(Anm. der Redaktion: Dies ist der zweite Teil des Segelberichtes; hier geht es zu Teil 1 mit der Hinreise von La Maddalena)  

Die erste Hälfte unseres Sommer-Segelurlaubs ist fast vorbei. Wir sind in Santa Maria Navarrese und wollen gar nicht weg, so gut hat es uns gefallen.

In dem Hafen war richtig was los – von dem obligatorischen Vermentino am Mittag in der Hafenbar über ein gutes Essen und den Cocktail am Abend auf der grandiosen Terrasse mit Hafenblick im tomé, von einem Trekking-Ausflug nach Baunei bis zum lässigen Grillabend auf dem Schiff mit Steak und Kartoffelsalat à la family – alles top.

Dem Lieblingshafen das Heck gezeigt ...

Dem Lieblingshafen das Heck gezeigt …

Aber wir haben ein Schiff und ein Meer, und so fahren wir eben doch ein wenig weiter und auch irgendwann zurück.

Nach vier ganzen Tagen setzen wir wieder Segel. Kurs (nicht lachen!) auf die zwei Seemeilen entfernte:

Isola dell’Ogliastra  39°58′31.7″N 09°42′18.1″E

Die kleine vorgelagerte Insel bei Santa Maria Navarrese lockte uns schon die ganze Zeit. Wir sind aber jeden Tag ziemlich spät aufgestanden (Schuld war immer der Gin Tonic am Vorabend) und wollten ja auch Land und Leute sehen.

Also war der Plan: Auch bei der Weiterfahrt spät aufstehen, einfach nur die beiden Meilen bis zur nächsten Insel tuckern und Anker werfen.

Unsere Ankerbucht bei der Isola Ogliastra

Unsere Ankerbucht vor der Isola Ogliastra

Denn noch ist unklar, wie sich das Wetter entwickelt – die Vorhersagen sind sich nicht einig, ob Wind mäßig aus Südost Regen und vielleicht sogar Gewitter bringt, oder ob der kräftige Nordwest mit Sonne hier ankommt oder vielleicht doch ein Nordost.

Also fahren wir am frühen Nachmittag hinüber, jagen uns mit Müh und Not einen Ankerplatz zwischen den schon dort liegenden Motor-, Segel- und Schlauchbooten … und sind – so spekulieren wir – am Abend bis auf ein anderes Boot ganz allein.

Tatsächlich: Gegen 18 Uhr zockeln alle anderen wieder ab, nur ein Motorboot bleibt in respektabler Entfernung liegen, und ein Fischer zieht später seine Runden um die Insel.

Die von Kormoranen und Möwen (nachts schlafen lustigerweise auch die und machen keinen Mucks) bewohnte Insel ist ein traumhaft schöner Ankerplatz, geschützt vor allen östlichen Winden und Schwell. Das Wasser ist kalt, aber wir schwimmen trotzdem.

Was den Wind betrifft, tippen wir auf den Südost, und tatsächlich briest es am nächsten Tag auf. Aber der Scirocco ist wieder einmal freundlich. Wir kreuzen weit über das Capo Bellavista hinaus und in einem schönen Bogen wieder an die Küste.

Marina di Cea 39°52’03.6″N 9°41’09.6″E

Dromedar im Meer?

Dromedar im Meer?

Ein schöner Segeltag, sehr spaßig! Unsere Vindö blüht regelrecht auf und ist fast etwas enttäuscht, als wir das Segel bergen.

Während draußen die Sonne noch hier und da durchkommt, regnet es in Küstennähe aus der diffus-grauen Wolkendecke, die über dem Land liegt. Ganz sacht nur, warm ist der Scirocco auch im Sommer. Wir fahren hinunter und ehrlich gesagt, sind wir sehr froh über die kleine Abkühlung. Gefährlich ist das alles nicht, da ist kein Unwetter zu sehen und auch nicht zu spüren.

An der Marina di Cea, südlich der Felsreihe, die ins Meer ragt, ist ein toller Ankerplatz. Einer der Felsen ihnen sieht aus wie ein Dromedar, das im Wasser liegt und zum Himmel guckt.

