Weihnachts-Beeehditorial 2014 – Auf Sardinien Weihnachten zu feiern, ist ja vielleicht nicht das Beeeh-sinnlichste, was man in der Festzeit tun kann – und das Schaf tut’s trotzdem (schon wieder!).

Kein Besuch beim Weihnachtsmann in Lappland, kein winterlicher Streifzug durch Stockholm, kein Weihnachtsmarkt am Kloster Einsiedeln in der Schweiz oder in Lübeck oder Michelstadt in Deutschland. Obwohl alles in Sachen Besinnlichkeit deutlich weiter vorne rangiert.

orangen-beeehsinnlich

Schöne Beeeh-scherung!

Wenn es auf der Insel überhaupt so etwas wie Weihnachtsmärkte gibt, dann sind die meistens als ein Spektakel für Kinder konzipiert und deutlich weniger festlich als die nördlich der Alpen. In manchen Orten an der Küste ist alles etwas hemdsärmeliger, da trifft man schonmal auf Palmen mit Lametta.

In den Supermärkten ist Weihnachten eher kommerziell und Familien sind im Plastik-Kitsch- und Süßigkeiten-Wahn für die Kinder und Enkel. Ach so, die Geschenke für die Kleinen bringt eigentlich erst im neuen Jahr, am 6. Januar, die Hexe Befania. Aber irgendwas kleines liegt neuerdings auch unter den Plastik-Weihnachtsbäumen.

Glühwein muss man sich schon selbst machen, Schnee gibt’s höchstens in den Bergen, und blinkend beleuchtete Palmen wirken befremdlich. Globalisierung sei dank (?) finden mittlerweile auch Weihnachtsbäume den Weg auf die Insel und das ein oder andere „Winterfest“ in den größeren Städten findet statt. Dort ist es bunt und die Lichterketten leuchten um die Wette. Auch das wirkt im ersten Moment etwas schräg.

Als wär das nicht genug, hat der Weihnachtsmann (wie alle Promis) ein Sommerhaus auf Sardinien, genauer, in Golfo Aranci, und im Dezember ist er schon längst nicht mehr am Nordpol, sondern hat natürlich hier sein Büro – der faule Sack. Hierher können Kinder ihm Wunschzettel bringen oder schicken, und die Arbeit bleibt an den Elfen im kalten Norden hängen.

Wenn Weihnachten ist, dann hauen sie hier aber auch manches Mal so richtig rein. Dann leuchten an einer Dorfkirche mehr Lichter als sonst im ganzen Dorf.

Dann wiederum, fährt man ein paar Kilometer weiter und da ist es in manchen Dörfern, als wäre alles im Winterschlaf. Kein Licht, so als lebte hier niemand. Doch das ist nicht wahr. Man ist in dieser Zeit viel zuhause, lebt zurückgezogen, aber immer mit der Familie, mit Kindern und mit Freunden. Es wird in den Land- und Dorfkirchen sehr religiös-festlich und der Kaminduft, der in jedem Dorf hängt gibt etwas Heimeliges.

Man gibt sich ausgiebigen Gesprächen mit Freunden hin, man trifft sich zum Essen und Trinken. Und wenn es außerhalb der Mauern kalt und abweisend aussieht, so ist es innen gemütlich und voller Leben.

Weihnachtsmann-GolfoAranci

Der Weihnachtsmann in Golfo Aranci

So richtig original ist an der Weihnachtszeit auf Sardinien vielleicht eines: Die Mandarinen und Orangen erntet man hier jetzt direkt aus seinem Garten.

Naja noch was: die Dezembertage sind oft noch warm. An sonnigen Tagen und in den kalten sternenklaren Nächsten kann man der Originalgeschichte aus dem Vorderorient mit den drei Heiligen Königen und den Hirten auf dem Feld sehr gut nachspüren.

Und Sardinien wäre nicht Sardinien, wenn es nicht auch jetzt wahnsinnig schön wäre. Es kann durchaus traumhaft werden, denn die Insel schaltet zurück und liegt wie in einem Winterschlaf. Lange Spaziergänge am Strand oder Mirto sammeln direkt am Busch sind jetzt die Lieblingsbeschäftigungen.

Eine ganz beeeh-sondere Zeit. Hofft auf etwas tiefere Temperaturen, damit der ein oder andere Schneespaziergang auf dem Limbara oder im Gennargentu klappt. Dort oben ist übrigens auch quasi Frier-Garantie, für alle, die es unbedingt kalt brauchen. Aber es soll auch Leute geben, die sich über 14 Grad im Dezember beschweren … da schütteln wir den wolligen Kopf.

Für unsere Leser gibt es als schöne Beeehscherung und kleines Weihnachtsgeschenk dieses sardische (galluresische) Gedicht, mit italienischer und deutscher Übersetzung, und noch ein paar Stimmungsbilder von der Winter- und Weihnachtszeit auf Sardinien.

Ein Dank geht noch an alle die dem schwarzen Schaf über das Jahr geholfen haben, für ihre Zeit und natürlich an unsere Leser für ihre Treue und ihren Sinn für das schwarzschafige, respektvolle und neugierige Entdecken der Insel!

Landkirche-Wolken

Landkirche bei Nughedu San Nicolo

Schönes Fest und ein gutes Neues Jahr!

wünschen das schwarze Schaf & seine Freunde

Varru

Lu arru guasi sempri anniulatu
niosu, asciuttu e fritu si prisenta.
Focu illa zidda e arrustu pripparatu,
salticcia, pesciu, rivei e pulenta.
Lu magnà coccu letu e miciuratu,
cicciuleddi e friscìoli ci bistenta.

Cussi lu arru anda scumbattatu,
dugn’ora sia di dugna di cuntenta;
e la notti dugn’unu sussigatu,
si drommi solu illu lettu s’assenta.
Siddu ’nvecci s’abbenta in cumpagnia
no vali sussigassi e cussi sia!

Stintino, Leuchtqualle

Stintino, Leuchtqualle

Inverno

L’inverno quasi sempre nuvolo,
nevoso, asciutto e freddo si presenta.
Fuoco nel camino e arrosto preparato,
salsiccia, pesce, coratella e polenta.
Il mangiare pane fresco e yogurt,
dolcetti e fritelle ci trastulla.

Così l’inverno va combattuto:
ogni ora di ogni giorno sia contenta.
E la notte ogn’uno rilassato,
se dorme solo nel letto si riposa;
se invece si diverte in compagnia
non vale riposarsi, e così sia!

 

Weihnachten in Palau

Weihnachten in Palau

Winter

Der Winter ist quasi immer wolkig,
Schnee fällt, trocken und kalt präsentiert er sich.
Feuer im Kamin und Gebratenes wird bereitet,
Salsiccia, Fisch, Innereien und Polenta.
Man isst frisches Brot und Joghurt,
süßes Gebäck, hält sich mit Frittiertem bei Laune.

So wird der Winter bekämpft:
indem man jede Stunde jeden Tages zufrieden ist.
Und in der Nacht erholt sich jeder,
wer im Bett liegt, ruht sich nur aus.
Wer sich aber mit Freunden vergnügt,
für den lohnt die Ruhe nicht. Und so sei es!

 

 

Ich bin Nicole, auch bekannt als »das schwarze Schaf auf Sardinien« (italienisch: pecora nera) und Gründerin dieses Blogs. Hier berichte ich von meinen Streifzügen im ganzen Jahr auf, durch und rund Sardinien. Im »richtigen Leben« bin ich Beraterin für Kommunikation und Tourismus sowie Content Creator.

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