* Lesetipp: Sardinien-Reisebuch, Seite 178/179 – »Zufriedenheitszeitreise im Nuorese«

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