Hier geht – in sicherem Abstand – der Anker runter.

Pünktlich zum Abend reißen die Wolken auf und die Felsen werden von der untergehenden Sonne angestrahlt. Sie heißen auf Sardisch “Is Scoglius Arrubius” – die roten Felsen. Das passt. Die Sicht ist mittel, aber trotzdem erkennen wir am Horizont den Supramonte und Baunei.

Den Abend verbringen wir gemütlich im Salon und lesen. Irgendwann schlafen wir über unseren Büchern ein, sogar der Rotwein bleibt stehen.

Durch die Felsen Blick auf das Bergdorf Baunei

Durch die Felsen Blick auf das Bergdorf Baunei, ganz weit weg

Tatsächlich ist das an einem Ankerplatz in diesem Urlaub die allererste wirklich tiefenentspannte Nacht. Keine Welle, kein Wind, trotzdem angenehme Temperaturen.

Das nächste Ziel ist – wieder Kurs nordwärts – die hufeisenförmige Bucht Porto Frailis (39°55’20.8″N 9°42’24.0″E), der Geheimtipp eines Freundes.

Allerdings war er im Frühling da und nicht im Hochsommer. Porto Frailis ist furchtbar frequentiert und wir zählen schon aus der Ferne 19 Masten (nur die hohen), dazu wahnsinnig viele Motorboote. Dass die alle da reinpassen … Das Animationsprogramm des Strandhotels schallt bis nach sonstwohin.

Wir fahren wieder ein Stück zurück – da gibt’s Platz ohne Ende.

Lido d’Orri / Spiaggia Basaùra (39°54’54.0″N 9°41’38.5″E)

In der Bucht südlich des Sarazenenturms müssen wir ein ganzes Weilchen suchen, bis wir einen guten Ankerplatz finden.

Erst kamen wir der Badezone zu nah (200 Meter Abstand) und wurden verjagt, dann hatte ein Volltrottel seinen Anker nicht eingedampft und trieb unkontrolliert auf das Ufer zu, so dass wir sicherheitshalber unseren Anker zum zweiten Mal hochhievten (alles Handarbeit, nix elektronische Ankerwinsch!).

Last but not least ist der dann ausgesuchte Ankerplatz zwar ausreichend weit weg, aber zu tief und unruhig.

Der Wind hatte sich nach der nachmittäglichen Thermik nicht gelegt, sondern auf Nordost gedreht und zugelegt. Dazu eine unangenehme Welle, direkt onshore auf unsere Bucht. Vieles sprach dafür (auch die Wetter-App), dass sich das noch verstärken würde. Hier zu bleiben war keine Option.

Wir beobachten noch neugierig, wie die Guardia di Finanza ein Motorboot etwa eine Stunde lang mit mehreren Leuten durchsucht und versuchen mit dem Feldstecher zu erkennen, ob das irgendein Promi ist. Aber irgendwann ist das Kino vorbei, und wir beschließen, nach Arbatax zu fahren.

Am Kap entdecken wir einen in die rote Felswand gehauenen Beachclub, bzw. eher “Felsclub”, vor dem ein (ausgesprochen hässlicher) moderner Katamaran ankert – Cala Moresca. Ist das ein guter Ankerplatz? Eigentlich ja ganz cool, sich schnell einen Cocktail aufs Schiff bringen zu lassen …

Aber nein, wir wollen nicht in der kurzen unangenehmen Welle ankern. Jetzt einfach einen ruhigen Liegeplatz und Hafenfeeling, bitte.

Marina di Arbatax (39°56’16.2″N 9°42’16.5″E)

Arbatax - Schutz vor Wind und Wellen

Arbatax – Schutz vor Wind und Wellen

Wenn man in Arbatax einbiegt, ist die Marina erstmal richtig groß und wirkt eher wie ein Industriehafen.

Hier landet mehrmals täglich die Fähre aus Cagliari bzw. Civitavecchia an, und die braucht natürlich Platz. Morgens und abends also ein bisschen aufpassen.

Wir haben den Porto angefunkt und bekommen keine Antwort (Kleiner Tipp: Wir erfahren später, das “X” in “Marina di Arbatax” ist ein “SCH”. Dazu einen leicht arabischen Akzent, dann fühlen sie sich angesprochen und dann klappt’s auch mit’m Funk …).

Aber soviel ist sicher: Wir fahren hier sicher nicht weg und kurven so lang im Hafenbecken, bis ein Schlauchboot auf uns zukommt.

Der Wind wird zur Nacht ruppiger, und fällt ein wenig ungünstig ein, aber es wird dunkel und selbst auf die paar Seemeilen nach Santa Maria Navarrese, das schön geschützt vom Berg liegt, haben wir keinen Bock.

Unser Liegeplatz ist gleich einer der ersten an der Hafenmole und wir bekommen ein bisschen kühlen Abendwind ab, aber liegen trotzdem gut. Für ein paar kleine Vögel ist das zuviel – sie suchen auf einer Kette am Bug des Nachbarschiffs Schutz und bleiben dort die ganze Nacht, bis der Dampfer am frühen Morgen ablegt.

Das Schiff schwojt vor sich hin und wir wollen eh an Land, dort ist es wie erwartet still und warm. Wir wollen etwas Neues sehen und Arbatax und das Hinterland erkunden.

Am nächsten Morgen muss eine Tour mit dem Trenino Verde sein – egal wie touristisch der ist. Das Schöne: Ist er nämlich gar nicht, im Gegenteil.

Eine ganz tolle Strecke durch das ursprüngliche Hinterland, antikes Eisenbahnfeeling, ein Stopp in Seui und so einige mitreisende Sarden sorgen für extrem viel Abwechslung und das Gefühl, wirklich etwas von Land und Leuten zu sehen. Wir sind Segler und sind in den Bergen. Und finden es großartig. Flasche Prosecco und eine Tüte Gummibärchen im Gepäck, da konnte eh nichts schiefgehen.

Capo Bellavista bei Arbatax

Capo Bellavista bei Arbatax

Zurück in der Marina bleiben wir genau da: Sie sieht schön aus, und hat ein gutes Restaurant mit großer Außen-Dachterrasse und Blick auf die Schiffe und das Capo Bellavista.

Das Essen ist für einen vermeintlich touristischen Platz sogar richtig gut und der Kellner von der Saison zwar etwas außer Atem und vergisst uns manchmal, aber nett und fröhlich.

Und da wir ihn nicht anmotzen, sondern Zeit und Ruhe haben, macht er sich am Ende sogar einen Spaß draus und tut immer nur so als ob er an unseren Tisch kommt, lacht und geht wieder weg. Sehr lustig!

Als die Gäste weg sind, setzt er sich zu uns, stellt noch einen extra Mirto auf den Tisch und wir plaudern ein bisschen über die Fähren und die Probleme mit der “territorialen Kontinuität”, die den Sarden ganzjährige Transportverbindungen auf die Insel garantiert – oder garantieren soll. Ein super Abend!

Nach hinten raus gäbe es noch eine Pizzeria, dazwischen eine Loungebar. Die Duschen sind pieksauber und zur Abwechslung mal richtig schön ausgestattet, mit Holzdecke und eigenen Duschkabinen, kosten fast nix. Im Hafenbüro sind die Wetterkarten aktuell und ausführlich. Echtes Hafenleben, auch die Jungs vom Werfthafen kommen manchmal her und quatschen mit den Ladies, dann wird gelacht und gelebt.

Alles da, was man braucht – und nicht nur für VIPs sondern für jeden.

Kurzum: Eine der besten Marinas der gesamten Insel, ganz unerwarteterweise. Und wir haben schon echt viele gesehen.

Dort am Capo Monte Santu versteckt: Portu Quau

Dort am Capo Monte Santu versteckt: Portu Quau

Wir bleiben zwei Tage, gucken Schiffe und warten, dass der olle Nordostwind abhaut. Den Gefallen tut er uns, und wir setzen an zum Highlight dieses Sommerurlaubs: Die Buchten des Supramonte im Golfo di Orosei!

Alle werden wir in der einen nur noch verbleibenden Woche bis zum Ausgangshafen nicht schaffen.

Also, “no it down”:

Nein zur paradiesisch schönen Cala Goloritzè (40°6’36″N 9°41’13″E), denn sie kennen wir von unserer Inselumrundung zwei Jahre zuvor.

Nein zur Cala Luna – da waren wir auf dem Hinweg.

Nein zu Portu Quau (40°5’9″N 9°43’56″E), die Bucht ist zu klein und flach, um sicher mit unserem Langkieler rein und wieder raus zu kommen.

Auch sehr schön: Cala Goloritzè

Auch sehr schön: Cala Goloritzè

Alles tolle Buchten, aber wir entscheiden uns für eine, die wir noch nicht kennen: Cala Mariolu. Aber erstmal hinkommen.

Der Wind schläft ein, bzw. wird flau, weil er dreht. Und das macht er heute genau in Höhe der Pedra Longa.

Wir sind unter Segeln heute eh extrem langsam, dödeln vor uns hin und merken auch den Winddreher erst, als wir fast auf dem gleichen Kurs wieder zurückfahren.

Ja, unser Boot gönnt sich den Wendewinkel eines Traditionsseglers, aber das ist zuviel. Motor an! Das läuft gut und am Capo Monte Santo – Windscheide und Windgarant – gibt’s den angekündigten Maestrale, der uns auch für den Rest der Fahrt nur selten loslassen soll, an der Ostküste aber moderat ist.

Farben und Lichtspiele im Türkiswasser

Farben und Lichtspiele im Türkiswasser

Hier am Kap ein feiner, schneller Segelwind, wir sind in Nullkommanix vor unserer ausgesuchten Bucht.

Cala Mariolu / Ispugli de Nie (40°7’24″N 9°40’35″E)

Links von den Felsen kämpfen wir zu sehr mit der Welle von der offenen See eine Viertelstunde um einen guten Ankerpunkt. Im rechten Abschnitt kommen wir näher an die Wand, aber die Felsen in der Mitte wirken ein kleines bisschen als Wellenbrecher.

Wir versuchen es. Auch hier ziemlich was los, das Schiff tänzelt herum.

Irgendwann hält der Anker und wir beobachten das Ganze bei laufendem Motor nochmal etwa eine halbe Stunde lang.

Mit dem Nordwestwind wird sich die Welle bald geben. Alles gut.

Als der Motor aus ist, geht gerade der Mond über der steilen Bergwand auf und leuchtet in unsere Bucht. Als er wieder verschwunden ist, bleibt die schwarze Nacht. Kein anderes Schiff, kein Licht. Nur Abermillionen Sterne, dass man fast kein Sternbild mehr erkennen kann – so viele sind es.

Atemberaubend. Die vielleicht schönste Ankerwache meines kleinen Lebens.

Wenn es irgendwo egal ist, was gerade in der Welt passiert, dann hier und jetzt.

Am nächsten Morgen schwimmen wir eine Runde und sind begeistert von dem Wasser. Tolle Farben und Lichtspiele im Wasser, durch fast rein weiße Kieselsteinchen. Deswegen heißt die Bucht bei den Sarden “Ispugli di Nie” – kleine Flöhe aus Schnee.

Hübsch hier. Sehr hübsch.

Cala Biriala 40°8’52″N 9°39’10″E

Spazierfahrt im Golfo di Orosei

Spazierfahrt im Golfo di Orosei

Cala-Hopping – die nächste Bucht mit guten Ausmaßen für unser Boot ist die Cala Biriala (auf einigen Karten auch Cala Biriola).

Und was sollen wir sagen – sie ist ein einziger Traum. Ein unheimlich schönes Farbenspiel im Wasser, hoch aufragende Felswände hinter einem blütenweißen, ebenfalls aus kleinen Kieselsteinen bestehendem Sand.

Sie ist von Land kaum zu erreichen, nur über einen anspruchsvollen Trekkingpfad. Mit dem Boot geht es deutlich einfacher.

Einer von den Ausflugsdampfern donnert durch die Zufahrt direkt auf den Strand, schön ist das nicht. Kleiner Wermutstropfen. Aber, ein sehr kleiner.

Cala Biriala - frühmorgens allein mit der Muschel und unserem Boot

Cala Biriala – frühmorgens allein mit ner Muschel und unserem Boot

Wir schauen uns das bunte Treiben am Strand an. In kürzester Zeit sind an die 100 Touristen am Strand und kämpfen um die besten Plätze. Hauptsaison auch hier.

Als die Guardia di Finanza mal wieder eine ihrer Kontrollen bei den umliegenden Charterschiffen macht, fahren sie an uns vorbei. Wir glauben, dass uns die deutsche Fahne am Heck vor Kontrollen durch die italienischen Finanzbehörden bewahrt – die suchen nur italienische Steuersünder.

Wir wollen bis zum nächsten Morgen bleiben, so grandios ist es. Als alle anderen weg sind, und die Dämmerung hereinbricht, fasziniert uns die Bucht erst richtig. Schwimmen, in der Abendsonne liegen, wieder schwimmen, Abendessen, ein Schluck Rum zur Nacht …

Der nächste Morgen ist unbeschreiblich schön. Ich wühle mich um sechs Uhr aus der Koje und schaue dem Sonnenaufgang zu. Das orangene Licht färbt die Felswand, sie scheint fast zu glühen. Irre!

Mit der Kamera im Dry Bag schwimme ich an Land. Jetzt ist es halb acht. Es dürfte noch etwa zwei Stunden dauern, bis die ersten Ausflugsboote hier anlanden.

All diese Buchten sind im Sommer auch nicht richtig einsam – außer eben morgens und abends, wenn alle Tagesausflügler weg sind.

Diese ganz natürliche Abgeschiedenheit des Supramonte ist die schönste Form von Einsamkeit, die man sich vorstellen kann. Nach einer Stunde vom Berg aufs Meer und wieder zurück gucken und etwas im Kreis schwimmen, geht es zurück aufs Schiff. Kaffee für den Liebsten kochen.

Wir haben nie Pärchenkoller auf dem Schiff – und vielleicht sind genau solche Buchten und intensiven Momente mit der sardischen Landschaft es, die uns davor bewahren.

Gegen zehn, als das erste Schlauchboot um die Ecke biegt, lichten wir unseren Anker und werfen den Motor an. Oha, der Ankerversuch von gestern hat ziemlich an der Reserve geknabbert. Die Tankstelle in Arbatax hatte zu und eigentlich dachten wir, wir kommen locker damit nach Cala Gonone. Nun sind wir nicht mehr ganz so sicher. Die kleine verbraucht zwar nix, aber irgendwann ist auch ihr Tank leer.

Wind? Nur vier, fünf Knoten aus Nordwest. Albern. Das bewegt unsere drei Tonnen Schiff keinen Meter. Zehn dürfen’s gern sein.

Felswand im Golfo di Orosei

Felswand im Golfo di Orosei

Wir wollten eigentlich noch die Grotta del Fico (40°8’24″N 9°39’35″E) besichtigen, aber der Festmacher ist für die organisierten Exkursionen (in Santa Maria Navarrese im Hafen buchbar) reserviert, nur Schlauchboote können seitlich anlegen. Daran, davor zu ankern und mit dem Dinghy (das schön zusammengefaltet im Bootsinneren liegt) hinzufahren, hindert uns der Tankfüllstand.

Also, weiter entlang der schroffen Küste, im Sparmodus. Ein wenig näher an diese kleine Bucht, jenen Felsen genauer anschauen, über kleine Erdrutsche und tolle Felsformationen staunen …

Cala Sisine 40°10’46″N 9°38’2″E

Der hoch aufragende Berg neben der Cala Sisine

Der hoch aufragende Berg neben der Cala Sisine

Fast unspektakulär ist diese Bucht – abgesehen von dem hohen Berg, der Windschutz bei Ost und Süd bietet – wenn man gerade die irrsinnig schöne Küstenlinie abgefahren ist.

Aber wunderbares, ruhiges Wasser und Platz ohne Ende.

Auch hier ankerten wir schon, also reicht ein ganz ganz kleiner Fotostopp, ohne Ankermanöver. Wir stellen uns einfach in ausreichend Abstand hin und erinnern uns an den Trek im letzten Jahr von Land aus, durch das sagenhaft tolle (aber irrsinnig lange) Flussbett und Schlucht der Codula Sisine.

Dann direkter Kurs auf Cala Gonone. Liegeplätze haben die Flöten eh nicht, aber eine Tankstelle. So langsam wird’s eng, und Wind ist heute keiner. Wir schaffen es mit ein paar Litern Resttreibstoff.

Im engen Hafenbecken gibt es mehrere brenzlige Situationen mit Sonntagsausflüglern (Was für einen Tag haben wir heute eigentlich? Boh … schön, wenn Du solche Dinge vergisst!).

Der alte Tankwart kann mit seinen Leinen nicht umgehen und hat zwei linke Hände. Beim Losfahren dirigiert er uns direkt auf zwei Jungs in einem Schlauchboot, das vor uns liegt und die leichte Panik bekommen. Aber am Ende sind alle Beteiligten gesund und munter, alle Boote heil und unser Tank wieder voll.

Und nun? Nochmal zurück in den Supramonte, eine Abschiedsnacht in der Cala Luna oder weiter nach Norden?

Da wir mit dem Nordwestwind Maestrale (der hier gefühlt keiner ist, aber morgen zulegen soll), sehr gut nach Norden kämen, entschließen wir uns schweren Herzens zur Weiterfahrt.

Und wir könnten der Cala Liberotto eine zweite Chance geben. Vor Ort entscheiden wir uns dann doch für ihre Nachbarin:

Cala Ginepro 40°26’26.6″N 9°47’23.3″E

Hier treffen wir einen ehemaligen Liegeplatznachbarn wieder. Er hat ein paar Mitsegler dabei und zieht trotzdem sein nacktes Bad durch. Na, why not. Hier stört’s keinen. Weil er jetzt nicht sooo eine Sahneschnitte ist, die man anstarren müsste, unterhalten wir uns mit einem netten Pärchen aus Dänemark, das die Vindö erkannt hat und zu uns herübergeschwommen kommt. In weitem Abstand ein Motorboot. That’s it.

Windstille in der Cala Liberotto

Windstille in der Cala Ginepro

Am Strand ist Halligalli und Animationsprogramm, aber nur bis etwa 18 Uhr.

Dann ist alles still und wir haben die ruhigste Bucht der Welt. Der Rest der Nachmittags-Breeze schläft ein, und wir liegen in einer perfekten Flaute, komplett ohne Welle. Die Dänen lesen ein Buch, auf dem Zweimaster isst man – wieder angezogen – gemütlich zu Abend.

Strom wird nach vier Tagen ohne Hafen zur Mangelware, iPad-Aufladeverbot – heute wird nicht gespielt, ebooks auch nicht gelesen. Unser Solarmodul gibt alles, um uns aufrecht und mobil zu halten.

Wir trinken Wein und knabbern eingelegte Tomaten und Oliven (kein frisches Gemüse mehr an Bord um etwas zu kochen, der Kühlschrank ist ebenfalls aus).

Aber wir freuen uns des Lebens. So geht Urlaub!

Der Rest der Reise

Die Weiterfahrt ist erst unspektakulär, dann surreal.

Wir segeln problemlos nach La Caletta (siehe oben), verbringen eine Nacht dort, laden die Batterien auf und füllen den Wassertank.

Und dann fliegen wir mit einem perfekt-moderaten 12-15-Knoten-Maestrale geradezu vor die Isola Tavolara, kreuzen einfach aus Spaß um die drachenförmige Insel, dann ein Schlag weit hinaus und huiiii – vor die Costa Smeralda.

Porto Rotondo (41°01’44.8″N 9°32’41.0″E)

Wir landen mitten im Ferragosto-Heckmeck. Mitte August ist JEDER hier. Und nun auch wir. Puh.

Zahlen brav den überteuerten Liegeplatz (88 Euro für 9 Meter, zzgl. Verbrauch, ADAC-Rabatt inklusive. Zum Vergleich: die vorherige Nacht in La Caletta gab’s für 51 Euro all inclusive.

In dem Schickimicki-Hafen finden wir nur zwei winzige Duschräume, die auch noch versandet sind.

Nu gut, üblicherweise duscht und badet man hier in seiner 50- bis 100-Meter-Yacht, oder als Club-Mitglied im (wirklich schicken) Yachtclub. Wir haben beides nicht, aber sind nicht unglücklich auf unserem ganz normalen Boot.

Die Al Mirqab gehört dem Scheich, dem auch das Consorzio Costa Smeralda gehört

Die Al Mirqab gehört dem Scheich, dem auch das Consorzio Costa Smeralda gehört

Abends streifen wir ein bisschen durch den ziemlich künstlich wirkenden, aber sehr schön gebauten Hafenort. Die wirklich sehenswerte Kirche San Lorenzo mit sagenhaften Holzskulpturen und -interieur ist leider gerade geschlossen.

Dann treffen wir Freunde, die sich auch die teuerste Jahreszeit und Gegend der Insel für ihren Urlaub ausgesucht haben.

Um halbwegs klarzukommen und nicht ganz die Bodenhaftung zu verlieren, fahren wir ein kleines Stück ins Hinterland, in das hübsche zwischen Felsen liegende Restaurant Pedristellas (facebook-Seite). Es gibt ein gutes sardisches 4-Gänge-Menü im Agriturismo-Stil für erstaunlich kleine 30 Euro pro Nase, plus Wein.

Wir laufen die 5 km zurück in den Hafen. Dort kostet der Absacker-Gin Tonic in der Bar neben dem Yachtclub wieder 14 Euro pro Nase – fast die Hälfte des ganzen Menüs von vorhin. Irgendwie trübt das die Urlaubsfreude. Auch, weil wir wissen, dass es anders geht, und dass das “Mehr” an Geld ja nicht bei den Sarden landet, sondern die eh schon prallen Säcke der Festländer weiter füllt.

Cala di Volpe (41°04’50.4″N 9°32’12.4″E)

Am nächsten Morgen hauen wir nach einem Kaffee direkt ab. Mit dem Soundtrack von “Pirates of the Caribbean” stören wir in der Cala di Volpe die riesigen Millionärsyachten. Da die “A”, dort die “Al Mirqab”, da hinten die “Eclipse” … alle da.

Motoryacht "A" in der Cala di Volpe

Motoryacht “A” in der Cala di Volpe

Das ist ziemlich schräg, und ja, auch irgendwie beeindruckend.

Aber nach der zehnten Yacht und wegen des enormen Wellengangs und Kabbelwelle durch die Jetskis und Tenderboote, die zum Mittagessen ins Hotel Cala di Volpe fahren und dabei natürlich Vollgas geben, lädt uns das nicht zum Ankern ein.

Einen kurzen Stopp machen wir im Bojenfeld vor der Spiaggia Liscia Ruja – erstaunlicherweise kostet uns das nichts – mag aber an unserem feinen kleinen Boot und der kurzen Dauer liegen.

Wir gucken und machen Fotos – aber nach der atemberaubenden Schönheit und Ruhe des Supramonte ist das alles hier extrem surreal. Disneyland für Superreiche. Uns flasht es nicht. Im Gegenteil!

Tolles Schiff, toller Urlaub!

Tolles Schiff, toller Urlaub!

Wir wollen am liebsten direkt wieder zurück, in den Golfo di Orosei 🙂

Cannigione (41°06’26.4″N 9°26’35.6″E)

Geht aber nicht, der Urlaub ist übermorgen vorbei. Wie wir danach wieder arbeiten sollen, wissen wir nicht. Aber das ist ein Problem von nächstem Montag.

Also beenden wir unsere Reise nach einer gemütlichen Fahrt in Cannigione, einem etwas hemdsärmeligeren Hafen. Wir gönnen uns ein fantastisches Abendessen im Restaurant Entro Fuori Bordo direkt am Steg, mit Blick aufs Schiff und einer richtig guten Flasche Wein.

Bis zum nächsten Sardinien-Segelurlaub, gern in der Nebensaison!

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